Bremen - St. Ansgarii

  • Von Turm zu Turm


    Blick vom Turm der St. Ansgarii Kirche zum Turm des Hauptverwaltungsgebäudes der Reederei "Norddeutscher Lloyd".

    Von all den auf dieser historischen Ansichtskarte zu sehenden Gebäude stehen heute lediglich nur noch die Herdentorsmühle am Wall, der Hauptbahnhof im Hintergrund, sowie das Finanzamt (auch als 'Haus des Reichs' bekannt; bis 1931 Firmensitz von Lahusens 'Nordwolle-Konzern') ganz rechts im Bild oberhalb der Bäume der Wallanlagen. Alles andere wurde durch den Krieg zerstört , bzw. in den Nachkriegsjahrzehnten abgeräumt !


  • Vorweg möchte ich noch einen Punkt ansprechen, der mich doch sehr stört. Es kann nicht sein, dass Herr Spellenberg immer wieder mal aus der letzten Reihe hier über Pagentorn wie ein Springteufelchen ins Forum hüpft. Entweder diskutiert er bei SD mit oder nicht. Ist es nicht so, dass wir uns alle anmelden müssen und registriert werden? Das muss dann aber auch für alle gelten. Was sagt die Moderation dazu? Ich werde jetzt Herrn Spellenberg noch einmal antworten, ansonsten gibt es solche "Reaktionen" von mir in Zukunft nicht mehr. Es sei denn, er ist wieder im Forum...


    Herr Spellenberg,


    Ich könnte jetzt schreiben, was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.....aber....


    ich lächele zurück und bedanke mich bei Ihnen für meinen 5 Jahre alten Leserbrief. Ich habe seitdem bestimmt zwischen 30 und 40 Leserbriefe zum Thema Architektur und Stadtentwicklung verfasst und so war dieser Leserbrief für mich überraschend vom Inhalt her und fast wie eine neue Erfahrung. Ich neige nicht zum Selbstlob, aber habe mich gewundert, wie überzeugend ich geschrieben habe.


    Da Sie vermutlich mit diesem Leserbrief meine Widersprüchlichkeit entlarven wollten..... muss ich Sie leider enttäuschen. Ich schrieb ja weiter oben mit Bezug auf Herrmann Hesse: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.....und 2018, wie auch 2017 und 2016, war dieser Anfang, diese Aufbruchsstimmung, es herrschte noch Hoffnung - bei mir wider besseres Wissen - dass in dieser Stadt etwas geht.


    Aber je mehr wir uns mit der Ansgariikirche beschäftigten, desto mehr tauchte bei mir die Frage nach der Umsetzung auf. Bis heute! Auch in unserer Diskussion war das mal ein Thema, bei dem wir übereinstimmten. Man kann doch nicht immer nur Forderungen stellen und beständig seine übertriebenen Ansprüche formulieren, ohne die Frage zu behandeln: wie lässt sich das Ganze finanziell bewerkstelligen. Besonders das Bremer Carree war mir ein Dorn im Auge, nicht nur ästhetisch, sondern auch als Platzhalter. Wie bekommt man das weg? Ich habe diese Fragestellung ja immer wieder in den Verein eingebracht, aber darüber wollte man irgendwie nicht reden (Spellenberg 2019: "Das trifft, lieber Findorffer, die Sache im Kern, wie Sie die Vereinstendenzen analysiert haben. Einen solchen Kopf wie den Ihrigen haben wir bitter nötig").Und so reifte bei mir immer mehr die Erkenntnis, dass, wenn man keine Lösung für das Bremer Carree findet, man sich auch nicht mehr mit der Rekonstruktion der Ansgariikirche beschäftigen muss. Mit dem Wegfall oder Erhalt des Bestandsgebäude steht oder fällt die Ansgariiidee. Wir haben hier aber keinen Zielkonflikt, es geht, wie so oft, um die Frage nach dem WIE. Und dazu gehört zuerst eine ernsthafte Lösung für Bremer Carree. Diesen 65 x 45 Meter großen Koloss kriegt man doch nicht einfach so weg, oder haben Sie eine Lösung gefunden?


