Leipzig - aktuelle Ansichten (Galerie, Bilder teilweise gelöscht)

  • Nach Fertighaus sieht das allerdings nicht aus, zumal es Fertighäuser dieser Größe m.W. gar nicht gibt. Ich sehe hier eher eine gerade noch erträgliche Kombination von alltäglicher, dürftig proportionierter, kleinfenstriger deutscher Dutzendware und asiatischen Applikationen, die doch allemal in der Tristesse deutscher Vorstädte sensationell wirken muss.

  • Ich hätte der Leipziger vietnamesisch-buddhistischen Gemeinde einen attraktiveren Standort gewünscht.


    Die Erbauer der Yenidze und der Neuen Synagoge Berlin hatten ganz anderer Mittel zur Verfügung. Unsere vietnamesischen Nachbarn hatten es nicht leicht. Mit Energie und Durchhaltevermögen haben sie sich in einer manchmal unfreundlichen Umgebung neue Existenzen aufgebaut. Um ihre Kultur zu pflegen und zu leben bauen sie sich den Tempel. Ich wünsche unseren Nachbarn dafür alles Gute.

  • Auch in der Petersstraße wurden viele Gebäude zerstört. Bereits kurz nach dem II. Weltkrieg wurden neue Gebäude errichtet. Bis auf eine Baulücke am Markt wurden die Fronten wieder geschlossen. Nach dem Preußergäßchen wurde die Petersstraße bis zum Markt verbreitert.





    Fotothek df roe-neg 0001374 001 Petersstraße mit dem Freien Kaufhaus [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], by Roger Rössing (1929–2006)







    Die Baulücke im Bereich des heutigen Karstadt-Kaufhauses wurde erst nach 2000 geschlossen.




    Fotothek df roe-neg 0001375 004 Bäckerei (Feinbäckerei Gustav Kämpfe) auf der Peterstraße [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], by Roger Rössing (1929–2006)




    Fotothek df roe-neg 0001375 003 Stentzlers Hof, Trümmer [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], by Roger Rössing (1929–2006)








    Für diesen Bereich zwischen Markt, Petersstraße und Peterskirchhof hat sich die Leipziger Bürgerschaft für eine Grünanlage und gegen eine Wiederbebauung entschieden.




    Fotothek df roe-neg 0001373 003 Aufräumarbeiten vor der Thomaskirche [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], by Roger Rössing (1929–2006)






    Eigene Fotos - soweit nicht besonders gekennzeichnet

  • Leipzig ist schön. Die Innenstadt ist wesentlich urbaner als die Dresdens, weil diese meines Wissens nach auch "nur" zu 50% zerstört wurde.


    In Leipzig sind aufgeklärte Geister am Wirken, Thema Gründerzeitlersanierung bzw. mondäne Neubauten. In Dresden scheint allerdings seit Anfang 2016 ein Umdenken einzusetzen aber leider ist das reaktionäre Bauhaus noch sehr präsent, welches alles andere als mondän ist.


    Das Neue Rathaus gefällt mir auch sehr gut. Unser Neue Rathaus ist leider nur noch ein Schatten seiner einstigen Pracht. Da beneide ich Leipzig ebenso wie für die zentrumnahen Gründerzeitviertel. Da ist in Dresden nichts übrig geblieben.


    Allerdings laufen in Dresden derzeit wichtige Projekte an und in ein paar Jahren wird die Innenstadt diesen Namen auch wieder verdienen.

  • Stimmt! In Dresden wird der Neumarkt auch wieder so etwas wie ein kleines zusammenhängendes Altstadtviertel werden, zwar immens kleiner als wie in L, aber dafür mit Schloß, Frauenkirche etc. Leider fehlt Dresden ebenso die urbane Anbindung an ein erhaltens Viertel. Das könnte in Dresden nur noch über die Neustadt mit dem Narrenhäusel und der Wiedererrichtung des Neustädter Marktes werden. Dann aber wäre die Insellage des Dresdner Neumarkts zumindest mit einer lebenswerten Ader verbunden. Da hat Leipzig ein richtig großes Glück gehabt, dass dort wesentlich mehr zentrumsnahe Altbausubstanz erhalten blieb.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Wir sind neulich stundenlang in den herrlichen Strassen des Waldstrassenviertels gewandert. Überhaupt waren wir von Leipzig in seiner ganzen Lebendigkeit begeistert. Es stimmt dass solche Zentrumsnahen Viertel in Dresden fehlen. Aber die Wilsdruffer Vorstadt bietet die Möglichkeit etwas lebendiges und weltstadtwürdiges aufzubauen. Es wartet noch das Marstall Gebäude dort auf einer Sanierung. Und ich habe neulich gelesen, dass die Orangerie Ruine völlig wiederaufgebaut werden soll. Einige Häuser aus der Gründerzeit stehen noch in der Nähe, und an dieser Kulturfabrik wird gearbeitet. Langsam entsteht wieder eine interessante Verbindung zwischen dem alten Zentrum und der noch kostbaren Friedrichstadt.

  • Die Nikolaistraße in Leipzig in den 1980er-Jahren

    Eines der hochwertigsten Grundstücke in dieser Hauptgeschäftsstraße völlig vergammelt, nur mit einer erdgeschossigen Baracke bebaut, dahinter eine Ruine? Völlig unverständlich. War das denn symptomatisch für den Zustand Leipzigs vor der Wende?


    Es heißt ja, die totale städtebauliche Vernachlässigung von Leipzig habe erheblich zum Untergang der DDR beigetragen.

  • Lücken wurden mit modernen Bauten geschlossen,

    Ja, aber was für üble Bauten. Das ist eben das Hauptproblem Leipzigs. Es hat viel alten Bestand, aber jeder Neubau macht das Bestehende optisch zunichte. Daher wird die Stadt auch keinen wirklichen Charme entwickeln können. In Berlin wird wesentlich schöner gebaut.

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • Die Ansicht, dass in Berlin schöner gebaut wird, kann ich überhaupt nicht teilen. Da sollte man sich in einer Stadt die fast so groß wie ganz Sachsen ist nicht von einigen gefälligen Gebäuden täuschen lassen. Allein die immer noch massenhaft stattfindenden Styropordämmungen in Berlin machen das wieder zu nichte. Da steht ja nicht annähernd so viel unter Denkmalschutz wie in Leipzig.

  • Was sollte zu Ostzeiten schon entstehen.

    Ob der Hauptbahnhof mit seinem vollkommen zerstörten Querbahnsteig und seiner ganz kaputten Westhalle im Westen so gut (wenn auch leicht abgeändert) wiederaufgebaut worden wäre, ist sehr fraglich. Solche Absolutierungen finde ich genauso problematisch wie wenn andere die katatonische Lähmung der DDR in ihrer Schlußphase oder ihre vielen oft ideologischen Abrißorgien leugnen.
    Ganz konkret in der Nikolaistraße ist beim Zeppelinhaus eine der besten Plattenfüllbauten entstanden, die es gibt. Für sich nicht wirklich schön das Haus, aber es fügt sich perfekt wie ein Chamäleon in die Nikolaistraße ein und fällt null auf. Eine der Eigenschaften die den meisten Nachwendefüllbauten abhanden gekommen ist.

    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

  • ^
    Ich sehen das auch eher entspannt und als Beobachter. Bloß gut, dass die von der Partei sich mit Parolen, Fahnen und Bannern beschäftigt hatten. Da hatten sie nicht so viel Zeit, alles kaputt zu machen.


    Inzwischen restaurieren und rekonstuieren nichtostdeutsche Bauherren DDR-Bauten.

  • Zum Einen kann man Leipzig kaum mit Berlin vergleichen, zum Anderen ist Leipzig historisch gesehen kein touristisches Ziel. Also kein Fall für Reiseverkehrskaufmänner. Leipzig ist eher eine Stadt für ihre Einwohner.

    Ich wusste gar nicht, daß andere Städte in Deutschland für Touristen gebaut wurden statt für ihre Einwohner. :foto:
    Aber wenn diese entsetzlichen Neubauten in Leipzig (wie oben dargstellt und auch wie dieses windschiefe UFO, das die Paulinerkirche ersetzen soll) nur für die Einwohner gemacht werden, dann solltet Ihr doch mal mehr Touristen in die Stadt karren. Dann wird es hoffentlich wieder eine Stadt ohne allzu viele Brüche.

  • Quote from Stahlbauer


    Eines der schönsten (spät)klassizistischen Häuser Leipzigs, wie ich finde.

    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

  • @ Stahlbauer
    Vielen Dank für die vielen schönen Bilder! Es ist immer schön zu sehen wie sich die Stadt Leipzig zu einer Perle der Perlen in Deutschland entwickelt!

  • Quote from Stahlbauer

    Für das Waldstraßenviertel in Leipzig ist festzuhalten, dass es kein reines Gründerzeitvietel ist. Die ältesten Gebäude sind deutlich vor dem Deutsch-Französichen Krieg 1870-1871 entstanden.

    Ist ja eigentlich auch eine eher volkstümliche Bezeichnung. Die eigentlich Gründerzeit (1871-73) war ja lange vorbei als die Bauwut Ende der 1880er und in den 1890er so richtig einsetzte.

  • Also wenn ich das richtig verstanden habe, konnte mit den 5 Milliarden Goldfranken Reparationszahlungen Frankreichs zunächst die deutsche Wirtschaft massiv angekurbelt werden. Aus den Gewinnen konnten sich die Unternehmer dann später prächtige Häuser bauen lassen.


    Die Saxonia am sächsischen Finanzministerium in Dresden soll französisches Gold aus ihrem Füllhorn rieselen lassen.




    Dresden-Ministerium-des-Inneren [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) oder CC BY-SA 2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)], von self (Eigenes Werk), vom Wikimedia Commons

  • Das ist ein Mythos. In so etwas Banales sind die Reparationen mehrheitlich ganz sicher nicht geflossen. Die Diskussion über die Auswirkung der Milliardenzahlungen wird hier ganz schön zusammengefasst.
    Die Unternehmen können sich davon schon wenig bis nichts gebaut haben, weil mit dem Gründerkrach unglaublich viel Kapital wieder den Bach runtergegangen ist. In den späten 1870ern und frühen 1880ern wurde im Vergleich zum Bevölkerungswachstum viel zu wenig gebaut. Da einfach privates Geld fehlte. Diese Phase wird wirtschaftlich allgemein als lange Stagnation beschrieben, bis es Ende der 80er richtig los ging und endlich auch Masse gebaut wurde.


    Und überhaupt, siehts denn im geschlagenen Frankreich, in Österreich oder Britannien diesbezüglich architektonisch ärmlicher aus? Ich denke nicht.

  • Wie schon gesagt, ist das Waldstraßenviertel in Leipzig heute ein fast reines Wohnviertel, von nicht unbeachtlicher Ausdehnung.


    Fregestraße









    Vom Architekten Paul Möbius entworfenes Wohnhaus in der Tschaikowskistraße.









    Tschaikowskistraße






    Eigene Fotos.