Rund um das Thema Geotagging und Geocoding

  • Worum es sich hierbei handelt, wird hier im Forum unter "Die neue Galerie" beschrieben.


    Hier werde ich einige Tipps aus der Praxis zur optimalen Ausrüstung und richtigen Software geben. Wer sich mit dem Thema schon auskennt, darf auch gern widersprechen und seine eigenen bevorzugten Tools vorstellen.

  • Methode 1:


    Die absolut einfachste Methode zum automatischen Geotagging ist die Verwendung einer Eye-Fi-Karte mit Geotagging-Unterstützung (beispielsweise http://de.eye.fi/products/geox2, ich habe die alte Geo mit 2 GB, die ich mir damals aus England schicken ließ).


    Eye-Fi-Karten sind SD-Karten mit eingebauter WLAN-Funktion. Diese Karten werden über einen Adapter am PC/Mac einmalig für das Hochladen auf diesen Rechner eingerichtet und dabei auch konfiguriert.


    Die Geo-Karten erfassen bei jedem Foto die aktuelle WLAN-Abdeckung zur näherungsweisen Ortsbestimmung. Zuhause wird dann einfach die Kamera eingeschaltet, die Bilder werden automatisch drahtlos übertragen und dabei mit Geotagging-Informationen und sogar Ortsangaben (bei meiner Karte noch auf Englisch, ohne Angabe des Straßennamens) versehen.


    Das ganze beruht auf WLAN-Triangulation, das heißt, es wurden zuvor von einer Firma (Skyhook Wireless, siehe Homepage für nähere Infos inkl. Abdeckung) die jeweiligen Gegenden auf WLAN-Abdeckung gescannt und diese Daten in einer Datenbank erfaßt. Somit ist näherungsweise Ortsbestimmung auch ohne GPS möglich.


    Vorteile: unübertroffen einfach, vollautomatisch, keinerlei zusätzliche Geräte nötig


    Nachteile: funktioniert nur in Ballungsräumen näherungsweise, meist relativ unpräzise, in freier Natur oder nicht erfaßten Gebieten überhaupt nicht verfügbar


    Fazit: Zum Zuweisen von Ortsinformationen wie "Name der Stadt" durchaus geeignet, wird vielleicht irgendwann mal wirklich zu einer guten Lösung, wenn die Datenbank weiter ausgebaut wird... Preis für eine gebrauchte Karte um die 30 Euro, neue Karten um die 60 Euro.

  • Methode 2:


    Fast noch einfacher ist der Kauf einer Kamera mit eingebautem GPS - ich habe hier die Sony DSC-HX7VB ausprobiert, die nicht nur Assisted GPS (also Herunterladen der Satellitenpositionen per Internet), sondern auch einen elektronischen Kompaß eingebaut hat, der in Verbindung mit der gespeicherten Objektivstellung genau das erfaßte Motiv anzeigen kann.


    Laut CT sind alle anderen GPS-Kameras auf dem Markt nicht wirklich empfehlenswert - für die Sony kann ich auch keine eindeutige Empfehlung aussprechen:


    Die Bilder sind etwas verwaschen (trotz geringer Auflösung und vernünftigem Objektiv), und bei meiner Kamera war das GPS-Signal nach 2 Minuten immer weg. Daher mußte ich die Kamera leider wieder zurücksenden... scheint aber kein genereller Fehler zu sein. Alles in allem wohl das beste Angebot auf dem Markt, aber nicht wirklich toll...

  • Methode 3:


    Die wohl gängigste Methode ist das Mitführen eines separaten Geotaggers. Dabei handelt es sich um GPS-Empfangsgeräte mit eingebautem Speicher, damit die erfaßten Positionen gespeichert werden können. Die Zuordnung von Positionen und Fotos erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt am Computer über die Uhrzeit (die Uhr der Kamera muß also präzise eingestellt werden).