    Ehrlich gesagt: Ich kann nicht verstehen, warum man sich so scheut, darüber zu diskutieren und nachsolchen Lösungen zu suchen. Auch hier im Forum müsste das doch von Interesse sein. Man beschäftigt sich lieber mehr mit dem Ziel und schönen Bildern und nicht mit den Hürden, die ein Erreichen dieses Ziels unmöglich machen.


    Wir waren ja mal bezüglich der Ansgariikirche einer Meinung, Sie haben Pagentorn vorgeworfen, dass er spaltet und Feindseligkeit lanciert, Sie schrieben vom "Irrlicht St. Ansgarii" und "vom Hirngespinst: Abbruch Bremer Carée und Wiederaufbau St. Ansgarii" (Vollkommen richtig!!! Herr Spellenberg). Warum jetzt dieser Sinneswandel, wenn Sie mal richtig lagen?


    Es grüßt Sie mit der eindringlichen Bitte, endlich mal auf das Bremer Carree und meine damit zusammenhängenden Fragestellungen (#1041) einzugehen.....


    "der um den Verein hoch verdienten Findorffer" (Spellenberg)


    Zur Erinnerung hier noch mal das Foto - wie bekommt man nur diesen Koloss weg?


    63924-bc2-jpg

  • Dadurch, dass ich Auswärtiger bin und nichts mit dem Wiederaufbauverein zu tun habe, kann ich denke ich ohne Schaden anzurichten ganz frei raus mal Gedanken schweifen lassen:


    So wie ich das hier wahrnehme gibt es kein Szenario, bei dem dieses Bremer Carree seinen Eigentümer wechselt zu einem Verein oder sonst einem Schirmherrn, unter dem in einem Großprojekt der Block abgeräumt wird und der Kirchenbau samt Anbauten stattdessen kommt.

    Was bleibt dann? Normalerweise würde man dann versuchen innerhalb des Bestands zu arbeiten. Das ist hier jedoch gar nicht so einfach, wie folgende Grafik von mir veranschaulicht:


    Im Hintergrund der heutige Stadtgrundriss, darübergelegt die Kirche ohne profaner Anbauten samt umgebender Blockumrisse von 1796. Grau hervorgehoben der ungefähre theoretische heutige Standort des Kirchturms.


    Der Block wurde sehr stark umgeformt, weshalb praktisch keine Teile des Bestandsgebäudes mehr nutzbar sind während und nach einem möglichen Wiederaufbau. Würde man nun jedoch sich der Realität anpassen, unter der auch der nördliche Abschluss des Ansgarikirchhofes seinen Winkel zur Platzseite verändert hat (Kirche und dieser Bau waren fast parallel), so könnte man parallel zum nördlichen Gebäude auch den Wiederaufbau der St. Ansgarii leicht drehen. Grundstückskonflikte und Konflikte mit anderen Gebäuden und der Straßenbahn wären vermieden, man könnte Gebäudeteile des Carrees zeitweise oder dauerhaft beibehalten.


    So könnte man eventuell es schaffen den heutigen Eigentümer mit einer Flächenerweiterung in Form eines Turmes zu locken: Schaut man genau meine Grafik an, so ist dort in feinem rot ein möglicher leicht versetzter Turmstandort zu erkennen. Eventuell wäre es möglich, diesen Gebäudebereich herauszubrechen, schwere Fundamente einzubringen, und hier dann den Turm als ersten Baustein der Wiederherstellung zu errichten. Der Lichthof bliebe dabei erhalten, wodurch höherwertige Vermietungen im Bestandsbereich möglich blieben. Als Finanzierungsmodell könnte ich mir einen Weg wie beim Berliner Schloss vorstellen: Der Eigentümer sorgt für den Rohbau, ein Verein sammelt die Gelder für die historische Gestaltung.

  • So wie ich das hier wahrnehme gibt es kein Szenario, bei dem dieses Bremer Carree seinen Eigentümer wechselt zu einem Verein oder sonst einem Schirmherrn, unter dem in einem Großprojekt der Block abgeräumt wird und der Kirchenbau samt Anbauten stattdessen kommt.

