Ent- und Wiederbestuckung von Altbauten

  • Ich kann mich kaum beruhigen. Wo ist der Unterschied zwischen Senator Schwedler zu einem Menschen, der in einer Gemäldesammlung ein Bild von Cranach oder Picasso aufschlitzt oder mit Säure beschädigt?

  • Wer sich für die Geschichte der Entstuckungen interessiert und über ein Onlineabo der Berliner Zeitung verfügt

    Die BZ bringt in letzter Zeit viele gute, ausgewogene und sauber recherchierte Artikel zur Stadtgeschichte und Bauthemen.
    Tatsächlich kann man die Zeitung in dieser Mission ruhig unterstützen und den Redakteuren schreiben oder ein Online-Abo abschließen.

    Eine Schlüsselredakteurin ist dabei Maritta Tkalec.
    Hier erreicht ihr Frau Tkalec (gesprochen "Kaletz"), um euch bei ihr zu bedanken. :)

  • Die kommt nicht einfach so. Daran arbeiten wir als Berliner Ortsverband von Stadtbild Deutschland sehr fokussiert - gerade erst hat unser Sprecher 40 Hausverwaltungen angeschrieben und ihnen unsere Broschüre zur Wiederbestuckung und Sanierung von Gründerzeitlern zugeschickt.

    Wer in dieser Richtung Kontakte hat - Hauseigentümer, Verwalter, Immobiliengesellschaften, usw. - immer gern an Snork oder mich schicken. Oder einfach hier. :)

  • Die kommt nicht einfach so. Daran arbeiten wir als Berliner Ortsverband von Stadtbild Deutschland sehr fokussiert - gerade erst hat unser Sprecher 40 Hausverwaltungen angeschrieben und ihnen unsere Broschüre zur Wiederbestuckung und Sanierung von Gründerzeitlern zugeschickt.

    Wer in dieser Richtung Kontakte hat - Hauseigentümer, Verwalter, Immobiliengesellschaften, usw. - immer gern an Snork oder mich schicken. Oder einfach hier. :)

    Kann man diese Broschüre auch als interessierter Nichtberliner erhalten?

  • Eine Schlüsselredakteurin ist dabei Maritta Tkalec.
    Hier erreicht ihr Frau Tkalec (gesprochen "Kaletz"), um euch bei ihr zu bedanken

    "Tkalec" ist ein slowenischer Familienname und bedeutet "Weber". Wobei im Slowenischen auch das T gesprochen wird, aber bei deutschen Sprechern ist man da nachsichtig. Slowenien ist übrigens ein sehr schönes Land.

  • Die Morgenpost berichtet über die Sanierung und Wiederbestuckung eines 1868 erbauten Hauses in der Stresemannstraße in Berlin. Der neue Eigentümer des bisher familiengeführten Hotels möchte dort Serviced Apartments betreiben und plane hierzu eine umfassende Sanierung, die mit einer annähernden Wiederherstellung der abgestuckten Fassade einhergeht. Sehr vorbildlich, wie ich finde. Viele private Investoren haben eben verstanden, dass eine Wiederannäherung an das bauzeitliche Erscheinungsbild bei einem Altbau eine lohnende Investition ist. Es verbessert den Immobilienwert und die Nachbarschaft und ist zugleich ein Gewinn für Stadtbild und Baukultur.

    Artikel Berliner Morgenpost (Bezahlschranke, Visualisierung aber sichtbar)

    Gegenwärtiger Zustand der Fassade (Google Maps)

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Ich verstehe Deine grundsätzliche Freude über jeden Zuwachs an Fassadenschmuck gut.

    So wie die Bestuckung hier auf der Visu ausschaut, kommt sie mir aber recht modern und plump vor. Wieso nicht der Ursprungszustand?

    Als Neubau wäre das Gebäude absolut zu begrüßen. So habe ich gemischte Gefühle.

    Und die gegenwärtig noch verbauten historischen Kastenfenster kann er von mir aus auch gerne drinlassen :biggrin:

  • Es muss mE nicht überall der Originalzustand sein. Mitunter ist der auch nicht ausreichend oder gar nicht dokumentiert.
    Solange es geschmackvoll ist und sich an den historischen Vorbildern weitgehend orientiert, ist sowas sehr zu begrüßen.
    Es gibt zigtausende entstuckte Altbauten in Berlin, da muss noch so, so viel passieren.

  • Nicht jede Wiederbestuckung kahlgeschlagener Gründerzeitfassaden muss sich dem Originalzustand annähern, um einen guten Eindruck zu machen. Diese Fassadengestaltung überzeugt durch eine angenehme Farbgebung, passende Fensterrahmen und Balkongitter, gekonnt platzierte Gesimse und eine originelle "geometrische" Stuckornamentik. Recht gelungen, finde ich.

    (in Berlin-Charlottenburg).

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Für mich geht nichts über eine originalgetreue Wiederbestuckung. Alles andere ist nur halbwegs befriedigend, aber nicht wirklich überzeugend.

    In dubio pro reko

  • Ich stimme dir prinzipiell zu Königsbau, aber Berlin ist in manchen Teilen voll von entstuckter Banalität und Hässlichkeit, dass ich mich auch über solche Fortschritte freue. Es ist halt nicht Leipzig huh:)

    "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia

  • Was dringend in Kraft treten muss ist ein generelles Fensteränderungsverbot für alle Gebäude vor 1930. Es gibt diesen Banausen-Trend, baufällige Fensterkreuze durch Monoblockfenster mit Oberlicht zu ersetzen. Und das ist so hässlich (nur eine Querstrebe statt Fensterkreuz), dass es einfach endlich eine Regelung geben muss.

  • generelles Fensteränderungsverbot für alle Gebäude vor 1930

    Was heißt das konkret? Marode Fenster dürfen nicht mehr ersetzt werden? Oder sie dürfen allenfalls durch Fenster exakt gleicher Form ersetzt werden? Und wer bezahlt das? Der Staat? Ein APH-Forumsdiskutant? Der Eigentümer? Und wenn der das Geld dafür nicht hat?... bleibt es halt kaputt...

    Nur um das klarzustellen: Ich bin ebenso für geteilte Fenster und gegen die Verwendung ungeteilter Fenster bei Altbauten. Aber es muss eben auch bezahlbar für Hauseigentümer sein. Der Staat kann natürlich fördern, wenn er das Geld hat. Aber nur mit Verbieten ist das Problem nicht gelöst.

  • Ein Verbot ist lediglich eine Änderung der Rahmenbedingungen - diesmal sogar im Wortsinne.

    Als Reaktion darauf werden sich neue Anbieter finden, da die Nachfrage steigt.

    Das führt am Ende dazu, dass sich auch die Preise anpassen.

  • Heute mal ein wunderbares, überzeugendes Projekt aus Hannover:

    Rekonstruktion der oberen Hälfte der "Villa Stephanus" in Hannover-Linden:

    "Im Krieg ist die sehr ausladende Dachlandschaft anscheinend zerstört worden, das Haus wurde bis 2012 im obigen Zustand als Polizeirevier genutzt. Nach dem Auszug der Polizei in ein neues Dienstgebäude gammelte das Haus für ein paar Jahre vor sich hin, wurde dann ca. 2017/2018 von privat erworben und aufwändig wieder instandgesetzt unter Wiederherstellung des Dachgeschosses mit allen Türmchen und Details und sogar dem originalen Gartenzaun:"

    Wikipedia-Artikel: Villa Stephanus in Linden - Wikipedia

    von Heinzer fotografiert und kommentiert, Wahl zum Gebäude des Jahres 2022