Abriss des Palastes der Republik

  • Wenn man das Foto von Vulgow ansieht muss man eigentlich nur unendlich dankbar sein, dass dieses Symbol eines miefigen, verfaulenden Spitzelstaats nicht mehr existiert. [...]

    Auch wenn mir der PdR ästhetisch natürlich überhaupt nicht gefällt, ja ihn wie du sagst symbolisch als ziemlich miefig empfinde, so bin ich nicht dankbar oder froh darüber, dass er nicht mehr existiert. Das Thema hatten wir glaube ich im Bezug zur Neuen Reichskanzlei auch schon gehabt und da bin ich derselben Meinung, aufgrund des historischen Wertes, welchen sie trotz ihr kurzen Existenz hatten. Dieses Gefühl an dem Ort, in dem Raum zu sein, in welchem Hitler "residierte" oder Honecker und Co. ihre Reden hielten, an denen wichtige, historische Entscheidungen getroffen wurden, dass hätte das ein oder andere Geschichtsbewusstsein gestärkt.


    Bei Gebäuden wie dem PdR oder dem Kulti in Dresden hätten man wirklich eine Versetzung an passendere Standorte in Erwägung ziehen sollen. Besonders die Sichtachse von Unter den Linden und das "Ensemble" Dom-PdR waren eine Zumutung.


    Naja, nu issa weg, der Balast der Republik. :|

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • Dieses Gefühl an dem Ort, in dem Raum zu sein, in welchem Hitler "residierte" oder Honecker und Co. ihre Reden hielten, an denen wichtige, historische Entscheidungen getroffen wurden, dass hätte das ein oder andere Geschichtsbewusstsein gestärkt.


    Die wichtigen Entscheidungen wurden aber nicht im Palast der Republik getroffen. Hier saß nur die machtlose Volkskammer mit ihren Claqueuren. Viel wichtiger war da etwa das "Haus am Werderschen Markt" oder der Staatsrat, die ja beide noch stehen.

  • Naja ok, dann halt nur auf die Neue RK bezogen und im PdR dann halt verkündet. Wie auch immer, ich hoffe jeder weiß was gemeint ist.

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • Bei Gebäuden wie dem PdR oder dem Kulti in Dresden hätten man wirklich eine Versetzung an passendere Standorte in Erwägung ziehen sollen. Besonders die Sichtachse von Unter den Linden und das "Ensemble" Dom-PdR waren eine Zumutung.

    Eine Versetzung von Stahlbetongebäuden, deren tragendes Skelett in Ortbeton ausgeführt wurde, ist faktisch unmöglich. Das Resultat wäre nicht mehr dasselbe Bauwerk, sondern ein Neubau, da die tragenden Elemente nicht übernommen werden könnten.

  • War der Palast nicht überwiegend eine Stahlträger-Konstruktion, eine Art Fachwerk! (mit dem Asbestzeugs ummantelt, wegen Brandschutz). Nur die 4 Treppenhäuser waren aus Stahlbeton und natürlich die Fundamentwanne, die heute noch teils unter dem Schloßneubau existiert!

  • Eine Versetzung von Stahlbetongebäuden, deren tragendes Skelett in Ortbeton ausgeführt wurde, ist faktisch unmöglich. Das Resultat wäre nicht mehr dasselbe Bauwerk, sondern ein Neubau, da die tragenden Elemente nicht übernommen werden könnten.

    Auch nicht so? (nicht daß sich der Aufwand für den PDR oder Kulti lohnen würde)


    http://files.newsnetz.ch/story…8060251/26/topelement.jpg


    https://upload.wikimedia.org/w…lem_Church_Relocation.JPG


    https://upload.wikimedia.org/w…p%C5%99ed_transportem.jpg


    http://stubbsmovers.com/wp-con…15/12/Shubert-theater.jpg

  • Bei Gebäuden wie dem PdR oder dem Kulti in Dresden hätte man wirklich eine Versetzung an passendere Standorte in Erwägung ziehen sollen.

    Eine Versetzung von Stahlbetongebäuden, deren tragendes Skelett in Ortbeton ausgeführt wurde, ist faktisch unmöglich.

    Man muss natürlich unterscheiden, ob ein Gebäude abgebaut und mit dem gleichen Material an einem andern Ort wieder aufgebaut wird, oder einfach nur verschoben wird. Die Beispiele von Kaoru zeigen verschobene Bauwerke. Ein Betongebäude kann natürlich nicht abgebaut und wieder aufgebaut werden. Das geht nur bei Holzbauten oder bei Massivbauten, die mit Kalk und nicht mit Zement gemauert wurden.


    Abbau/Wiederaufbau und Verschiebung sind beides Versetzungen.

  • ... 8) - dass sich mit entsprechenden Aufwand letzlich theoretisch alles irgendwie machen lässt, ist klar.


    Hier ging es ja um einen Umzug aus dem Stadtzentrum raus auf die "Grüne Wiese", wo die Bauwerke optisch nicht mehr wehtun würden - also streckenmäßig eher um Kilometer, mitten durch dicht bebautes Gebiet und mit Gebäuden, die viel größer sind als die gezeigten Beispiele .


    Also ich korrigiere mich - es wäre nicht unmöglich, sondern "nur" praktisch undurchführbar.

  • Hier ging es ja um einen Umzug aus dem Stadtzentrum raus auf die "Grüne Wiese", wo die Bauwerke optisch nicht mehr wehtun würden - also streckenmäßig eher um Kilometer, mitten durch dicht bebautes Gebiet und mit Gebäuden, die viel größer sind als die gezeigten Beispiele

    Naja beim PDR wäre (rein theoretisch) doch ein solcher Umzug auf die andere Seite der Spree aufs Marx-Engels-Forum möglich gewesen. (Natürlich auch ein riesiger technologischer Aufwand, dazu auch noch die Spree zeitweise an dieser Stelle zuschütten und das Wasser durch Rohre umleiten.)

  • Oh, was für Gedanken! Ich fand den Blick aus dem PdR auf's Marx-Engels-Forum und auf das Fernsehturmareal herrlich, gerade durch die getönten Scheiben. Wenn der Palast verschoben worden wäre - der Blick daraus auf das Schloß - kann ich mir nicht so richtig vorstellen...

    In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

  • Hätte die DDR - nach dem Vorbild Bonns in der BRD - auch eine provisorische Hauptstadt bis zu einer möglichen Wiedervereinigung gehabt, z.B. Karl-Marx-Stadt, dann würden dort vermutlich alle Regierungsbauten noch stehen. Es wäre ein geschichtlicher Anschauungsunterricht beider deutscher Teilstaaten möglich. Wer aber das Zentrum der deutschen Hauptstadt als Machtzentrale wählt, der muss eben bei einem radikalen gesellschaftspolitischen Wandel auch architektonisch weichen. So war es auch beim Wechsel Weimarer Republik zum NS-Staat und danach vom NS-Staat zur DDR und am Ende von der DDR wieder zum demokratischen Gedamtdeutschland.
    Nur der Übergang vom Deutschen Kaiserreich zur Weimarer Republik war für Berlin kein architektonischer Einschnitt. Die Regierenden verspürten damals keinen Drang, das Zentrum Berlins in Bauhausoptik zu verändern.
    Daher müssen wir heute wieder an dem Punkt anknüpfen, bevor diese einschneidenden Veränderungen begannen, also vor Hitler. Dazu ist das Stadtschloß der richtige Weg, denn das Schloß war das Zentrum im Zentrum und von dort muss die Heilung beginnen.

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "