Volkach - Schönbornscher Gutshof Öttershausen

  • Morgen früh um 8:00 Uhr kommen die Bagger dann wird angefangen abzureißen.
    Die Steine bzw. der Schutt kommt dann in son Schredder und wird ganz klein Gemacht und kommt dann auf Feldwege.

  • Ich kann diesen dubiosen Grafen einfach nicht verstehen. Dass er leichtfertig das Erbe seiner Vorfahren zerstört, ist das Eine (von einem modernen Menschen würde ich nichts anderes erwarten). Aber auch wenn man, so wie er scheinbar, nur finanziell denkt, kann es doch unmöglich lohnenswerter sein, das Gut abzureißen und den Boden dann an einen Landwirt oder wen auch immmer zu veräußern, als das noch erhaltene Ensemble an einen finanzkräftigen Investor zu verkaufen, der daraus ein Hotel machen will. Bekommt er nur für den Boden etwa so viel mehr als er von anderen Interessenten für Boden + Gebäude bekommen hätte? Oder bleibt das Grundstück vielleicht sogar in seinem eigenen Besitz, so dass er das neugewonnene Ackerland selbst bewirtschaften bzw. bewirtschaften lassen wird? Ich vermisse einfach die Logik in der ganzen Geschichte...

    Die Welt muss romantisiert werden! - Novalis

  • Eine gute Frage, Isidor, interessant. Ich habe auch eine, die uns die Ortsansaessigen vielleicht beantworten koennen. Ist es moeglich, dass dieser neu entstehende Flecken Agrarlands fuer den Weinbau geeignet ist? Vielleicht verspricht sich der Graf vom Etikett Graf Schoenborns Privatcuvee adaequate Rendite.



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    Danke fuer Deine Erklaerung, Unterfrankengamer! Wir schrieben unsere Beitraege gleichzeitig. Die Sache scheint ja noch weit schlimmer zu sein als ich befuerchtet hatte. Wie kann nur der Besitzer eines solchen Anwesens ein Hilfsangebot fuer Notdaecher ausschlagen das er vielleicht noch nicht einmal brauchte? :weinen: Nach Betrachten der Schoenbornschen Webseite allerdings wird es einem ziemlich klar, dass wir es hier mit einem rein kommerziell ausgerichteten Unternehmen zu tun haben. Da hoert dann die Liebe zu ein paar ollen Baracken, auch wenn sie von Balthasar Neumann stammen, schnell auf. Die werden "recycled" wie die Zeitung von gestern.

  • Das bringt in der Tat Licht ins Dunkel und erklärt, warum der Besitzer von Anfang an kein Interesse daran hatte, dass die Gebäude erhalten werden. Er hat sie die ganze Zeit bewusst verfallen lassen, um sie jetzt endlich beseitigen zu können, damit er den Boden wirtschaftlich nutzen kann. Kein Wunder, dass er jedes Kaufangebot sowie die kostenlosen Notdächer abgelehnt hat. Der Rubel rollt, der Denkmalschutz hat sich mal wieder selbst zum Erfüllungsgehilfen der Denkmalzerstörung gemacht und weder Besitz noch Adel scheinen heutzutage zu verpflichten. Eigentlich sollte man diesem gewinnmaximierenden Grafen mal eine unfreundliche Email zukommen lassen, wenn man nicht wüsste, dass das rein gar nichts bewirken wird.

    Die Welt muss romantisiert werden! - Novalis

  • Aus meinen langjährigen Erfahrungen mit dem Weinbaugebiet Rheingau sind die Hintergründe dieses Themas gar nicht so fremd, denn wenn der Name Schönborn fällt, ist natürlich sofort auch der Name "Weingut Schloss Schönborn Hattenheim" im Bewußtsein. Bei leider einer zu hohen Anzahl an ehemals führenden Weingütern im Rheingau war es vor 20 Jahren auffallend, daß man glaubte, allein mit einem berühmten Namen Kapital schlagen könnte, egal, wie gering die Qualität in der Flasche war. In den letzten 10-15 Jahren hat sich gottlob die Spreu vom Weizen getrennt und die meisten berühmten Güter haben qualitativ wieder zu alter Größe zurückgefunden. Allerdings können sich heute viele Güter erlauben, aus ihrem Namen ein derartiges Ausmaß an Kapital zu schlagen, von dem unsereins keine Vorstellung hat - das Schicki-Micki-Klientel aus Frankfurt und Wiesbaden zahlt anscheinend wirklich alles, was verlangt wird, je teurer, desto besser. Gleichzeitig hat man immer wieder das Gefühl, daß heute unter den Geschäftsführern die Devise zu herrschen scheint, alles betriebswirtschaftlich umgestalten zu müssen, alles einem Gesundschrumpfungsprozeß zuführen zu müssen, und sich von allem zu trennen, was aus der Tradition noch an materiellen und immateriellen Gütern noch vorhanden ist, solange es entweder Kapital bringt oder wie hier in diesem speziellen Fall Investitionsbedarf vor Jahren gegeben war. Jedenfalls kann mir keiner weismaachen, daß der Graf nicht in den letzten Jahren wie andere auch die Kriegskasse bis zum äußersten Rand gefüllt hätte und daß er es sich nun einfach nicht leisten könnte, das Areal entweder langfristig selbst wieder zu bewirtschaften oder aber zu Geld zu machen. Diese Beweggründe werden nicht nur niemals nachvollziehbar sein, sondern es wird im öffentlichen Bewußtsein auch ein schaler Geschmack hängen bleiben über die Unumkehrbarkeit dieses Abrisses. Da schimpfen sie über den Panzer-Papst - der Kerl ist ja noch viel schlimmer.
    Es ist unwahrscheinlich, daß dem Graf Protestschreiben vorgelegt werden, wie es unwahrscheinlich ist, daß er sich an dem Unmut einiger APH´ler stört.


