Baden (Niederösterreich) - Allgemeines

  • Auf dem Weg zum Neusiedler See konnte ich in Baden halten, gut 20 km südlich von Wien am Wienerwald gelegen. 1812 brannte die Stadt völlig ab und wurde im Anschluss klassizistisch wieder aufgebaut. Im Dumont Kunstreiseführer steht „typisch biedermeierliches Städtchen“, „bürgerlich-beschauliches Flair“, „Baden, damit assoziiert man das K. u. K. Österreich, Beamte und Offiziere, Beethoven und Grillparzer“, „ganze Straßenzüge umfassende Biedermeierensemble, wie es in Österreich kein anderer Ort besitzt“. Das klingt ganz gut. Zeit für ein paar Fotos.


    Wir beginnen auf dem Hauptplatz mit einem Blick an der Pestsäule (1714-15) auf die südliche Bebauung des Platzes.

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    Gegenüber der Pestsäule steht das Rathaus von Joseph Kornhäusel (1782-1860), ...

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    ... das dem Theater beachtlich ähnelt.

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    Am Theaterplatz schauen wir in Richtung zur Stadtkirche St. Stephan, in der Mozarts „Ave Verum Corpus“ 1791 in Anwesenheit des Komponisten uraufgeführt wurde (alles aus dem Dumont).

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    Auf den folgenden Bildern gehe ich einmal um die Stadtkirche herum.

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    Jetzt sind wir im Kurpark und schauen in Richtung Mozarttempel.

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    Jetzt schauen wir auf das Kasino am Kurpark (Jahrgang 1934, wirkt älter), seit einem Umbau 1995 das größte Kasino in Europa.

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    Wieder zurück am Hauptplatz sehen wir noch einmal auf Pestsäule und Rathaus, ...

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    ... und gehen im Anschluss in die Wassergasse in Richtung Südosten. Hier stoßen wir, wie von wenigen Ausnahmen abgesehen (ein katastrophaler Hotelneubau direkt am Kurpark!) in der kompletten Stadt, auf überaus erfreuliche Bausubstanz.

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    Noch einmal Blick zurück zum Rathaus.

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    Am Josephsplatz im Süden der Altstadt endet unsere kleine Runde, dort stehen das ehemalige Frauenbad (rechts) und das ehemalige Josephsbad.

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    Das Frauenbad wurde 1821 offensichtlich klassizistisch errichtet und später zu einem Museum umgebaut.

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    Das Josephsbad wurde 1804 im Stil des römischen Vestatempels errichtet. Das war’s. Wir waren nicht ganz lange in Baden, mit etwas Mühe könnte man die Stadt sicher noch schöner darstellen. Baden ist sicher ganz nett, hat meine relativ hoch gesteckten Erwartungen aber nicht ganz erfüllt.

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  • Nun, was hast du dir von Baden denn erwartet? Ein nö Karlsbad oder Marienbad?

    Quote

    „typisch biedermeierliches Städtchen“, „bürgerlich-beschauliches Flair“, „Baden, damit assoziiert man das K. u. K. Österreich, Beamte und Offiziere, Beethoven und Grillparzer“, „ganze Straßenzüge umfassende Biedermeierensemble, wie es in Österreich kein anderer Ort besitzt“.


    Genau das trifft es doch. Nicht mehr und nicht weniger. Beschaulich, biedermeierlich, baulich geschlossen... eben bescheiden. Da ist kein Platz für großartige Erwartungen.
    Aber gerade darin liegt ein gewisser Reiz. ME ist Baden der architektonisch wertvollste Kurort Kontinentaleuropas.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Tja, das ist halt der Unterschied: In Baden ist alles stimmig, nahezu jedes einzelne Gebäude hält einer kritischen Betrachtung stand. Schaut man z.B. auf die aktuelle Fotoserie von Würzburg, muss man ganz lange die Augen geschlossen halten, um sie kurz zu öffnen, wenn ein authentisches und stimmiges historisches Gebäude auftaucht. Oder das nächste mal noch selektiver (geschönter) fotografieren. In Baden käme man gar nicht auf diese Idee.