    Getestet habe ich folgende Tagger:


    1. Den Royaltek RGM-3800, siehe auch hier


    Dabei handelt es sich um ein etwas älteres Gerät, das ziemlich günstig gebraucht zu bekommen ist (um die 30 Euro). Dank Sirf III ist die Positionsbestimmung ziemlich exakt, in Sachen Geschwindigkeit und Empfindlichkeit kann der Chipsatz mit heutigen Geräten nicht mehr ganz mithalten. Verarbeitung und Batterielaufzeit sind durchschnittlich - wer wenig ausgeben will, kann das Gerät dennoch kaufen, da die Genauigkeit in Prinzip OK ist.


    Allerdings sollte der Tagger im Idealfall an exponierter Stelle (beispielsweise oben auf dem Rucksack) getragen werden, und auch an Ersatzakkus sollte man denken...


    2. Den Wintec WBT 202


    Ein mit rund 100 Euro ziemlich teurer Tagger, der dafür aber auch in jeder Hinsicht deutlich besser ist als der Royaltek:


    Hoch empfindlicher Ublox5-Chipsatz, hochwertige Verarbeitung, klein und kompakt sowie mit einer sehr langen Akkulaufzeit (Aufladung einfach per USB). Dazu gibt es noch die Möglichkeit, eine MicroSD-Karte einzusetzen, um buchstäblich über Wochen hinweg taggen zu können... wäre derzeit meine Empfehlung. Der Tagger kann einfach im Rucksack oder in der Anoraktasche getragen werden, die Empfindlichkeit reicht dafür aus.

  • Und so werden die Ortsinformationen den Fotos zugeordnet bzw. den Fotos in einem zweiten Schritt die genauen Informationen zur jeweiligen Adresse:


    Vorbemerkung: Ich empfehle hier ausschließlich kostenlos verfügbare Programme für Windows. Ich nutze zwar auch mal Mac OS X oder Ubuntu, bin aber kein wirklicher Experte... Die Programme findet Ihr einfach per Google-Suche, nachdem manche Projekte gern mal die URL wechseln, spare ich mir hier die Angabe zur Website.


    Im einzelnen empfehle ich Geosetter, Microsoft Pro Photo Tools, locr GPS Photo, Google Picasa und GPSBabel.


    1. Zuweisen von Ortsinformationen zu Fotos:


    Hier verwende ich locr - einfach den Ordner mit den Fotos und die aufgezeichneten Tracks im NMEA-Format öffnen und auf "Automatisches Geotagging" klicken - fertig! Locr sucht automatisch in allen Tracks und ordnet die Fotos ebenfalls automatisch zu, es ist also kein Problem, wenn sich im Laufe der Zeit viele Tracks angesammelt haben.


    2. Zuweisen von Adressinformationen zu den Fotos:


    Hier werden die konkreten Adressen wie "Neumarkt 3, Dresden, Sachsen, Deutschland" in die sogenannten IPTC-Felder der Digitalfotos geschrieben. Betrachtet jemand die Fotos mit einem geeigneten Programm, werden ihm diese Adressen zu den Fotos angezeigt.


    Hier verwende ich die Microsoft Pro Photo Tools:


    Einfach die Fotos in das Hauptfenster der Photo Tools ziehen, auf "Get Location Text" klicken und dann automatisch alle geänderten Dateien speichern lassen. Funktioniert wunderbar, allerdings kann das Programm bei mehr als 70 Fotos hängen... daher lieber nacheinander laden und speichern.


    3. Auswerten der Informationen:


    Schon Picasa unterstützt im Suchfeld die gespeicherten Adressinformationen - eine Suche nach "Neumarkt" zeigt in Picasa alle entsprechend getaggten Fotos an (es gibt teilweise allerdings Probleme mit Umlauten). Auch Geosetter (ein unglaublich mächtiges und vielseitiges Programm) unterstützt die Anzeige von Adressinformationen - unsere forumseigene Galerie momentan leider (noch) nicht.


    GPSBabel ist ein geniales Programm zum Umwandeln von Track-Formaten, beispielsweise kann ein Garmin-Track im gpx-Format ebenfalls zum Taggen verwendet werden.