Lippstadt (Galerie)

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    • Lippstadt (Galerie)

      Auf Lippstadt bin ich in einem NRW-Reiseführer aufmerksam geworden, den ich im vergangenen mit in Düsseldorf hatte. 70 km östlich von Dortmund gelegen hat LIP mit knapp 70.000 Einwohnern knapp halb so viele Einwohner wie das mir vertraute Osnabrück, die Größe eines Altstadtbereiches ist immer schwer zu schätzen, vielleicht ist die Altstadt etwas größer als das von mir unlängst besuchte Mühlhausen/Thüringen. Natürlich steht über LIP einiges bei Wikipedia, in jedem Fall wurde LIP am 01.04.1945 kampflos und ohne nennenswerte Kriegsschäden an die Amerikaner übergeben.


      (Bildlinks inaktiv)
    • Re: Lippstadt

      danke für die bilder, ich bin seit über zwanzig jahren nicht mehr dort gewesen. das städtchen ist ganz in ordnung, aber als juwel würde ich es auch nicht bezeichnen; die altstädte etwa von lemgo, das du erwähnt hast, detmold oder dem lippstadt noch näheren soest sind weit sehenswerter. und trotz seiner weitgehenden zerstörung ende märz 1945 würde ich auch einen besuch von paderborn empfehlen, aufgrund seines gewaltigen doms, seines rathauses aus der renaissance, der romanischen bartholomäuskapelle und der der jerusalemer grabeskirche nachempfundenen, allerdings in einem späteren neubau teilweise aufgegangenen, teilweise dafür zerstörten romanischen busdorfkirche oder der barockgotischen ehemaligen jesuitenkirche. an den lauschigen paderquellen unterhalb der in den 1970er jahren rekonstruierten kaiserpfalz heinrichs II aus dem 11. jh. kann man sich dann angenehm ausruhen, besonders wenn man zum liborifest ende juli/anfang august in pb weilt, wenn sich die stadt von einer ihrer besseren seiten zeigt.

      p.s.: den auf deinem letzten bild gezeigten baywatch-turm würde ich in die 50er jahre datieren.
    • Re: Lippstadt

      @ ulgemax: In Soest war ich schon mal, da war ich aber nicht ganz so begeistert, das wurde ja nun gegen Kriegsende vernichtend bombardiert, das empfand ich als bunt zusammengemischt aus restauriertem Fachwerk und Nachkriegsbauten. Lippstadt finde ich da schon geschlossener. In Paderborn sind wir vergangenen Samstag auf dem Weg zurück vorbeigefahren, Bilder stelle ich demnächst ein.
    • Re: Lippstadt

      sehr gerne, auch wenn ich selbst vor ein paar wochen erst dort gewesen bin. soest ist gemischter, das stimmt, aber das alte ist dafür imponierender: etwa der wuchtige "bauerndom" oder die filigrane gotische wiesenkirche. auch die erhaltenen bürgerhäuser habe ich aufwendiger in erinnerung als den lippstädter bestand. sei´s drum.
    • Re: Lippstadt

      Danke für die Bilder aus Lippstadt. Trotz der historischen Nähe zu meiner Heimatstadt Lemgo (beide wurden von Bernhard II. zur Lippe gegründet) bin ich bisher noch nie in Lippstadt gewesen. Dabei gibt es gerade im Bezug auf die romanisch-gotischen Kirchen durchaus Parallelen.

      Dass das Stadtbild heute eher unspektakulär aussieht, liegt wohl (neben den üblichen Kaufhausbausünden aus der Wirtschaftswunderzeit) auch an zwei Stadtbränden, die 1656 und 1676 große Teile der Stadt zerstört haben, sodass anders als in Lemgo oder Detmold nur noch wenig vorbarocke Bausubstanz erhalten ist. Und der westfälische Barock war (mit Ausnahme von Münster, wo nahezu alle Beispiele im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden) doch eher unscheinbar, gerade im Fachwerkbau.

