Mainz – die südliche Altstadt (Galerie)

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    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • Das Haus zu den Drei Mohren (Neutorstraße 3) gehört zu den bedeutendsten profanen Baudenkmälern in Mainz. Seine außerordentliche Bedeutung erklärt sich durch den Erhaltungszustand, der in dieser Form für ein bürgerliches Gebäude einzigartig ist.
      Das Gebiet, in dem sich das Drei Mohren befindet, gehört zum südlichsten Bereich der Altstadt, die damals noch im Korsett des Festungsgürtels eingezwängt war. Südlich von ihm befand sich bis zum Abriß 1894 das Neutor, das den südlichen Eingangsbereich in die Stadt bildet. Hinter dem Neutor schloß sich noch ein Wall an, sodaß die Neutorstraße auch nicht direkt hinter dem Neutor begann.
      Für den Besucher der Stadt war das Drei Mohren demnach, wenn er durch das Neutor schritt, die erste Visitenkarte der Stadt. Was präsentierte sich ihm?
      Das Drei Mohren ist ein bürgerliches Gebäude, welches in seinen Dimensionen von neun Achsen der Hauptfassade und fünf Achsen der südlichen Seite an die Ausmaße der Adelshöfe heranreichte. Mit dem Chronostichon über dem Portal ist das Gebäude auf 1710 datiert und befindet sich damit in unmittelbarer Tradition des ursprünglich ebenfalls als bürgerlicher Adelshof 1703 gebauten Nitschke´schen Hauses zum neuen Roseneck, welches wenige Jahrzehnte später zum Adelshof befördert wurde und als Wambolter Hof den bekanntesten aller drei Namen hatte (Nach dem Verkauf an die großbürgerliche Familie Lauteren trug es den Namen Lauteren´sches Haus). 1953 wurde dieses Haus an der Emmeransstraße ohne Sinn und Verstand abgerissen.
      Der Bauherr des Drei Mohren ist nicht bekannt. Durch die Hauszeichen (Schwan und Anker) ist ein Hinweis auf Süßwasser gegeben; der bürgerliche Bauherr müßte seine Profeß in der Fischerei und/oder Schiffahrt gefunden haben; auch die Inschrift "Moeno haec rhenoque secundo" (unter dem Schutz des Rheins und des Maines stehend) läßt diese Vermutung entstehen. Auf dem Areal muß sich zuvor kurzzeitig ein Brauhaus befunden haben (1687 genannt). In der Stadtaufnahme von 1747 wird es als "auf einem leeren platz ganz neuerbautes haus, zu denen 3 Mohren genannt" aufgeführt.




















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    • Mit großer Freude konnte ich heute nachmittag zur Kenntnis nehmen, daß ausgerechnet am heiligen Samstag diese Galerie auf die Zahl von 11.111 Zugriffen blicken konnte. Hierfür herzlichen Dank! Im übrigen sei empfohlen, die Gebäude in Natura zu sehen, vielleicht morgen oder übermorgen zur Fassenacht; auch wenn manche Hauseingänge zur Zeit mit einer temporären Feuchtigkeitssperre versehen sind, wie heute morgen erkennbar.

      Die folgenden Bilder haben ihren Ursprung in der Übergangszeit vom 19. zum frühen 20. Jhd. Damals galten wir noch als die schönste Stadt Hessens. Wir haben es inzwischen zwar glücklicherweise geschafft, uns diese schrecklichen Hessen vom Hals zu schaffen; aber mit der Nachhaltigkeit hat es dann doch nicht so wirklich hingehauen, verbringt doch statistisch gesehen jeder zweite Hesse seine Zeit am liebsten in Mainz.

