Schwalenberg (Stadt Schieder-Schwalenberg) (Galerie)

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    • Schwalenberg (Stadt Schieder-Schwalenberg) (Galerie)

      Als letzte lippische Stadt, die noch nicht vorgestellt wurde, möchte ich heute Schwalenberg (seit der Gebietsreform einer der zwei Hauptorte der Stadt Schieder-Schwalenberg, die insgesamt 9000 Einwohner hat und damit die kleinste Stadt und drittkleinste Gemeinde im Kreis Lippe ist) vorstellen. Stadt und Burg Schwalenberg wurden 1231 in markanter Hanglage von den Grafen von Schwalenberg angelegt. Aufgrund der Hanglage und weil die Stadt wahrscheinlich nicht wie geplant völlig ausgebaut wurde, besitzt Schwalenberg nicht das typische lippische Drei-Straßen-Raster, bei dem sich drei Parallelstraßen an zwei Stadttoren treffen und durch mehrere Querstraßen miteinander verbunden sind (so wie in Lemgo, Detmold, Blomberg, Horn, Bösingfeld, Barntrup und Alverdissen). Auch eine Stadtbefestigung fehlte (es gab aber wohl zumindest drei Stadttore). Weil die Schwalenberger knapp ein Jahrhundert später ausstarben, fielen ihre Ländereien an die Grafschaft Lippe.

      Fangen wir an mit dem Stadtrundgang. Zuerst ein Bild aus der Ferne, auf dem schon von weitem die schlichte Stadtpfarrkirche und die über der Stadt thronende Burg zu erkennen sind.


      Zugegeben, sonderlich spektakulär sieht die Burg nicht aus, wenn man näher kommt. Der Kernbau stammt jedoch immer noch aus dem 13. Jahrhundert, allerdings mit durchgreifenden Umbauten im 17. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nahaufnahmen folgen später, erstmal nähern wir uns der Altstadt.


      Auch die evangelische Stadtpfarrkirche sieht erstmal nicht sonderlich spektakulär aus. Was wollen wir also in diesem Kaff? Nun, wir werden sehen...


      Die Anfahrt zur Altstadt erfolgt über eine steil ansteigende Zufahrtsstraße, an der unter anderem diese schöne Villa liegt, die allerdings dringend einen neuen Anstrich bräuchte:




      Man betritt nun die Altstadt von Süden über die Alte Torstraße. Ich war überrascht vom Anblick der ersten Fachwerkhäuser. Entweder wurden die später überformt oder sie besitzen tatsächlich schon eher südwestfälischen Einfluss:




      Die Marktstraße ist die Hauptstraße der Altstadt, die von einem fast geschlossenen Ensemble an Fachwerkhäusern, größtenteils des 17.-19. Jahrhunderts begleitet wird:




      In Schwalenberg gibt (oder gab?) es auch eine Künstlerkolonie, die natürlich auch eine (selbst bemalte) Künstler-Klause hatte. Steht aber seit einiger Zeit leer. Über die Qualität der Malereien mag jeder selbst urteilen, aber zumindest hat das Haus eine schöne Haustür:






      Sinnvolle Zweitverwendung eines Torbogens aus dem 17. Jahrhundert?


      Links sehen wir ein Haus mit einer Deckung aus Sollingplatten (auch Höxterplatten genannt). Es handelt sich dabei um keine gebrannten Dachziegel, sondern um eine Deckung aus dünnen Sandsteinplatten, die jedoch leider fast verschwunden ist:


      Eines der wenigen verbliebenen Häuser aus dem 16. Jahrhundert (genauer gesagt von 1595). Leider fast völlig entkernt. Warum? Das steht links unten an der Fassade:


      Im Bildmittelpunkt sehen wir nun das Highlight des Ortes. Das Rathaus. Von der Seite aus betrachtet noch eher unspektakulär...






      ...von vorne betrachtet jedoch ein sehr schönes Ensemble, das sich auch in vielen überregionalen Architketurführern wiederfindet - unter anderem wegen des historistischen Anbaus auf der rechten Seite, der sich dem Altbau gut angeglichen hat. Daran könnten sich heutige Architekten ein Beispiel nehmen. Aber die würden wahrscheinlich wegen des Kontrasts einen vollverglasten Würfel daneben setzen.
      Von links nach rechts: Ratsstube von 1603, Kernbau von 1579, Anbau von 1907. Im Erdgeschoss befand sich ursprünglich eine offene Laube, die vermutlich im 19. Jahrhundert mit einer Fachwerkwand zugesetzt wurde:


      Der Kernbau von 1579 im Detail:










      Der Ratsstubenanbau von 1603:






      Und der Anbau von 1907:




      So, weiter geht's durch die Marktstraße. Ein Blick zurück...


