Schlechtes Image der Traditionalisten

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    • Schlechtes Image der Traditionalisten

      Man hört und liest oft, daß die Patzschkes und andere Architekten, die historisierend bauen, von Kollegen nicht ernstgenommen oder sogar angefeindet werden. Der Spiegel hatte vor einiger Zeit Mühe, überhaupt mit den Patzschkes in Kontakt zu treten, weil die sich wegen schlechter Erfahrungen mit der Presse erst zierten. Eine Bekannte, die Architektur studiert sagte mal, daß solche Architekten in der Branche etwa so einen Ruf haben wie die Volksmusiker in der Branche der Musiker.

      Mich würde interessieren, wie so ein schlechter Ruf zustandekommt. Da offenbar viele von Euch Architekturstudenten sind, würde ich gerne wissen:

      Wird einem im Studium so eine Abneigung gegen alles traditionelle (außer Bauhaus), alte, historische, historisierende systematisch eingeimpft? Sind alle Profs und Dozenten so? Gibt es auch welche, die das Ganze wenigstens neutral sehen? Kommt man auch erfolgreich durch's Studium, wenn man offen ein traditionelles Architekturverständnis vertritt und auch solche Entwürfe macht? Wie sind Eure Erfahrungen?

      (Ich selbst habe Jura studiert. Da gibt es auch viele verschiedene Ansichten, Mindermeinungen, Theorienstreit etc. , aber ich hatte immer den Eindruck, daß die Rechtsgelehrten sich trotz abweichender Meinung untereinander achten. Aber das ist natürlich nicht vergleichbar, denn man kann alles vertreten, entscheidend ist in der Praxis aber, was die Gerichte sagen. Bauen kann man hingegen wirklich alles)
    • Hallo Schloßgespenst.

      Ich frage mich, ob man dem Menschen eine Abneigung gegen traditionelle Architektur einimpfen muss.

      Wenn ich deinen Vergleich mit der Volksmusik hernehme so kann ich dazu nur folgendes meinerseits sagen. Volksmusik ist für mich nicht modern sondern etwas aus vergangenen Zeiten. Aber ich würd´s nicht verbieten sondern bin da neutral.

      Vielleicht hat der Mensch, um das auch auf die Architektur zu übertragen, ein natürliches Verständnis davon was modern ist und was aus alter Zeit stammt. Dabei geht es vielleicht nicht bei jeder Mensch Instinkt in aller erster Linie um die Ästhetik sondern um den Eindruck.

      Mit modern verbiete ich High-Tech. Zu High-Tech gehören Raumschiffe. Und Raumschiffe neben einen Altbau zu stellen, sieht wirklich sehr eigenwillig aus.

      Ich möchte aber nicht, dass du dnekst, ich wäre gegen klassische Architektur. Ich kann bestens damit leben, dass es Raumschiffe gibt und wir in traditionellen Gebäuden leben. Das gefällt mir auch sehr gut.

      Aber ich finde es nicht ganz so gut, dass man immer denkt, der Mensch wird manipuliert. Anders betrachtet ist manipulieren eine menschliche Eigenschaft. Insofern wäre manipuliert zu sein genauso etwas natürliches. Wer manipuliert ist, kennt den Unterschied sowieso nicht. Woher weiß man denn, dass man wirklich man selbst ist ? Anstatt manipuliert könnte man das Wort beeinflusst setzen. Jede neue Erfindung beeinflusst unser Leben und darüber bin ich meistens auch sehr froh. Aber ich möchte es nicht bagatellisieren. Sekten manipulieren auch und das finde ich sehr schlecht. Nicht, dass du jetzt denkst, ich wäre dafür zu manipulieren aber mir scheint, als wäre dieser Begriff etwas komplexer.

      Nun zurück zur Architektur, denn sonst gleiten wir zu weit vom Thema ab. Wir tümpeln Heute im Städtebau vor uns hin. Wir haben keine klare Linie.

