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Anklam

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    • Wir sind ein Forum, das sich für Rekonstruktionen stark macht. Und diesbezüglich kann in Anklam ganz sicher kein Grund zur Zufriedenheit bestehen, zumal es sehr wohl ein paar hochkarätige Kandidaten gegeben hätte. Diese historisch gesehen mehr als triste Durchschnittsware wird der historischen Bedeutung dieses Ringes ganz sicher nicht gerecht. das ist kein Gemotze, sondern Tatsache.
      Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
      14. Buch 9. Kapitel
      Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.
    • Rekos sind natürlich in den allermeisten Fällen erste Wahl. Doch das gotische Giebelhaus z.B., das sicher die naheliegendste Rekonstruktion wäre - dafür müsste erstmal das Rathaus aus den 50ern abgerissen werden, wenn der Bau denn an den Originalplatz soll. Das ist in den nächsten Jahren doch reichlich unwahrscheinlich.

      Ich plädiere ja für das Alte Rathaus. Das ist zwar schon sehr lange weg (weit vor dem 2. WK), würde dem Markt aber wieder eine reizvolle Mitte und eine echte Landmarke geben, das kann gut mit dem Greifswalder Rathaus z.B. mithalten:

      commons.wikimedia.org/wiki/Fil…40-Rath-03.jpg?uselang=de

      Die Dokumentationslage dazu kenne ich allerdings nicht... Wikipedia zu dem Bau:

      "Bereits im Stadtgründungsjahrhundert, dem 13. Jahrhundert, wird auf dem Anklamer Marktplatz ein repräsentatives Rathaus angelegt. Das gotische Bauwerk hatte eine imposante Größe von etwa 40 × 14 Meter und wurde nach Schäden durch Krieg, Brand und Vernachlässigung immer wieder aufgebaut bzw. repariert. Die Spuren der Zeit waren an diversen gotischen und renaissancezeitlichen Fassadenüberformungen ablesbar – selbst die großen gotischen Schaugiebel entstammten unterschiedlichen Bauphasen. 1549 erhielt das Rathaus einen Turm (Dachreiter). 1841/42 wurde das Gebäude zusammen mit der restlichen Marktbebauung abgerissen.[12]"
      de.wikipedia.org/wiki/Anklam#Fr%C3%BChzeit_bis_Mittelalter
    • Tja, das tolle Giebelhaus und das repräsentative alte Rathaus wären schon 2 echte Hingucker. Und sie wären auch deutliche Mittelpunktsanker, so daß der Ort nicht mehr so sehr zu einem gesichtslosen Dorf-Siedlungsbrei ohne vorne und hinten verrührt wird. Der Verlust dieser beiden Gebäude hat den Ort eindeutig provinzialisiert bzw. von Ort auf Agglomeration heruntergestuft.
    • Ehrlich gesagt würde ich die Standortfrage nicht so streng sehen. Man hätte das Giebelhaus auch an anderer Stelle wiedererrichten können, was hätte das für einen Unterschied gemacht? Schon früher hat man bedeutende Fassaden transloziert. Das soll keine Ausrede sein.
      Das Alte Rathaus in Platzmitte hätte was. dazu kommt, dass dermaßen leergeräumte Plätze in Pommern, das wohl dem schlesischen Ringsystem verhaftet ist, ohnedies ahistorisch sein dürfte.
      Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
      14. Buch 9. Kapitel
      Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.
    • ursus carpaticus wrote:

      Wir sind ein Forum, das sich für Rekonstruktionen stark macht. Und diesbezüglich kann in Anklam ganz sicher kein Grund zur Zufriedenheit bestehen, zumal es sehr wohl ein paar hochkarätige Kandidaten gegeben hätte. Diese historisch gesehen mehr als triste Durchschnittsware wird der historischen Bedeutung dieses Ringes ganz sicher nicht gerecht. das ist kein Gemotze, sondern Tatsache.
      Wie so oft ist das Glas halbleer oder halbvoll.