      Von der westlichen Seite der Augustinerstraße wurde in zwei Abschnitten etwa um 1860 und 1900 der mittlere Bereich der Gebäude abgetragen, zum Zweck der Straßenverbreiterung etwa 2 m. nach hinten versetzt und auf dem Gebiet des ehemaligen Karthäuserklosters eine neue Straße, die Karthäuserstraße, angelegt, sodaß es durch den Abbruch der hier zuvor befindlichen Bebauung zu einer Einmündung der Karthäuserstraße in die Augustinerstraße kam. In diesem Bereich befand sich der weit ausladende Bezirk des alten Patrizierbesitzes "Zur Großen Eich", der sich auf mehrere Parzellen erstreckte.
      Die folgenden Bilder sind Bestandteil des heutigen Bezirks Karthäuserstraße 13, genauer gesagt vom Hofgebäude im Hinterhof, der durch das Hoftor nicht immer zugänglich ist, aber durch einen Durchgang auf der Südseite der Badergasse erreichbar ist.
      Am Zwerchhaus dieses Hofgebäudes sind in neuer Zusammenstellung Spolien eines Fachwerkbaus eingefügt worden, deren Herkunft auf das originale Haus bezogen, nicht zweifelsfrei geklärt ist. Es könnte sich sowohl um ein Gebäude an der Augustinerstraße als auch um ein solches im Bereich des Karthäuserklosters gehandelt haben.
      Erhalten sind ungewöhnlich reich geschnitzte Pfosten und Streben mit figürlichem und floralen Renaissanceschmuck. Besonders prachtvoll sind zwei Pfosten mit Flechtbandmotivik, aus denen ein Frauen- und ein Männerleib entwachsen. Der zugehörige Sturz ist erhalten und auf 1595 datiert. Auch die Eckpfosten tragen figürliche Gestaltung.
      Etwas bedauerlich ist der Umstand, daß in den letzten 20 Jahren das Holz mit einer Farbschicht regelrecht zugeschmiert wurde; dies war in den 1980er Jahren noch nicht der Fall.
      Da die südliche Altstadt ja auch exemplarisch die Entwicklung der gesamten ehemaligen Innenstadt belegen muß, kommen diesen singulären Spolien auch eine größere Bedeutung zu. Ihre Qualität ist in dieser Form einzigartig; gemeinsam mit dem teilweise erhaltenen Obergeschoß von Heiliggrabgasse 8 stellen sie auch die letzten erhaltenen Zeugen dar.








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    • Ganz in Domnähe, am Übergang zwischen Liebfrauenplatz und Fischtorplatz, verläuft die Scharngasse in südlicher Richtung Richtung Grebenstraße. Wenn auch nur noch zwei der ursprünglichen Häuser überlebt haben, ist doch der Verlauf wenigstens noch teilweise der alte geblieben. Gleichzeitig hat sich im Verlauf eine der wenigen Straßenzüge erhalten, bei denen noch eine Verknüpfung zur ursprünglichen Funktion herleitbar ist, wie der Name sagt, die der Metzgerzunft. Die Benennung Scharngasse als Ableitung von mhd. Scranna ist übrigens näher am Original, als die Frankfurter Schirn. Die Scharngasse war einer der Straßenzüge, der direkt hinter der Stadtmauer verlief. Ein besonderes historisches Bonmot und insofern typisch für Alt-Mainz ist, daß man eine ehemalige gotische profanierte Galluskapelle zur Wurstküche umfunktionierte, aber der etwas deftige Mainzer Volksmund für diese Kapelle seine Spötteleien nicht lassen konnte und den Namen "Sülzenkapelle" erfand... (!!!) Die ausgebrannte Sülzenkapelle wurde in der "Wiederaufbauphase" abgerissen.
      Deutlich erkennnbar ist, daß die beiden Häuser auf Resten der alten Stadtmauer errichtet wurden, von der man auch noch ein weiteres Stück rechts im Bild sieht.



      Scharngasse 16 (rechts) und 18 (Mitte), beide 1870 auf alten Parzellen neu erbaut









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    • Ein neues grünes Kleid für die Goldene Stadt, gesehen vom 7. Stock des Vincenzkrankenhauses:



      Im Hintergrund die Heimat feindlich gesinnter kriegerischer Chatten. Da isses net schee...



      St. Stefan und Christuskirche



      Theater, Deutschhaus, Alte Universität und Quintinskirche



      Dom vom Theater aus



      Der Zitadellenweinberg



      Jupitersäule, Davitius-Victor-Bogen und die Kuppel der Christuskirche
      (Auf dem Weg vom Urlaub her kommt ein Leichenzug daher. Beim Jupiter, was bin ich froh, die Leich ist mein Zenturio). floet:)



      Frühling auch vorm Deutschhaus...