      Ich stelle mir vor, dass wir Städte bauen in denen klassische und moderne Architektur erlaubt ist. Um es zu konkretisieren. Stellen wir uns vor, es gibt hier ein klassisches Stadtviertel. Überall enge Straßen, Kneipen, Läden, das Leben boomt. Danach schafft man einen weichen Übergang. Vielleicht mit einem Stadtplatz der aus einer tiefer gelegten Wasserfläche mit vielen hochsprudelnten Sprungbrunnen verseheen ist und vielen Bäumen drum herum. Und danach kommt vielleicht ein Viertel Namens Klein-Manhatten. Viele Hochhäuser, enge Straßen, urbanes Leben wie in Manhatten. Danach kommst du in einen anderen Stadtteil, der ist total spacig verbaut. Dort gibt es ebenso die Mischnutzung, denn Mischnutzung und urbane Stadtgrundrissstruktur sind Vorraussetzung, dass eine Stadt Leben enthält. Das hat auch für die Moderne zu gelten. Das klassische Stadtviertel, das spacie Stadtviertel und das Hochhausstadtviertel haben alle eines gemeinsam: Deren Grundriss ist klassisch orientiert und es herrsch Mischnutzung.

      Los Angeles zum Beispiel gefällt mir sehr gut. Oder nehmen wir nur mal Miami oder gar San Francisco. Es gibt allerdings in L.A. Boulevards, da stehen glitzernde Wolkenkratzer, daneben breite Gehwege und darauf stehen Palmen. Und man kann immer den Strand sehen. Das sieht wirklich schön entspannend aus. Es ist zwar kei klassischer Stadtgrundriss aber dennoch ist es schön dort.
    • Also da ich ja Architektur studiere, kann ich quasi ein Liedchen davon singen!

      Ich habe die Erfahrung gemacht dass es teilweiße total auf das Fach ankommt.
      In einem fach , baukonstruktion wäre ein klassifizierter Entwurf durch aus in Ordnung gewesen und ich galube auch dass verschiedne Betreuer das gut gefunden haetten.
      ich persönlich hatte bei diesem Fach keine klassifizierten oder histosierende Entwürfe, sondern sehr klassich moderne Entwürfe, erstens weil es mir gefiel, zweites weil die detail arbeit (masstab 1:10) dannw esentlich einfacher ist!
      aber generl wird ein moderner entwurf sicherlich lieber gesehn

      in dem fach architekturtheorie/kunstgeschichte/baugeschichte/ wird sowas meiner meinung und auch erfahrung nach gern gesehn!

      bei dem fach freihandzeichnen/denken mit dem bleistift habe ich mit solchen entwürfen oder skizzen auch recht gute erfahrungen gemacht!

      das fachh EE; einführung in das entwerfen, werden solche entwürfe nicht unbdingt geschätz!
      ich hatte einen entwürf gemacht, er war sehr klassizistisch gehalten und wirklich sehr schmucklos, halt klassizismus und selbst das wurde abgelehnt.
      meine betreuerin fand den entwurf zwar toll und auch gut und meinte auch das solche art von architektur im kommen wäre aber in diesem fach nicht angebracht wäre!
      (muss dazusagen dass ich es in diesem fall verstehen konnte, da es sich um eine konzept architektur handelt, spirch ich habe ein konzept, meinetwegen wegführung und genau nach diesem raster baue ich bzw entwerfe ich mein haus/bau. dabei entstehen oft unsymetrische formen, was sich dann schlecht klassich gestalten lässt!

      mhhh ansonsten würde ich eher sagen dass der tenor bei den profs und den meisten assis eher der ist, dass sie moderne arch. favorisieren.

      ich habe aber die äusserst positive erfahrung gemacht, dass alle meine mitstudierenden meine klassischen entwürfe äusserst gelungen fanden!

      würde also sagen dass die neue architektren generation sowas nicht mehr als zuverbissen sieht!
    • "Jörn" schrieb:

      ....
      ich persönlich hatte bei diesem Fach keine klassifizierten oder histosierende Entwürfe, sondern sehr klassich moderne Entwürfe, erstens weil es mir gefiel, zweites weil die detail arbeit (masstab 1:10) dannw esentlich einfacher ist!
      .....


