Denkmalschutz in Sachsen

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    • Dresden: Novellierung des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes


      Anbei der Arbeitsentwurf des Staatsministerium des Innern (Stand 03/2010): gruene-fraktion-sachsen.de/cd2f52b1.l

      Dresden. "Die CDU/FDP-Regierung versucht, die Axt an die Wurzeln des sächsischen Denkmalschutzes zu legen", so Dr. Karl-Heinz Gerstenberg, Parlamentarischer Geschäftsführer und kulturpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, zu den bekannt gewordenen Änderungsabsichten beim Sächsischen Denkmalschutzgesetz.

      Das Stadtforum Leipzig hat der Öffentlichkeit den Arbeitsentwurf zur Novellierung des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes zugänglich gemacht.
      Danach plant das Staatsministerium des Innern (SMI), die Anzahl der unter Schutz stehenden Bau- und Bodendenkmale einschneidend zu verringern.
      Die nach 1990 bewusst aufgegebene Kategorisierung von Denkmalen würde wieder eingeführt. Das Landesamt für Denkmalpflege wäre zukünftig nur noch für Kulturdenkmale <<von herausragender Bedeutung>> zuständig. Für die <<einfachen Denkmale>>, nach bekannt gewordenen Absichten des SMI ca. 80 bis 90 Prozent der landesweiten Denkmale, wären die unteren Denkmalschutzbehörden in den Landkreisen und kreisfreien Städten allein zuständig.

      "Mit dieser Gesetzesnovelle würde Innenminister Markus Ulbig eine über hundertjährige Erfolgsgeschichte der Denkmalpflege in unserem Land beenden", kritisiert Gerstenberg. "Nachdem es dem ehemaligen Innenminister Albrecht Buttolo nicht gelungen ist, im Zuge der Verwaltungsreform das Landesamt für Denkmalpflege abzuschaffen, versucht sein Nachfolger es nun zu entmachten."

      "Ich erwarte einen erheblich geringeren Schutz sächsischen Kulturgutes und die schrittweise Zerstörung von angeblichen 'Denkmalen 2.Klasse'", so der Abgeordnete. "Das ist absehbar, denn die unteren Denkmalschutzbehörden in Sachsen leiden unter einem Mangel an Fachpersonal und haben seit der Verwaltungsreform ohnehin Schwierigkeiten, ihre umfangreicher gewordenen Aufgaben zu erfüllen."
      "Das Innenministerium lässt völlig außer Acht, dass der hochwertige Bestand an Kulturdenkmalen einen wichtigen Teil unserer Identität und des internationalen Rufes Sachsens ausmacht."

      Die im Gesetzentwurf geforderte verbindliche und gerichtsfest fachlich-inhaltlich begründete Eintragung als <<Kulturdenkmal herausragender Bedeutung>> in ein sächsisches Denkmalbuch bis spätestens sechs Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes ist angesichts einer Gesamtzahl von etwa 100.000 Denkmalen in Sachsen nicht erfüllbar. Aufgrund des Zeit- und Personalmangels im Landesamt für Denkmalpflege würde nur ein sehr kleiner Teil der sächsischen Denkmale diesen Schutz versprechenden Status erhalten.

      Bodendenkmale mit gesetzlichem Schutzanspruch wären nach den derzeitigen Plänen des SMI nur noch Denkmale aus <<vor- und frühgeschichtlicher Zeit>>. Alle anderen bisherigen mittelalterlichen und neuzeitlichen Bodendenkmale wären demnach nur noch in Ausnahmefällen als Kulturdenkmale entsprechend des Gesetzes anerkannt.

      Ersatzlos gestrichen werden sollen Kulturdenkmale von <<städtebaulicher Bedeutung>>.

      "Wenn der vorliegende Entwurf in dieser Form umgesetzt wird, verlieren gerade die Denkmale ihren Schutz, die ihn aufgrund ihres geringen Bekanntheitsgrades, ihrer stadträumlichen Lage oder ihres nicht vordergründig sichtbaren Wertes am dringendsten benötigen: Einzeldenkmale städtischer Strukturen und dörfliche Einzeldenkmale wie Vierseithöfe oder Umgebindehäuser", befürchtet Gerstenberg.


      unter
      mdr.de/mdr-aktuell/thema/7336486.html
      finden Sie einen kurzen Bericht zum geplanten Denkmalschutzgesetz in Sachsen.

      Zuätzlich findet man unter mdr.de/mediathek/fernsehen einen Bericht über das mögliche Gesetz mit Auftritten eines Herrn vom Stadtforum Chemnitz, der Grünen sowie dem Eigentümer des auf der Lützner Str. nach Brand abgerissenen Hauses und einem Eigentümer einer alten Fabrikhalle.

      Dazu nach Aufruf von mdr.de/mediathek/fernsehen in der Navigation links auf "Montag" klicken und dort herunterscrollen zu "MDR aktuell 21:45" - das Videofenster öffnet sich dann wieder "oben", d.h. wieder hochscrollen und auf "Play" klicken - der Bericht befindet sich ab Minute 9 bis Minute 13 und ist bis Sonntag online verfügbar.


      Es paßt natürlich ins Bild, daß nachdem Sachsen zähneknirschend zustimmen mußte, mit den Fördermitteln im Rahmen des Stadtumbau Ost keine Bauten vor 1918 mehr abreißen zu lassen, nun versucht auf diese Weise, sich den "Belastungen" eines vorbildlichen Denkmalschutzgesetzes zu entledigen. Ähnliches war schon in Sachsen-Anhalt zu beobachten. Ein Treppenwitz und eine Schande, daß dies nun zuvorderst unter CDU/FDP-Regierungen geschieht und die Linkspartei dagegensteht.

      Es wird nun interessant zu beobachten sein, ob die Herren des BDA, der Architektenkammer Sachsen und der Kammergruppe Dresden sich nun stark gegen diese Novellierung einsetzen werden oder ob die Floskel, wir dürfen die Originale nicht durch Rekonstruktionen entwerten, durch die Erkenntnis ergänzt wird, daß der Abriß von originaler Bausubstanz für BDA & Co. nicht ganz so schlimm ist.
    • Re: Dresden: Novellierung des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes

      Ein Treppenwitz und eine Schande, daß dies nun zuvorderst unter CDU/FDP-Regierungen geschieht und die Linkspartei dagegensteht

      Aber auch nur dann, wenn man sich über die faktische politische Ausrichtung der sich nur auf dem Papier bürgerlich gerierenden Parteien nicht im Klaren ist.
      CDU/FDP vertreten wie ihresgleichen anderswo ausschließlich die Interessen des Großkapitals; die überkommene bürgerliche Kultur ist ihnen nicht bloß wurscht, sondern sogar ihren Interessen entgegengesetzt.
      Wer s nicht glaubt, soll sich fragen, welche Interessen Frau Merkel bei der Euroaufgabe vertreten hat - jene des bürgerlichen Mittelstandes oder jene der Banken?
      Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
      14. Buch 9. Kapitel
      Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.
    • Re: Dresden: Novellierung des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes

      Das wäre in der Tat eine Maßnahme, die den Denkmalschutz in die weitgehende Bedeutungslosigkeit verfrachtet, indem er ihn zahnlos macht. Die Unteren Denkmalschutzbehörden sind bei den Gebietskörperschaften, den Landkreisen, kreisfreien Städten und einigen kreisangehörigen Gemeinden. Damit sind die Unteren Denkmalschutzbehörden schon immer nicht so unabhängig wie eine Landesbehörde. Dieser Umstand scheint nun ausgenützt zu werden, indem man für die große Masse der Denkmäler einen Schutz 2. Klasse zulässt. Wenn man weiß, dass auch ein Schutz 1. Klasse keine Sicherheit hinsichtlich der Denkmalerhaltung bedeutet, kann man sich zusammenreimen, wie der zweitrangige Schutz aussieht.

      Es ist aber auch zu fragen, ob Anlass für solche Überlegungen nicht auch eine überzogene Unterschutzstellung von Bauten der Gründerzeit ist, die nunmehr, gerade im frühindustrialisierten Sachsen, doch einen großen Teil der Denkmäler ausmachen. Gleichwohl scheint die Trennung zwischen erst- und zweitklassigen Denkmälern an anderer Stelle gemacht zu werden. Die Wortwahl "Kulturdenkmale" und "Baudenkmale" drückt recht unmissverständlich aus, wo der Hase langlaufen soll.

      Sehr befremdend auch die Auffassung, Bodendenkmale seien "in der Regel" aus vor- oder frühgeschichtlicher Zeit. Die Stoßrichtung dieser in einem Gesetzestext nichts zu suchen habenden (weil man mit "in der Regel" nicht definieren kann) Hinzufügung ist wohl, Bodendenkmälern aus späteren Zeiten den Schutz zu nehmen, indem man den Anschein erweckt, es seien überhaupt keine Bodendenkmäler.

      :augenrollen:
    • Sachsen kippt den Denkmalschutz

      nachzulesen hier:
      http://www.deutsches-architektur-forum.de/forum/showthread.php?p=260200#post260200\r
      www.deutsches-architektur-forum. ... post260200
      Sachsens Regierung plant eine weitgehende Abschaffung des Denkmalschutzes



      Das zuständige Sächsische Staatsministerium des Innern [SMI] hat dafür ohne Beteiligung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst [SMWK] einen Gesetzesentwurf zur Novellierung des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes erarbeitet:



      1. Das Landesamt für Archäologie (LfA) wäre künftig nur noch für Bodendenkmale zuständig, die „in der Regel aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit stammen“ (§ 2, Abs. 4). Damit würden mittelalterliche und neuzeitliche Befunde – mithin sämtliche Ortskerne Sachsens – nur noch in Ausnahmefällen als Kulturdenkmale entsprechend des Gesetzes anerkannt. Der undokumentierten Vernichtung würde kaum noch etwas entgegen stehen.

      2. Die geplanten Veränderungen für das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) sind vielgestaltiger und hätten umfangreiche Zerstörungen der sächsischen Denkmallandschaft zur Folge:

      - In § 2, Abs. 1 werden Kulturdenkmale von „städtebaulichen Bedeutung“ ersatzlos gestrichen (siehe dazu auch die Erläuterungen des SMI S. 4, vorletzter Absatz)

      - In § 5 (derzeit § 4) werden erstmals „Kulturdenkmale von herausragender Bedeutung“ von solchen von nicht so hoher Bedeutung unterschieden. Konkret bedeutet dies, dass die glücklicherweise nach der Wende aufgehobene und höchst unselige DDR-Klassifizierung von Denkmalen unterschiedlicher Rangigkeit wieder eingeführt wird. Damit ist die sukzessive Zerstörung von angeblich weniger bedeutenden Denkmalen absehbar, zumal für diese nicht mehr das LfD sondern die oft nur unzureichend mit Fachleuten ausgestatteten Unteren Denkmalschutzbehörden allein zuständig sein sollen. Die Einvernehmensregelung soll zugunsten des „Benehmens“ bei einem Großteil der Denkmale aufgehoben werden.

      In § 12 wird die Genehmigungspflicht für die Wiederherstellung und die Instandsetzung „einfacher“ Kulturdenkmale ersatzlos gestrichen; dies soll fortan lediglich noch für „herausragende Kulturdenkmale“ gelten. Zudem soll die geforderte verbindliche Eintragung einschließlich der auf den Einzelfall zugeschnittenen gerichtsfesten fachlich-inhaltlichen Begründung „herausragender Kulturdenkmale in das Denkmalbuch […] bis spätestens 6 Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes erfolgen“ (Artikel 3, S. 9). Angesichts der Personalausstattung des LfD ist dies kaum zu erfüllen. Vielmehr scheint es darum zu gehen, die Frist bewusst klein zu halten, um so wenig wie möglich Denkmale in das Denkmalbuch eintragen zu können.

