Mühldorf am Inn

  • Gestern kam ein Beitrag zu Mühldorf am Inn auf Capriccio im Bayrischen Rundfunk


    Wird in Mühldorf die Altstadt verschachert?


    Vor ein paar Jahren wollte Mühldorf Weltkulturerbe werden - gemeinsam mit anderen Inn-Salzach-Städten bemühte man sich, auf die prestigeträchtige Liste der UNESCO zu gelangen. Geklappt hat es leider nicht. Vor wenigen Monaten wurde der Antrag abgelehnt. Verdient hätte es Mühldorf durchaus. Die Altstadt mit ihrem Stadtplatz ist einzigartig. Doch genau dort soll nun ein 1640 gebautes ehemaliges Kapuzinerkloster abgerissen und ausgerechnet durch ein Bekleidungshaus ersetzt werden. Dabei gibt es davon schon 30 Stück allein am Stadtplatz.
    Mühldorf am Inn: Der zentrale Stadtplatz der Kreisstadt ist ein denkmalgeschütztes Ensemble. Dennoch soll jetzt ein Gebäude abgerissen werden: der Theresia-Gerhardinger-Kindergarten befindet sich darin. Ein Gebäudekomplex, in dem noch Grundmauern eines alten Kapuzinerklosters von 1640 erhalten sind, weshalb es jetzt auch in die Denkmalliste aufgenommen wird. Dennoch gibt es Pläne für einen Neubau, in den dann neben dem Kindergarten ein C&A Platz finden soll. Der Bürgermeister und auch die Mehrheit des Stadtrates sprechen sich dafür aus. Die Innenstadt soll dadurch belebt und attraktiver gemacht werden. Eine Bürgerinitiative sammelt jetzt Unterschriften gegen den Abriss. 1.500 Unterschriften werden benötigt, dann gibt es ein Bürgerbegehren.Wir haben unter anderem mit Bürgermeister Günther Knoblauch gesprochen, mit Judith Straube von der Bürgerinitiative und mit dem ehemaligen Landrat des Landkreises Mühldorf, Erich Rambold, der - wie er uns versichert - in seiner Amtszeit einen solchen Abriss niemals genehmigt hätte. Entscheiden muss nun das Landratsamt Mühldorf. Ein Gutachten des Denkmalamtes ist derzeit noch in Arbeit. Capriccio aus Mühldorf am Inn.

  • Quote

    (...) Ein Gebäudekomplex, in dem noch Grundmauern eines alten
    Kapuzinerklosters von 1640 erhalten sind, weshalb es jetzt auch in die
    Denkmalliste aufgenommen wird. Dennoch gibt es Pläne für einen Neubau,
    in den dann neben dem Kindergarten ein C&A Platz finden soll. (...)

    Was soll denn dieser Blödsinn?! Aufnahme in die Denkmalliste und dann sofort der Abriss? :gehtsnoch: :gehtsnoch: :gehtsnoch:
    In diesem Link sieht man das Gebäude, links neben der Kirche. Wieder einmal leuchtet es mir nicht ein, warum es unbedingt ein Abriss sein muss. Das Gebäude scheint in einem guten Zustand. Ein fähiger Architekt kann das sicher so umbauen lassen, daß Kindergarten und C&A darin Platz finden. Echt zum Heulen diese üble Nachricht. Hoffentlich können die Bürger diesen Quatsch verhindern.


    Eine Frage hätte ich auch noch.
    Das Kriegerehrenmal scheint nicht mehr auf dem Platz zu stehen. Weiss jemand was damit geschehen ist? Bei Wikipedia sieht man nur noch die verstümmelten Reste.


    Zitatquelle: http://www.br.de/fernsehen/bay…stadt-stadtplatz-100.html

  • Der Bürgermeister wirkt auf mich, durch folgende Aussage, auf Anhieb sehr sympathisch:


    Quote

    (...) Im Übrigen kündigte er in einem Nebensatz eine Klage gegen die
    Festlegung als Einzeldenkmal an. 1984 habe es nur unter Ensembleschutz
    gestanden, seitdem gebe es keine neuen Erkenntnisse, die eine Aufwertung
    erforderlich machten. "Der Staat muss in seinem Handeln verlässlich
    bleiben", sagte Knoblauch. (...)

    Soll das bedeuten, daß im Falle eines Neubaus wenigstens die Fassade erhalten bleibt? Oder ist damit lediglich die Übernahme der Fassadenhöhe gemeint?