  • Lieber Zeno, gegen diese Gedanken ist durchaus nichts einzuwenden, allein mit Würzburg darfst du da nicht kommen. Baden ist nicht dein Stil, gut, aber bei Würzburg stellt sich keine Stilfrage, es hat eben keinen Stil, nicht einmal einen schlechten, denn es besteht zu 95% aus Schrott.
    Da hatte Leipziger durchaus recht. Natürlich ist es legitim, Mittelalterliches wie zB Ochsenfurt oder Sulzfeld über das Badensche Biedermeier zu stellen, aber nicht den BRD-Wiederaufbaubanalismus.
    Ich sehe den Kornhäusel-Stil übrigens nicht niedrig ein. Er hat schon eine eigene Stimmigkeit. Und was Baden im allgemeinen betrifft, darf man nicht übersehen, dass diese Stadt zur Beethovenschen Geisteswelt eine authentische Kulisse darstellt. Was würdest du, Zeno, zum (neuzeitlichen) Weimar sagen?
    Baden ist nicht Bad Ischl (das immerhin sogar auch eine gewisse Authentizität besitzt, die man gar nicht unterschätzen sollte).

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Quote from "ursus carpaticus"

    Was würdest du, Zeno, zum (neuzeitlichen) Weimar sagen?


    Zunächst einmal, dass ich Weimar nicht besonders anziehend finde. Es gibt aber ein paar zurückliegende Bereiche, die ganz nett sind. So in etwa: Rund um die Herderkirche und bis zum Markt ganz nett. Windischenstraße geht so, Schillerstraße langweilig. Nationaltheater völlig uninteressant. Wie gesagt, was nach 1780 und vor allem 1880 entstanden ist, interessiert mich zumeist nicht besonders.


    Was meinst Du mit "neuzeitlich"? Das meiste dürfte ja in der Neuzeit, also nach etwa 1500, entstanden sein.

  • Es ist nett, aber langweilig...das denke ich oft von Stadten in Osterreich.

  • Quote from "Johan"

    Es ist nett, aber langweilig...das denke ich oft von Stadten in Osterreich.



    Du musst St. Poelten besuchen. Wie Baden, keine Grosstadt aber sehr, sehr interessant. Dort findest du viele Barock Bauten (im Gegenteil zu Baden), einige schoene Plaetze und einen sehr bemerkenswerten Marktplatz.

  • Lieber Gil, vielen Dank für diese mutige Parteinahme zugunsten unserer Städte, wenngleich ich fürchte, dass dein Verweis auf St. Pölten* nicht viel bringen wird. Du hast natürlich recht mit deiner Meinung, St Pölten ist hochinteressant, es ist eine Kleinformatsausgabe des barocken Wien, so wie Neustadt eine des mittelalterlichen Wien ist, aber ich fürchte, dass Johan sogar Wien als langweilig empfindet!
    Da kann man nichts machen. Sicherlich sind die Städte in Skandinavien oder England abwechslungsreicher, vielschichtiger und tiefgründiger als es unserer Städte sind, wenngleich es mir bei diesen Wertungen an das feine Gespür für die maßgeblichen Parameter fehlt. Dennoch: diese dumpfe Langeweile, die so drückend über Attnang-Puchheim, Salzburg oder Favoriten usw lastet, ist mir noch nie entgangen.


    *Jetzt, da die Glanzstoffe ihren Betrieb eingestellt haben, riecht es in St. Pölten nicht einmal mehr so aufregend, wie es früher der Fall war. Dafür ist der Migrantenanteil stärker ansteigend als anderswo, was Johan vielleicht als Pluspunkt anrechnen wird.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
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    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • @Ursus


    Du meinst diese S:t Polten?
    http://www.bing.com/maps/?v=2&cp=s10wyyj91r33&scene=23063615&lvl=1&sty=b&eo=0&where1=St%20P%C3%B6lten%2C%20Austria\r
    http://www.bing.com/maps/?v=2&cp=s10wyy ... %20Austria


    Ich weiss dass Osterreich in England als langweilig gilt. Das stimmt ja nicht uberall.Wien gefallt mich eigentlich ziemlich gut. Graz hat mich zum Beispiel enttauscht. Ich hatte mich die Altstadt viel malerischer vorgestellt. Wie viele Stadten in Osterreich. Die gleiche gilt auch fur Ungarn. Baden entspricht dafur meine Vorstellung ziemlich gut.


    Schweden ist ja auch wie Osterreich ein kleines Land, die lange Zeit auch Provinz war und ist. Was halt Schweden hat ist ja Wasser und Kuste. Das pragt Stadten wie Stockholm und VIsby auf ein ganz besondere Art und Weisse. Abgehsehen von diese schone Beispielen bietet Schweden leider nicht so viel Intressante Architektur fur die Auge. Dafur ist Baltikum (Talinn, Riga, Vilnius) und deutsche Ostsee (Lubeck, Wismar, Luneburg,Stralsund) viel Intressanter.


