Berlin - Alexanderplatz und ehem. Königsstadt

  • Hier im Bild gleich zwei Bauprojekte.

    Rechts entsteht ein weiteres Bürogebäude:

    Bürogebäude: Am Alexanderplatz wird die letzte freie Fläche bebaut | entwicklungsstadt berlin

    Und links hinter der Stadtbahn wird gerade der Kaufhof teilweise abgerissen für den Auftakt einer Serie äußerst belangloser Hochhäuser:

    Teil-Abriss von Kaufhof am Alexanderplatz – und danach kratzt Berlin an den Wolken – B.Z. Berlin

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Das äußerst ärgerliche ist ja, dass die Dinger teils von Unter den Linden aus zu sehen sein werden. Die berühmten Blicke vom Bebelplatz richtung Dom und von der Schlossbrücke zum Dom werden bald von belanglosen bis potthässlichen (der Hundeknochen nebem dem Alexa) Hochhäusern entstellt werden. Auf Visualisierungen wird das natürlich nicht dargestellt, denn das würde ja vielleicht für Unmut sorgen.

    Wenn Berlin es wenigstens auf die Reihe brächte, ästhetische Hochhäuser zu bauen. Ja, die soll es tatsächlich geben! Aber in Berlin gibts ja immer nur primitive Bauklötze...

  • Hans Kollhoff hatte Anfang der neunziger Jahren ein ausgezeichnetes Masterplan dafuer mit Hochhaeusern a la New York 1935 sowieso sein Hochhaus aus Backstein am Potsdammer Platz. dieser Plan wurde dann letztendlich leider vom Senat “ abgelehnt”

  • Für den Platz selber stimme ich da sogar zu. Heute ist der Platz und seine Umgebung absolut trashig, künftig rutscht er immerhin in die Mittelklasse.

    Leider ist die Fernwirkung dieser neuen Entwicklung aber eher nachteilig. Berlin ist zwar nicht gerade für seine historische Silhouette bekannt, aber besser machen's diese Boxentürmchen jetzt auch nicht. Gibt ja auch sehenswerte moderne Hochhäuser, wie etwa den Kollhoff Tower am Potsdamer Platz.

  • aber besser machen's diese Boxentürmchen jetzt auch nicht. Gibt ja auch sehenswerte moderne Hochhäuser, wie etwa den Kollhoff Tower am Potsdamer Platz.

    Ich denke da hast du Recht. Die neuen Hochhäuser am Alex machen einfach architektonisch nichts her. Zu banale Allerweltskisten.

    Eine kleine Übersicht über die in der Realisierung bzw. in der Planung befindlichen Projekte:

    Monarch: Trotz Natursteinfassade eine völlig unförmig gestaltete Kiste, besonders in der Fernwirkung

    Hines: Hier ist das gleiche Problem festzustellen, nur noch potenziert

    Civivo: Deutlich erträglicher, aber eben auch nur völlig langweiliges Bauhaus-Retro

    Signa: Der beste unter den vier Giganten, die harmonischste Fassade.

  • Hab mir die verlinkte Doku mal angeschaut. Ich bekomme immer fast einen Lachkrampf, wenn Frau Lüscher sich selbst beweihräuchert und behauptet, sie würde für höchste Qualität sorgen. Berlin würde bald in einer Liga mit London oder New York spielen. Das ist doch Satire, oder? Mittelmaß ist Frau Lüschers zweiter Vorname. Und das ist noch sehr wohlwollend für ihre langweiligen, austauschbaren Kisten überall in der Stadt.
    Da gefiehl es mir, dass die Signa Architekten offen ihr Missfallen über Lompschers und Lüschers Entscheidungen äußerten, und dass die Hines Entwickler an der ursprünglichen Höhe festhalten wollen, und keinen weiteren Stumpf an den Alex stellen wollen.
    Ich hoffe ja, dass durch die Ablösung von Lompscher und Lüscher durch Geisel und Kahlfeldt da wieder mehr machbar ist.

  • Seit wann haben Hochhäuser überhaupt ein städtebauliches Problem gelöst??

