Der Dresdner Ring - Geschichte, Gegenwart und Zukunft

Wir wünschen allen Nutzern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2021
  • Wer sind jetzt DIE Dresdner? Und warum wollen SIE das Zustellen mit minderwertiger Architektur? Das Forcieren zum Zuklotzen der Innenstadt mit banaler Abschreibungsarchitektur liegt sicherlich nicht im Interesse der Dresdner, sehr wohl aber die Ausbildung einer urbanen Stadt mit Straßen, Plätzen, Gassen und gut gestalteten Grünflächen. Leider ist dafür in vielen Fällen nicht das richtige Personal an den Schalthebeln, weder in den Amtsstuben, noch in der Politik. So bleibt es beim Klein Klein, dem Erfüllen von Partikularinteressen und dem Überlassen des Feldes für Großinvestoren mit geringem Interesse für lokale Bautradition. Schlimmer noch, wenn Ihnen seitens einer Verwaltung Architekturbüros aufs Auge gedrückt werden, denen das - obwohl vor Ort ansässig - ebenfalls total egal ist. Der Rest ist blinder Glaube an Investoren- und Architekturprosa mit optimierten Visualisierungen und Aufhübschungen wie Gründächern und ähnlichem, die als erstes dem Rotstift zum Opfer fallen. Aber ist ja Wurscht. Prüft ja keiner mehr nach, wenn dann doch nur Kiesel auf dem Flachdach rumliegt.

  • Wer sind jetzt DIE Dresdner? Und warum wollen SIE das Zustellen mit minderwertiger Architektur?

    Ich weiß, die Aussage war natürlich pauschalisierend. Ich habe selbst Bekannte in Dresden wohnen, die sich gegen dieses Zumüllen wenden. Und Dresdner Foristen wie "Matielli" (sofern ich hinsichtlich des Wohnorts richtig liege), werden das auch nicht wollen.

    Ich bezog mich dabei einfach auf gewisse Diskussions-Erfahrungen mit Dresdner Mitforisten, die eben die Bebauung und "Urbanisierung" der Dresdner Innenstadt als Primärziel postuliert haben, während die Gestalt der nachverdichtenden Architektur als zweitrangig dargestellt wurde, so lange diese irgendwie "solide" erscheint sowie der Blockrand eingehalten wird.

  • Heimdall, genau so ist es. Hauptsache erst mal Stadt und nicht weiter Vorstadtsiedlungsstrukturen im Zentrum.

    Alles was nicht perfekt ist, ist immer noch besser als die Ödnis der City bis in die 2000-er.

    Komm mal raus aus dem Elfenbeinturm...


    Und in 30 oder 50 Jahren wird sich auch das jetzt "Hingeklotzte" weiterentwickeln. Städte wie Rotterdam oder Köln haben sich nach dem ersten Nachkriegs-Wiederaufbau auch weiter entwickelt.

    Urbanität kann man leider kaum künstlich erzeugen.

  • Ich wüsste nicht, was das mit Elfenbeinturm zu tun hat. Die Dresdner müssen mit den Neubauten leben, nicht ich, der weit entfernt wohnt.


    Das Thema war die innerstädtische Erwärmung und die Sinnhaftigkeit oder Unsinnigkeit der Maßnahme von Dachgräsern dagegen. Ich habe geschrieben, dass die innerstädtische Erwärmung auch ein Preis des ganz bewussten Wunsches nach "Urbanität"/Verdichtung ist, denn man könnte ja die Freiflächen ökologisch sinnvoll mit Pflanzen verdichten, damit es gar nicht so viel Erwärmung gäbe. Und die Gräser, die dann nicht mal gesät werden, werden jene nun einmal nicht kompensieren. Alles kann man eben nicht haben.


