Heilbronn

  • Heilbronn kann man komplett vergessen. Die Tatsache, dass jetzt auch noch der letzte eineigermassen gelungene Platz in der Innenstadt derart verschandelt wird ist wiedermal syptomatisch für die muffige Provinzialität, die Glaskästen automatisch mit weltoffen und "modern" gleichsetzt.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Heilbronn und Pforzheim kann man im Sinne von APH wirklich abschreiben, vielleicht sollte man dort wirklich alles zulassen, was an Neuem gebaut wird, eine Bauausstellung der reinen Moderne eben. In solchen Städten, wo eh nix Altes mehr steht, sollen sich die Architekten ruhig austoben. Lasst sie doch mal die Stadt von morgen bauen, mal sehen was dabei rauskommt.

  • Ich sehe aber noch einen großen Unterschied zwischen Heilbronn und Pforzheim. In Heilbronn sind immerhin die großen Leitbauten erhalten geblieben (Rathaus, Käthchenhaus, Kilianskirche usw.), zudem existieren außerhalb der Innenstadt erhaltene Gründerzeit-Villenviertel. In Pforzheim ist hingegen wirklich tabula rasa, mal abgesehen von der kleinen Traditionsinsel Schlossberg.

  • Für ziemlich gelungen halte ich diese drei Nachkriegsbauten am Fuße des Turmes von St. Kilian, daran sollten sich die heutigen Planer mal ein Beispiel nehmen:


    http://farm6.staticflickr.com/5029/56021…47807853e_b.jpg


    http://www.hdr-photos.com/data/media/8/kilianskirche_tag.jpg


    Das mittlere, weiße, Haus ist inzwischen ein Kulturdenkmal (Apotheke) Auf den Bildern bei diesem Satz in Ravensbergers Beitrag sieht man am linken Rand eine der schlimmsten Bausünden Heilbronns, ein 60er/70er-Kasten mit durchgehenden Betonbrüstungen direkt am Marktplatz und gegenüber von der Kilianskirche. Er steht an der Stelle eines klassizistischen Palais, der durch die Bombardierung zerstört worden war.


    Ich halte Heilbronn auch für besser als Pforzheim, viele der Wiederaufbauten in Heilbronn haben richtige Dächer und oft auch richtige Fensterformate. Doch es gibt zu viele Kasten der 60er und 70er, es fehlen Rekonstruktionen von Bürgerhäusern und der Kanzleigebäuden neben dem Rathaus, und die Neubauten der letzten Jahre in der ehemaligen Altstadt sind oft sehr auffällig modern und unpassend, wobei der Klosterhof noch nicht der schlimmste ist.



    Moderationshinweis (Zeno):
    Zitat korrigiert; dabei die Links zu den Bildern ergänzt (damit sie direkt von hier aus geöffnet werden können)

  • Im DAF wurde 2012 vom Abriss einer Villa zugunsten einer monströs großen Volksbank-Erweiterung berichtet. Ich bin erst jetzt darauf aufmerksam geworden. Das Argument, den Abriss gut zu heißen, weil die Villa ja einstmals nicht originalgetreu rekonstruiert wurde, hat auch ein spezielles Geschmäckle. Auf die Idee, nun den Wiederaufbau rekonstruierend zu vollenden, kommt man natürlich bewusst nicht... :augenrollengruen:


    http://www.deutsches-architekt…m/showthread.php?p=342164


    (Die obere, graue Villa, ist gemeint, natürlich nicht die danach gezeigte Villa Faißt.)


    Dies nur mal als Beitrag, wie Stadtentwicklung derzeit in Heilbronn so läuft. Kästen müssen her.

  • Der aktuelle Jammer ist aber auch, dass es in Heilbronn bislang kaum Bestrebungen gibt, Stadtreparatur mit Hilfe einiger Rekonstruktionen durchzuführen.


    Z.B. Am Rathauserweiterungsbau böte sich eine solche Möglichkeit. (einst und heute)

  • Ja das stimmt. Ich habe einem Kommilitonen, der kommt von der herrlichen Stadt Schwäbisch-Hall, muss jedoch um wichtige Dinge zu erledigen, nach Heilbronn und er sagte mir auch, dass diese Stadt der Inbegriffe des Hässlichen sei und aussehe wie ein Ghetto...