      Intern wird zudem davon gesprochen, dass entsprechend der Richtlinien des SMI maximal 10–20% der derzeit erfassten Denkmale in ein solches Buch aufzunehmen sind. Dies bedeutet, dass de facto der Schutz für 80–90% der zurzeit erfassten Denkmale aufgehoben wird und Landräte und Bürgermeister über den Erhalt von Denkmalen entscheiden. Angesichts der Erfahrungen seit August 2009 („Überschreibung“ bestimmter relativ junger Baudenkmale in die Obhut der Unteren Denkmalschutzbehörden) ist damit die Kulturlandschaft Sachsens aufs höchste bedroht.

      - Die Zumutbarkeit für den Erhalt von Denkmalen wird soweit eingeschränkt, dass diese nur noch dann als gegeben anerkannt wird, wenn „die Kosten der Erhaltung und Bewirtschaftung dauerhaft nicht durch die Erträge oder den Gebrauchswert des Kulturdenkmals aufgewogen werden“ (§ 8, Abs. 1). Damit entfällt die Zumutbarkeitsklausel für eine Vielzahl von Denkmalen, die bislang des Abbruch von Denkmalen verhindert, die nicht die gleiche Rendite wie Neubauten aufweisen.

      - In § 10, Abs. 2 wird künftig verlangt, dass die Eigentümer vor der Eintragung in öffentliche Verzeichnisse „anzuhören“ sind. Das erschwert den Verwaltungsaufwand außerordentlich und konterkariert das angebliche Ziel der Novellierung, diesen angesichts der demographischen Entwicklung zu verringern (Stichwort „Deregulierung“).

      - Mit § 21 werden künftig „Ensembles“ von den Gemeinden (im Benehmen mit den Fachbehörden) unter Denkmalschutz gestellt. Diese dürften in der Regel nicht die Fachleute für derartige Aufgaben haben. Zudem entscheidet künftig ein nicht selten eher denkmalfeindlicher Bürgermeister über den Schutzstatus eines „Ensembles“.

      Alles in allem würde die geplante Gesetzesnovellierung der sächsischen Denkmallandschaft innerhalb weniger Jahre erhebliche Schäden zufügen. Nicht wieder gutzumachende Verluste sowohl an der oberirdischen als auch an der unter dem Boden liegenden Denkmalsubstanz werden künftig an der Tagesordnung sein. Als ein Ziel der Novellierung wird vorgegeben, den Schutz für die künftig als „herausragend“ zu klassifizierenden Kulturdenkmale zu erhöhen. Im Gegensatz zu diesen Behauptungen wird für diese vergleichsweise kleine Anzahl an Denkmalen der Schutz im bisherigen Umfang weiterhin gelten. Für alle anderen Denkmale – angeblich 80–90% der erfassten Baudenkmale – wird der Schutz zu ganz erheblichen Teilen eingeschränkt. Damit verlieren gerade die Denkmale ihren Schutz durch das künftige Denkmalschutzgesetz, die ihn am dringendsten benötigen: Abrisspläne für die Meißner Albrechtsburg, die Annenkirche in Annaberg oder das Rathaus in Torgau dürften auch künftig kaum eingereicht werden.


      Dazu ein schöner Beitrag hier:
      l-iz.de/Politik/Sachsen/2010/0…hutz-als-Krisenopfer.html
      Wenn Bilder nur in absoluter Verfügungsgewalt des Forums geduldet werden, gibt's halt keine Bilder mehr. Natürlich auch keine alten Bilder ...
    • Re: Sachsen kippt den Denkmalschutz

      "Exilwiener" wrote:

      Wer steht eigentlich hinter diesem verbrecherischen Wahnsinn?


