Pavillon aus recycelten Plastikflaschen in Taiwan

  • Sind recycelte Plastikflaschen wirklich das Baumaterial der Zukunft? 7

    1. 2) Ein guter Ansatz, jedoch habe ich einige Zweifel bzgl. Haltbarkeit und Strapazierfähigkeit dieser Plastikflaschen. Es gibt sicher andere umweltverträgliche Baumaterialien, die diese Probleme nicht haben (z.B. Holz, Lehm). (2) 29%
    2. 3) Recycelte Plastikflaschen als Baumaterial zu verwenden ist eine utopische Idee. Man sollte eher gleich auf Plastik verzichten. Zudem stehe ich dieser Idee kritisch gegenüber, wenn ich an die Umwelt-/Energiebilanz denke. (3) 43%
    3. 1) Auf jeden Fall! Eine tolle Idee, da auf diese Weise Transportkosten gespart werden (da leichter als andere Baumaterialien), der CO2-Austoss reduziert wird und das Baumaterial auf recycelten Plastikflaschen basiert, von denen es sowieso zu viele auf die (2) 29%

    So, jetzt möchte ich auch mal ein interessantes Gebäude vorstellen.


    Vor ein paar Wochen war ich geschäftlich in Asien unterwegs, u.a. auch in Taipei/Taiwan. Ich hatte am Ende meines Aufenthalts noch ein paar Tage Zeit die Stadt und Umgebung zu erkunden. Besonders fasziniert war ich von einem Pavillion der Flora Expo ein bisschen ausserhalb vom Zentrum Taipeis. Das sogenannte EcoARK wurde aus 1,5 Millionen recycelten Plastikflaschen gebaut und ist ca. so gross wie 6 Basketballfelder. Man kann den Pavillon auseinanderbauen und an anderen Orten wieder aufbauen. Ich habe mich sofort gefragt, ob das Ganze denn auch Wind- und Wetterfest ist, da es in Taiwan öfters Taifune und Erdbeben gibt. Aber anscheinend wurde das Gebäude so konstruiert, dass es stabil genug ist um diesen natürlichen Einflüssen stand zu halten.



    Von weitem sieht man gar nicht, dass das Gebäude aus Plastikflaschen gebaut wurde. Diese werden erst aus unmittelbarer Nähe sichtbar. Die Plastikflaschen („Polli-Bricks“) werden passgenau aufeinandergesteckt und sind sogar lichtdurchlässig.



    Von innen ist der Pavillon sehr interessant. Die LED-Lampen an den Decken wurden auch aus Plastifkflaschen konstruiert und verbreiten ein angenehemes Licht. Ausserdem kommt viel natürliches Licht von aussen herein, was sich positiv auf Heiz- und Klimaanlagenkosten auswirken mag.



    Besonders schön fand ich die integrierte Wasserläufe, die das Gebäude kühlen sollen. Auf diese Weise wird eine angenehme Atmosphäre verbreitet.



    Energie wird aus integrieten Solarpanels gewonnen. Bei Nacht werden die LED-Lampen, die in die Plastiflaschen integriert sind, eingeschaltet. Ich fand den Effekt wirklich toll!



    Der umweltfreundliche Grundstoff, die sogennanten Polli Bricks, sind recyclete Polymer-Flaschen. Sie lassen sich baukastenartig aufeinandersetzen, wodurch die verschiedensten Strukturen und Gebäude geschaffen werden können. Vielleicht ist das ja das Baumaterial der Zukunft, da es sich in jedem Fall leichter transportieren lässt, als gewöhnliches Baumaterial. Dadurch ist der CO2-Ausstoss auch geringer. Ich bin gespannt, wann der erste Pavillon aus Plastikflaschen in Deutschland gebaut wird!

  • Kurzfristige Optikeffekte lassen sich mit vielen Materialien erfolgen. Das qualifiziert diese noch nicht zum Hausbau.
    Die Frage kann sich doch einfach ein jeder stellen: Möchte man selber tagtäglich in einem Haus aus Plastikflaschen leben, schlafen oder arbeiten? Möchte man sich abends mit dem Weinglas an die Cola-Flaschen-Wand lehnen? Möchte man das von PET-Flaschen bestimmte Raumklima täglich genießen?
    In der "dritten Welt" wird so etwas teilweise gemacht, allerdings nur aus Materialmangel. Die Frage ist aber, ob ein Europäer, Ostasiate oder Amerikaner wirklich in einer ähnlichen Ästhetik leben möchte wie irgendwelche Slumbewohner.
    Dieses Projekt liegt eigentlich nur auf einer künstlerischen Trendwelle der letzten Jahre, die sich mit der Umarbeitung von Plastikmüll kreativ beschäftigt.
    http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/kunst-statt-muell/
    Plastikmüll indes ist vor allem ein riesiges globales Problem, kaum indes die Lösung unserer Probleme.
    http://www.nzz.ch/nachrichten/…he_im_meer_1.7846889.html

  • Ich glaube nicht, dass diese Polli-Bricks als Baumaterial fur Wohnhäuser gedacht sind, sondern sich vielmehr für Ausstellungsräume oder Übergangslösungen eignen. Ich finde die Idee eigentlich sehr gut, insbesondere für 3. Welt Länder. Das Problem mit dem Plastikmüll haben wir ja bereits und wieso sollten wir nicht die unterschiedlichsten kreativen Lösungen entwickeln um es zu bekämpfen? Ich stimme Dir vollkommen zu, dass wir das Problem des zunehmenden Plastikmülls an sich angehen müssen, bin aber gleichzeitig der Meinung, dass wir offen für neue Konzepte sein sollten.