    Quote

    (...) "Wir reduzieren die zu bebauende Fläche und regeln die Wandhöhen, um sie
    dem Ensemblezustand anzupassen." So bleibe der Fassadenbereich
    erhalten. (...)

    Also, ich kann mir auch nicht vorstellen, daß ein Laden für Billigmode, wie es C&A ja nunmal ist, die Innenstadt aufwerten kann.


    Zitatquelle: http://www.ovb-online.de/muehldorf/planung-2970929.html

  • Bevorstehender Abriss Stadtplatz N°58


    Das Gebäude scheint in einem guten Zustand. Ein fähiger Architekt kann das sicher so umbauen lassen, daß Kindergarten und C&A darin Platz finden. Echt zum Heulen diese üble Nachricht. Hoffentlich können die Bürger diesen Quatsch verhindern.


    :kopfschuetteln:


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    Weiter Streit um Haus am Stadtplatz 58
    Das Votum der Wähler war eindeutig: Mit 5204 Ja-Stimmen zu 3506 Nein-Stimmen haben sich die Mühldorfer am Sonntag klar für einen Abriss des Gebäudes am Stadtplatz 58 und einen Neubau eines Geschäftsgebäudes an gleicher Stelle ausgesprochen. Das letzte Wort scheint in der Debatte indes noch nicht gesprochen, sogar die Behörden und die Justiz beschäftigen sich weiterhin mit dem Haus am Stadtplatz 58. [...]

    http://www.innsalzach24.de/inn…r-3126924.html?cmp=defrss


    Bericht des BR aus der letzten Woche:
    cjhri8hWJ-0

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Ja wenns die Leut so deppert sind. Sie müssen dort ja wohnen. Ich kann aus sächsischer oder ganz allgemein ostdeutscher Sicht ob solcher Luxusdiskussionen nur den Kopf schütteln. Dass es dadurch zu einem flätigen Umgang mit völlig tadelosen Altbauten kommt, ist umso bedauerlicher.

  • In Mühldorf hatte die Stadtverwaltung offensichtlich durch eine geschickte Verquickung unterschiedlicher Fragestellungen des Bürgerentscheides ein für sie genehmes Ergebnis bewirkt.


    Hier wohl die mit Ja oder Nein zu beantwortende Frage des Bürgerbescheids:



    Der gwünschte Abriss des Altbaus wurde also mit dem Wunsch nach einem neuen Kindergarten und dem Erhalt von Wochen- und Bauernmarkt verknüpft. Dass bei dieser manipulativen Fragestellung nicht noch mehr Bürger mit "Ja" (d.h. für den Abriss) gestimmt hatten, ist ja fast schon als Erfolg zu bezeichnen.


    PS: Lucke von der AfD hatte am letzten Wahlsonntag ja den Begriff der "entarteten Demokratie" verwendet, für den er erwartungsgemäß kräftig geprügelt wurde. Auch wenn diese Wortwahl nicht politisch korrekt ist, würde sie hier gut passen, finde ich.

  • Als Außenstehender kann man ob dieser bayrischen Verhätnisse nur den Kopf schütteln. Der Mühldorfer Platz dürfte schon völlig durchlöchert mit "angepassten" Neubauten sein. Offenbar wird alles den großen Ketten zuliebe gemacht. Wesen und Substanz des bayerischen Denkmalschutzes ist mir ein Rätsel. Es dürfte ihn alles in allem einfach nicht geben, das ist die zwar vereinfachte, aber letztlich einzig einleuchtende Erklärung für solche Phänomene à la Landshut oder Mühldorf.
    Wo anders wäre das undenkbar, siehe Italien, Böhmen oder sogar Österreich.
    Ich halte in diesem Zusammenhang den Konsens über angepasste Neubebauung für sogar wirklich schädlich, weil dadurch die Abrissbarbarei erst ermöglicht wird. Die neuen Bauten schauen eh so sauber und schön aus, entsprechen dem bayerischen Ansprüchen vollends. Dass damit die ganze Altstadt mehr oder weniger marginalisiert wird, ist den Leuten egal.
    Besser eine Glasfassade auf einem ansonsten authentisch erhaltenen Platz,als ein "gefälliges" jedoch näherer Betrachtung nicht standhaltendes Platzbild à la Mühldorf mit 30-40% Neubauten.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.