• In der Nähe vom Hauptbahnhof wird am Schmidtstedter Ufer als Eingang in die sog. ICE-City ein Hochhaus für ein Vier-Sterne-Hotel der Atlantic-Gruppe entstehen (später soll auch auf der gegenüberliegenden Seite des Flutgrabens an der Stauffenbergallee ein zweites, noch größeres Hochhaus gebaut werden).


    Gestern wurde der Sieger des Architektenwettbewerbs gekrönt. Gewonnen hat der Entwurf des Wiener Büros Delugan Meissl. Hier eine Visualisierung, mehr Bilder folgen sicherlich in den nächsten Tagen auf den bekannten Plattformen.


    Auf dem ersten Blick handelt es sich um eine banale Glaskiste. Auf dem zweiten Blick sieht man, dass es ein Holzbau werden soll, der das Motiv des örtlichen Fachwerkstils, der Thüringer Leiter, aufgreifen soll. Die Architekten sollen sich von der Krämerbrücke inspiriert haben. Die großzügige Treppe soll zudem an die Erfurter Domstufen erinnern.


    Es wird also ein moderner Bau entstehen, der aber historische, ortstypische Gestaltungselemente aufgreift. An sich also ein ganz sympathischer Ansatz. Ob die Holzkonstruktion brandschutzrechtlich machbar ist, wird sich aber erst noch zeigen müssen. Man darf auf die weitere Planung und natürlich Ausführung gespannt sein. In zwei Jahren soll schon Baustart sein.


    Ob und wie sehr das Hochhaus das mittelalterliche Stadtbild beeinträchtigen wird, vermag ich nicht zu sagen. Übrigens entstehen auch am nördlichen Juri-Gagarin-Ring in noch größerer Nähe zum Altstadtkern zwei Hochhäuser (siehe hier), die meines Wissens bereits im Bau sind.

  • in noch größerer Nähe zum Altstadtkern zwei Hochhäuser

    Es ist interessant, mit welchen optischen Tricks die Architekturbüros arbeiten. Diesmal keine Nachtansicht, bei der das Innenlicht die Architektur wegstrahlt. Stattdessen wird das "Grün" überbetont, indem man die Wände, die Fenster, die Wege und den Himmel monochrom weiß-grau darstellt. In der Realität dürfte das "Grün" optisch weit weniger wahrnehmbar sein. Aber es wird eben unterbewusst der Zeitgeist mit einer solchen Darstellung angesprochen.

  • Wenn "moderne" Architektur erklärtermaßen Bezug nimmt auf ortstypische Merkmale, dann hat das meist etwas unfreiwillig lächerliches an sich. Denn ohne dass man diesen Bezug ausführlich erläutert wird er sich in seiner Abstraktheit, mit der doch ohnehin nur wieder ein gewöhnlicher Glaskasten kaschiert wird, kaum jemandem erschließen.


    PS: Die Kritiklosigkeit der Medien gegenüber solchen Projekten geht mir regelmäßig auf den Geist.

    In dubio pro reko

    Edited 6 times, last by Königsbau ().

  • Moderne Architektur ist für die Architekten und Bauherren der einfachste und bequemste Weg,-sie schwimmen damit auf der Welle des Zeitgeistes.Sie ersparen sich damit meistens lange Endlosdiskussionen.Wer hingegen mal etwas Traditionelles entwirft oder Rekonstruiert hat es in Deutschland in der Öffentlichkeit oft immer schwerer.

  • Mittelschiff der Erfurter Peterskirche ist wieder offen


    Peterskirche_Erfurt_1.jpg

    Foto: Von TomKidd - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1521712


    Eher per Zufall habe ich entdeckt, dass ein Teil der Zwischendecke in der Erfurter Peterskirche entfernt wurde. Das Geschah bereits etwa im Herbst 2019. Ich habe noch mal in älteren Posts nachgesehen, konnte aber nichts darüber finden. Ich hoffe ich habe nichts übersehen.
    Die ursprünglich dreischiffige romanische Pfeilerbasilika war eine Abteikirche der Benediktiner. Die Zwischendecke wurde

    ab 1814 eingebaut. Von da an diente die Kirche viele Jahre als Korn- und Mehlspeicher für das Königreich Preußen.


    Zeitungsartikel Thüringer Allgemeine vom 10.10.2019 mit Foto vom Innenraum

  • Bundesgartenschauen sind schon längst zur Farce geraten. Da geht es nicht um "mehr Grün", sondern um "mehr Beton", so dass selbst historische Parkanlagen mit allerlei Schnickschnacks entstellt werden. Rekonstruktionen von historischen Gärten und landschaftsgerechte Besserungen und Verschönerungen kommen selten vor, oder dann mit dem obligatorischen Geschwür, mit dem man die Arroganz der Moderne und die Kulturbanausigkeit des provinziellen Geistes verrät. So wird in Erfurt die außerordentlich gut erhaltene und beeindruckende Zitadelle mit den üblichen Stahlstrukturen zerstört, nur um ein paar Tausend Touristen für eine begrenzte Zeit zu locken. Wenn die Touristen gehen, bleibt aber dauerhaft der das historische Ensemble zumindest visuelle zerstörende "Kronenpfad".

    Grundsätzlich ist es in Deutschland Zeit für eine Debatte über Sinn und Unsinn des "Anbauwahns" auf historischem Feld. Denn es sind selten Anbauten, die den Baubestand behutsam ergänzen, sondern, wie im Fall von Schloss Gottorf, entsetzliche, völlig aus den Fugen geratenen Parasiten, die gezielt die Abgrenzung zum Baubestand suchen und tiefe Verachtung zum Überlieferten und Schönen signalisieren.

