• Hab auch beide Teile des Films gesehen...


    ... und im Nachhinein betrachtet seh ich das Ganze zwiespältig. Zum einen natürlich sehr schlecht, dass Tatsachen verdreht wurden und eine verkitschte Liebesgeschichte entstand, die das Bombardement der Stadt eher in den Hintergrund rückt. Zum anderen fand ich es schon beeindruckend, wie kalt sich der "Einsatz" aus der Luft abspielt und wie sich die Stadt innerhalb weniger Stunden verändert. Auch die ausgebrannte Frauenkirche im Innern hatte eine gewisse Wirkung auf mich.


    Letztenendes jedoch nicht besonders wertvoll, denn der "Feuersturm" wurde fernsehtauglich geschönht, keine verglühenden Menschen usw.
    Besonders komisch fand ich auch die Szene, als Anna von dem Feuersturm weggezogen wurde, Robert und der Arzt jedoch normal weitergehen konnten.


    ... alles etwas komisch.... der Film war's nicht wert, einige Häuserzeilen in Dresden zu zerstören. Hab deutlich mehr erwartet.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Ach ja, auffällig fand ich noch die Parallelen zu "Titanic":


    Hübsches Mädel aus gutem Hause, intelligenter und mit vernünftigeren Ansichten als der Rest , soll standesgemäßen Mann (gute Partie) heiraten. Das paßt ihr nicht so 100%ig. Sie lernt durch kuriosen Zufall einen anderen Kerl kennen, der eigentlich für sie untragbar, aber dafür nicht so ein trockenes Brötchen wie ihr Verlobter ist, und deshalb darf er auch sofort über sie herfallen. Sie schwankt zwischen den beiden und entscheidet sich für den Lover; dieser wird aber dummerweise gefangengenommen und eingesperrt. Dann bricht die Katastrophe los, und das Mädel haut ab, um dem Lover zu helfen. Gemeinsam schlagen sich die beiden durch.


    Erst hier weicht die Handlung ab: Ich war mir fast sicher, Robert muß dann am Ende im Keller verschüttet in ihren Armen dran glauben, aber er schafft es doch noch. Naja, und der Verlobte ist zwar nicht ganz charakterfest, aber eigentlich ganz in Ordnung, kein mieses Schwein wie der in "Titanic".


    Trotzdem: Jede Wette, daß der Drehbuchautor "Titanic" gesehen hat und beim Schreiben im Kopf hatte... :zwinkern:


    Wenn man den Untergang Dresdens schon in eine Romanze einbettet, hätte man auch mal etwas neues wagen können.

  • Gerade in der FAZ gelesen:


    Der Film ist bereits in 10 Länder verkauft worden (von Luxemburg bis Thailand).


    Und in der englischen Presse heißt es,

    Quote

    der Umstand, daß der Holocaust in dem Film nicht mal angesprochen werde, mache "Dresden" angreifbar mit Blick auf den neuen Trend, daß sich die Deutschen als Opfer des Krieges darstellen.


    Was soll man dazu sagen? :augenrollen:

  • Quote

    Und in der englischen Presse heißt es,
    Zitat:
    der Umstand, daß der Holocaust in dem Film nicht mal angesprochen werde, mache "Dresden" angreifbar mit Blick auf den neuen Trend, daß sich die Deutschen als Opfer des Krieges darstellen.



    Was soll man dazu sagen?


    Nun ja, dazu sollte man sagen, daß


    1.) die Deutschen, die Opfer von Bombenkrieg und Vertreibung waren, nicht Opfer "des Krieges", sondern Opfer von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden, die von genau benennbaren Personen geplant und durchgeführt wurden


    2.) der Holocaust auf der einen und Bombenkrieg und Vertreibungen auf der anderen Seite in keinerlei Zusammenhang stehen. Wer dennoch ständig fordert, beides müsse im Zusammenhang gesehen werden, der will damit sagen, Bombenkrieg und Vertreibungen ließen sich durch den Holocaust irgendwie rechtfertigen oder entschuldigen. Das ist aber sachlich wie moralisch falsch: Das eine war ein Verbrechen, das von den Verantwortlichen aus freien Stücken geplant und durchgeführt wurde, und die anderen waren Verbrechen, die von den Verantwortlichen aus freien Stücken geplant und durchgeführt wurden. Beide hätten diese Verbrechen auch ebensogut nicht begehen können


    3.) die britische (und ein Teil der deutschen) Öffentlichkeit offenbar verzweifelt nach Rechtfertigungen und Entschuldigungen für die Verbrechen der britischen Führung im 2. Weltkrieg sucht und dafür sogar bereit ist, ein Menschheitsverbrechen wie den Holocaust zu instrumentalisieren - Schäbig!


    4.) der Holocaust in dem Film durchaus thematisiert wird und man schon ziemlich viel Tomaten auf den Augen haben muß, um das zu übersehen


    5.) ich ja auch nicht fordere, daß in jedem Film über den Holocaust auch die Vertreibungen und der Bombenkrieg thematisiert werden - was man nach der abstrusen Logik freilich müßte

  • Punktgenau zusammengefaßt, Philon. Das eine hat eben mit dem anderen nichts zu tun.