    Das hast Du vollkommen richtig wahrgenommen. Die Eigentümer sind Investoren und haben mit Mutter Theresa nichts, aber auch gar nichts zu tun. Investoren unterscheiden sich vom Rest der Bevölkerung dadurch, dass sie eine Rendite erwirtschaften wollen für ihr investiertes Geld. Die Rendite erwirtschaften sie im Bremer Carree durch die Mieteinnahmen für die Geschäfte im Erd- und Kellergeschoss sowie die aus den oberen Etagen. Gibt es diese Einnahmen nicht mehr, oder gehen sie zurück, wird das Objekt abgestoßen, bevor schlimmeres passiert, sprich: garkein Geld mehr reinkommt. Dann kommt der nächste Investor - mit den gleichen Bedürfnissen.


    Abschließend möchte ich noch sagen Majorhantines, ich danke Dir, dass erstmals jemand - wie Du - hier auf dieses Gebäude und seine Problematik im Zusammenhang mit dem Rekonstruktionsbegehren eingegangen ist.

  • Schaut man genau meine Grafik an, so ist dort in feinem rot ein möglicher leicht versetzter Turmstandort zu erkennen.

    Tut mir leid, ich erkenne da gar nichts. Kannst du es vielleicht in nicht so feinem Rot, sondern klar markiert, erneut hochladen?

  • Danke. War auf dem ersten Bild aber wirklich nicht zu erkennen. Und was genau befindet sich heute an der Stelle innerhalb des vorhandenen Carrees?

    Ich ermächtige mich da mal findorffers Bild, hoffe gestattet:


    Grundriss Untergeschoss:

    180409_ansgari-haus_grundrisse-1-untergeschoss.jpg


    Erdgeschoss:

    180409_ansgari-haus_grundrisse-erdgeschoss.jpg


    1. OG:

    180409_ansgari-haus_grundrisse-1-obergeschoss.jpg


    2. + 3. OG:

    180409_ansgari-haus_grundrisse-regelgeschoss.jpg

  • Danke, Majorhantines, kannst du für alle Ortsunkundigen etwas genauer angeben, wo auf dem Grundriss sich der alternative Standort eines Turms genau befinden würde und ob du den Vorschlag realistisch umsetzbar einschätzt?

  • Danke, Majorhantines, kannst du für alle Ortsunkundigen etwas genauer angeben, wo auf dem Grundriss sich der alternative Standort eines Turms genau befinden würde und ob du den Vorschlag realistisch umsetzbar einschätzt?

    Am Grundriss des 2. u. 3. OGs mit Lichthof erkennt man es am besten: Ich beanspruche bei meinem Vorschlag den Gebäudebereich zwischen Lichthof und der Beschriftung Ansgaritorwallstrasse und zwar relativ genau mittig zur Gesamtbreite des Gebäudes. Bei den darunterliegenden Geschossen erkennt man ungefähr die Grenzen des Lichtshofes an der etwas ungleichmäßig zu eng stehenden Säulenreihe, die vermutlich die Außenwand des Lichthofes trägt.

    Zur Realisierbarkeit: Was sich dazu sagen lässt, ist, dass positiverweise keine erschließenden Einbauten sich in der anvisierten Zone befinden. Also keine Treppenhäuser, keine Zuleitungen, keine Hauptstromleitungen, keine essentiellen Verbindungswege, usw.

    Was negativ für die Realisierbarkeit spricht ist die extreme Nähe der Bestandsbauten, was Gründungsarbeiten sehr komplex gestaltet. Und natürlich sind die vielen Stockwerke, durch die man mit Betonsägen muss und statisch ggf. nachbessern muss auch keine ganz billige Lösung. Die sicher länger noch bestehenden Mietverträge sind natürlich eine Hürde, man muss für mindestens eine Gewerbefläche und die Mieter in den Büros (hier ist der Grundriss leider nur beispielhaft, die echte Aufteilung ist unbekannt) Ausweichflächen anmieten. Die Baulogistik muss über öffentliche Flächen laufen. Das sind alles Kostentreiber.