      ...und im Domkreuzgang



      Dies freut nicht nur das Liebespaar vom gleichnamigen Haus bzw. Haus zur Kinderliebe/ zur Geschwisterliebe, ehemals Korbgasse 8 sowie die Figur des Stadtpatrons St. Martin vom Gotischen Kaufhaus am Brand links hinten (beide heute im Landesmuseum)...



      ...sondern auch den großen Mainzer Bildhauer Johann Sebastian Barnabas Pfaff (auch Landesmuseum).



      Figur der Mantelteilung des St. Martin (um 1530/40) von der Domstiftskurie Zum Stecken (nach 1945 abgerissen), links davon die Madonna aus der Schloßkirche St. Gangolf (von den Franzosen abgerissen), zu sehen im Obergeschoß des Domkreuzgangs...



      ...wie auch die Figuren der Hl. Barbara, Katharina, Alban und Georg vom Memorienportal (ca. 1410/20) von Madern Gerthener.



      Mir sehe uns!

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    • Das Gebäude Weihergartenstraße 5 ist zwar ein wenig sehr schwer zu fotografieren, aber die Entschädigung hierfür ist mehr als reichlich. Mit der Weihergartenstraße 5 ist in Mainz das profane Gebäude erhalten, bei dem man mit einem unbeschreibbaren Stolz und gleichzeitig auch mit einem Gefühl der Erhabenheit sagen darf, daß in ihm ein Stück Menschheitsgeschichte geschrieben wurde: wir befinden uns bei:




      und sofort wird man daran erinnert, daß die ganz außerordentliche Bedeutung, die Johann Bernhard Schott´s Musikverlag schon bald nach seiner Gründung erlangen sollte, mit der Zusammenarbeit mit Mozart, folgend mit der Urverlegung des "Don Giovanni" und der "Entführung aus dem Serail" begann, wie vor allem auch im 19. Jhd. eine nicht zu unterschätzende Bedeutung in der Zusammenarbeit mit Richard Wagner und folgend die Verlegung eines substantiellen Teils seiner Werke. Und mit ganz außergewöhnlicher Freude wird man sich auch erinnern, daß mit der Urverlegung von Beethovens Neunter und damit auch mit dem Schlußchor, dem "Freude schöner Götterfunken", nach der Entwicklung der Druckkunst, zum zweiten mal vom Boden der Goldenen Stadt aus der Erdball revolutioniert wurde.

      Wenn auch das klassizistische Gebäude Weihergartenstraße 5 im allgemeinen für den Publikumsverkehr geschlossen ist, ist es dennoch möglich, einen Eindruck vom Treppenhaus zu gewinnen, welches gleichzeitig zu den wenigen erhaltenen Beispielen des 18. Jhd. gehört.







      Richard Wagners Büste in der Torfahrt



      zwei Durchgänge links und rechts der Torfahrt







      Dieses Tor führt ins Paradies! Jedenfalls betreten wir mit dem Garten von Weihergartenstraße 5 die schönste Gartenanlage der ganzen Stadt und auch das schönste Innenhofquartier.



      Blick auf die Nordseite des Innenhofs...



      sowie der Blick auf die Westseite



      Stadtgeschichtlich nicht uninteressant ist der hier zu sehende Rest eines Teils des Geländers aus dem Akademiesaal des Schlosses, welches z.B. auf die ersten Sitzungen des Jakobinerclubs während der Zeit der ersten Demokratischen Epoche Deutschlands während der kurzlebigen Mainzer Republik als auch kurz anschließend auf den Prozess des Johannes Bückler, a.k.a. Schinderhannes, (wie auch auf diejenigen seiner Spießgesellen, z.B. den "Schwarzen Peter"),hinabblickte.







      Blick auf die südliche Seite des Innenhofs...



      und auf die südwestliche Ecke.