      Hallo Jörn,
      heißt das, daß traditionelle Architektur weniger gerne genommen wird,
      weil man einfach sehr viel länger daran arbeiten muss ?
      Eine der Gründerzeit ähnlichen Fassade benötigt doch sicher
      mehr Zeit als ein Kubus aus Glas, oder ?
      Und wenn es um Noten geht - und diese Fast-Food-Fassade
      die gleiche Note (oder sogar besser) bekommt, dann macht man halt den Kubus.
      :sehrtraurig: :lachentuerkis:
    • In einem anderen Forum, wo es nur in einem Thema unter vielen um sogenannte moderne Kunst ging, schrieb jemand, daß ihr Dozent an der Kunsthochschule milde rüffelnd bemerkte:
      "Sie zeichnen gegenständlich? Ja, können Sie denn nicht loslassen?"

      Solange ich nicht wirklich hinter die Motive dieser Leute komme, muß ich sie bei aller Einfachheit des Ausdruckes schlicht als "gestört " bezeichnen.

      Beispiel:
      Vor kurzem war im Feuilleton der FAZ eine lange Rezension über eine Ausstellung der sogenannten Künstlerin Rebecca Horn zu lesen.
      Da entglitt dem Artikelschreibernisten in einem sekundenkurzen, wachen Augenblick folgender Satz:
      "Auf den ersten Blick könnte man die Arbeiten von Frau Horn für bloßes Gekritzel halten."
      Könnte man nicht, konnte man.
      Doch dann fängt er sich und schreibt eine ellenlange verkwustete Elogie auf den scheinbaren Gehalt dieser Kritzeleien.
      Genausogut hätte er schreiben können:
      "Auf den ersten Blick könnte man meinen, der Kaiser sei nackt, jedoch..."

      Tut mir leid, wenn ich Arzt wäre, aber ich verkneif's mir. :gehtsnoch:
    • @ Oliver,

      Im Grunde genommen ist es so! Eine gallte Wand ist a wesentlich einfacher zu zeichnen als eine Fassade mit Gesims etc!

      Ich muss wohl dazusagen dass im fach Baukonstruktion nicht unbedingt entwerfen gefragt ist, sondern wie angesprochen DETAILS!
      Zum Bsp wie funktioniert der Anschluss; Fenster - Wand!
      Wie baue ich einen Rolladenkasten auf und und und....du siehst es steckt nicht viel Entwurf drin sondrn eigenlich nur wie der Name auch schon sagt Baukonstruktion!

      Der oben genannte Entwurf, sollte ein Künsterlhaus darstellen. Ein Haus in dem ein Künstelr seine Portaits malen kann, schläft wohnt etc!
      Als Abgabe waren 2 Din 0 (ca 110x90) M 1:10 Detailschnitte, d.h. mit jeder Schraube und jedem kleinen Fitzel gezeichnet. 5 Treppendetails im M 1:5 und dann die gesamten Grundrisse, Schnitte und Ansichten in 1:50.
      Bei so viel arbeitsaufwand würde ich mir ins eigene Fleisch schneiden wenn ich einen komplizierten Entwurf nehemen würde! Das war es einfach nicht wert, zumal in diesem Fach das Hauptaugenmerk auf den oben genannten Details lag!
    • Nun gut. Aber vielleicht sollte man vielleicht manchmal
      über seinen Schatten springen und dann halt mal 2-3 Stunden
      länger daran arbeiten. Gerade diese "Kleinarbeit" musst Du
      doch später auch machen (wenn Du die vielen trad. Bauten entwirfst).
      Du musst einfach immer daran denken, dass gerade dieser
      Fleiß, den Du jetzt zeigst, später ganz wichtig werden könnte.
      Dieser ornamentreiche Architekturstil wird in wenigen Jahrzehnten
      da sein und dann wirst Du mit diesen Kenntnissen glänzen können. :gg:
    • Das ist einfacher gesagt als getan dass kannst du mir glauben!
      Das dumme ist dass ich letztes Jahr drei socher arbeitsintensive Fächer hatte und irgendwann muss man mal nen Schlussstrich ziehen!
      Davon abgeshen wäre all das mehr als drei bis vier Stunden mehr zeichnen!
      Du musst das ja dann alles im Grundrisszeichnen, dann im Aufriss wo von es ja bekanntlich vier oder noch mehr gibt, dann im Schnitt und zu guter letzt in den Details!