    Die Sache mit den 30 oder 50 Jahren ist natürlich auch so eine Sache. Man hört das immer mal im Forum, dass gewisse Neubauten ohnehin "in 20 Jahren wieder abgerissen" würden. Woher kommt diese Sicherheit? Auch "30 oder 50 Jahren" bedeutet für nicht so wenige von uns die gesamte Restzeit unseres Lebens bis zur letzten Bettung. Manch einer, der heute behauptet, dass sich alles nach 50 Jahren zum Besseren wenden werde, wird sich da gen Nirwana verflüchtigt haben und nicht mehr zur Rechenschaft zu ziehen sein. Da vermag es wenig zu trösten, dass es danach besser werden könnte. Natürlich entwickelt sich alles weiter, aber die Frage ist dabei, ob es sich auch zum besseren entwickelt. Wer garantiert, dass nach den Klötzen nicht noch schlechtere Klötze folgen?... Ich vermute mal, niemand. Aber damit (siehe oben) müssen eben die Dresdner leben, nicht ich.

  • Genau. Und ich denke die meisten können auf solche Hinweise von außen verzichten, weil sie so gar nichts bringen...

  • Könnte man natürlich auf das ganze Forum übertragen.

    Was äußert sich z.B. ein Wiener zu Heiligendamm? Oder einer aus Frankfurt zu Magdeburg? Oder ein Leipziger zu Köln? Bringt ja nichts. Darauf kann verzichtet werden.

  • Vor allem kann man auf Äußerungen von jemandem verzichten, der scheinbar

    - wenig Kenntnis zum Zustand einer Stadt nach kompletter Abräumung hat,

    - von daher über "Bewaldung" innerstädtischer Flächen zur Temperatursenkung nachdenkt

    - und eine erneute "Stadtwerdung" in einer Metropole (zudem außerhalb seines Lebens- und Kenntnisumfeldes) an seiner eigenen Lebenserwartung ausrichtet... ("die gesamte Restzeit unseres Lebens bis zur letzten Bettung") .


    Übrigens soll genau mit den Bekundungen für (Rasenflächen und) Bäume gerade das Hotel Stadt Rom verhindert werden...

  • Um mal beim Thema "Der Dresdner Ring" zu bleiben - mit der Aufwertung des Promenadenrings, u.a. durch Pflanzen weiterer Bäume und Anlegen oder Qualifizieren von Grünflächen, passiert ja genau diese Anpassung an die zunehmende Aufwärmung der Stadt, einerseits durch längere und wärmere Sommer, andererseits durch (wieder) zunehmende Flächenversiegelung.


    Allerdings kann beides koexistieren, bzw. voneinander profitieren:

    1. Der westliche Promenadenring könnte mehr Bäume vertragen, wenn die Marienstraße und der Antonsplatz schon nicht mehr so dicht bebaut sind. Auch die Wallstraße ist übrigens mehr als doppelt so breit wie vor der Zerstörung, aber dort sieht man z.B. die Vorteile von Beschattung durch dichte Bebauung und große Straßenbäume: Die Sonne knallt nicht den ganzen Tag auf's Pflaster, wie an der Marienstraße.
    2. Der östliche Promenadenring darf keine Baumreihe mit Parkplätzen bleiben, sondern muss wieder bebaut werden. Eine durchgehende Bebauung auf historischem Grundriss zwischen Kreuzstraße und Pirnaischem Platz und zwischen diesem und Rathenauplatz, sowie gegenüber an der Schießgasse bringt nicht nur Urbanität, sondern auch Beschattung rund um die Uhr. Wenn gleichzeitig der Kaitzbach am Moritzring wieder oberirdisch verlaufen würde, hätten wir eine neue bodennahe Kaltluftquelle sowie -schneise in der Innenstadt; ganz zu schweigen von der erheblich gesteigerten Aufenthaltsqualität.
    3. Auch über eine Wiederbebauung des südlichen Promenadenrings zwischen Dr.-Külz-Ring und Waisenhausstraße sollte langfristig nachgedacht werden, denn dadurch würden die versiegelten Straßenflächen ebenfalls weniger aufgeheizt werden. Dafür sollte aber sicher über eine verstärkte Begrünung der Straßen selbst nachgedacht werden, wie es z.B. am Altmarkt und an der Kreuzstraße in der Diskussion ist.

    Am Moritzring könnte es dann so aussehen:

    Moritzring 03-Low+


    zum Vergleich die heutige Ansicht an gleicher Stelle.


    All das braucht bei solchen großen Flächen, wie sie in Dresden zu beplanen sind, allerdings den Blick für's Große und Ganze. Man wird sich entscheiden müssen, ob man die zerstörte Stadt reparieren oder völlig neu denken will. Ich bin für Ersteres.

  • "eryngium", nochmals, weil Du es offenbar nicht verstehst.


    - Die Frage ging um Erwärmung und den zwecklosen Versuch, mit etwas (sogar nicht mal vorhandener) Dachbegrünung dagegen vorzugehen.

    - Ich äußerte nur, dass das eben der Preis der Verdichtung ist. Alles was man tut, kostet auf der anderen Seite eben auch etwas. Jeder Gewinn geht mit einem Verlust einher. Die Dresdner wollen mehr Versiegelung und Bebauung, also müssen sie einen Preis dafür bezahlen. Der lautet 0,5 Grad mehr Wärme in der Stadt.

    - Ginge es ihnen darum, die Temperatur zu senken, müssten sie stärker "Aufforsten" und auf die "urbane Stadt" verzichten. Das wäre dann der Preis.

    - Darauf kam ein empörter Einspruch von "Dark Vision", dass ich pauschal vom Willen der Dresdner sprechen würde. Ich relativierte deshalb meine Aussage und stellte klar, welche Dresdner ich meinte.

    - Du hast meine Erfahrung mit den von mir gemeinten Dresdnern daraufhin bestätigt, das aber mit einer Attacke gegen meine Person verbunden. Ich solle gar nicht mitreden, weil ich nicht im schönen Elbflorenz wohne und von dieser Stadt keine Ahnung hätte. (Ich kenne zwar den komplett abgeräumten Neumarkt noch aus eigener Anschauung, aber lassen wir das außen vor.)

    - Und Du hast in Aussicht gestellt, dass nach der Verdichtung irgendwann in einer fernen Zukunft tolle Architektur automatisch nachrücken würde. Man muss in einem ersten Schritt eben schrottige Blocks bauen, damit diese irgendwann in einem zweiten Schritt durch tolle Architektur ersetzt wird. Diesen Automatismus stellte ich wiederum etwas in Frage, zumal in 50 Jahren kaum einer, der die lichte Zukunft behauptet, dann noch lebt und sich wird rechtfertigen können. Für mich ist das so ein bisschen wie mit dem Kommunismus, der da sagte: "Ja, jetzt ist es blöd, aber in 50 oder 100 Jahren wird es ganz toll werden." "Dann bin ich aber nicht mehr hier", antwortet darauf Kombinats-Mitarbeiter Heimdall.

    - Für mich und die lebenden Zeitgenossen wäre es plausibler und besser, gleich mit guter Architektur anzufangen und nicht erst 50 Jahre zu warten. Aber geschenkt.


    Also, ich würde mich freuen, wenn das von Dir erwähnte Konzept aufgeht. Dann werden Deine Enkel etwas davon haben. Sie werden dann eine schöne urbane Stadt mit toller Architektur bekommen, vielleicht wie der Budapester Andrassy Boulevard. Und sie werden eben mit einer etwas wärmeren Innenstadt leben müssen. Um den Bogen zur Ausgangsfrage zu spannen. Man kann ihnen ja, statt teure Dachgras-Konstruktionen zu planen, einfach schon jetzt ein paar weiße T-Shirts/Hemden und kurze Hosen kaufen. In südlicheren Ländern funktioniert das so seit Jahrhunderten und sie haben bis heute überlebt.


    P.S.: Die Anregungen von "Civitas Fortis" sind natürlich sehr nachdenkenswert.

  • Die Grünanlagengestaltung am westlichen Promenadenring hat den 1. Platz des Wettbewerbs "Gärten in der Stadt" des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Sachsen e. V. gewonnen, so berichtet die Stadt.


    Was sie nicht berichtet: Die Auszeichnung erfolgte wohl in der Kategorie "Außenanlagen in Wohngebieten oder Erholungsbereiche innerhalb von Gewerbegebieten" (das schreibt die DNN unter das Foto in der Bildergalerie zu ihrem Artikel zum Thema), was ja nicht gerade zur Kategorisierung des Promenadenrings als zentrale öffentliche Grünanlage in der Inneren Altstadt passt, wie ich finde, aber den Charakter der Anlage, der hier ja schon kontrovers diskutiert wurde, ganz gut beschreibt.