      Na die liebe FDP. Viel an Steuern senken und Ausgaben kürzen kann man nicht mehr, mit den sonstigen Strukturreformen scheitert man an der CDU (etwa bei den Schulstrukturen), also muß man der FDP irgendwas zum liberalisieren anbieten. Bisher sind AFAIK nur Videotheken, Waschanlagen und die Bäume in den Vorgärten liberalisiert worden, also alles Kleinkram.

      In der SZ findet man nur diesen Artikel:


      Wackelt jetzt unser schöner Kaßberg?

      Zerstört ein neues Denkmalschutzgesetz in Chemnitz bald, was Krieg, DDR und nachwendliche Abrisswut noch nicht geschafft haben? Die geplante Neufassung des sächsischen Denkmalschutzgesetzes sorgt für Empörung, denn sie könnte 80 bis 90 Prozent aller Denkmale den Schutz kosten. Betroffen wäre auch der Kaßberg - weltgrößtes Gründerzeitviertel.
      [..]
      Der Arbeitsentwurf des Ministeriums begründet die Änderungen mit „weiter abnehmenden personellen und finanziellen Ressourcen“. So sollen künftig allein die Unteren Denkmalschutzbehörden über den Erhalt von Denkmalen entscheiden. Architekt Frank Kotzerke (37) vom Chemnitzer Stadtforum befürchtet, dass „die Abrisse stadtbildprägender Häuser in Chemnitz wieder drastisch zunehmen werden“.
      [..]
      Professor Gerhard Glaser (73), sächsischer Landeskonservator von 1982 bis 2002, warnt: „Der Entwurf fällt unter das Niveau des DDR-Denkmalschutzes zurück, sieht Grund und Boden nur noch als Ware. Denkmale der Breitenkultur, wie zum Beispiel die Umgebindehäuser in der Lausitz, prägen eine Region. Wenn sie verschwinden, ist das ein schleichender Prozess, bis die Landschaft gesichtslos ist. Das nimmt den Bürgern die Heimat. Die Kulturlandschaft Sachsens ist in Gefahr.“

      http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2477196\r
      www.sz-online.de/nachrichten/art ... id=2477196
    • Re: Sachsen kippt den Denkmalschutz

      Versteh ich nicht, v.a. dass die CDU das nicht sieht. Damit holt man sich doch auch schlechte Publicity für Jahre und einen Imageschaden der nicht zu reparieren ist.

      Da wird es nicht lange dauern, bis auch markante Großbauten fallen und Flächenabrisse, auch teilweise frisch sanierter Viertel in Altstädten für Großinvestoren drohen. Alles live und in Farbe.
    • Re: Sachsen kippt den Denkmalschutz

      Das ist alles nicht sehr lustig und wenn ich jetzt speziell an Leipzig denke, dann werden die Denkmalschutzsanierungen/rekonstruktionen von Gründerzeithäusern auch aus steuerlichen Gründen der Vergangenheit angehören. :weinen:

      Doch, wo sich eine Türe schließt, öffnet sich bekanntlich wieder eine andere: Der maßstabszerstörende Kulturbalast in Dresden wäre dann ohne größere Probleme wieder disponierbar da kein „Kulturdenkmal von herausragender Bedeutung“ :P

      Trotzdem: Hoffentlich geht dieses Leid an Sachsen vorbei und wird nicht umgesetzt!
      „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








    • Re: Sachsen kippt den Denkmalschutz

      Die Süddeutsche Zeitung bringt das Vorhaben der sächsischen Landesregierung gut auf den Punkt:

      Eigentum verpflichtet nicht
      Das Land Sachsen will sich nur noch um die wenigsten Denkmäler kümmern. Alle anderen kulturell wichtigen Gebäude sollen preisgegeben werden. [...]
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Re: Sachsen kippt den Denkmalschutz

      Guter Artikel, Danke.