      Ein Blickfang der Anlage ist der Brunnen:



      Blick auf die Südseite gemeinsam mit der östlichen Ecke



      Eine Momentaufnahme über einem Türsturz, der in den südlichen Teil führt



      der östliche Bereich des Innenhofs



      Im westlichen Bereich ist ein Laubengang erhalten, der in dieser Art ein Unikat in der ganzen Altstadt darstellt. Hier sehen wir den wohl schönsten Türrahmen in Louis-XVI, den Mainz zu bieten hat:









      Bekanntlicherweise blieb Mainz nicht immer Mainz. Es fanden sich auch Epochen, in denen man nicht nur von Mayence, sondern auch von einer der "guten Städte des Imperiums" sprach (Jedenfalls hat Monsieur Magenkrank Bonaparte die Stadt so ausgezeichnet). Von der folgenden Tafel dürften vermutlich nur eine ganz geringe Zahl von Eingeweihten wissen, aber desungeachtet war sie doch die wenn auch kurzfristige Straßenbenennung "der" Mainzer Straße, der Emmeransstraße. Kein Grund also, daß sie nicht ihren Weg ins APHforum findet.

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    • An den Nahtstellen der Augustinerstraße und der Leichhofstraße sowie zwischen Grebenstraße und Heiliggrabgasse bildet sich zwischen dem Weinhaus zum Spiegel, Leichhofstraße 1, sowie dem bedeutendsten Bürgerhaus der Altstadt Zum Spiegelberg, Augustinerstraße 75, der wertvollste aller Mainzer Stadträume. Zwischen Augustinerstraße 75 und Heiliggrabgasse führt der Weg durch den hier zu sehenden Bogen hindurch zum Bockshöfchen. Das Bockshöfchen selbst läßt in seiner Namensgebung eine Doppelbedeutung erkennen, die sich durch das einstmals hier stehende Haus zum Bockshof und dessen vorderen Hofbereich in der Art eines Innenhofs erklärt, welches einst gemeinsam mit dem ebenfalls zerstörten gotischen Hinterhaus von Kirschgarten 29 für diesen Bereich der Altstadt zwei außerordentlich bedeutende Gebäude bedeuteten. Mangels Fotomaterial des Hauses zum Bockhof ist dieser Beitrag ein kleiner Sonderfall, da die Gebäude von der Zählung her zur Augustinerstraße und zur Heiliggrabgasse gehören, andererseits aber das heutige Bockhöfchen von dessen Hinterfassaden geprägt wird und ein kleiner Stadtraum für sich ist, der im allgemeinen auch mangels Unkenntnis trotz der äußerst prominenten Lage unbekannt bleibt.
      Zunächst die Situation vom nördlichen Ende der Augustinerstraße aus: vor dem etwa um 1610 entstandenen, extrem bedeutenden Haus zum Spiegelberg (#75) ist rechterhand der Durchgangsbogen in das Bockhöfchen zu erkennen, wie auch das von vorne unspektakuläre Haus zum Eichhorn, Heiliggrabgasse 12.



      Das von vorne eher unspektakulär und klassizistisch wirkende Gebäude läßt seitlich Fachwerk erkennen, welches sich wohl hauptsächlich aus einem Umbau oder weitgehenden Neubau im 18. Jhd. auf der recht langgestreckten Parzelle zusammensetzt. Eine Korrektur der straßenseitigen Fassade wird für den Anfang des 19. Jhd. vermutet.



      In umgekehrter Richtung ergibt sich eines der schönsten Mainzer Motive überhaupt im Blick auf den großen und kleinen Gaukelstein, Leichhofstraße 4.



      Ein in dieser Form einzigartiger Raumeindruck ergibt sich im Durchgang der beiden Häuser durch die relative Enge, aber auch in der Kombination eines verschieferten Fachwerkgebäudes sowie einem freigelegten. Auch eine schwache Vision von einigen Frankfurter Gassen mag sich hier ergeben.



      Folgend nun ein Blick auf den erhaltenen Restbestand des Hintergebäudes "Zum alten Diefenhaus". Aus baugeschichtlicher Sicht ist das heutige Hintergebäude von Heiliggrabgasse außerordentlich bedeutsam, obwohl sowohl der Dachbereich als auch das 2. OG kriegszerstört sind. Auf einem massiven Erdgeschoß erhebt sich das erste OG in gotischem Fachwerk, dessen ältesten Teile Eck- und Bundpfosten mit wandhohen Streben bilden. Diese kreuzen sich nach oben mit eingeblatteten Gegenstreben. Gemeinsam mit dem Haus zum Aschaffenberg am Kirschgarten und Teilen des Leininger Hofs ist damit das älteste Fachwerk der Stadt erhalten. Erkennbar ist, daß nach der Kriegszerstörung dieses OG mit dem provisorischen Dach vor dem Auseinanderdriften gesichert wurde.