    Die gewonnene Nutzfläche könnte ggf. dafür zu gering sein, schließlich haben Türme die Herausforderung der Erschließung, die viel Raum wieder stiehlt, den man durch die Höhe gewinnt.


    (Bin übrigens selbst Ortsunkundiger, GoldenerEngel, kann also gut sein, dass von ortskundiger Seite hier bedeutende Einsprüche folgen, weshalb ich eigentlich erst warten wollte, wie von selbigen der Vorschlag aufgenommen wird, bevor man sich tiefer ins Thema stürzt.)

  • (Bin übrigens selbst Ortsunkundiger, GoldenerEngel, kann also gut sein, dass von ortskundiger Seite hier bedeutende Einsprüche folgen, weshalb ich eigentlich erst warten wollte, wie von selbigen der Vorschlag aufgenommen wird, bevor man sich tiefer ins Thema stürzt.)

    Danke dir. Zumindest schonmal ein Vorschlag, wie ein Turmbau aussehen KÖNNTE. Ich teile aber die Skepsis anderer, dass wir ohne eine tiefgreifende Wirtschaftskrise, die solch ein Gebäude überflüssig macht, derzeit kaum auf eine Realisierung hoffen können. Erst eine wirkliche Änderung der Verhältnisse in Stadt und Bund könnte dies bewirken.

  • Lieber findorffer herzlichen das Einstellen der Bilder.

    Gibt es diese Einnahmen nicht mehr, oder gehen sie zurück, wird das Objekt abgestoßen, bevor schlimmeres passiert, sprich: garkein Geld mehr reinkommt. Dann kommt der nächste Investor - mit den gleichen Bedürfnissen.

    Und irgendwann kommt dann gar kein Investor mehr und niemand will das Objekt mehr haben. Nichts ist für die Ewigkeit.

    Warum sträubst Du Dich so Konzepte für die Schublade zu entwerfen und zu publizieren?

    Mir ist aufgefallen, dass ich das auf der Arbeit (kreativer Bereich) ständig mache. Ich sehe ein Problem, überlege mir ein bis zwei Alternativen und wenn der passende Moment kommt, schlägt man zu. Oder man bringt die Konzepte schon vorher ins Spiel, auch wenn keine Kapazitäten zur Umsetzung frei sind. Zumindest sind sie dann schon mal in den Köpfen.

    Neue Stadträume beanspruchen natürlich ganz andere Zeiträume.


    Was nicht ausschließt Lösungen für zeitlich realistische Projekte zu entwickeln.

    Man sollte sich breit aufstellen.

  • Das Murmeltier soll schaffen anstatt nur täglich zu grüßen !



    Links: Modell 'Nur-Turm' mit Carreé -Umbau (2020) ; Rechts: Modell 'Vollreko mit allen Anbauten (2023)



    Lieber Majorhantines,


    wie schön, daß Sie unsere drei Jahre alte Idee von der Verbindung von Turm-Rekonstruktion und Umbau des Bremer Carreé’s aufgreifen,



    die Axel Spellenberg seinerzeit entwickelt hatte, um findorffer doch noch irgenwie ‚im Boot’ zu halten (siehe oben das Modell auf der linken Seite).


    Leider ist zu befürchten, daß auch Ihre Konzeption von Seiten des Adressaten letztlich ebenso wenig öffentlichen Zuspruch erhalten wird, wie die unsere seinerzeit.


    Da wir zudem mit der Nur-Turm-Planung einige glühende Anhänger der Voll-Rekonstruktion – wie es den Anschein hat – leider dauerhaft verloren haben, können wir Ihnen nur raten, insofern aus unserer bitteren Erfahrung der Jahre 2020 bis 2023 zu lernen.


    Franka hat im Übrigen vollkommen recht, wenn Sie - sinngemäß - davon spricht, daß die Veränderung von Stadträumen sehr lange‚Zeiträume’ erfordert.