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm…_-_Panorama.jpg

    Das jetzige Hochhaus hilft schonmal gar nichts. Aber schauen Wir Uns doch mal andere Orte an, an denen auch einzelne Hochhäuser eingestreut wurden:

    https://www.welcome-to-berlin.com/images/East/Si…mer_Platz_2.jpg

    Gleich in der gleichen Stadt. Wie Wir schon gehört haben, nicht die schlechteste Architektur, aber der Städtebau dort? Ich würde sagen, nicht mehr als ein Durchgangsort.

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm…a%2C_Turkey.JPG

    https://cdn.britannica.com/74/185174-050-…Paseo-de-la.jpg

    https://viajandosemtedio.com.br/wp-content/upl…9/ladefense.jpg

    https://thumbs.dreamstime.com/z/madrid-citys…n-134343753.jpg

    Also, wo sind die Beispiele, wo solche eingestreuten Hochhäuser den Städtebau spürbar verbessert haben? Kommt eine Verbesserung zustande durch die übergroßen Dimensionen, die alles umstehende verzwergen, wenn es nicht auch gigantischer Modernismus ist? Ist die Verbesserung, dass sich die Stadt deutlich mehr aufheizt um solche Spiegelkästen? Ist es die oft fragwürde Nutzung aufgrund der hohen Baukosten als hochprozentig gewerbelastig und damit nachts ausgestorben, oder aber im Hochpreiswohnungssegment, wo dann internationale Käufer ihre Wohnungen leerstehen lassen, auch wieder zum Gewinn der Stadt zu ihren Füßen? Ist es die super dichte Nutzung, die von sehr viel Versorgungsinfrastruktur im Gebäude und Luftraum um die hohen Gebäude herum doch zu einem nicht unerheblichen Teil wieder verschwendet wird? Oder ist es diese unbeschreibliche Skyline, wenn man immer nur mit lokalen und zeitlich begrenzten Konzepten am Ende dann über die ganze Stadt mal hier und da Hochhäuser streut? Ja, also Hochhäuser sind defintiv städtebaulich höchst zu begrüßen.

  • Majorhantines
    Stell dir einfach mal die Stadtviertel, die du uns hier zeigst komplett ohne Höhendominaten vor. Schnöde, moderne Schuhkartons auf gleicher Höhe soweit das Auge reicht. Das ist doch noch schlimmer und öder! Durch die Hochhäuser, von denen das ein oder andere auch durchaus durch seine Architektur und nicht nur durch seine Höhe heraussticht, hat man wenigstens etwas Abwechslung und einige interessante Blickfänge, genau so wie es Kirchtürme oder Rathaustürme in historischen Altstädten sind. Was wären München, Dresden oder Hamburg ohne ihre historischen Skylines?
    Der Alex, der weit und breit umgeben von scheußlichen Plattenriegeln ist, gewinnt deutlich von einigen Höhendominaten. Das Problem ist nur, dass die Architektur der geplanten Türme leider sehr zu wünschen übrig lässt. Der Alex, umgeben von eleganten frühmodernen/Art déco Hochhäusern wäre zu schön gewesen...

  • Stell dir einfach mal die Stadtviertel, die du uns hier zeigst komplett ohne Höhendominaten vor. Schnöde, moderne Schuhkartons auf gleicher Höhe soweit das Auge reicht. Das ist doch noch schlimmer und öder!