      Als Point-de-vue nach der Zerstörung des Hauses zum Bockshof ist eines der Portale des Bischöflichen Palais am Bischofsplatz an dieser Stelle plaziert worden. Dieses Detail, die Translozierung und Standortverschiebungen von den wenigen gesicherten Spolien der kriegszerstörten Altstadt läßt sich öfter beobachten. Da das Bockshöfchen schon außerhalb der Wahrnehmung liegt, ist es natürlich auch klar, daß dieses Portal nur eine marginale Beachtung erfährt. Auch zwei der Fensterkörbe des Bischöflichen Palais sind hier angebracht.



      Auf der Südseite des Bockshofes standen bis 1945 drei Häuser, die wahrscheinlich allesamt den Namen "Zum bunten Mantel" trugen. An dieser Stelle kam es in Verbindung zum Kirschgarten ebenfalls zu einer Totalzerstörung dieser Häuser, wobei man es als den größtmöglichen profanen Glücksfall ansehen muß, daß das Haus zum Spiegelberg überleben konnte. Auf den folgenden Bildern ist zu sehen, daß sich die Nachfolgebebauung im Vergleich zur Rückseite des Spiegelbergs recht bescheiden ausnimmt.







      Eine Abfotografie aus Ernst Stephan, Das Bürgerhaus in Mainz, zeigt die ehemalige Westseite des Bockshöfchens mit dem Haus zum Bockshof, ebenfalls etwa um 1610 erbaut.

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    • Räumlich gesehen paßt dieses Foto recht gut zum Vorbeitrag zum Bockhöfchen. Der Standort ist nur wenige Meter südlich zwischen Kirschgarten und Augustinerstraße. Zeitgeschichtlich interessant ist es deswegen, da es den Zustand von 1958 abbildet. An die Stelle des kriegszerstörten gotischen Fachwerkhauses Zum großen Elefanten ist ein eingeschossiges Provisorium getreten. Dadurch ist die Brandwand des Hauses zum kleinen Elefanten, welches etwa um 1773 errichtet wurde, als rein konstruktives Fachwerk zu sehen. Am besten bekannt dürfte uns das heutige Weinhaus zum Spiegel sein, welches aber damals noch nicht mit Schoppen, Sauergespritztem, Handkees und Co. handelte, sondern mit Werkzeug und Maschinen. Die Leichhofstraße hat nach Beseitigung der Kriegsschäden ihr bis heute vertrautes Bild bewahrt, wenn auch das Haus zum Schildknecht heute kein Hotel mehr ist. Nicht uninteressant ist rechts der Zustand des Eckhauses von Augustinerstraße und Grebenstraße, dem ehemaligen Haus zur Blume, bei dem das obere Geschoss ausgebrannt war, das weitere Gebäude jedoch noch genutzt wurde. Aufgrund der Fenster hatte ich das Haus immer um 1770 herum eingeschätzt. Durch das präzise Foto stellt sich natürlich die Frage, ob es denn doch aus dem 19. Jhd. gestammt haben könnte - wieder eine offene Frage. An seiner Stelle steht nun ein Bau wohl aus der ersten Hälfte der 70er Jahre. Als reguläre Verkehrsstraße mißbraucht, entfaltete sich die Augustinerstraße durch die sukzessive Sanierung der Altstadt erst nach und nach aus ihrem Kokon. Daß sie heute vorrangig eine Fußgängerzone ist, ist insoweit ein noch nicht besonders lange bestehendes Novum. Wie man hier erkennt, führen noch die Gleise von der "Elektrisch" durch Leichhofstraße und die Augustinerstraße. Sogar die Rosenmontagsumzüge führten noch bis vor einigen Jahren durch die Augustinerstraße, was besonders am engen südlichen Ende immer wieder ein Problem darstellte, was ich als damals aktiver und mitmarschiedender Musiker nur zu gut bestätigen kann.

