Würzburg - Eichhornstraße 2, Martinstraße 5 - 9

  • Damit wäre wieder eine sehr schlimme, zentrale Bausünde in Würzburg betroffen. Aber ob bei der heutigen Baupolitik in Würzburg der Umbau auch eine Verbesserung wird?

  • Ich dagegen bin entschieden der Ansicht: Fassade nicht okay - bin aber auch kein Würzburger Stadtrat... :kopfschuetteln:

    Quote

    Die Gestaltung des fünfgeschossigen Hauses gefällt nicht nur den Preisrichtern und dem Bauherrn. Freier-Junior Christian Freier ist überzeugt, dass der „weltmännisch anmutende Bau Würzburg nach vorne bringt“. Auch bei der Präsentation des Entwurfs im Bauausschuss war weitgehend Zustimmung aus den Reihen der Stadträte zu hören.[...] :blah:


    Fassade okay, aber Haus zu hoch | MAIN-POST Nachrichten für Franken, Bayern und die Welt

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Eine austauschbare Investorenkiste mehr. Die Würzburger wollen offenbar krampfhaft ihr Stadtbild banalisieren. Fragt sich bloß, wen sie damit eigentlich noch anlocken wollen?

  • Quote

    (...) Wie berichtet, erhielten die Pläne von KSP Jürgen Engel Architekten aus
    Frankfurt mit dem markanten Knick in der Fassade den Zuschlag. (...)

    Wo damals Ideenreichtum, Handwerkskunst und eine harmonische Materialwahl die Attraktivität und den Wert eines Hauses ausmachten, genügt heute schon ein lächerlicher Knick, um einen Wettbewerb zu gewinnen. Es will einfach nicht in meinen Kopf, warum Investoren & Bauherren nahezu alles machen dürfen, was sie wollen. Wieso gibt es keine glasklaren und verbindlichen Vorgaben der Stadt? Das müsste doch einfach ein Standard sein.


    Auf der Seite von KSP habe ich noch nichts gefunden. Hatte ja die leise Hoffnung, daß man dort vielleicht weitere, etwas beruhigendere Bilder sieht.


    Quelle: Fassade okay, aber Haus zu hoch | MAIN-POST Nachrichten für Franken, Bayern und die Welt

  • (...) Dass nichts besseres, sondern etwas wesentlich schlechteres nachkommt, ist die eigentliche Trägödie.

    Na, schlechter finde ich den Neubau nicht. Er ist nur nicht besonders einfallsreich und mindestens um eine Fensterreihe zu hoch . Und diese Geschichte mit der Tiefgarageneinfahrt ist natürlich ein Witz. Doch in meinen Augen ist dieser dunkle Bestandsbau deutlich hässlicher.

  • Letztlich wird Schrott durch Schrott ersetzt. Und dieser wird vermutlich in spätestens 30 Jahren wieder durch Schrott ersetzt. So lange das Geld dafür da ist und sich Investoren, Architekten und Bauwirtschaft davon Geschäfte versprechen. So funktioniert das Wirtschaftssystem und die Wachstumsideologie. Nur gewisse Moden wechseln sich ab. Insofern ist es fast müßig, sich darüber zu streiten, ob da nun eine ästhetische Verbesserung der Situation eintritt oder nicht. Es wäre an dieser Stelle allenfalls ein zufällig entstandener Nebeneffekt.
    Gut, der Neubau ist etwas heller, insofern freundlicher, dafür aber wieder zu hoch und zu unruhig in der Längsfassade. Hinzu kommt der Eingriff an dem rekonstruierten Petrini-Gebäude. Insofern für mich eine eher negative Bilanz. Hätte man dem Bestandsbau hellere Platten verpasst, wäre es auch gut oder gar besser gewesen. So oder so aber löst eine Banalität die nächste ab.

  • (...) wird vermutlich in spätestens 30 Jahren wieder durch Schrott ersetzt. (...)

    Den Gedanken hatte ich auch. Bei den unansehnlichen Wiederaufbaukisten ist es ein eindeutiger Vorteil. Steht eine teure Sanierung an, werden sie häufig abgerissen. Das Problem ist, wie Du schon sagst, der meistens minderwertige Nachfolger. So werden die Städte niemals zur Ruhe kommen und bis in alle Ewigkeit ihr Aussehen verändern. Nur allgemein schöne Bauwerke und Rekonstruktionen eben solcher, haben eine größere Chance alt zu werden. Und ganau durch diese Tatsache, werden jetzt noch hastig einige Wunderwerke der Nachkriegsjahre unter Denkmalschutz gestellt.

  • Puh, ja, wirklicher Mist. Die übliche Rasterkiste mit etwas "kecker" Asymetrie. Billig, schäbig, ohne jede Sensibilität für das Umfeld. Aber offenbar findet so etwas bei Geldgebern und städtischen Verantwortlichen in Würzburg derzeit Gefallen.

  • Heimdall konnte es nicht treffender charakterisieren : SCHROTT wird durch SCHROTT ersetzt.
    Mehr ist dazu nicht zu sagen, außer vielleicht, dass die Würzburger Bürgerschaft sich bereit findet, solchen Schund hinzunehmen - dies stimmt zumindest nachdenklich.

  • Besonders toll an der ganzen Sache: Mit den veränderten Proportionen erlischt dann auch gleich der Denkmalstatus. (so in dem dritten Link von Zeno zu lesen.)


    Und Schuld war wieder die Tiefgarage.

  • Bei all der Enttäuschung über die Schrumpfung des Hofes Emeringen, bin ich aber dennoch froh, daß der dunkle Riegel aus dem Stadtbild verschwindet. Zwar ist der Neubau nicht toll, aber, meiner Meinung nach, verträglicher. Leider hat man an der Höhe nun doch nichts mehr geändert. Ein Vorteil am Neubau des Hof Emeringen ist, daß dieser dann ganz frisch ist und somit eine Sanierung unnötig wird :wink:.
    Wenn der Büroriegel in 40 Jahren wieder beseitigt wird, hat sich die deutsche Gesellschaft vielleicht in eine, in unserem Sinne, positive Richtung entwickelt und geht sensibler mit wirklich ästhetischer und wertvoller Bausubstanz um.

  • Neußer: ich sehe es ähnlich wie du, dass der modernistische Neubau Eichhornstraße 2 nicht gar so schlimm wie der Vorgängerbau ist.


    Das ist aber doch nur ein sehr kleiner Trost. Selbst wenn ich ignoriere, dass auch für diesen Neubau der Eichhornstr. 2 viele bessere und angepasstere Lösungen denkbar gewesen wären, wiegt die Verstümmelung des nach dem Krieg wiederaufgebauten Barockbaus Martinstr. 5 für mich doch wesentlich schwerer.


    Wenn die Vernichtung der wenigen nach dem Krieg rekonstruierten Profanbauten in Würzburg vom "Denkmalschutz" unter dem Deckmäntelchen der mangelnden Denkmalfähigkeit (wegen zu weniger "original barocker Steine") sanktioniert wird, wie es auch hier geschehen ist, dann kann ich diesem Projekt wirklich nicht mehr viel Positives abgewinnen.

  • Wenn ich es richtig verstanden habe, war es hier ja gar nicht mal Substanzfetischismus, sondern echter "Ideen-Denkmalschutz": Die 60er Jahre Reko stand unter Denkmalschutz, weil sie die Idee und die Proportionen des alten Originals aufgenommen hatte. Nur die jetzt geplante Halbrekonstruktion, die die Proportionen verändert, steht dann nicht mehr unter Denkmalschutz.


    Wünschenswert wäre zumindest ein Schutz für die Teile, die orginal erhalten bleiben (wie hoffentlich das Portal).


    Zugegeben allerdings: (hab grade nochmal in den Artikel reingeschaut) Die Bedenken der Denkmalpfleger wurden zurückgestellt, weil es keine Originalsubstanz mehr war. Diese Sichtweise ist allerdings schwer nachvollziehbar, da sich die Denkmaleigenschaft ja gerade auf die Form und nicht auf die Substanz bezog.

  • Quote from Zeno



    Martinstraße 5


    Am heutigen Tage:

    Was zur Hölle...?


    Blick von der anderen Seite, vom Kürschnerhof, in die Otto-Wels-Straße, wie dieser Teil der Martinstraße neuerdings heißt.


    Ecke Eichhornstraße gegenüber dem Markt.


    Ohne Worte. :daumenunten:

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Wenn der breiten Masse etwas als Fortschritt verkauft wird, werden halt immer diejenigen benachteiligt, die diesen Moden des Augenblicks nicht folgen. Es ist sehr bedauerlich, daß sich Würzburg dieses konzeptlose Gestochere seit Jahrzehnten an der Stätte seiner Altstadt gefallen läßt; die Erinnerung an die so großartige alte Stadt wird jedenfalls immer alles übertreffen, was man an deren Statt in sie hineinzupfropfen versucht.

  • Danke für das Bild Zeno. Diese Baumaßnahme hatte ich schon ganz vergessen. Beim Vergleich mit dem alten Hof Emeringen fallen doch einige Veränderungen auf. Die Kellerfenster mit Gittern haben mir besser gefallen.


    Das Gebäude mit dem tollen Knick ist ja auch mittlerweile fertig.


    http://wuerzburgwiki.de/wiki/Hypo-Vereinsbank-Geb%C3%A4ude


    Das ist schon ein ganz schön aufdringlicher Trümmer. Eindeutig zu hoch. Dagegen war der Vorgänger richtig dezent.


    Hier noch ein Bild der Tiefgarageneinfahrt, weswegen der Hof Emeringen gestaucht wurde. Auf diesem Bild sind die Kellergitter allerdings vorhanden.

  • Sehr gutes Rätsel im Bilderquiz! :wink:


    Anfangs habe ich mich über die vermeintliche Reko gefreut, aber die Wahrheit sieht ja wesentlich weniger begeisternd aus. Im Gegensatz zum Vorgängerbau ist das ja eine deutliche Verschlechterung. Die 60er-Jahre-Reko sieht ziemlich echt aus, ich hätte dem Gebäude 300 Jahre Baualter locker abgekauft. Man hat ja sogar echten Stein verwendet. Der Neubau sieht (noch) ziemlich künstlich aus, und leider hat man gar keinen Naturstein verwendet. Schon schön, aber wesentlich weniger gefühlvoll als der Vorgänger!