  • Hier knapp drei Jahre alte Fotos aus Heilbronn:


    http://www.stadtbild-deutschland.org/bilder/album/sC


    Die eigentliche Innenstadt ist ja für hiesige Verhältnisse fast schon akzeptabel, die umliegenden Stadtteile hingegen weniger... besonders Richtung Bahnhof ist die Bebauung eine wilde Mischung aus etwas Altbausubstanz, Brachen und fast ausschließlich häßlichen Neubauten, die offensichtlich ohne jedes Gesamtkonzept errichtet werden dürfen. Dazu kommt noch ein genereller Eindruck von Schäbigkeit und Desinteresse am Stadtbild.

  • Tut mir leid, wenn ich die Links von "Skyfall" anklicke, habe ich bisher nur eine Ansammlung von übelsten Wohn- und Gewerbekisten gesehen. Absolut gruselig. (Beispiele: 1, 2, 3, 4, 5... usw.usf.)Da reisst auch das ins schöne Licht illuminierte Experimenta-Gebäude nichts heraus.


    Bei einem derartigen Baugeschehen, dass offenbar aktuell über 90 Prozent der neuen Architektur dieses Landes dominiert, ist es umso bezeichnender, wie viel Gegenwind immer noch diese Handvoll Rekonstruktionen von Fachwelt, Politik, Journalisten oder "Sparfüchsen" in der Bürgerschaft erhalten.


    :daumenunten:

  • Erinnert mich ziemlich stark an die Bauten im Buch "Neue Stuttgarter Architektur" (bei Junius erschienen), wobei die Stuttgarter Bauten tatsächlich meist besser sind. Allerdings werden dort auch völlig unpassende Aufstockungen als "urbane Dachlandschaften" gefeiert.

  • In Heilbronn konnten sie es nicht lassen, die klassizistische Villa Mertz mit einem schwarzen, kastigen Anbau-Modul zu verschandeln. Der Denkmalschutz spielte mit, weil sich das Modul (zum Glück) auch wieder ohne Schaden für das Bauwerk entfernen lassen könne. Im Inneren werden die (genormten) Träume modernistischer Architekten wahr. Grobspanplatten und Bauhaus-Lampe. Nur für die Sichtbetonwand hat es nicht gereicht.


    Zitat:

    Quote

    Der rustikale Charakter ist im Großen wie im Kleinen sichtbar: vom Baumaterial Grobspanplatten, das für alle Wände und Flächen verwendet wurde, bis hin zur Kaiser Idell Scherenlampe, ein Klassiker im Bauhaus-Design.

    https://lingner.com/agentur/we…hitektonisches-highlight/


    https://www.rnz.de/kultur-tipp…-Wandel-_arid,123342.html

  • Immerhin diese Meldung gibt etwas Hoffnung:


    Quote

    Außerdem sei bereits jetzt klar, dass trotz des enormen Schadens versucht werde, Teile des Hauses zu erhalten bei einem möglichen Wiederaufbau.

  • Heilbronn: alles kann geheilt werden. Wenn die Wille nur da wäre, dann kann innerhalb zehn Jahren die hälfte der vernichteten Bauten der Altstadt wieder da sein......Vorkriegsbilder waren ungemein schön.


    In D. wurde seit dem 2.WK sehr wenig getan um die Wunden zu heilen. Im gegenteil: es wurden sogar unzählige intakte Altbauten abgebrochen...die meisten Städten von der schönsten Fassaden beraubt: Bremen Altstadt, Berlin Gründerzeit Viertel und unzählige Fassaden, Frankfurt: viele intakte Gründerzeitler, Jugendstill Gebäuden....Magdeburg: Nordfront. Köln, Essen, Stuttgart: Rathäuser. Chemnitz: viele Gründerzeitler, auch intakte abgebrochen.
    Augsburg: intakte Bauten der Reformzeit aggebrochen.
    In Essen standen noch einige ansehliche Atbauten, aber heute davon nichts mehr übrig....
    Vieles wurde "modernisiert" und verloren alle Details, meistens komplette Dächer usw. Unersetzliches gingso verloren.