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    • "Weingeist" war so freundlich, mir eine kurze fachkundige (Teil-)Führung zu geben. Einige Bilder habe ich geschossen und möchte sie dem Forum darreichen. Ich möchte "Weingeist" aber nicht in die Parade fahren. Wenn irgendein Bild nicht in den Strang hineinpasst, kann es auch gelöscht werden. Zudem kann er gerne Kommentare zum Gezeigten abgeben, zu denen mir die Fachkompetenz fehlt.


      (Römischer Drususstein auf dem Gelände der Zitadelle)


      (Zitadelle)


      (Eingang zur Altstadt; barockes Portal und Erdgeschoss, darüber Nachkriegsneubau)












      (alte Tür)




      (Romanischer Wohnturm; Teilrekonstruktion)




      (Augustinerstraße)










      (Der grausam hässliche Neubau hinter der historischen Marktfassade)



      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Heimdall ()

    • Nun noch ein paar bemerkenswerte Bauten der Nachkriegszeit und Postmoderne in der Mainzer Altstadt. Man sieht, dass man schon einmal hinsichtlich Ensemble-Einpassung viel weiter war als heute, wo Neo-Bauhaus, Dekonstruktivismus und Strichcodefassaden durchs Land stapfen.


      (Nachkriegsbau)


      (Neubau)


      (Neubau; "Weingeist" möge mich korrigieren, wenn ich falsches sage)


      (Neubau; "Weingeist" möge mich korrigieren, wenn ich falsches sage)


      (Postmoderne)


      (Postmoderne)

      Und etwas off topic, da nicht in der Altstadt, sondern der Neustadt gelegen, dieser Nachkriegsbau mit bemerkenswerter Fassadenbemalung. Hoffentlich bleibt das erhalten und verschwindet nicht eines Tages unter Wärmedämmplatten:

    • Heimdall schrieb:

      Man sieht, dass man schon einmal hinsichtlich Ensemble-Einpassung viel weiter war als heute, wo Neo-Bauhaus, Dekonstruktivismus und Strichcodefassaden durchs Land stapfen.
      In der Tat ist die Entwicklung der letzten Zeit sehr bedenklich. Historisierend wird selbst in erhaltenen Ensembles nicht mehr gebaut wie es scheint.
      Ästhetisch verroht wie die meisten heute sind, leider hat sich mein Pessimismus dahingehend schon oft bestätigt, stört das auch niemand, im Gegenteil. Man kann sich dadurch selbst in Hinterposemuckel als Teil der modernen, großen Welt fühlen.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • Wesers Frage beantworte ich sehr gerne, wenn auch etwas verspätet.
      Die Heiliggrabgasse 8 (Zur Weissenburg) ist heute in der jetzigen Form in der Mainzer Altstadt ebenfalls ein Solitär. Ihr Standort an der Heiliggrabgasse sowie auf der rückwärtigen Seite zur Johanniterkommende Heilig Grab hin ist uraltes Siedlungsgebiet in direkter Nähe zum Dom und zum Leichhof. Das Haus selbst müßte anhand der beiden noch lesbaren Ziffern 16 und 21 in zwei Balken recht genau um 1621 entstanden sein und repräsentiert damit auch einen Haustyp am Übergang von der Nachgotik hin zur Renaissance. Wie für die Alt-Mainzer Geschäftshäuser üblich, hat auch hier das massive Erdgeschoß seine drei Ladenarkaden aus rotem Sandstein, bei denen im Hinblick auf die Parzellenbreite auffällt, daß sie ganz ungeheuerlich weit ausladen und strenggenommen einen Korbbogen bilden. In dieser Form sind sie in der Restaltstadt ein Solitär. Dennoch stehen diese noch ganz in der Tradition der Nachgotik, zu sehen in den Überstäbungen und den Archivolten. Das ursprünglich giebelständige Haus wies zwei Obergeschosse in Fachwerk auf und hatte entsprechend der Symetrie der Ladenarkaden je drei Fenster. Das erhaltene Fachwerk des ersten Obergeschosses und insbesondere die Eckständer gehören mit dem unmittelbar benachbarten Spiegelberg in der Augustinerstraße 75 sowie den Spolien der ehemaligen "Großen Eich" im Hinterhof der Karthäuserstraße zu den bedeutendsten, überhaupt erhaltenen Zeugnissen von Renaissance-Fachwerk in der gesamten Altstadt. Gleichzeitig wird einem ins Gedächtnis gerufen, daß das Haus das Glück hatte, die Zerstörungen des dreissigjährigen Kriegs zu überstehen, währenddessen das rechts benachbarte Quartier zwischen Heiliggrabgasse und Leichhofstraße vollständig zerstört wurde. Auch die Bombardierung der Stadt 1793 überlebte die Weissenburg.
      Durch die Zerstörung des nördlich anschließenden Hauses "Zum Drachenfels" in der Heiliggrabgasse 1945, wie auch in Folge im Quartier zwischen Heiliggrabgasse und Johannisstraße, wurde die Weissenburg ebenfalls stark zerstört und verlor das 2. OG sowie das Giebel- und Dachgeschoß. Bis etwa um 1990 bestand der erhaltene Rest des Hauses nach dem ersten OG notdürftig mit einem Flachdach gesichert, als Provisorium. Um diesen Zeitpunkt erfolgte durch das Bistum als Grundeigentümer und Bauherrn ein Neubau unter Verwendung der erhaltenen Reste im EG und OG. Das Fachwerk des ersten OG wurde hierbei integriert, aber mit Ergänzungen in neuer Komposition entgegen dem Original neu zusammengestellt. Entgegen den symetrischen drei Fenstern des neuen 2. OG sind die Fenster im ersten OG nun unregelmäßig und asymetrisch. Die Lösung, das zweite OG massiv zu bauen, zu verputzen, und dem Putz eine Terracotta-Farbgebung zu geben, darf man auch heute anerkennen, ist doch eine Lösung gefunden worden, die für die Altstadt nach wie vor ein gutes Beispiel geben würde. Auch das Giebelgeschoß entfaltet beim Gang nach Süden in der engen Heiliggrabgasse eine kraftvolle Dominanz und leitet über zu den besonders kostbaren Zeugnissen des Hauses zum Spiegel wie auch insbesondere des Hauses zum Spiegelberg.











