Pfaffenhofen an der Ilm

  • So sieht das Café Herb heute aus:


    http://www.paf2go.de/newsblog/…-naturbackstube-wiesender


    Nur die Fassade blieb erhalten, das Innere präsentiert sich in schönstem Sichtbeton mit frei liegenden Rohren! Wirklich ganz allerliebst. Natürlich ist man total begeistert:
    Im Gebäude selber haben Planer und Handwerker ganze Arbeit geleistet.
    Modern und ungewöhnlich, Natur und Technik, Holz und Beton, im neuen
    Gastraum prallen die Gegensätze aufeinander.
    Die Gäste waren voll des Lobes ob dieser mutigen Mischung und haben bis tief in die Nacht

    hinein, schon mal die Köstlichkeiten italienischer Panini Backkunst probiert.


    Unglaublich, dass man auf die Zerstörung historischer Bauten am Hauptplatz auch noch unglaublich stolz ist:



    Der obere Hauptplatz mausert sich, wenn dann auch noch das Landratsamt fertig ist, haben wir ganze Arbeit geleistet. Johann Baierl der heimliche Bauherr des Neuen Hauptplatzes, ist mehr als zufrieden. Wolfgang Eichenseher, der als Planer zusammen mit der Fa. Hechinger, auch das Gebäude hinter der Herb Fassade und eben das Landratsamt betreut hat, stößt ins gleiche Horn. Hier steckt viel Pfaffenhofener Herzblut drin, der Hauptplatz ist und bleibt das Wohnzimmer der Heimatstadt.


    Nach wie vor leuchtet mir nicht ein, wieso die Denkmalpflege die Zerstörung des Gebäudes, dessen älteste Teile aus dem 16. Jahrhundert stammten, zulassen konnte. Das Gebäude war schließlich keineswegs baufällig, sondern offenbar noch sehr gut in Schuss, wie die Bilder, die vor dem Abbruch gemacht wurden, belegen:

    http://static.panoramio.com/photos/large/114501377.jpg



    Aber vermutlich ließ sich der Altbau nicht so nutzen, wie sich die Investoren das vorstellten.

  • Das ist eine sehr beunruhigende Nachricht. - Allerdings verstehe ich nicht ganz den Vorteil für die Denkmalbehörden, wenn die Fassaden gestrichen werden. Haben die dann einfach weniger Arbeit? Oder hat sich das Denkmalverständnis jetzt verändert?


    Die erhaltenen Fassaden zeigen noch immer den Charme und Charakter der Entstehungszeit, und geben uns einen Eindruck der damaligen Bauepoche. Die Idee des Architekten ist noch sichtbar. Dieses Erlebnis, das Sehen und Spüren der Fassaden, ist doch der Sinn eines Denkmals. Selbst wenn es im Inneren des Hauses nicht mehr so ist.


    Diese Entscheidung muss auf jeden Fall zurückgenommen werden.

  • Es könnte Folgendes dahinter stecken:


    Es soll vermutlich von oben her eine "Obergrenze" für Baudenkmale bestehen. Man möchte wohl lieber Personal sparen und Stellen streichen, in jenen Bereichen, die als nicht so wichtig angesehen werden. Es ist allenthalben der Trent festzustellen, dass vermehrt Gebäude ab 1950 unter Schutz gestellt werden. Man möchte von seiten des Staates wohl damit demonstrieren, wie modern und zeitgemäß der Denkmalschutz inzwischen ist (nicht etwa rückwärts gewandt). Da man aber auch nicht endlos zusätzliche Baudenkmäler möchte, bleibt auf der anderen Seite nur die Möglichkeit, bisher unter Schutz stehende historische Gebäude aus der Denkmalliste zu streichen.


    Die Streichung von historischen Gebäuden aus den Denkmallisten kann man einserseits dadurch erreichen, dass man entweder verwahrloste Gebäude mit dem Argument der Unzumutbarkeit der Erhaltung zum Abriss freigibt. Dass dies massenweise geschieht wissen wir hier in diesem Forum alle. Die andere Möglichkeit alte Baudenkmäler los zu werden, ist dass in Sanierungsfällen der Denkmalschutz nach Durchführung der Sanierungsmaßnahme wegen nunmehr "zu wenig" vorhandener "originaler Bausubstanz" aufgehoben wird. Letzteres ist in meinen Augen ein unverantwortlicher Substanzfetischismus. Wenn, z. B., wie im vorliegenden Falle, die originale Fassade am Hauptplatz unter Denkmalschutz stehen bleibt, dann wird das Stadtbild insoweit erhalten, gewahrt und nur unter Denkmalschutz bleibt diese Fassade auch für die Zukunft geschützt und damit auch das Gesicht des Hauptplatzes für die Zukunft erhalten und gerettet.


