Berlin - Schloss Charlottenburg & Stülerbauten

  • Die Morgenpost meldet heute den Abschluss der Renovierungsarbeiten am und im Schloss Charlottenburg. Dazu zählen auch die Paraderäume im Erdgeschoss aus der Barockzeit (nach der Vernichtung des Stadtschlosses die einzigen noch erhaltenen Räume im Stil des preußischen Barocks). Wiederhergestellt wurde dabei auch das Paradeschlafzimmer Friedrichs I. mit dem prächtigen Bett. :daumenoben:
    .

  • Da haben die Pressevertreter bei der Pressekonferenz mal wieder nicht richtig zugehört - es kann keine Rede von "Abschluss" sein: Es handelt sich um eine Teileröffnung. Am Alten Schloss, der Orangerie und am Theaterbau geht die Fassadensanierung weiter. Auch sind "nur" das Erdgeschoss des Alten Schlosses und der Neue Flügel zu besichtigen. Allerdings ist die Neupräsentation im Alten Schloss sehr sehenswert.

  • Dann frage ich gleich noch mal nach, da du ja wohl Ahnung hast: Was wird renovierungstechnisch aus der Wohnung von Friedrich Wilhelm IV. im Obergeschoss des Alten Schlosses? Als ich vor einigen Jahren dort war machten mir die Räume einen reichlich runtergekommen Eindruck, und auch die Neon-Röhren an der Decke fand ich reichlich unangemessen. :augenrollen:

  • Genau das meinte ich: es sind Renovierungsabschnitte. Diese Räume (1. OG Altes Schloss) werden saniert und neukonzipiert. Meines Wissens eröffnen die 2018.

  • Noch einige Ansichten des hüllensanierten Schlosses von heute.





    Noch nicht saniert, der Orangerieflügel...


    ...sowie der Langhansbau an der Westseite.


    Auch auf der Gartenseite des Hauptbaus stehen sind die Arbeiten noch nicht beendet.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Zunächst mal:
    Eine qualitativ absolut gelungene Sanierung! Eine Wohltat für Charlottenburg. Eine Ehre für Berlin.
    Selten ist so konsequent ein Stück Berlin verschönert worden.


    Allerdings gibt es auch Dinge, die noch nachgearbeitet werden müssen:
    [1] grüne Schlosskuppel mit sehr deutlichen Schadstellen, die das Gesamtbild beeinträchtigen
    [2] Eingangsportal (schmutzig schwarzer Stein)
    [3] Fensterläden und Fassade des Schinkel-Pavillons (hier blättert die Farbe in Quadratmeter-Stärke ab)


    Ich hoffe sehr, dass die Entscheider diese zentralen Punkte bis zur endgültigen Fertigstellung noch berücksichtigen.

  • Ich finde den Langhans-Anbau irgendwie total unpassen. Passt weder farblich (was sich natürlich einfach beheben lässt) noch von den Proportionen oder Stil. Hätte man damals lieber separat gegenüber oder anstelle der Alten Orangerie bauen sollen, aber nicht so direkt im Anschluss, als Teil des Schlosses.

  • Ich war neulich auf einem Instagramwalk, der von der SPSG organisiert wurde, im Schloss Charlottenburg auf Fototour unterwegs. Genauer gesagt in den Paraderäumen Friedrichs I. im Alten Schloss. Dort ist seit Anfang Oktober auch erstmals wieder das Paradebett des ersten preußischen Königs zu sehen. Allerdings erstmal nur rudimentär mit den erhaltenen Textilien vom Baldachin und unteren Bettgestell. Die ganze Pracht soll dann bis 2019 wiederhergestellt sein.


    Für mich sehr beeindruckend war das Porzellankabinett im Schloss:



    Wer mehr Eindrücke vom Rundgang durch die Parade- und Wohnräume Friedrichs I. und Sophie Charlottes haben möchte, klickt einfach hier.

  • Ah, danke für das Bild des Porzellankabinetts!
    Ich war da in den 90ern mal drin mit 2 Freundinnen, wir machten eine Führung mit, und weil wir so interessiert und begeistert waren, zeigte uns der Schloßführer auch noch zusätzlich das Porzellankabinett und die Kapelle, die sonst nicht unbedingt auf dem Programm stehen. Ich habe den Eindruck, es ist inzwischen noch ein bißchen prunkvoller geworden...

  • Jetzt mal eine Frage an die Kenner von Schloß Charlottenburg. Ich staune doch immer wieder, wenn ich Fotos von den Innenräumen sehe und wundere mich, daß die erhalten sind. Schloß Charlottenburg wurde doch im II.Weltkrieg sehr zerstört, oder!? Wie konnten da soviele Räume erhalten bleiben? Oder sind viele rekonstruiert worden? Dann offensichtlich in sehr gelungener Weise, oder!?