      "Historisch gesehen" mag es "Durchschnittsware" sein, gemessen an den seit Jahrzehnten in diesem Land realisierten Stadtplanungen samt dazugehöriger Architektur sehe ich Anklam weit weniger kritisch, auch wenn ich mir auch dort durchaus noch bessere Gebäude vorstellen könnte.
      Im Hinblick darauf, dass es sich um eine arme ehemalige Kreisstadt in einer der ärmsten Regionen Deutschlands handelt, hat Anklam teilweise sogar Vorbildcharakter, zumindest aber Respekt verdient.
      Ich wüsste auch nicht, wie die Rekonstruktion dieser o.g. Gebäude, der "hochkarätigen Kandidaten", finanziell realisiert werden könnte. Die Idee Erbses, das alte Rathaus von Anno dazumal zu rekonstruieren finde ich z.B. durchaus charmant.
      Wenn nun aber weit und breit kein Mäzen in Sicht ist (die z.B. in Potsdam reichlich vorhanden sind), sollte der Maßstab das finanziell machbare und nicht die Phantasie sein.
    • Noch ein kleiner Rundgang um die Baustelle Steinstraße-Brüderstraße / Quartier II





      Die unmittelbare Vorkriegsbebauung bestand bis zur Brüderstraße aus traufständigen Häusern, sodass hier m. E. sogar eine Verbesserung eintritt


      Bei fast allen Giebelhäusern wurde bereits das Richtfest gefeiert oder sie sind zum Teil schon gedeckt


      Hofseite, mit der Anschlußbebauung Brüderstraße-Nikolaikirchstraße haben wir hier bald ein geschlossenes Quartier mit Innenhof




      Erfreulich daß hier auf die steilen Satteldächer geachtet wird, das wurde an der Ostseite Markt leider nicht getan


      Blick auf die mittlerweile vertraute Westseite Markt und Keilstraße, hier wurde auf eine ordentliche Dachgestaltung geachtet


      Die verbliebenen Platten in der Steinstraße sind bereits leergezogen und werden demnächst fallen
      Plus Outre
    • Lupi wrote:

      Erfreulich daß hier auf die steilen Satteldächer geachtet wird, das wurde an der Ostseite Markt leider nicht getan
      Ja, aber sehr schade, dass hier offenbar eine schwarze Dachdeckung genehmigt wurde. Dabei müsste doch allgemein bekannt sein, dass in den norddeutschen Hansestädten eine rote üblich ist. Hier hätte man nun wirklich ohne Mehraufwand (einfach eine andere Farbe bestellen) eine deutlich authentischere Wirkung erzielen können! Warum wurde das nicht - wie z.B. in Lübeck - im Bebauungsplan oder über eine Gestaltungssatzung festgelegt? Ich kann so eine Gedankenlosigkeit nicht verstehen. :kopfschuetteln:
      Lûbeke, aller Stêden schône, van rîken Êren dragestu de Krône. (Johann Broling, Lübecker Kaufmann und Ratsherr, um 1450)
    • Das mag ja sein, Riegel. Das Schlimme ist nur: die allermeisten Architekturabsolventen bewegen sich auf einem Niveau, bei dem es weder Steildächer, noch Giebel, noch regelmäßig angeordnete Fenster gibt! :unsure: :rolleyes:

      Mir ist schon mehrfach aufgefallen, dass frühere Semester noch eher Häuser entwerfen, die noch nach Haus aussehen und klassische Elemente enthalten. Was ihnen dann sukzessive abtrainiert wird im Laufe des Studiums... Uni-Brainwashing.
    • So sahen aber Gebäude aus, die wir im 3. Semester in den 80er-Jahren entwarfen. Eine ganz blöde Übergangszeit, in der die ätere Professorengeneration der Postmoderne durch die aufkommende jüngere Avantgarde als Gastdozenten abgelöst wurde. Da ich ja eher an historischer Architektur interessiert war und einen guten Abschluss wollte, gehörte ich eher zu den schlechteren Entwerfern, und da kamen bei einem Anfänger solche Sachen heraus.