    Wenn die im Film gezeigte "Einberufung" der letzten Juden zum Abtransport und die Zurückweisung eines Juden mit Judenstern an der Jacke vor dem Bombenschutzkeller nicht den Holocaust thematisiert, was denn bitteschön dann?


    À propos: Die sollten sich doch an der Synagoge versammeln. Aber die gab es doch zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr. Ist das nicht auch noch ein Filmfehler? Es sei denn, gemeint war einfach der leere Platz, an dem früher die Synagoge gestanden hatte...


    Quote

    ich ja auch nicht fordere, daß in jedem Film über den Holocaust auch die Vertreibungen und der Bombenkrieg thematisiert werden - was man nach der abstrusen Logik freilich müßte


    Man kann auch alle drei Ereignisse in einem Film berücksichtigen, wie bereits vor knapp 50 Jahren geschehen: Der (sehenswerte) Film "Nacht fiel über Gotenhafen" hat die brutale Vertreibung der Deutschen zum Thema, zeigt aber auch den Bombenkrieg und ruft zumindest in einer Szene, in der ein Jude aus dem Versteck gezerrt und abgeführt wird, in Erinnerung, was für ein abscheuliches Verbrechen Deutsche zeitgleich begangen haben.


    Aber sowas läuft ja kaum noch im Fernsehen. Vielleicht dreht ja mal jemand eine Art Remake.

  • Naja... die Briten sehen sich in der Hinsicht halt ungern als Übeltäter... kann ich durchaus verstehen.


    Dennoch sollte man Holocaust und Bombenangriffe niemals vergleichen. Das tun nur Neonazis um den Holocaust abzuwerten.
    Beides war unmenschlich und schlimm, nur dass wir Deutschen auch britische Städte bombadiert haben (muss man auch mal erwähnen!)...


    ... ist aber nunmal geschehen, die Geschichte können wir eh nicht umschreiben, wichtig ist nur dass wir aus unseren Fehlern lernen und uns das Geschehene immer wieder in Erinnerung rufen und an nachfolgende Generationen weitergeben. Und wenn der Film wen dazu ermuntert hat, sich näher mit dem Thema Bombenkrieg zu beschäftigen ist es ja nur gut.


    Und wie die Briten den Film bewerten kann uns eigentlich ziemlich egal sein.. sie müssen ihn ja nicht ansehen. Wobei mich durchaus mal interessieren würde, wie die deutschenfeindliche "Sun" über den Film schreibt.

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    Karl Kraus (1874-1936)

  • Quote

    Wozu gibt es bei so einem Film eigentlich "historische Berater"?


    Zumindest einen "historischen Berater" des Films habe ich gestern noch bei Spiegel TV auf XXP im Interview gesehen: Rolf-Dieter Müller - und mir standen die Haare zu berge, als ich seine Statements zum Bombenkrieg hörte... das ganze fing mit einer Pauschal-Verurteilung von Jörg Friedrich an, ging dann straight zu Krematorien und weiter zu David Irving, als es um die Opferzahlen ging :daumenunten: ... sowas komplex- und schuldbeladenes und dabei gleichzeitig tendenziöses habe ich selten gesehen - das war einfach nur übel.
    Man sollte den letzten beiden Generationen fast schon Redeverbot über das Thema Bombenkrieg erteilen - sie sind einfach zu vorbelastet und schlicht überfordert, das ganze Geschehen mal aus dem Blickwinkel des Menschlichen Leids der Deutschen und des unvergleichlichen kultuerellen Verlusts zu sehen.


    Ich bin nach wie vor der Ansicht diese Schnittmenge aus Eingestehen deutscher Schuld und gleichzeitiger massiver Adressierung der Schuld an einzelne Vorgehensweisen der damaligen Alliierten können wir als erste bilden, unsere Eltern und Großeltern sind da wie in Ketten.
    :keine ahnung:

  • Jetzt muß auch ich mich noch anschließen: Ich war auch ziemlich von dem Film enttäuscht und werde ihn daher auch nicht weiterempfehlen. Viele Deutsche sind halt noch immer sehr komplexbeladen. Seien wir froh dass wir das nicht sind, sondern normal und fair denken und beurteilen können.
    Ich habe vorher "Der Untergang" und "Sophie Scholl" gesehen, die beide (trotz kleinerer Schnitzer) wesentlich objektiver, authentischer und einfach viel besser sind. Aufgrund dieser Filme dachte ich eine Trendwende hin zu einem wahrheitsgemässen Umgang mit der Geschichte erkennen zu können. Schade.
    Trotzdem: Ich glaube auch, dass die deutschen Filmemacher einfach noch nicht reif für so ein schwieriges Thema sind. Aber ich glaube es ist nur eine Frage der Zeit, bis irgendjemand das Thema "Dresden" einmal filmisch gut umsetzt und dann wird man aus den Fehlern dieses Streifens lernen können.