    Steyr intressiert mich...ich war noch nicht da und deine Gallerie von diese Stadt hat mich wirklich uberzeugt.

  • In gewisser Weise kann ich das Argument nachvollziehen, die Städte der K+K-Monarchie (speziell Österreichs) seien langweilig. Ich finde jedoch, dass gerade dies zugleich ein Qualitätsmerkmal ist. Architektonisch zieht sich der Barock und der Klassizismus (vermischt mit der ital. Neorenaissance) vereinfacht gesagt seit dem 18. Jh. bis 1918 ohne Bruch durch, jedes einzelne Gebäude ist sorgfältig gestaltet, sorgfältig städtebaulich integriert, während man z.B. in Preußen durchaus viele architektonisch minderwertige und stadtbildstörende Gebäude aus der Zeit nach 1871 vorfindet (was wiederum heute meist erneut überformt und nur noch auf Fotos nachvollziehbar ist).
    Z.B. in Westfalen wünsche ich mir sehr oft, man hätte einfach um 1880/90 mit dem Bauen aufgehört und die Städte von dort an einfach so gelassen, wie sie zu dem Zeitpunkt waren. Dann wären sie heute freilich viel langweiliger, aber dafür unheimlich einheitlich, in sich geschlossen. Diesen "eingefrorenen Zustand" glaube ich in vielen Städten der K+K-Monarchie zu entdecken, dort freilich eher auf dem Stand von 1914.


    Die Stilfrage stellt sich für mich persönlich nicht, ich "mag" alle Stile und Regionalismen, jeweils vor dem Hintergrund der damaligen Zeit und Kultur.

  • Danke für die schönen Bilder aus Baden! Mir persönlich gefällt Baden auch sehr gut! Die für mich interessanten Gebäude finde ich aber oftmals nicht im Zentrum sondern etwas außerhalb in Richtung Helenental. Wunderbare Villen mit ihren Gärten…


    Zum Beispiel die Villa Erzherzog Wilhelm bzw. später Eugen (erbaut von Franz v. Neumann – in unserem Forum bekannt durch das Reichenberger Rathaus und das Friedländer Rathaus sowie die Arkadenbauten rund um das Wiener Rathaus):




    Quelle: unteres Bild aus Wikipedia und oberes Bild eigenes Foto

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • ich würde 'England' niemals als langweilig bezeichnen und 'Skandinavien' auch nicht. Wenn es in Bath ganze Straßenzeilen mit mehr oder minder gleichförmigen Häusern gibt, ist dies nicht langweilig, sondern ein für mich aufregendes Phänomen. Und wer die großen Kathedralen als langweilig darstellt, ist ohnehin ein Banause.
    Das 'Problem' Österreichs ist mE die überproportionale Wahrnehmung als barockes Land. Wien, Graz und Linz werden als mehr oder weniger reine Barockstädte wahrgenommen, was einfach nicht zutrifft. 'Schuld' daran dürfte sein, dass der Vorgängerstil keine besonders eigenständigen Leistungen hervorgebracht hat - österr. Renaissance ist zwar kein ganz so dünnes Kapitel wie englische Kochkunst, italienische Heldensagen oder amerikanische Kulturgeschichte, aber verglichen mit Gotik und Barock ein klares Zwischentief. Was viele hier an der deutschen Stadtbaukunst sosehr bewundern, so pittoreske Schöpfungen wie das Pellerhaus oa Objekte in Nürnberg, Frankfurt, Erfurt etc. fehlt bei uns völlig.
    Der Barock konnte daher ziemlich bedenkenlos alle vorgefundenen älteren Straßen- und Platzfluchten überlagern - in aller Regel handelte es sich dabei um eine eindeutige Verbesserung, sowohl im vom Inn-Salzach-Schema geprägten Westen, als auch im 'spitzgiebeliger' gebliebenem Osten.
    Somit zeigen unsere Städte ein sehr einheitliches Erscheinungsbild, das seiner langen Geschichte nicht ganz gerecht wird.
    Vor allem die Wahrnehmung der gotischen Epoche kommt viel zu kurz.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Quote from "ursus carpaticus"