    Wir sind mit diesem langen Atem angetreten. Wir wissen, daß wir ganz dicke Bretter zu bohren haben. Wir haben niemandem einen ‚Rosengarten’ versprochen, sonder einen Weg, der steinig und schwer sein wird. Wir wissen auch, daß wir die Realisierung eventuell selbst nicht mehr erleben werden. Aber wir halten die Idee am Leben, schärfen das Bewußstein für die enorme Fehlstelle im Stadtbild und reichen die Fackel gegebenenfalls eines Tages an die nach uns Kommenden weiter.


    An Generationen, die dann nicht mehr bloß im Materialismus verhaftet und dem Mammondienst ergeben sein, sondern ein Sensorium dafür entwickelt haben werden, daß dieser Platz in der Mitte der Stadt heiliger christlicher Boden ist. Ein Boden der getränkt ist von Jahrhunderten des Gottesdienstes, von Freude und Leiden, welches die Gläubigen im Gebet vor ihren HERRN gebracht haben. Dieser Boden schreit geradezu danach, von dem auf ihm lastenden baulichen Usurpatoren befreit und seinem unabänderlichem Eigentümer, dem dreieinigen Gott der Christenheit restituiert zu werden.


    Die nach uns Kommenden werden über das Sakrileg des Verkaufs des Grundstücks an die „Wechsler“ – wie Friedrich Prüser den Vorgang einst benannte – nur noch verständnislos den Kopf schütteln und die Frage aufwerfen, ob dieser Grund und Boden von der Gemeinde seinerzeit überhaupt verkauft werden durfte. Sie werden wissen wollen, ob die damaligen Pastoren und Bauherren – von einer höheren Warte aus betrachtet - überhaupt berechtigt waren, das Erbe ihrer Vorväter so einfach abzugeben anstatt es für die Nachwelt zu erhalten. Ja, sie werden in letzter Konsequenz danach fragen, ob der Verkauf - streng nach Maßgabe des BGB - rückabzuwickeln sein wird.


    Auch solche Themen werden am Infotisch auf dem Ansgarikirchhof anzusprechen sein. Und dafür brauche wir handfeste Persönlichkeiten. Mitstreiter, die Flagge und Gesicht zeigen. Feinsinnige, graue Eminenzen im Hintergrund, die regelmäßig dann abtauchen, wenn es zum Schwur kommt, sind dafür hingegen nicht zu gebrauchen.

    Und ebenso wenig missionarisch auftretende Vegetarier, die in der Metzgerei vor den Ohren der Kundschaft den Fleischkonsum hinterfragen und den Käseverzehr anpreisen…


    Schließlich benötigen wir nach der klaren Entscheidung für die Voll-Rekonstruktion ein beherztes Vorangehen und nicht das immer gleiche fruchtlose Aufwerfen der schon zigmal thematisierten Probleme in Endlosschleife.


    Und darum:


    „Anschari in ihrem Lauf, halten weder Ochs noch Esel… und auch das Murmeltier …. nicht auf !“

  • Pagentorn Ich verstehe, (ich hoffe das 'Du' ist hier im Forum angenommen) dass Du im Sinne Eures Vereins bzw. der Entscheidung des Vereins auf vergangene Vorschläge verweist und damit dem Vorschlag nicht unbefangen einen Blick widmest. Danke dennoch für den Referenzvorschlag, an welchem ich die bedeutenden Unterschiede herausarbeiten kann:

    Mein Vorschlag greift zwar die Idee des verschobenen Turmbaus auf, greift aber genauso die Entscheidung des Vereins zur Voll-Reko auf, auch wenn ich das nicht gänzlich klar aufgezeigt habe. So wird in meinem Vorschlag der Turm nicht nur versetzt, sondern gedreht. Dadurch ist möglich, das Kirchenschiff und die Kapelle in korrekter Anordnung zum Turm nach und nach zu rekonstruieren, ohne - und darauf zielten meine Worte mit den ,,Grundstücksgrenzen, Nachbargebäuden und Straßenbahn" - in Konflikt zu geraten. Es geht also NICHT darum, nur einen Turm zu rekonstruieren, irgendwo muss man aber eben anfangen, da bietet sich etwas mit Strahlkraft über die Stadt an.