  • Ich habe den Film "Dresden" immer noch nicht gesehen... bisher aber finde ich es denkwürdig, dass der Film einigen zu anti-deutsch, anderen zu pro-deutsch ist. Hier eine Rezension aus amazon:



    Zu diesem "Kommentar" muss man natürlich nichts mehr sagen...


    Ich werde mir den Streifen demnächst einfach mal unvoreingenommen anschauen... :zwinkern:

  • Wann?
    Sa, 15.04.06, 08.15 Uhr


    Sa, 15.04.06, 17.30 Uhr


    So, 16.04.06, 06.30 Uhr


    Wo? Phoenix


    Was? Schloss Karlsberg


    Quote

    Die größte Landresidenz Europas, größer als Versailles und weit über einen Kilometer lang, ein verwunschener Park, Tempel und Theater, eine der wertvollsten Pferdezuchten, die große Gemäldegalerie, Tiermenagerien – überhaupt einer der fantastischsten Orte aus der alten Zeit der Fürsten und Herzöge – all das und manches Geheimnis mehr hat es auf dem Karlsberg bei Homburg gegeben.


    Der Film lädt ein zu einer Wanderung auf den Spuren von Schloss Karlsberg und zu Ausflügen in die Umgebung. Wer genügend Fantasie mitbringt, dem gibt der Autor Rüdiger Mörsdorf spannende Geschichten und praktische Tipps mit auf den Weg, um versteckt in den Wäldern nicht bloße Mauerreste zu entdecken sondern ein verschwundenes Versailles wiederzufinden.


    Film von Rüdiger Mörsdorf



    Quelle: Phoenix

  • morgen (sonntag, 07.05.2006) kommt im MDR um 20.15 Uhr eine interressante Sendung:


    Ein Schloss wird gewinnen


    Quote

    In der Show werden drei Schlösser vorgestellt, je eins in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Sie brauchen dringend Geld für die Sanierung. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sponsert eine halbe Million Euro. Wer von den dreien das Geld bekommt, darüber entscheiden am Schluss der Sendung die Zuschauer per Tele-Voting.


    Quelle: mdr


    Bin gespannt... verdient hätten es alle drei Projekte

  • a bissl spät aber:


    auf arte läuft seit 20:40 "Welthauptstadt Germania"



    weitere Tipps:
    MDR:
    im Sachsenspiegel von heute (Mitttwoch):
    Exklusiver Blick ins neue Grüne Gewölbe


    ist zwar schon vorbei, aber morgen läuft eine Wiederholung um 4:00 Uhr, wer Lust hat...


    EinsExtra:
    heute 21:03 Uhr
    Dresdner Gespräche:
    Welterbe oder Elbbrücke - Wird Dresden von der UNESCO erpresst?
    Wiederholung morgen 7:30 Uhr


    ebenfalls morgen auf EinsExtra
    06.00 Uhr
    "Berliner Museumsinsel, Götter und Giganten - Das Pergamonmuseum (3)"


    21:03 Uhr
    "Bauen für Preußen - Karl Friedrich Schinkel"


    und für die, die nicht so frü aufstehen wollen/keine Zeit haben fernzusehen
    kleiner Tipp: auf onlinetvrecorder.com kann man sich die filme aufnehmen lassen, is aber nicht wirklich was für sensible Augen (Ton ist in Ordnung, Bild ist klein und pixelig, aber für kürzere Beiträge reichts...)

  • Schaut euch unbedingt die Wiederholung der Dokumentation über Germania an.


    Zeitpunkt: Samstag, 15.15 Uhr auf Arte.


    U.a. wird auf den Zusammenhang der Moderne mit den Nationalsozialisten und die schon in den 30ern betriebene Stadtzerstörung eingegangen.

  • Sendung auf 3sat
    Dienstag, den 15.08.2006, 18:00 Uhr


    Von der Ruine zur Residenz


    Der Wiederaufbau des Dresdner Schlosses
    Film von Sibylle Muth
    (Erstsendung: 11.1.2006)


    Das Dresdner Schloss ist die älteste und teuerste Baustelle Sachsens. Mehr als 300 Millionen Euro steckt der Freistaat in den aufwändigen Wiederaufbau der Gemäuer, die 1945 zu fast 85 Prozent zerstört wurden. In der DDR drohte der Ruine der Abriss, doch Denkmalpfleger, Kunsthistoriker und Handwerker wehrten sich dagegen. Seit 1985 wird das Schloss nun wieder aufgebaut. Sibylle Muth hat Handwerker und Planer bei der Arbeit beobachtet.



    Novaearion
    War gut dein Tip mit Germania :)

  • Auf arte läuft seit 5 Minuten eine Doku über junge Leute in Noto/Sizilien.


    Es geht zwar nicht um Architektur, ist aber auch unter diesem Gesichtspunkt sehenswert, da Noto neben Dresden, Würzburg usw. als eine der Perlen des europäischen Barock gilt. Die Stadt wurde Ende des 17. Jahrhunderts nach einem verheerenden Erdbeben komplett neu im Barockstil erbaut.