    Das ist falsch, weil Du völlig ausblendest, dass die Hochhäuser eine bestimmte Stadtstruktur in Europa vorgeben. Ich hatte das bereits angedeutet, aber hier nochmal ausführlicher: Die Höhendominanten werden bei uns meist als Solitäre entwickelt, die möglichst frei stehen, auch bei Hochhausagglomerationen. So kennt man hier praktisch kaum diese tiefen Schluchten zwischen einer recht schmalen Straße zwischen Hochhäusern, wie in Asien z.B. Was eben bedingt, dass man die Gebäude weit entzerrt. Ich denke man möchte da Verschattung und Windverwirbelungen vorbeugen, aber es führt eben dazu, dass kein Gefüge entsteht, also eher unzusammenhängend wirkt und dabei sehr exponiert offen, mitunter zugig und leer. Verschärfend kommen dann dazu, dass die Baumassen gerade im unteren Bereich der Hochhäuser erzwingen, dass man großvolumige ,,Schuhkartons" unten anfügt, am besten ganze Stadtblocks umfassend, um überhaupt eine Einbetttung zu erreichen. Allein diese zwei Punkte zeigen doch, dass Deine Argumentation vollkommen falsch herum läuft, denn Du willst viele Probleme, die überhaupt erst für die hohe Bauhöhe notwendig sind, mit eben dieser Gebäudeform lösen. Der Alexanderplatz hat u.a. das städtebauliche Problem, dass die einzelnen Gebäude zu weit auseinander stehen für ihre Höhe, ja. Das wird man aber nicht mit ein paar Einzelhochpunkten reparieren, sondern wäre erst wieder gut, wenn man die Kanten (ggf. architektonisch) und vielleicht auch Dimensionen des Platzes verbessert.

    Ich habe mir im Vorfeld durchaus auch schon Überlegungen dazu gemacht, wo denn der Unterschied ist zwischen den auch von Dir genannten historischen Hochpunkten und modernen Hochhäusern. Aber eigentlich habe ich bedeutende Unterschiede bereits herausgearbeitet. Diese historischen Hochpunkte waren nie derartige Fremdkörper, wie es die Hochhäuser sind. Sie haben weder die vorhandene Stadtstruktur gesprengt, noch waren sie in ihrer Detailschärfe unterschiedlich, da sind wir nun bei der Architektur. Grund für den Unterschied sind natürlich die mächtigeren Bauhöhen von heute, welche alles andere vollkommen außer Relation setzt um ein Vielfaches, und auch eine feinere Gestaltung verunmöglicht. Wer würde schon irgendetwas in 150 Meter Höhe erkennen. Auch werden um Kosten im Griff zu halten lieber Leichtbaumaterialien eingesetzt und aufgrund des Brandschutzes wird lieber eher vollverglast. Das trägt zu einer distinktiv anderen Gestalt bei. Zurück zum Städtebau, den es damals nur indirekt gab zumindest für Stadttore und Kirchtürme. Denn die Türme waren eben nicht relativ willkürlich in der Stadt plaziert, wie es heute wirkt bei den Neubauprojekten, sondern sie definierten die Stadtgrenzen, bzw. deren Durchlässe, hatten für die Gesellschaft herausragende Bedeutung und/oder verwiesen auf das geistig, spirituelle Zentrum. Das ist ein ganz anderer Stellenwert als der 30. Hotelturm an einer relativ willkürlichen Ecke. Da ist übrigens dann auch eine Rechtfertigung zum Olympiaturm in München, oder dem Fernsehturm am Alex. Was eigentlich sehr schön zeigt, dass ich nicht einfach nur einer verklärten Vorstellung von Bauhöhe nachhänge.

  • Das sehe ich auch so. Die beulenartigen Ecken der Fassade sind einfach fürchterlich, egal von welcher Seite man guckt. Falls das Projekt nicht weiter verkauft wird besteht die Chance ein besser proportioniertes Hochhaus zu bauen. Und am besten ohne reiche Russen.

  • Ja, es sah aus wie ein grob verpixelter Knochen. Ein echt unansehnliches Ding. Ich bezweifele aber, dass der nächste Entwurf viel besser wird und dann werden es nach neuem Bebauungsplan nur noch 130m anstatt 150m, was den nächsten fetten Stumpf bedeutet. Wenn es schon ein Hochhaus sein muss, und da soll nun mal nach Bebauungsplan eines hin, dann doch bitte wenigstens ein schlankes, aufstrebendes.

  • An der Stelle sollte eigentlich gar kein Hochhaus stehen. Dieses Projekt versaut nämlich die Sichtachse von der Frankfurter Allee zum Fernsehturm, siehe z.B. diese ältere Diskussion im Nachbarforum (dort im falschen Strang gelandet).

    Da hat man in den 90ern gepennt. Wäre in jeder Hinsicht ein Vorteil, wenn der Bauplatz leer bleibt.