  • Die Charlottenburger Räume sind größtenteils Rekos. Interessanterweise aber in sehr unterschiedlicher Qualität und Ausführungsgrad. Nach dem Motto: Je später gemacht - desto besser.
    Goldene Galerie, Kapelle und Porzellankabinett sind ein Traum!!!!!

  • Dort ist seit Anfang Oktober auch erstmals wieder das Paradebett des ersten preußischen Königs zu sehen. Allerdings erstmal nur rudimentär mit den erhaltenen Textilien vom Baldachin und unteren Bettgestell. Die ganze Pracht soll dann bis 2019 wiederhergestellt sein.

    Wow - toll, das wusste ich ja gar nicht.......

  • [...] Nach dem Motto: Je später gemacht - desto besser. [...]

    Was heißt, dass sie durchweg mindestens guter Qualität sind?

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • Die späten Rekos seit Anfang-Mitte der 1970er Jahre sind sehr gut geworden. Bei denen der 50er/60er Jahre hat man teilweise recht willkürlich die Hälfte weggelassen....

  • Es gehört zur traurigen Ironie der Geschichte, dass das Charlottenburger Schloss seine Rettung und Wiederaufbau vor allem der Sprengung des Stadtschlosses verdankt. Auch das Charlottenburger Schloss war in den Nachkriegsjahren akut abrissgefährdet, man sprach argumentatorisch ähnlich primitiv wie im Ostteil der Stadt von einem nicht erhaltenswerten Relikt des "Hohenzollern-Imperialismus" und plante für ein großes Kaufhaus auf dem Schlossterrain. Die Sprengung des Stadtschlosses 1950 gab den Entscheidungsträgern im Westen dann die Gelegenheit, sich durch einen Wiederaufbau des Charlottenburger Schlosses von den "Kulturbarbaren" im Osten deutlich abzugrenzen.


    Die dann über mehrere Jahrzehnte durchgeführte Rekonstruktion der Innenräume ist als absolut gelungen und mustergültig zu bezeichnen. Hier ein paar Bild-Vergleiche:


    Die Schlosskapelle:
    heute
    1945


    Die Goldene Galerie:
    heute
    1945


    Der Ovale Saal (1.OG)
    heute
    1945


    Man erkennt dass die Raumdekorationen in den meisten Schlossräumen nach dem Krieg nur noch in Ansätzen vorhanden waren und trotzdem bis in kleinste Detail wunderbar wiederherstellt wurden. Warum sollte man das nicht auch in einigen Räumen im Stadtschloss wiederholen??
    .

  • Bei denen der 50er/60er Jahre hat man teilweise recht willkürlich die Hälfte weggelassen....

    Ich weiss jetzt nicht genau, wann was rekonstruiert wurde, aber weggelassen wurden in den Räumen im Alten Schloss häufig die Deckenausmalung, z.B. in der Wohnung Sophie Charlottes. Im Neuen Flügel wurde im Weißen Saal das Deckenbild von Pesne durch eine "abstrakte Farbsinfonie aus Pastelltönen" bei der Rekonstruktion in den 1970iger Jahren ersetzt. In anderen Räume wurde lediglich die Kubatur wiederhergestellt, so im OG des Alten Schlosses. Diese Räume dienten einst als Kronprinzenwohnung für Friedrich Wilhelm (I.) und später für Friedrich Wilhelm IV.

  • Ich weiss jetzt nicht genau, wann was rekonstruiert wurde, aber weggelassen wurden in den Räumen im Alten Schloss häufig die Deckenausmalung, z.B. in der Wohnung Sophie Charlottes. Im Neuen Flügel wurde im Weißen Saal das Deckenbild von Pesne durch eine "abstrakte Farbsinfonie aus Pastelltönen" bei der Rekonstruktion in den 1970iger Jahren ersetzt. In anderen Räume wurde lediglich die Kubatur wiederhergestellt, so im OG des Alten Schlosses. Diese Räume dienten einst als Kronprinzenwohnung für Friedrich Wilhelm (I.) und später für Friedrich Wilhelm IV.

    Genau hier liegt das Problem. Die Deckenbilder sehen nach Hippietraum aus, und stehen in sehr krassen / schlimmen Kontrast mit den Wänder die in der Regel sehr schön, verblüffend rekonstruiert wurden.
    Ich war dort in September, und bereuhe dass ich diese neu-eröffnete Raüme nicht sehen konnte, die sind echt schön.