      Bei meinem Bauko-Kolloquium bin ich mit allen sachen genau 1 Stunde vorher fertig geworden, trotzdem ich früh genug angefangen habe!

      Du siehst der arbeitsaufwand wäre wirklich viel viel mehr und ich finde im Grundstudium ist es das nicht wert!

      Davon abgesehn war ich mit meinem Entwurf wirklich super zufrieden und wurde von jedem wirklich sehr bewundert!
    • Okay, das sind jetzt doch mehr pragmatische Gründe: Klar ist ein Bauhaus-Kasten schneller gezeichnet und als Modell gebaut als ein Jugendstil-Bau oder auch etwas klassizistisches.

      Aber, wie gesagt, wie kommt es, daß es teilweise als Frevel angesehen wird, ein Gebäude zu entwerfen, das aussieht wie eines von vor 100 Jahren (z.B. Hotel Adlon). Wieso sagt "man" nicht einfach "ja, sowas kann man entwerfen, ich entwerfe aber lieber was modernes mit Glasfassade und Flachdach, jeder wie er mag", sondern "So etwas entwirft man nicht". Wieso gilt es als falsch, auf frühere Architekturformen zurückzugreifen, die vor 1920 liegen?
    • weil die meisten Architekten sowas als nicht mehr zeitgemäß betrachten!
      Aber wie oebn schon erwähnt meine Mitstudierenden finde sowas toll, auch wenn sie selbst soetwas vielleicht nie entwerfen würden, verurteilen sie sowas nie, sondern sagen wow also so was koennte ich nicht (...also nicht koennten als würde ich nie machen sondern so was würde ich nicht hinkriegen)
    • @jörn
      Wobei deren bewundernde Anerkennung "Das könnte ich nicht" eigentlich auch eine erschreckende Aussage ist.
      Die sind schlicht zu faul, sich dieser Lern- und Arbeitsmühe zu unterziehen, denn auch Dir ist es ja nicht wie Manna vom Himmel zugefallen.

      Erinnert mich an die schöne Geschichte, von dem alten Mädchen, das nach dem Konzert den Dirigenten ansäuselt:

      "Ach, Maestro, dirigiert wie ein Gott!
      Ich würde mein Leben dafür geben, wenn das könnte."
      "Danke, gnädige Frau, aber genau das habe ich getan." :boeseslachen:
    • Ich weiß, das Aufwühlen alter Diskussionen ist nicht so gern gesehen, aber wir müssen ja die selben Diskussionen auch nicht immer wieder neu starten...

      Also hier wäre es mal an der Zeit für eine Bestandsaufnahme. Wie ist der Stand "historisierender" Architekten heute?
      Ich muss ehrlich sagen, ich habe das Gefühl, als wenn Leute wie Tobias Nöfer und Hans Kollhoff durchaus sehr respektiert sind von den meisten Kollegen. Was meint ihr? Wie verändert sich die Wahrnehmung in der Architektenschaft gegenüber jenen, die auch oder nur Rückgriffe auf vormodernistische Architektur verwenden?