    Der Schutz des Stadtbildes und somit der Schutz des Charakters einer Stadt oder Gemeinde muss als Kriterium des Denkmalschutzes endlich anerkannt werden. Sonst geht viel zuviel verloren. Bevor also noch mehr alte, wertvolle Bauten, seien es auch nur die Fassaden, verloren gehen, wäre es m. E. allemal besser, man stellte stattdessen weniger 50er bis 70er Jahre Bauten unter Denkmalschutz. Letztere weisen, im Gegensatz zu den schönen, alten Fassaden, zumeist ohnehin keinen Orts typischen Charakter auf und könnten in aller Regel überall stehen..

  • In dieser Stadt wundert einen doch gar nichts mehr. Wenn dieses Abbruch-Tempo so weitergeht, dann sind von der historischen Altstadt in 20 Jahren nur noch die Kirchen und das Rathaus übrig.

  • Weitere Abbrüche stehen in der Frauenstraße an, wo das neue "Frauenstraßenquartier" entstehen soll:https://www.pafunddu.de/pfaffe…enstrassenquartier_a11101

    https://pfaffenhofen.de/paf-un…ene-auf-der-tagesordnung/

    Weiß jemand etwas Genaueres zu den dort stehenden Gebäuden?

    Frauenstraße 30, Bäckerei Breitner:https://www.golocal.de/ublmedi…/ori_d994888ea7a1f7f9.jpg

    Frauenstraße 20, Salon Märtl:https://s3-media0.fl.yelpcdn.c…p9MSAgJtleKyEbxPuEQ/o.jpg

    Keines dieser doch recht ansehnlichen Häuser steht unter Denkmalschutz!

  • Das kann doch nicht wahr sein. Das sind zumindest äußerlich völlig intakte und schmucke Gebäude. Eine Zierde für das Stadtbild. Wie können die auf die Idee kommen, das abreißen zu wollen?


    :kopfwand:

  • Was den Denkmalschutz angeht, ist Pfaffenhofen eine einzige Katastrophe. Hier regiert die Abrissbirne!

    Hier noch ein älterer Beitrag zum Abbruch des Baudenkmals Münchener Straße 7:https://pfaffenhofen-today.de/6370-haus-nummer-sieben

    Rückseite früher (mit idyllischem Laubengang):https://www.hkk-paf.de/images/…0db-9fe4-3df431a5425d.jpg

    Heute:https://www.hkk-paf.de/images/…cab-8972-2c54b2ca2e5e.jpg

    Haus Weilhammer:https://www.hkk-paf.de/news_single.aspx?ID=99

    Café Herb, Hauptplatz 37:https://www.hkk-paf.de/news_single.aspx?ID=119

    https://www.hkk-paf.de/news_single.aspx?ID=115

  • Mittlerweile ist ein weiteres historisches Gebäude am Hauptplatz verschwunden, das Café Hipp:

    PAF_Hauptplatz_6.jpg

    Zweigeschossiger, giebelständiger Satteldachbau mit Giebelaufsatz, Mitte 19. Jahrhundert

    Marienfigur, gusseisern, wohl 1897

    Quelle: Wikipedia

    https://de.wikipedia.org/wiki/…ziehermuseum_Pfaffenhofen

    https://pfaffenhofen-today.de/43603-denkmal-270318

    In Abstimmung mit dem bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Kreisheimatpfleger hat das Pfaffenhofener Landratsamt laut heutiger Mitteilung den Eigentümern des Café Hipp und des ehemaligen "Eisen-Urban"-Gebäudes am Hauptplatz in Pfaffenhofen eine Kompromiss-Lösung zur Höhen-Entwicklung bei den geplanten Baumaßnahmen vorgeschlagen: Orientierungspunkt könnten demnach die links und rechts an das Dreier-Gespann aus Markt-Apotheke, Eisen-Urban-Gebäude und Café Hipp angrenzenden traufständigen Gebäude bieten. An der zentralen Forderung indes hält die Kreisbehörde fest.