    Ich habe lange nach weiteren Informationen gesucht und bin auf das folgende Interview gestossen. Hier kommen die Architekten zu Wort. Wirklich interessant:


    http://www.green3dhome.com/Community/Articles/PolliBrickInterviewPart1.aspx\r
    http://www.green3dhome.com/Community/Ar ... Part1.aspx

  • Sicher kann man hier eine temporäre Ausstellungshalle aus den Flaschen bauen, wenn dazu irgendwelcher Bedarf besteht. Die Kunstszene wird das vermutlich auch eine Weile schick finden. Temporäre Ausstellungshallen dürften indes in der 3. Welt von geringem Interesse sein, zumal man sich bei solch größeren Projekten fragen könnte, warum keine ökologisch nachhaltigen Baumaterialien Verwendung finden.
    Indes, ich bezog mich darauf, daß diese Idee nicht ganz neu ist, sondern schon in der 3. Welt Plastikflaschen bereits für den Wohnhausbau Verwendung fanden. Auch dies finde ich problematisch, denn der Plastikmüll verschwindet dadurch ja nicht, sondern kehrt irgendwann wieder, wenn die Hauswand nachgibt/nicht mehr benötigt wird. Man hat allenfalls eine Zwischennutzung für den Müll. Wirklich ökologisch ist das nicht. Und es bringt uns bei der Lösung unserer hiesigen Probleme auch keinen Schritt weiter.
    http://www.zeit.de/2010/09/PET-Haus
    http://residentenkurier-aktuel…flaschen-fur-hausbau.html

  • Quote

    ...Recycelte Plastikflaschen sind der Baustoff der ZukunftIn Schwellenländern entstehen stabile, preisgünstige und umweltfreundliche Häuser – aus leeren Getränkeflaschen. So können ganze Hochhäuser gebaut werden.


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    Quote

    ...Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern vermüllen leere Plastikflaschen die Straßen, dabei könnten sie ein wertvoller Rohstoff für Neues sein. Tatsächlich greift seit einigen Jahren eine gute Idee um sich: in Honduras, Nicaragua, Brasilien, Thailand. Die leeren Flaschen, vorzugsweise aus PET (Polyethylenterephthalat), werden mit Erde, Schutt oder Sand gefüllt und mit etwas Mörtel zu Häuserwänden hochgezogen.


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    ...Die große Menge an Luft in den Bauelementen ist auch für die guten Dämmwerte verantwortlich. Außerdem haben mehrere Tests in Taiwan ergeben, dass das Material sowohl sehr bruchsicher ist, als auch schwer entflammbar.


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    ...Deshalb sieht er vor allem einen Einsatzbereich in temporären Bauwerken wie zum Beispiel Ausstellungs- und Verkaufsgebäuden sowie Montage- und Messehallen.


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    Architektur: Recycelte Plastikflaschen sind der Baustoff der Zukunft - Nachrichten Wissenschaft - WELT ONLINE


    Bilder: http://www.welt.de/multimedia/…_BM_Bayern_D_1417597p.jpg
    http://www.welt.de/multimedia/…_BM_Bayern_D_1417610p.jpg
    http://www.welt.de/multimedia/…2_BM_Bayern__1417634p.jpg

  • Ein Leserkommentar gibt eine gute Antwort:

    Quote

    Die Zukunft liegt eher darin, den Plastikmüll zu vermeiden.


    Ernsthaft möchte nämlich kaum ein moderner westlicher Mensch derzeit dauerhaft in einem Haus aus Plastikflaschen leben und arbeiten. Aus der Ferne gesehen, für "diese Leute" da in Südamerika oder Asien, findet man das aber "super-kreativ" und "spannend". Somit bedient diese Technik hierzulande vor allem drei Bedürfnisse:
    1. Das Bedürfnis von "kreativen" Architekten nach "neuen, hippen Ideen", mit denen sie sich in die Schlagzeilen bringen können.
    2. Das seelische Bedürfnis westlicher Menschen nach Absolution. Sie erfahren auf diese Weise, dass ihr Lebensstil ja gar nicht so schlecht sein kann, wenn diese Leute in den Schwellenländern immer noch so schöne Sachen mit unserem Müll anfangen können.
    3. Das Bedürfnis, alles ökologisch begründen zu können, selbst wenn es mit Natur oder echter Nachhaltigkeit gar nichts mehr zu tun hat. Dies vor allem angesichts der Tatsache, daß man zu Maßnahmen, die wirklichen ökologischen Charakter (sprich: ökonomischer Umbau der Gesellschaft/Abkehr von der Wachstumsideologie/Geburtenkontrolle) hätten, gar nicht gewollt ist.