    Mit der Ausrichtung des Baus auf die heutigen Blockgrenzen, ergeben sich weitere Unterschiede und Vorteile zum Entwurf von 2020. Mein Vorschlag beruht darauf, dass bereits mit dem heutigen Eigentümer Schritte zu einer Wiederherstellung von St. Ansgarii beginnen. Dies geht soweit, dass man sogar optional den Turm in das heutige Gebäude voll integrieren könnte, also sprich nur der obere über das Bestandsgebäude ragende Teil zunächst mit Spendengeldern finanziert werden müsste in seiner historischen Gestalt. Daran erkennt man schon, die Handlungsspielräume sind mit diesem Ansatz deutlich höher.

    Beim Vorschlag von 2020 verschreckt man den Eigentümer mit einem Komplettumbau des ganzen Carrees mit Flächenverlusten und Qualitätseinbußen durch kleinere Fenster. Man erkennt, dass der Entwurf auf eine Eigentümerschaft der Gebäude wohl wahrscheinlichst der Stadt abzielt, die dann solche Verluste abschreiben kann, zum Gewinn eines zentralen öffentlichen Museums und oder historischen Religionsraumes.

    Mein Vorschlag sieht die Einbringung des Turms ins Stadtbild als Initialzündung vor, die mit dem heutigen Eigentümer realisiert wird, und nach dessen Erfolg erst wahrscheinlich macht, dass die öffentliche Hand dutzende Millionen in die Hand nimmt, ein Einkaufszentrum kauft und dieses in einen Museumsbau verwandelt. Und selbst wenn sie das trotz allem nicht täte, so wäre der Turm der Fuß in der Türe, weitere Gelder zu sammeln und so Stück für Stück Gebäudeteile zu übernehmen und stetig weiter an St. Ansgarii zu bauen. Ein bisschen wie eine historische Kirchenbaustelle, nur dass der Vorgängerbau ein Konsumtempel ist.

  • Warum sträubst Du Dich so Konzepte für die Schublade zu entwerfen und zu publizieren?

    Umgekehrte Frage (oder ist die verboten?): Warum sträubst Du Dich, Dir Gedanken darüber zu machen, wie man das Bremer Carree weg bekommt?


    Was mein "Sträuben" angeht, so verweise ich auf meine obige Beschreibung ( als Antwort auch Axel Spellenberg), dass ich ca. vier Jahre damit befasst war, mit Begeisterung "Konzepte für die Schublade zu entwerfen".

    Und irgendwann kommt dann gar kein Investor mehr und niemand will das Objekt mehr haben. Nichts ist für die Ewigkeit.

    Da sprichst Du ein wahres, gar philosophisches Wort aus. Trotzdem gibt es die Gesetze der Ökonomie, die auch in solch einem Fall funktionieren werden. Kein Eigentümer wird das Bremer Carree verschenken. Egal, was da dann noch übrig ist, muss man sich das dann auch leisten können.

    Nichts ist für die Ewigkeit, schreibst Du. Aber daraus entsteht nicht zwangsläufig die von Dir vermutete Richtung "Rekonstruktion". Wir haben das doch jetzt erst, mit der von mir beschriebenen ökonomischen Logik, beim Essighausensemble gesehen. Das war einst von Pagentorn mit der Ansgariikirche und dem Kornhaus zum "Dreigestirn" erklärt worden, dass man rekonstruieren wolle. Und was ist jetzt aus seinen - wie immer - hochtrabenden Plänen geworden? Ein Steinhaufen. Weil die Ökonomie die Regeln setzt.

    Was nicht ausschließt Lösungen für zeitlich realistische Projekte zu entwickeln.

    Genau, voll Deiner Meinung. Aber: was ist ein zeitlich realistisches Projekt, wie definiert man das? Wäre der Abbruch des Bremer Carrees für Dich ein zeitlich realistisches Projekt mitsamt der ganzen Fragen und ihren kaum zu bewältigenden Lösungen, die damit zusammenhängen? Oder ist der Wiederaufbau der Ansgariikirche ein zeitlich realistisches Projekt?