      Wie sicher ist es denn, dass dieser kurzsichtige Entwurf tatsächlich so umgesetzt wird? Das würde ja demnach auch bedeuten, dass auch die Denkmalschutz AfA nicht mehr gelten wird. Gerade in Sachsen war dieses Modell besonders erfolgreich (Leipzig) und es haben sich ganze Berufssparten darauf spezialisiert. Von Einsparung zu sprechen, wo auf der anderen Seite enorme steuerbare Einnahmenquellen trockengelegt werden würden, kann doch kein wirkliches Argument sein.

      Wer wäre der Hauptgewinner bei solcherart Umsetzung?
      „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








    • Re: Sachsen kippt den Denkmalschutz

      Das Problem an dem Entwurf ist meiner Meinung nach, dass diejenigen, die ihr Baudenkmal abreissen oder völlig modernisieren wollen bzw. dies aufgrund der Wärmeschutzverordnungen müssen, dies dann ungehindert tun können. Das sind viele. Es würde viele scheinbar unspektakuläre Objekte betreffen.
      Diejenigen, die denkmalgerecht sanieren und Steuervorteile nutzen wollen, werden dafür sorgen, dass ihr Objekt in den Denkmalschutz wieder aufgenommen wird. Man stellt sich das seitens der Regierung denke ich quasi so vor, dass der Denkmalschutz nach Wunsch der Besitzer wahlweise aktiviert oder ausgeschaltet werden kann. Liberal halt. Im Übrigen läuft es in einigen alten Bundesländern (Norden) ja schon so, freilich ohne, dass man dies jemals deutlich gesagt hätte.
    • Re: Sachsen kippt den Denkmalschutz

      Die Leipziger Internetzeitung berichtet über einen offenen Brief der Arbeitsgemeinschaft "Die alte Stadt" an die sächsische Staatsregierung. Diese Arbeitsgemeinschaft setzt sich zusammen aus Vertretern von über 100 Mitgliedsstädten mit historischer Bausubstanz aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien.

      Artikelauszug:
      "Sachsen braucht eine Neuordnung des Denkmalschutzrechtes mit Augenmaß", sagt Benjamin Karabinski, innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Sächsischen Landtag [...]

      "Ziel muss eine sachgerechte Entbürokratisierung der Materie im Sinne der Bürger und Unternehmen sein", meint Benjamin Karabinski. "Die Interessen des Denkmalschutzes müssen sorgsam gegen andere Interessen abgewogen werden. Wir dürfen Sachsen nicht als ein riesiges Freiluftmuseum begreifen, in dem der Denkmalschutz immer automatisch über allen anderen Dingen steht. Wir müssen uns die Frage stellen, ob wirklich jede seit fast 100 Jahren verrottende Industriehallen-Ruine denselben Status genießen muss wie etwa der Dresdner Zwinger."

      Was dabei auffällt, ist das selbstgefällige "Wir", das den Denkmalschutzbehörden vor Ort die Kompetenz abspricht, in jedem Fall die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Entscheidungen, die auch in Leipzig attraktive Gewerberaumentwicklungen in "fast 100 Jahre verrottenden Industriehallen-Ruinen" ermöglicht hat. Plagwitz ist mehr als ein "Freilichtmuseum", in dem man die Transformationsprozesse 100 Jahre alter Industriearchitektur in neue Gewerbenutzungen besichtigen kann. Übrigens ein Prozess, der zeitgleich auch in Berlin, Essen oder Hamburg passiert. Oft hat man das Gefühl, FDP-Politiker reisen nicht mehr offenen Auges durchs Land.