    ich würde 'England' niemals als langweilig bezeichnen und 'Skandinavien' auch nicht. Wenn es in Bath ganze Straßenzeilen mit mehr oder minder gleichförmigen Häusern gibt, ist dies nicht langweilig, sondern ein für mich aufregendes Phänomen. Und wer die großen Kathedralen als langweilig darstellt, ist ohnehin ein Banause.
    Das 'Problem' Österreichs ist mE die überproportionale Wahrnehmung als barockes Land. Wien, Graz und Linz werden als mehr oder weniger reine Barockstädte wahrgenommen, was einfach nicht zutrifft. 'Schuld' daran dürfte sein, dass der Vorgängerstil keine besonders eigenständigen Leistungen hervorgebracht hat - österr. Renaissance ist zwar kein ganz so dünnes Kapitel wie englische Kochkunst, italienische Heldensagen oder amerikanische Kulturgeschichte, aber verglichen mit Gotik und Barock ein klares Zwischentief. Was viele hier an der deutschen Stadtbaukunst sosehr bewundern, so pittoreske Schöpfungen wie das Pellerhaus oa Objekte in Nürnberg, Frankfurt, Erfurt etc. fehlt bei uns völlig.
    Der Barock konnte daher ziemlich bedenkenlos alle vorgefundenen älteren Straßen- und Platzfluchten überlagern - in aller Regel handelte es sich dabei um eine eindeutige Verbesserung, sowohl im vom Inn-Salzach-Schema geprägten Westen, als auch im 'spitzgiebeliger' gebliebenem Osten.
    Somit zeigen unsere Städte ein sehr einheitliches Erscheinungsbild, das seiner langen Geschichte nicht ganz gerecht wird.
    Vor allem die Wahrnehmung der gotischen Epoche kommt viel zu kurz.


    Ich kann Dir da nicht zustimmen, was die Renaissance betrifft. Der bauwütige Historismus hat doch die Renaissance weitgehend verdrängt, bis sagen wir 1850 war Wien vl eine mehrheitlich barocke Stadt, wo es jedoch tolle profane vorbarocke Bauten gab, die dann, gegen Ende des 19. Jhdts, alle der Spitzhacke zum Opfer fielen. Ich lehne mich jetzt etwas aus dem Fenster und sage, dass ein Grabenhof oder ein Regensburger Hof einem Pellerhaus durchaus ebenbürtig waren. Die Beseitigung der frühneuzeitlichen Bausubstanz geschah mehr durch den Historismus als durch das Barock. Im Historismus wurden die Gebäude darüber hinaus vollkommen beseitigt, während im Barock oft eine Fassade drübergewurstelt wurde. Ältere Elemente findet man in Wien hinter den Barockfassaden zuhauf, hinter den Gründerzeitlichen nicht!

    "Ich denke an Wien, so wie Sie an Brüder, an Freunde denken, die jetzt an der Front sind. Nun sind sie fern von Ihnen und Sie wissen sie in Gefahr, ohne ihnen beistehen, ohne diese Gefahr teilen zu können" - Stefan Zweig 1940

  • Sicherlich hat dem Historismus viel Vorbebauung weichen müssen, aber gerade im 1. Bezirk war es der Barock, der die Renaissance und das Mittelalter Wiens verschwinden lies - siehe alle Bürger- und Barockpalais.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Quote from "ursus carpaticus"

    Das 'Problem' Österreichs ist mE die überproportionale Wahrnehmung als barockes Land. Wien, Graz und Linz werden als mehr oder weniger reine Barockstädte wahrgenommen, was einfach nicht zutrifft. 'Schuld' daran dürfte sein, dass der Vorgängerstil keine besonders eigenständigen Leistungen hervorgebracht hat - österr. Renaissance ist zwar kein ganz so dünnes Kapitel wie englische Kochkunst, italienische Heldensagen oder amerikanische Kulturgeschichte, aber verglichen mit Gotik und Barock ein klares Zwischentief.


    Ich stimme zu.
    Kein zweifel, dass Graz hauptsaechlich eine Barock Stadt ist, aber es gibt dort einige bemerkenswerte
    Rennaisance Bauten. Einer meiner Lieblingsbauten ist dass Mausoleum von Ferdinand II - ein hervorragendes Kunstwerk!

  • @ekleist, exilwiener
    Das Thema hatten wir schon hundertmal. Natürlich hat Kleist recht, dass die Überformung durch das Barock nicht mit den historistischen Stadtzerstörungen verglichen werden kann. Der Immoblilienspezialist Exilwiener ist da etwas betriebsblind.
    Ich bleibe aber dabei, dass Österreich, und hier insbesondere Wien (Granz natürlich etwas weniger, wie Gil richtig schrieb), verglichen mit seinen Leistungen während der Gotik und des Barock, während der Renaissance nichts Gescheites zustandegebracht hat. Mich überzeugt eigentlich auch der alte Regensburgerhof nicht besonders. Vom Grabenhof ist mir nur der Innenhof bekannt. Aber er wurde doch recht gut von O.Wagner substituiert, oder?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.