      ...und einer nach vorn:


      Nun spaltet sich die Marktstraße. Links geht's in die Brauergildestraße und zur Stadtpfarrkirche:










      Getreu dem Motto "Pimp my House" wurde dieses Fachwerkhaus von 1647 in den 1970ern mit zusätzlichen Brüstungsbrettern im Giebel versehen:












      Und nun auf zur nachgotischen Stadtpfarrkirche aus dem 16. Jahrhundert. Hab leider keine genauere Beschreibung zur Baugeschichte und Ausstattung, darum folgen die Bilder unkommentiert. Nur so viel, die Kirche ist klein aber fein:
















      Quer zur Brauergildestraße verläuft hinter der Kirche der Papenwinkel, denn dort befindet sich das Pfarrhaus:






      Auch hier wieder ein Haus aus dem späten 16. Jahrhundert, genauer gesagt von 1592:




      Der Eingangsbereich lässt Schlimmstes befürchten, aber ein Blick ins Innere des Hauses, in dem gerade die Handwerker zugange waren, zeigt, dass es wohlerhalten ist:


      Vom Papenwinkel aus geht es erstmal zurück in die Marktstraße, die sich in ihrem oberen (= nördlichen) Teil platzartig erweitert:








      Im oberen Teil der Marktstraße zweigt die Neue Torstraße ab, auf der man die Stadt in Richtung Osten verlassen kann. Diese Straße hat mir wegen ihren vorwiegend kleinen Häuschen besonders gut gefallen (einzige Bausünden wie so oft: Die Fenster), zumal sie topographisch sehr schön gelegen ist. Nach Süden hin steigt der Burgberg an, nach Norden fällt das Gelände steil ins Tal ab und direkt hinter den Häusern öffnet sich der Blick auf eine noch weitgehend unverbaute Landschaft:
















      Die letzte Straße, die jetzt noch fehlt, ist der Klingenberg. Sie zweigt gegenüber des Rathauses von der Marktstraße ab und verläuft im Bogen zur Neuen Torstraße. Durch den geschwungenen Verlauf ergibt sich ein schönes Straßenbild:




      Nun steigen wir auf den Burgberg hinauf. Unterwegs kommen wir am ehemaligen jüdischen Friedhof vorbei, der am Waldrand liegt und dringend etwas Pflege benötigt. Er ist nicht mal ausgeschildert:






      In der Burg befindet sich heute ein Hotel. Vom Burghof aus sieht man erstmal nur üppiges Grün:


      Der Historismus hat bei der Überformung der L-förmigen Zweiflügelanlage ganze Arbeit geleistet:




      Bei genauerem Hinsehen fallen einem jedoch noch manche originalen Fenstergewände aus der Renaissancezeit auf. Und auch der Treppenturm scheint größtenteils noch ursprünglich zu sein:




      Zum Abschluss noch ein paar Blicke vom Burgberg auf das Städtchen, das trotz seines schönen Gesamtbilds und der fantastischen Lage von den Touristen kaum besucht wird. Das Foto habe ich an einem Samstag im Juli 2009 bei bestem Sommerwetter aufgenommen, trotzdem wirkte der Ort wie ausgestorben.

      Auf dem ersten Bild sieht man die Neue Torstraße mit Blick nach Westen zum Ortszentrum (im Hintergrund die Stadtpfarrkirche):


      Gehen wir etwas näher, so sehen wir ganz im Vordergrund die Dächer der Häuser am Klingenberg, dahinter die Markstraße und dahinter die Brauergildestraße, die auf die Kirche zuführt:


      Blick in die Markstraße nach Norden. Im Vordergrund sieht man den Zwerchgiebel der Ratsstube des Rathauses, dahinter die Abzweigung zur Brauergildestraße:


      Und zum Abschluss noch der südliche Bereich der Altstadt. Von rechts unten kommt die Marktstraße, die zur Alten Torstraße (mit den beiden schlichten Nachkriegsgiebelbauten) überführt. Nach links zweigt die Straße Am Dohlenberg ab, dahinter folgt ziemlich bald die offene Landschaft, da sich die neuzeitliche Stadterweiterung auf den Bereich westlich und südwestlich der Altstadt beschränkt, der im Tal liegt und daher kaum von oben einsehbar ist:


      Alles in allem also ein kleines, aber feines Fachwerkstädtchen mit viel Potenzial, das aber offenbar kaum bis gar nicht genutzt wird.
    • Re: Schwalenberg

      Schöne Eindrücke. Die angesprochenen Mängel wären sehr leicht behebbar und sind verglichen mit einigen nahe gelegenen Orten geradezu Luxusprobleme. Wenn man solche Bilder sieht, fragt man sich (nicht ohne Wut), warum das, was in Schwalenberg zum Erhalt des Ortsbildes geleistet wurde, andernorts nicht möglich (oder besser: nicht gewollt) war - besonders Barntrup, Alverdissen oder Bösingfeld fallen hier in einem Vergleich sehr negativ auf.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • Re: Schwalenberg

      danke für die Vorstellung der lippischen Orte, v.a. Lügde fand ich ganz interessant und war mir zuvor völlig unbekannt. In Schwalenberg war ich auch schon mal, in erster Linie natürlich wegen dem Rathaus. Ein idyllisches Städtchen, v.a. die Marktstraße hat doch einige ansehnliche Fachwerkgebäude, aber auch recht übersichtlich und Wiedererkennen würde ich es auch nur noch am Rathaus.
    • In der Gartensiedlung Gronauer Wald in Bergisch Gladbach, entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts, befindet sich dieser interessante Fachwerkbau:

      bergischgladbach.de/img/conten…iedlung-gronauer-wald.jpg

      Es erinnert ein wenig an das Schwalenberger Rathaus und ist sicher durch dieses inspiriert worden, wenn es auch in Einzelheiten stark vom Vorbild abweicht:

      architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/images/1600WM/7028.jpg