      Allerdings finde ich, dass Lippstadt trotz seiner Größe auf den Fotos doch sehr kleinstädtisch und provinziell wirkt, gerade was die "Möblierung" der Innenstadt angeht (Pflasterung, Laternen, Grünzeug). Das etwas gleich große Detmold kommt doch deutlich lebendiger rüber. Aber vielleicht täuschen die Fotos ja auch.
    • Re: Lippstadt

      Vielen Dank für die Fotos.
      Ich war auch schon in Lippstadt. Aus meiner Sicht eine Stadt aus der Kategorie "ganz nett, aber schnell wieder vergessen" - wirklich geniale Architektur, die einem nachhaltig in Erinnerung bleibt, gibt es dort einfach nicht. Obwohl vom Krieg meines Wissens völlig unzerstört, ist das Stadtbild nicht mehr so sehr einheitlich, wobei ich riesige Lücken (Abrisse ganzer Stadtquartiere) wiederum auch nicht gesehen habe.
      Man muss sich deutlich vor Augen halten, dass die Altstadt von Lippstadt niemals so dicht bebaut war wie manch andere Altstadt. Es gab immer wieder Gärten usw., vor allem in den Bereichen an der Stadtmauer. Die heute vorhandenen Lücken sind also nicht alles "Abbruchflächen". In Soest ist dies Phänomen noch viel extremer, ich könnte mich nicht erinnern, jemals in Deutschland eine mittelalterliche Altstadt gesehen zu haben, die so viele Garten hat (und diese in sehr ähnlicher Form schon immer hatte). Darin zeigt sich der extreme Bedeutungsverlust, den Soest erlitten hat. Um 1500 und davor war es eine bedeutende Stadt, und fror dann städtebaulich quasi auf diesem Stand ein - die Gebäude selber wurden allerdings meist in der folgenden Zeit neu gebaut, aber ohne den städtebaulichen Charakter wesentlich zu verändern. Bezüglich des Straßenrasters ist Lippstadt allerdings eine "geplante Stadt" mit rechtwinkeligem Straßenraster - eine Gründungsstadt des 12. Jhs. - während Soest mit sehr unregelmäßigen Straßen (in denen die Orientierung ungewöhnlich schwer ist) bekanntlich älter ist.
      Interessant bzw. ungewöhnlich fand ich die Stiftsruine in Lippstadt (3. und 4.-letztes Bild), schön auch dieser Soester Grünsandstein, der wie der Name schon sagt, grün schimmert, aber leider nicht besonders haltbar ist.
      Naja, und die "Villa" auf dem 2.-letzten Bild - ist meiner Meinung nach typisch für die Gegend. Man liebt(e) diesen üblen Verblendklinker (neben dunkelrot noch in gelb-orange, weiß oder braun erhältlich) ohne Ende, und setzt(e) ihn überall ein. In den letzten Jahren hat dies (zum Glück) sehr nachgelassen. Eine zeitlang, hauptsächlich in den 80er Jahren, wurden so gut wie keine Putzfassaden mehr erneuert, sondern immer "verklinkert", wie der Volksmund so sagte. "Dann braucht man nie wieder das Haus streichen.". Das Absurde an der Sache ist noch, dass man oft gar nicht oder kaum zwischen Klinker und alter Wand gedämmt hat - der Klinker war als reine "Schönheitsmaßnahme" gedacht.

      Nachtragen möchte ich noch das Bild eines Fachwerkhauses von 1566 - eines der prächtigsten und ältesten Gebäude der Stadt. (Lange Str.12, Gasthof zum Goldenen Hahn)
      de.wikipedia.org/wiki/Datei:LP_Goldener_Hahn.JPG

      Nennen muss man auch noch das Hotel Köppelmann (Lange Str. 30, um 1721), einer der wenigen Barockbauten.
      Von außen sieht das Haus recht unspektakulär aus, das Erdgeschoss wurde zuletzt zu einem Rossmann-Drogerie-Markt umgebaut, und dabei eine offene Arkade aus der Zeit nach 1935 beseitigt wurde, die sich gestalterisch sehr viel besser einfügte als die jetzigen eckigen Schaufenster in hässlichster Standard-Schüco-Qualität. (Der Denkmalschutz lässt fast alles mit sich machen, immerhin gab es keinen weiteren Verlust von Originalsubstanz.) Die reiche Haustür ist zurückgesetzt innen erhalten.
      Haustür 1934 vor Einbau der offenen Arkaden (Bildindex)
      bildindex.de/bilder/mi06894b13c.jpg
      Vor dem Umbau (Bildindex, 1994)
      bildindex.de/bilder/mi12516a04c.jpg
      Jetzt mit Rossmann-Drogerie
      kreiter.info/familie/images/re…dt/1-haus-koeppelmann.jpg