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    • Ja Weser, das stimmt, das Haus überstand das Jahr 1793 und wurde 1945 im Ober- und Giebelgeschoß zerstört. Glücklicherweise blieb wenigstens das Erdgeschoß und das erste OG erhalten.
      Von der angesprochenen Heiliggrabgasse 8 ist mir bisher noch kein altes Foto bekannt geworden. Auf der folgenden, sehr alten Karte ist das Ensemble mit etwas Fantasie erkennbar. In einer nicht gerade häufig verwendeten Kameraposition im ersten Stock wurde wohl aus dem Haus Augustinerstraße 60/ 62 heraus in Richtung Heiliggrabgasse fotografiert. Links angeschnitten ist der kleine Elefant, es folgt der Spiegelberg. Ihm schließen sich an die Heiliggrabgasse 12 (Zum Eichhorn) und 10 (Zur Weinrebe). Anschließend ist das Haus zur Weissenburg recht genau in der Bildmitte zu sehen, noch mit dem Nachbarn, das Haus zum Drachenfels. Rechterhand unser alter Bekannter, der Spiegel.

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    • Am bedeutenden Ensemble neben den "Drei Mohren" in der Neutorstraße wurden in den vergangenen Wochen die beiden spätbarocken Häuser 5 und 7 saniert, die in der Stadtaufnahme von 1747 als "ganz neu erbaut" bezeichnet werden. Diese beiden dreiachsigen Häuser sind zwei sehr wichtige Beispiele von Wohnhäusern der bodenständigen Handwerker, Fischer und Schiffer in dieser Zeit, wobei sich bei diesen beiden Häusern mehr als deutlich zeigt, wie selbstverständlich die Bauherren ihre Häuser im Stil der Zeit und inmitten der Prachtbauten des Adels und des Klerus erichteten. Dennoch ist speziell dieser Typus, vor allem auch das sehr aufwendige Portal der 7, bereits vor 1942 nicht wirklich häufig gewesen.
      Man hat diese Häuser auch vor der Sanierung natürlich gekannt und geliebt. Die jetzige Sanierung betreffend möchte man vor Freude in die Luft springen. Qualitativ hochwertig, die typischen Farben, die ein Mainzer Bürgerhaus haben muß, das Portal und die Fensterrahmen erste Sahne, eine feine und vornehme Eleganz und nun eines der wichtigsten erhaltenen Häuser aus der Mitte des 18. Jhd. Zum dahinschmelzen! Möge das Ensemble viele Freunde finden.