    Zum Hintergrund des erarbeiteten Kompromiss-Vorschlags wird erklärt: Das Café Hipp möchte sich erweitern, um den seit über 400 Jahren bestehenden Standort am Hauptplatz beibehalten zu können. Auch bezüglich des Nebengebäudes, ehemals Eisen-Urban, stehe ein Ersatzbau an. Die beiden Gebäude gehören zusammen mit der Markt-Apotheke zum Ensemble des Hauptplatzes. Besonders ist dabei: Bei dem Dreier-Gespann handelt es sich nach Angaben der Kreisbehörde "um die einzigen drei giebelständigen Häuser auf dieser Seite des Hauptplatzes".Alte Aufnahme:https://pfaffenhofen.de/media/…-255-255-255.original.jpg

    Wenn der Schwund an historischer Bausubstanz am Hauptplatz so weitergeht, gibt es dort bald keine alten Häuser mehr.

    Hier der deutlich höhere Neubau:http://www.architekturbuero-ob…folio/items/hauptplatz-6/

    Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann die Apotheke nebenan (Hauptplatz 10) abgebrochen wird, denn der Bau passt ja so gar nicht mehr

    zu den wesentlich höheren Neubauten, von denen sie bedrängt wird:


    Wohn- und Geschäftshaus

    Es ist schon erstaunlich: bei nahezu jedem Abriss wird auf das denkmalgeschützte Ensemble des Hauptplatzes verwiesen, die alten Häuser opfert man aber dann ohne mit der Wimper zu zucken. Ein schicker Neubau reicht offenbar, um den Gesamteindruck zu erhalten. In dem Ort schreckt man wirklich auch vor nichts zurück und man fragt sich, welches Gebäude als nächstes dran ist. Der Denkmalschutz hat sich hier als völlig unwirksam herausgestellt.

  • Hier wird mal wieder die Machtlosigkeit des Denkmalschutzes als Inkompetenz oder Gleichgültigkeit hingestellt. Das ist schlicht unfair. Es hat ein monatelanges Ringen um den Erhalt des historischen Café Hipps und des Dreiergespanns gegeben. Dafür musste die Denkmalpflege viel Kritik und "Schläge" einstecken. Letztlich war es eine Entscheidung der Politik und man musste dann schauen was zu retten ist, so dass man den besagten Kompromiss eingegangen ist. Erst informieren, dann urteilen.

  • Hallo Kurprinz. Die Denkmalpflege als Institution hatte ich keineswegs kritisiert und ihr auch keine Inkompetenz vorgeworfen. Ich schrieb nur, dass sich der "Denkmalschutz als völlig unwirksam herausgestellt" hat, was heißen soll, dass die Unterschutzstellung dem Gebäude letztendlich nichts genutzt hat, wie so vielen anderen Gebäuden am Hauptplatz auch, die inzwischen abgerissen wurden. Die Schuld liegt eher bei der Politik und den Stadtvätern, die, anders als in anderen Städten, die identitätsstiftenden Bedeutung der historischen Bausubstanz nicht erkannt haben und wirtschaftliche Interessen für wichtiger halten. Wenn man dem Foto oben Glauben schenken darf, war das Haus offenbar noch gut in Schuss und nicht derart heruntergekommen, dass es abgerissen werden musste. Der eigentlich Grund war, dass man sich erweitern wollte und dass ging bei der geringen Grundfläche wohl nur, indem man das Haus beseitigte und in die Höhe baute. Bei der Höhenentwicklung hat man sich dabei, wie auch andernorts, natürlich an dem Nachkriegsbau von Eisen-Urban, der inzwischen ebenfalls beseitigt wurde. Der historische Vorgänger war deutlich niedriger:https://www.hkk-paf.de/images/…570-91bc-082ef8e9ebf6.jpg

    Der nun erzielte Kompromiss ist meines Erachtens ein fauler, denn der denkmalgeschützte Altbau ist nun weg und wurde durch einen deutlich höheren Neubau ersetzt, dessen leicht historisierende Formen als Feigenblatt herhalten müssen und den Verlust des Originals mildern sollen. Fest steht, dass die Liste der abgebrochenen Häuser am Hauptplatz in den letzten Jahren immer länger geworden ist und ihnen weder der Ensembleschutz, noch die Ausweisung als Einzeldenkmal geholfen hat:

    Hauptplatz 6 (Café Hipp), 2020 abgerissen

    Hauptplatz 18 (Sigl-Bräu), Einzeldenkmal, abgerissen

    Hauptplatz 37 (Café Herb), Einzeldenkmal, bis auf die Fassade abgerissen

    Hauptplatz 39 (Bortenschlager), 2011 abgerissen

    Leider hat auch die Herausgabe der Denkmaltopographie im Jahre 1992 nicht zu einem sensibleren Umgang mit dem Stadtbild geführt. Die liebevoll gestaltete Umgebung des Pfänderturmes spricht doch Bände:https://d2exd72xrrp1s7.cloudfr…=768&height=576&crop=true

  • Vor drei Jahren war ich das erste Mal im Stadtzentrum von Pfaffenhofen an der Ilm.


    Der Hauptplatz war damals -mit Ausnahme des Landratsamtes- ein optisch recht geschlossenes und ansprechendes Ensemble.


    Ansonsten fiel mir auf, dass es zwar eine Menge schöne Gebäude im Zentrum gibt, aber fast nur isoliert zwischen unpassenden Neubauten stehend, so dass sich insgesamt kein schönes Ortsbild einstellt.


    Ich habe nach meinem Besuch damals in Erwägung gezogen der Stadt Pfaffenhofen zu schreiben, wie scheußlich man diese Stadt zugerichtet hat. Vielleicht mache ich es jetzt.


    Oft wird man keiner Antwort gewürdigt , aber ich denke sie sollen ruhig wissen wie minderwertig man das Stadtbild gestaltet hat, und nicht denken es wäre gelungen und alle finden es toll


    Vorletztes Jahr war ich in Neuburg an der Donau. Nicht nur vom Renaissance-Schloss mit Sgraffito-Putz und der Altstadt, sondern auch vom neuen Zentrum war ich (von ein paar Schnitzern abgesehen) sehr angetan.


    Da man dazu neigt eher zu meckern, als zu loben dachte ich mir ich schreibe eine E-Mail an die Stadt. Prompt kam eine sehr nette Antwort, wo man mir mitteilte, dass man sich über das Lob sehr gefreut hätte, und ja, dass man auf den Erhalt des Stadtbilds großen Wert lege.

  • Hallo Ravensberger,


    ich bezog mich mit meiner Aussage über die ungerechte Kritik an der Denkmalpflege nicht ausschließlich auf Ihren Post sondern auf einen Grundton, der hier im Forum oft durchschlägt. Die Denkmalpflege ist weit weniger mächtig als hier viele denken; ein kleiner provinzieller Landrat oder Oberbürgermeister kann fachliche Entscheidungen mit einer Unterschrift zunichte machen. Ideal der deutschen Denkmalpflege ist der Substanzerhalt und weniger die subjektive Schönheit oder das Stadtbild. Das kann man gut finden oder nicht. Ist aber nun mal so gesetzlich geregelt. Stadtbildpflege und Denkmalpflege können oft weit auseinander liegen. Im konkreten Fall war das Cafe Hipp nicht mal als Einzeldenkmal geschützt (da war so gut wie nichts an alter Substanz - nur eine schöne Fassade), nur die Madonna ist und war vor/nach dem Abbruch in der Liste. Dennoch hat die Denkmalpflege monatelang für den Erhalt gekämpft. Genau wegen des von Ihnen genannten Arguments "Dadurch wirkt der der verbliebene Altbau der Apotheke [Einzeldenkmal] jetzt wie ein Fremdkörper". Die Politik wollte wegen der Wirtschaftsförderung den Abbruch und weg war die Maßstäblichkeit der Häusergruppe. Jetzt hätte sich die Denkmalpflege beleidigt zurück ziehen können, doch um der originalen Madonna wieder einen Rahmen zu geben und das Platzbild nicht durch einen Glasklotz zu verschandeln ist man den Kompromiss eingegangen, die Fassade erhöht "nachzuempfinden". Wäre es besser gewesen, es nach der verlorenen Schlacht einfach laufen zu lassen?