    Liebe Franka, mal ganz allgemein gefragt:


    Ich merke einen gewissen Unmut bei Dir, als neutrale Moderatorin, bezüglich meiner Fragestellung zu Ansgarii. Ist es hier im Forum verboten, solche Fragen zu stellen? Gibt es vielleicht eine mir nicht bekannte, interne Order, die Euch Moderatoren als Leitlinie dient, die Fragen nach der Umsetzung und der ökonomischen Machbarkeit verbietet und falls sie aufkommen, sollen sie möglichst durch permanenten Druck auf den Teilnehmer abgewimmelt werden. Gehört es nicht zu einer Diskussionskultur, auch kritische Fragen zu stellen und: ist die Frage nach der ökonomischen Machbarkeit überhaupt eine kritische Frage?

    Wollt Ihr Moderatoren lieber immerzu "kreative" Beiträge, unterstützt von einer Flut immer neuer, scheinbar die zukünftige Realität simulierender Bildchen nach dem Motto Honeckers: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer"?


    Also, wenn es Euch Moderatoren nicht passt, dass ich mich kritisch zum Bremer Carree äußere......

  • Das Murmeltier soll schaffen anstatt nur täglich zu grüßen !

    Also, dass gerade Sie hier den Murmeltiervergleich zeihen, ist ja wohl der Witz des Jahrhunderts. Jeden Morgen, wenn der Wecker klingelt, geht´s im Hause Pagentorn, wie jeden Morgen davor, von vorne los. Ansgarii, Ansgarii, Ansgarii....Das höre und sehe ich mir inzwischen seit 8, 9 Jahren an, Mr. Murmeltier. ständig die gleichen Bilder, immer die gleichen Argumente, jeden Morgen flöten Sie die gleiche Melodie........Vielleicht fahren Sie mal nach Amerika und lassen sich vom Murmeltier beraten.


  • Collage auf der Grundlage eines Fotos von Jürgen Howaldt


    Lieber Majorhantines,


    [meine Wenigkeit gehört zu den 'Fossilien' hier im Forum, die seit jeher das 'Sie' pflegen, auch wenn dies hier eigentlich nicht usus ist. Die anderen Foristen tolerieren dies und ich bin dankbar dafür. Bitte verstehen Sie das 'Sie' daher nicht als persönlichen Affront gegen Sie; es ist halt einfach meine Art. Bis auf eine einzige Person 'sietze' ich alle Mitforisten.]


    das Konzept des sukzessiven Vorgehens unter Zugrundelegung der aktuellen Gegebenheiten ist sehr pragmatisch. Eine derartige Herangehensweise schätze ich sehr.


    Leider werden wir aber bei der Positionierung des Turms nicht zueinander kommen können. Denn dessen exakte historische Positionierung ist ein Essential , an dem man nicht vorbei kommt. Allein schon wegen der Sichtachse der Obernstraße.


    Würden wir hier Konzessionen an den Istzustand eingehen, so würden wir uns auf einen Weg begeben, der in letzter Konsequenz auch einen komplett translozierten Wiederaufbau als Option erscheinen ließe. Vor Jahren hat mich einmal ein Interessent gefragt, ob es nicht ausreichen würde, einfach den markanten frühbarocken Turmhelm - in verkleinertem Maßstab - dem Campanile der neuen Kirche aufzusetzen. Gott sei Dank konnte ich ihn davon überzeugen, daß dies kein gangbarer Weg wäre.


    Trotzdem, Ihr Ansatz mit dem schrittweisen Vorgehen gefällt mir !


    Und danke , daß Sie sich als 'Auswärtiger' so ins Zeug legen !