      Sehr viel besser erhalten ist das Obergeschoss, von außen erkennbar an den heute noch vorhandenen historischen Fenstern des 19. Jhs., mit diesem reichen Rokoko-Saal (um 1750?), der zu den schönsten Beispielen barocker Räume in Westfalen gehört:
      phila3000.de/JPGS/ws/ws15000-19999/ws18945.jpg
      Decke (Bildindex)
      bildindex.de/bilder/mi12516a12c.jpg
      Gesamtansicht (Bildindex)
      bildindex.de/bilder/mi12516a08c.jpg
    • Re: Lippstadt

      Danke für die Ergänzungen. "Schnell vergessen" werde ich LIP nicht, so schlimm fand's ich nun eigentlich nicht.

      "Leipziger" wrote:

      Man muss sich deutlich vor Augen halten, dass die Altstadt von Lippstadt niemals so dicht bebaut war wie manch andere Altstadt. Es gab immer wieder Gärten usw., vor allem in den Bereichen an der Stadtmauer

      Wir hatten direkt an der um die Innenstadt führenden Straße "Woldemei" geparkt, die im Nordosten knapp innerhalb der ehemaligen Stadtmauer gelegen haben dürfte. Dort war die Bausubstanz grässlich. Da bleibt wirklich nur zu hoffen, dass hier nicht massiv abgerissen wurde, sondern "nur" Grünflächen überbaut wurden. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht. Ich war vor Jahren mal in Leer, wenn man da von Norden (wenn ich mich recht entsinne) in die Innenstadt geht, ist auf der Straße markiert, wo gemäß Planung aus den 60ern oder 70ern eine Umgehungsstraße sehr nah der innersten Innenstadt durch die bestehende Bausubstanz geschlagen werden wollte. Da sähe es dann wohl heute ungefähr genauso aus wie an der Woldemei in LIP.
    • Re: Lippstadt

      Erpel, du hast natürlich recht damit, dass letztlich in Lippstadt viel hässliche und neuere Bausubstanz (nach 1945) rum steht. Vor allem in den hinteren Straßen. So viele Gartenflächen gab es früher nun auch wieder nicht. Mein Hinweis sollte auch ein (versteckter) Fingerzeig darauf sein, dass man sich die heute hässlichen Hinterstraße im historischen Zustand nicht so hoch und schön bebaut vorstellen muss wie es die besser erhaltenen Hauptstraßen (Lange Straße....) heute noch erahnen lassen. Man hat in den wilden 1960er+70er Jahren im Allgemeinen bewusst die "schöneren" + "ansehnlicheren" Altbauten stehen gelassen.
      Eine ältere Katasterkarte von Lippstadt, die man mit dem heutigen Zustand (Vogelschau bei bing.com o.ä.) vergleichen könnte, konnte ich im Web leider nicht finden.
    • Re: Lippstadt

      Ich habe mir gestern meine Lippstadt-Fotos noch mal angesehen und festgestellt, dass viele historische Einzelbauten in den letzten ca. 10 Jahren überdurchschnittlich gut instand gesetzt wurden. Dies müsste eigentlich ein Grund sein, bei Gelegenheit einige meiner Bilder hier einzustellen. Erstaunlicher Weise betrifft dies sogar einige Gründerzeit-Bauten. Auf den Fotos von Erpel kann man dies nicht so deutlich nachvollziehen (weil es letztlich nur wenige Fotos sind und Details nicht so gut erkennbar sind, weil es meist ganze Straßenansichten sind).
    • Nun mein Baedeker Reiseführer von 2005 nennt Lippstadt überschwänglich das "Venedig Westfalens" und gibt der Stadt 1 von 2 Sternen. Da drängt sich natürlich die Frage auf, wo denn all die Brücken sind... Aber im Ernst: Lippstadt macht auf mich einen äusserst sympathischen Eindruck, den auch die üblichen Betonklötze nicht trüben können.
      In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

      Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.