      Was jetzt eben auch die Bürgermeister besagter „Arbeitsgemeinschaft Die alte Stadt“ auf den Plan ruft. In seinem Offenen Brief geht Dr. Jürgen Zieger, Erster Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft und Oberbürgermeister der Stadt Esslingen, auch auf die geplante Unterscheidung in „Kulturdenkmale von herausragender Bedeutung“ und quasi „gewöhnlichen“ Denkmalen ein. Damit sei - so schreibt er - "im Gegensatz zu der entsprechenden Erläuterung des Gesetzestextes – eine Klassifizierung verbunden, die den Denkmalschutz auf das Niveau der DDR-Gesetzgebung zurück wirft. Der Schutz herausragender Denkmale würde keineswegs verbessert, der Schutz der anderen Denkmale würde sich auf eklatante Weise verschlechtern. [...]

      l-iz.de/Politik/Sachsen/2010/0…gesetz-Offener-Brief.html

      pdf-Datei des Offenen Briefes: l-iz.de/html/downloads/Offener-Brief-Alte-Stadt.pdf
      "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)
    • Re: Sachsen kippt den Denkmalschutz

      Es ist ja wohl unerträglich, alle "nicht herausragenden Denkmäler" mit "seit fast 100 Jahren verrottende[n] Industriehallen-Ruine[n]" gleichzusetzen. Und überhaupt? Kennt jemand eine Industriehalle, die seit fast 100 Jahren ungenutzt ist und seit dieser Zeit ununterbrochen dem Verfall überlassen ist?
    • Grünen-Anfrage bringt es ans Licht: Mehr als 4.000 Kulturdenkmale seit 2000 in Sachsen abgerissen
      In Sachsen sind seit dem Jahr 2000 mehr als 4.000 Kulturdenkmale unwiederbringlich abgerissen worden. Das ergaben mehrere Kleine Anfragen des Landtagsabgeordneten Dr. Karl-Heinz Gerstenberg (Bündnis 90/Die Grünen). "Die hohe Zahl an Denkmalverlusten ist erschreckend", so Gerstenberg, kulturpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag.[...]
      l-iz.de/Politik/Sachsen/2013/1…sen-abgerissen-51467.html

      Sächsisches Landesamt für Denkmalpflege
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Da wir vor allem in den letzten Wochen nicht selten über den Abriss denkmalgeschützter Bausubstanz in Sachsen gesprochen haben, möchte ich auf die folgende Antwort vom 25.09.2013 auf die Anfrage des Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Gerstenberg (Bündnis 90/Die Grünen) verweisen, die die Zahl der Kulturdenkmäler nach den einzelnen Landkreisen und Städten, die Höhe der vorliegenden Abrissgenehmigungen, die Anzahl der in den letzten 10 Jahren abgebrochenen Denkmalschutzobjekte usw. usf. aufschlüsselt.

      karl-heinz-gerstenberg.de/file…n/5_Drs_12592_-1_1_7_.pdf
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Der sächsische Denkmalschutz, im Verein mit dem Oberverwaltungsgericht, zeigt sich löblicher Weise stark gegenüber der Stadt Meerane. Hoffentlich wird man das einst auch rückblickend als Auftakt zur Rettung des spätklassizistischen Hauses von 1860 in der Ortsmitte beurteilen können.

      Kleinod oder Klotz am Bein - Freie Presse
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Ich meine mal gelesen oder gehört zu haben, dass derjenige, der ein Denkmal sehenden Auges erwirbt, sich sowieso nicht auf wirtschaftliche Unzumutbarkeit berufen kann. Als Erwerber weiß man ja, worauf man sich einläßt, so die Brgründung. Eine Kommune sollte zudem ausreichend Sachverstand haben, um das einschätzen zu können. Es ist schon ein starkes Stück, wenn eine Kommune ein Haus bzw. Denkmal erwirbt und es dann abreißen will. Dass die Denkmalbehörden da nicht mitspielen, kann man sich doch ausrechnen.
      Im Übrigen ein sehr schönes Haus. Ähnliche Objekte finden sich z.B. in der Äußeren Neustadt in Dresden, Rothenburger Straße.