  • Ich merke einen gewissen Unmut bei Dir, als neutrale Moderatorin, bezüglich meiner Fragestellung zu Ansgarii. Ist es hier im Forum verboten, solche Fragen zu stellen? Gibt es vielleicht eine mir nicht bekannte, interne Order, die Euch Moderatoren als Leitlinie dient, die Fragen nach der Umsetzung und der ökonomischen Machbarkeit verbietet und falls sie aufkommen, sollen sie möglichst durch permanenten Druck auf den Teilnehmer abgewimmelt werden. Gehört es nicht zu einer Diskussionskultur, auch kritische Fragen zu stellen und: ist die Frage nach der ökonomischen Machbarkeit überhaupt eine kritische Frage?

    Wollt Ihr Moderatoren lieber immerzu "kreative" Beiträge, unterstützt von einer Flut immer neuer, scheinbar die zukünftige Realität simulierender Bildchen nach dem Motto Honeckers: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer"?


    Also, wenn es Euch Moderatoren nicht passt, dass ich mich kritisch zum Bremer Carree äußere......

    Diese ganze Strang ist eine einzige Daily-Soap. Geht nur mir das so? Um mal in der gleichen "Cui-Bono-haften" Schwurbelsprache zu antworten, in der Ihr Bremer Altstadtfreunde hier im Forum zu schreiben pflegt: Handelt es sich bei findorffer und pagentorn, um zwei Persönlichkeitsanteile der gleichen Person? Wer profitiert dann von diesem inszenierten Dialog? Honecker wohl nicht? Jan Böhmermann.... eher auch nicht, der ist ja aus Fegesack. Ist Herr Spellenberg also ganz alleine am PC und erfindet sich ein AlterEgo und "warum hört der Fahrradweg hier einfach auf?". Gebe es nicht mehrere duzend alternative Rekokandidaten in dieser wirklich hoffnungslosen ehemaligen Altstadt (ja, ich habe langjährige Ortskenntnis), bei denen der Hebel nicht viel größer wäre (also Rekos sinnvoll nutzbarer Profanbauten mit von vornherein geklärten Eigentumsverhätnissen).


    Nach allem was ich hier gelesen habe, scheint es ein sehr gangbarer Weg sich für ein dauerhaftes und gutes Modell aus Bronze einzusetzten und sich sodann einem der vielen weiteren Misständen der Stadt zuzuwenden. Vorbild kann also Lübeck sein: Modell (!) des geschliffen Holstentores zur Anschauung. Paralell echte/nicht fiktive Stadtreparatur in 1:1 mit dem Gründerviertel. Das ist realistisch und wie wir sehen extrem heilsam. Bremen hätte es verdient und ich mag die Stadt sehr gern. Eine wache, intakte Bürgerschaft hat die Stadt aber leider (trotz aller wiederholten Selbstbeschreibungen) eben nicht (mehr) - nur eben noch den Bürgerpark von dazumal. Ene wehrhafte Bürgerschaft hätte beispielweise die Dudler-Bauten am Hauptbahnhof verhindern müssen.

  • Sehr geehrter Strelizius,


    [witzig, Ihr Beitrag zum Thema „Wer bin ich - und wenn ja wie viele ? "ablachen:) ]


    Sie haben vollkommen recht damit, daß es noch jede Menge andere Rekonstruktionskadidaten in der Altstadt gibt: Angefangen bei einer vollwertigen Reko von Essig- und Kornhaus, über den Turmhelm der Baumwollbörse, die Müller’sche neue Börse, das Gustav Adolf Denkmal auf der Domsheide, bis hin zu den kostbaren Giebelhäusern der Langenstraße und dem Armenhaus an der Großenstraße (um nur die Wichtigsten zu nennen).


    Aber diese haben allesamt nicht die stadtbildprägende Wirkung von St. Angarii.


    Was würden Sie denn einem plastischen Chirurgen entgegnen, den Sie wegen einer von Ihnen gewünschten Rekonstruktion Ihrer – einem Unfall total zum Opfer gefallenen - Nase aufsuchen und der Ihnen dann sagt: „Die Nase lassen wir mal sein, deren Wiederherstellung ist unrealistisch und viel zu teuer. Ich richte hingegen Ihre Ohren ein wenig besser aus und im Übrigen bekommen Sie einen schicken neuen Haarschnitt…“