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    • Vielen lieben Dank für die Vorstellung der beiden Bauten. Hast du auch Bilder des Vorzustandes?

      Was mir an den Gebäuden auffällt, und das soll ausdrücklich keine negative Kritik sein, ist eine gewisse "Sterilität", die man ja gern Rekonstruktionen zum Vorwurf macht. Woran das wohl liegt?
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Es müßte etwa in den Jahren 1997 oder 1998 gewesen sein, als die Kreisverwaltung Mainz-Bingen aus dem Erthaler Hof (nach knapp 170 Jahren) ausgezogen war und der ansonsten top erhaltene Erthaler Hof saniert wurde. Man hat ihn immer nur knallegelb gekannt und es war damals eine große Umgewöhnung, sich an seine neugewonnene Farbigkeit zu gewöhnen. Nach den Befunden und zahlreich erhaltenen Bauakten wurden die Sandsteinrahmen wieder dreifach rot gefaßt, die Faschen sind kalkweiß und die Putzflächen in einem hellen lichtgrau. Die vorhergehende Fassung stammte wohl aus den 50ern oder 60ern. Das war die Zeit, in der die Herren Entscheidungsträger in den Ämtern im Hinterzimmer ihre Entscheidungen trafen (einschließlich der so zahlreichen Abrisse) und diese Herren ein so ausgeprägtes Ego hatten, daß eine andere Meinung oder auch die Darlegung von Fakten mehr oder weniger unmöglich war. Man hatte ein Amt und somit Recht. Diese Herrschaften scheinen teilweise von den so schwülstigen Fantasie-Heimatfilmen der 50er beeinflußt worden zu sein: Gelb ist schön, man hat irgendwann mal was von Habsburg-Lothringen gehört und daß die irgendwie so Gelb-Schwarz sind - also wird z.B. die Fassade vom Erthaler Hof Gelb angeschmiert - ist doch schön.
      Was jedem eigentlich direkt auffallen müßte, der Mainz mit offenen Augen durchwandert, ist die typische Farbgebung in Rot-Weiß, im Stadtwappen und auch im Stadtbild. Roter Sandstein und weißer Putz sind sozusagen die Basis aller Gebäude. Auch Neutorstraße 7 hat eine Roßkur in Habsburg-Lothringen erhalten und eine Sanierung war zuletzt durchaus gerechtfertigt.
      Das Ergebnis kann ich jedenfalls heiter und gelassen betrachten, denn die Farbgebung richtet sich nach den originalen Vorgaben. Ich denke, daß diese Gebäude kurz nach ihrer Fertigstellung auch nicht wesentlich anders gewirkt haben; und dann kommt hinzu, daß ein frisch behauener Sandstein nun mal sehr glatt aussieht und erst seine Patina ansetzen muß.

      So hat´s bis dato ausgesehen... (s.u.). Das EG der 5 hat einige Umbauten erfahren; die 7 ist das wohl bedeutendste und besterhaltene Bürgerhaus der Epoche in der Neutorstraße; nach zwei Jahren hat auch diese Fassade ihre Patina.







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    • Was mir an den Gebäuden auffällt, und das soll ausdrücklich keine negative Kritik sein, ist eine gewisse "Sterilität", die man ja gern Rekonstruktionen zum Vorwurf macht. Woran das wohl liegt?



      Wohl am spiegelnden Fensterglas, in D offenbar hochbeliebt, woanders kaum bei Altbauten zu sehen.
      Macht einen sehr unangenehmen, postmodernen Eindruck.
      Daher hauen mich diese Revonierungen alles andere als vom Hocker, obwohl an den Fassaden nichts auszusetzen ist.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)