    Was sind das für Zeiten, in denen wir als Vertreter einer Minderheit, die sich dieses Wertes noch bewußt ist, das Gefühl haben müssen, man müsse sich noch dafür schämen, daß uns am Erhalt eines solchen Gebäudes gelegen ist.

  • Werte Forumsgemeinde,


    Es ist so weit: der Bayerische Rundfunk wird über diesen Fall berichten:
    Der zuständige Redakteur hat bei mir angefragt ob ich kurz vor der Kamera einige Worte dazu sagen. Das Problem: ich bin zur Zeit in Großbritannien.
    Außerdem fehlt mir die tiefere Sachkenntniss zu diesem Fall.


    Daher ein Aufruf: Wenn sich hier jemand für einen kurzen Dreh bereit erklären würde (am besten jemand, der sich vor Ort auskennt,( Sigmundskron, christian Schmitt, Markus1809, ak denkmalschutz würzburg Unterfrankengamer :wink: ) wäre dem Anliegen sehr geholfen! Zeigt es doch, dass die Bevölkerung dem Abriss nicht gleichgültig gegenübersteht. Es müsste nur einige Sätze dazu gesagt werden, warum man den Abriss für einen Skandal hält.


    Email, Handynummer des Redakteurs (jederzeit erreichbar) und wann der Dreh stattfinden soll, teile ich auf Anfrage gerne mit.

  • Auszug aus dem Denkmalschutzgesetz des Landes Bayern:
    Artikel 4:

    Quote

    (2) 1 Die in Absatz 1 genannten Personen können verpflichtet werden, bestimmte Erhaltungsmaßnahmen ganz oder zum Teil durchzuführen, soweit das unter Berücksichtigung ihrer sonstigen Aufgaben und Verpflichtungen zumutbar ist; soweit sie die Maßnahmen nicht selbst durchzuführen haben, können sie zur Duldung der Maßnahmen verpflichtet werden.

    Scheint das hier nicht der Fall zu sein, oder wieso ist da noch nix weiter passiert?! :wuetenspringen:

  • wie weit ist der Abriss ?


    lohnt sich noch ein Dreh und eine Ausstrahlung ? oder ist es schon dem erdboden gleich bis zur ausstrahlung ? :-(


    sorry, ich bin leider kein großer Redner für sowas AKDenkmalschutz würde ich es zutrauen, er ist aber im Moment auch ausser landes ...


    sonstige Vorschläge ?? es ist zwar ein Strohhalm, das ganze noch zu stoppen, aber ein griff danach ist es allemal wert - wenn thommystyle schon alles eingefädelt hat und sich der BR bereit erklärt hat ....

  • Hallo, ich war heute vor Ort - der große Bagger steht im Hof, das eine Eingangstor mit Rundbogen ist abgerissen und im inneren wurden sträucher etc. entfernt und ein kleines Nebengebäude, ich denke es wird diese Woche jetzt rund gehen ....


    .. das waren dann wohl die letzten eindrücke :-(
    hab mir nochmal alles auf 100-erten Fotos festgehalten .... bevor es in wenigen Wochen nur noch Staub und Asche ist.

  • Das Abrissgerät ( Bagger; Greifzangen und verschiedene Schaufeln ) sind bereits im Hof. Um dort reinzukommen hat man die Renaissance-Toranlage einfach plattgemacht. Die Trümmer liegen neben dem barocken Verwalterhaus. Es ist ein schrecklicher Anblick...

  • Sorry wenn ich das jetzt so schreib.
    Aber entweder es wird JETZT was unternommen oder es braucht auch net son Zeug wie schrecklich etc. gepostet werden.

  • Das können aber nur Leute vor Ort machen, z.B. Bettlaken mit Protestsätzen an die Gebäude kleben, die zuständigen Politiker und Denkmalschützer vor Ort ansprechen, die Presse sensibilisieren...

  • Oder das Angebot von Thommystyle nutzen (wenn es noch steht)...
    Siehe Seite 4

  • Tschuldigung wenn ich mich hier so oberschlau einmische, aber die ortsansässigen oder anreisenahen Mitglieder hier wollen doch wohl nicht einfach das Angebot vom BR versteichen lassen? Es ist dabei auch völlig egal ob man sich selber als kompetent genug erachtet oder nicht so redegewandt ist, was gibt es zu verlieren? Das Gut ist eh Geschichte, aber wenn man diese Riesensauerei dann auch noch ohne die geringsten Regungen von öffentlicher Kritik (Plakate, Interview, ...) geschehen lässt...
    stickpoke:)

    Labor omnia vincit
    (Vergil)

  • klar stehts noch... gemeldet hat sich noch keiner...


    Wie gesagt, wenn ich vor Ort wäre und die nötige Sachkenntnis aufwiese, hätte ich mich für die Sache gemeldet. Aber es waren ja auch die betreffenden fränkischen Forumsteilnehmer mit dem Aufruf angesprochen.