  • Ich bin grundsätzlich ein Freund der BUGA in Erfurt, habe meinen Eltern sogar schon Tickets geschenkt für dieses Jahr. Aber die Eingriffe in den Bestand machen mich einigermaßen fassungslos. Der Aufzug ist ein riesiges Ungetüm, an der exponiertesten Stelle überhaupt, vom ganzen Domplatz aus zu sehen. Das geht so nicht. Dazu wird der schöne Hang noch durch etliche neue Wege zerfasert. Ich verstehe, dass man ein BUGA Gelände so gut wie möglich barrierefrei gestalten muss, aber es ist nunmal eine Festung. Es hätte durchaus auch andere Möglichkeiten gegeben, von der Süd- und Westseite barrierefreie Zugänge zu schaffen.


    Aufzug: https://scontent-frx5-1.xx.fbc…785b4cd04f95d&oe=6082B774


    https://scontent-frx5-1.xx.fbc…785b4cd04f95d&oe=6082B774

  • Bundesgartenschauen sind schon längst zur Farce geraten. Da geht es nicht um "mehr Grün", sondern um "mehr Beton", so dass selbst historische Parkanlagen mit allerlei Schnickschnacks entstellt werden.

    Das kann man so pauschal nicht sagen. Auf die Buga Havelregion im Jahr 2015 traf das definitiv nicht zu. Die habe ich sehr genau verfolgt. Jede Buga hat ihr eigenes Konzept. In Gera und Ronneburg ging es um die Rekultivierung von Bergbaufolgelandschaften und damit definitiv um mehr Grün.


    Aber jetzt zu Erfurt. Die Defensionskaserne auf dem Petersberg wird für die Buga provisorisch genutzt. Das Land Thüringen will die Kaserne dann an einen Investor verkaufen. Angedacht ist eine Mischnutzung. Pläne für ein Thüringisches Landesmuseum sind wohl vom Tisch. Die Stadt Erfurt hält aber an ihren Museumsplänen für die Kaserne fest. Wobei mir nicht klar ist, wie die aussehen. Erfurts Kulturdezernent Tobias Knoblich hatte in einem Diskussionsbeitrag mal angekündigt, in und nach Corona-Zeiten stehe die Kultur auf dem Prüfstand. Der Kulturbereich könne nicht ständig expandieren.


    Infos des MDR (15. Februar 2021)


    Infos des MDR (30. April 2021)

  • Für eine der letzten Brachflächen der Altstadt, das in unmittelbarer Umgebung des Wenigemarkts gelegene Quartier an der Kürschnergasse, hat es einen Architektenwettbewerb gegeben:


    https://architekten-thueringen…e____in_erfurt-24673.html


    Natürlich hat mal wieder ein moderner Entwurf gewonnen. Bei mir meilenweit gewonnen hätte der dritte Platz von Eingartner Khorrami Architekten - ein schöner traditioneller Entwurf, der den Genius Loci aufgreift. Leider wieder eine verpasste Chance, ähnlich wie beim Neubau neben dem Dom.

    Ich scheine erhört worden zu sein: Offenbar hat sich der Investor für den von mir ebenfalls favorisierten dritten Platz von Eingartner Khorrami Architekten entschieden (siehe hier).


    Damit bleibt Erfurt in der Nähe der Krämerbrücke ein modernistischer Entwurf erspart. Stattdessen entstehen an der Kürschnergasse drei kleine erfurttypische Altstadthäuser und ein klassizistisch anmutender Kopfbau, den die Fachjury so kritisiert hatte 😄 Jetzt dürfen wir gespannt sein, wie die Neubauten am Ende tatsächlich wirken. Derzeit bearbeiten wohl die Archäologen das Quartier.

  • Ich scheine erhört worden zu sein: Offenbar hat sich der Investor für den von mir ebenfalls favorisierten dritten Platz von Eingartner Khorrami Architekten entschieden (siehe hier).


    Damit bleibt Erfurt in der Nähe der Krämerbrücke ein modernistischer Entwurf erspart. Stattdessen entstehen an der Kürschnergasse drei kleine erfurttypische Altstadthäuser und ein klassizistisch anmutender Kopfbau, den die Fachjury so kritisiert hatte 😄 Jetzt dürfen wir gespannt sein, wie die Neubauten am Ende tatsächlich wirken. Derzeit bearbeiten wohl die Archäologen das Quartier.

    Hier mal ein paar Bilder vom letzten Wochenende inkl. der freigelegten Keller.

  • Der Thüringer Staatspreis für Baukultur geht in diesem Jahr an das Hörsaalgebäude der Fachhochschule Erfurt.


    mdr.de/nachrichten/thueringen/staatspreis-baukultur-stiftung-fh-erfurt


    Der MDR-Bericht behauptet, das Hörsaalgebäude sei "komplett aus Holz". Das stimmt sicher nicht. Ich sehe Glas auf dem Foto. Die Haustechnik wird wohl auch nicht "komplett aus Holz" sein. Den Bezug des Gebäudes zum Thema "Baukultur" kann man sicher kontrovers diskutieren.

  • Quote

    Das ca. 16 x 15,5 m umfassende eingeschossige Gebäude ragt über die Bodenplatte hinaus und erscheint als schwebender Baukörper.

    Die Fensterumrahmungen sind sicherlich nicht aus Holz. Und als "schwebend" würde ich die Neue Nationalgalerie in Berlin bezeichnen, (die ich sogar gut finde). Auf dem Foto wirkt das Gebäude sehr dunkel. Diese geriffelte Fassade hat sowas von einer Terassendieloptik. Ganz ehrlich, das habe ich schon tausendmal gesehen.