Genua (I) (Galerie)

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    • Genua ist halt einfach eine sehr gedrängte Stadt mit hohen Häusern, die sich gegenseitig fast das gesamte Sonnenlicht nehmen. Die barocken Prachtstrassen sind für die gesamte Altstadt wie gesagt nur bedingt repräsantiv. Der Grossteil der Bausubstanz ist mittelalterlich, verwinkelt und eng. Zwischen Gotik und Renaissance hat es einen massiven Fortschritt in punkto Wohnqualität gegeben. Die Kernstädte von Rom, Florenz, Turin oder Pisa sind sind beliebte (und teure) Wohngegenden, diejenigen von Genua, Neapel oder Palermo meines Wissens nicht.

      Leerstand ist mir in einigen Aussenquartieren aufgefallen.
    • Wenn man bedenkt, dass es in ganz Europa keine stattlicheren gotischen Stadtpaläste gibt, und dann führt einfach eine Autobahn auf Pfeilern dran vorbei...


      Die Sopraelevata muß unbedingt weg, sie wäre aber auch leicht demontierbar, wenn der politische Wille da wäre (da sagt man aber was in Italien, wo die öffentlichen Instanzen nur bedingt und sehr eigentümlich funktionieren)

      Im Vergleich zum Beispiel zu Antwerpen ist Genua bei der "modernisierung" im ma. Hafenbereich noch glimpflich davongekommen. In Antwerpen verschwand dieser zusammen mit der gesamten ältesten Stadtkern (De Burcht um Het Steen) am Ende des 19. Jh. unter Lagerhallen und zum Teil auch in der für moderne Schiffen schiffahrtstauglich verbreiterten und vertieften Schelde (die namensgebende Werf = Werft; Antwerpen kommt von "An der Werft", "Aan het Werpen"; die -n-Endung ein lokativer Dativ wie in Saarbrücken.
      VBI DOLOR IBI VIGILES
    • Ebenfalls sehr sehenswert (gerade für Historismusfans) in Ligurien:

      erbaut von Charles Garnier (* 6. November 1825 in Paris; † 3. August 1898 in Paris)u.a. bekannt durch die nach ihm benannte Opéra Garnier (auch „Palais Garnier“), Spielort der Pariser Oper, den Konzertsaal des Casinos von Monte Carlo (1878/1879) und die Opéra de Monaco hier um die Ecke.
      "Wie schön ist es doch zu leben." Pippi Langstrumpf
    • Beim Betrachten von Frankas neuer Mantua-Galerie ist mir eingefallen, dass ich noch einige Fotos aus Genua aus dem Jahr 2016 auf meiner Festplatte habe. Die wollte ich euch nicht vorenthalten.
      Die Fotos sind nicht mit dem Anspruch eines kohärenten Stadtrundgangs gemacht worden. bei den meisten weiß ich nicht einmal mehr, wo genau sie entstanden sind.
      Es ging mir insgesamt weniger darum, die bekannten Renaissance- und Barock-Palazzi zu zeigen, als vielmehr einen Eindruck der Atmosphäre der weitgehend mittelalterlichen Altstadt (nach allem, was ich weiß, die größte mittelalterliche Altstadt der Welt) einzufangen. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

      Man muss zu alldem wissen, dass Genua den Höhepunkt seiner Macht zwischen 1133 (Übernahme Korsikas von Pisa) und 1381 (Niederlage im Chioggia-Krieg gegen Venedig) erreichte. Aus dieser Zeit, in der Genua die unangefochtene Handels- und Seemacht Nr. 1 im Mittelmeer war, stammt der Großteil der Bausubstanz. Genua war gewissermaßen das Manhattan des 12. bis 14. Jahrhunderts. Wie man auf den Fotos sieht, verbergen sich hinter den späteren Verputzen noch unverkennbar gotische und teilweise romanische Bauten mit ihren typischen Bauelementen:




      Ein typisches Gebäude an der Wasserfront Genuas:



      Wieder ein Detail, das die hochmittelalterliche Bausubstanz hinter den später verputzten Fassaden anzeigt:





      Am Dom:



      Das folgende Foto zeigt eindrücklich, wie eng die mittelalterliche Bebauung ist. Es gibt noch engere Gassen, aber da versagt die Kamera aufgrund der Lichtverhältnisse:
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      Die romanisch-gotische Chiesa di San Matteo im labyrinthischen Gassengewirr Genuas:




      Und noch einmal eine typische Gasse:

    • Die Renaissance- und Barockpalazzi, für die Genua so bekannt ist, sind demgegenüber in der "2. Blütezeit" Genuas ab 1528 entstanden, als der Doge Andrea Doria einen dramatischen Seitenwechsel von den Franzosen zu Habsburg vollzog und so die weitgehende Unabhängigkeit Genuas wiederherstellen konnte. Im 16. und 17. Jahrhundert war Genua dann aufgrund dieses Seitenwechsels ein wichtiger Stützpunkt der Habsburger im westlichen Mittelmeer und zentraler Umschlagplatz für den Handel zwischen Norditalien und den spanischen Kolonien in Amerika.
      In dieser Zeit stellten viele Genueser Patrizierfamilien auch Heerführer für die habsburgischen Armeen, so etwa die Familie Spinola den Feldherren Ambrogio Spinola Doria (de.wikipedia.org/wiki/Ambrosio_Spinola), den Velázquez in seinem Gemälde "Die Übergabe von Breda" porträtiert (de.wikipedia.org/wiki/Die_%C3%9Cbergabe_von_Breda) und die Familie Adorno den Feldmarschall Antoniotto Botta-Adorno (de.wikipedia.org/wiki/Antoniotto_Botta_Adorno).


      Viel habe ich nicht in der Richtung anzubieten, aber ein paar Fotos doch:




      Am Domplatz:



      Der berühmte Palazzo Spinola in Pellicceria (die Gassen dahinter gehören zu den engsten Genuas; man kann da oft nicht einmal zu zweit nebeneinanderlaufen):




      Das folgende Foto zeigt sehr schön, wie die Barock- oder Renaissancefassaden oft ohne Rücksicht auf die Schauwirkung in den engen Gassenbestand eingefügt wurden:


      Und zum Schluß noch die Chiesa di San Pietro in Banchi (die Bänke waren der Namensgeber für unsere Banken):
    • Tübinger wrote:

      Philon wrote:

      (nach allem, was ich weiß, die größte mittelalterliche Altstadt der Welt)
      Da habe ich starke Zweifel. Bologna und vor allem Venedig sind sehr viel größer. Ich finde sogar, dass die Altstadt von Genua überraschend klein ist, für eine doch so bedeutende Stadt.
      Ich habe nur wiedergegeben, was auf diversen italienischen Seiten kolportiert wird. Ich vermute mal, im Fall von Genua ist eher die Bebauungsdichte als die Ausdehnung gemeint. Außerdem bezieht sich die Aussage vermutlich wirklich alleine auf die hochmittelalterlichen Teile und da könnte es dann schon hinkommen: Um 1250 hatte Genua rund 80.000-100.000 Einwohner, Venedig dagegen "nur" 45.000. Venedig ist erst um 1400 gleichgezogen, während die Einwohnerzahl Genuas auf ca. 60.000 gegen 1500 gesunken ist. Bologna hat erst Mitte des 16. Jahrhunderts die Marke von 60.000 Einwohnern erreicht und bewegte sich im Mittelalter eher zwischen 35.000 und 40.000 Einwohnern.

      "Klein" finde ich die Genueser Altstadt auch keineswegs. Flächenmäßig mag das sein, aber die Stadt ist so eng und dicht bebaut und weist darum auch so viele Gassen auf engstem Raum auf, dass man sich tagelang darin verlieren kann. Der Blick auf die Karten täuscht da. Das kenne ich jedenfalls so von keiner anderen Stadt außer vielleicht Neapel und in der Tat Venedig.
    • Die Bebauung in Genua scheint wirklich ungewöhnlich dicht zu sein. Trotzdem bleibe ich skeptisch. Kennt jemand einigermaßen zuverlässig ermittelte Zahlenangaben, wie viele mittelalterliche Bauten in Genua oder z.B. in Venedig erhalten sind? Was die Einwohnerzahlen im Mittelalter betrifft: Laut der englischen Wikipedia (bekanntermaßen mit Vorsicht zu genießen) besaß Venedig um 1300 110.000 bis 180.000 Einwohner : en.wikipedia.org/wiki/Venice#Demographics. Die deutsche Wikipedia schätzt vorsichtiger 85.000 bis 100.000 Einwohner um 1300 und 140.000 vor der großen Pest von 1348: https://de.wikipedia.org/wiki/Venedig#Bev%C3%B6lkerung Wie auch immer - der Fläche nach ist Venedig überwältigend größer als Genua.
    • Kaoru wrote:

      Es ist damit recht klar, an wen der Pokal geht.
      Natürlich, was die Fläche angeht, ist die Sache klar. Es stellt sich aber nach wie vor die Frage nach der Dichte und Höhe der Bebauung.
      Meine Kompaktkamera ist, wie bereits erwähnt, mit den Lichtverhältnissen in den engeren Gassen nicht zurechtgekommen. Ich habe es dann nach einigen Versuchen aufgegeben. Das folgende, völlig verwackelte, aber irgendwie auch wieder vom Effekt her interessante Foto, vermag zumindest eine Ahnung davon zu vermitteln, wie dicht und hoch die Bebauung in der romanisch-gotischen Altstadt über weite Strecken tatsächlich ist:



      Venedig ist teilweise zwar ähnlich eng, aber die Häuser sind nur selten so hoch wie in Genua (wo dann heute übrigens meistens in der Tat auch nur die oberen Stockwerke noch bewohnt sind, während die unteren vergammeln).
    • Philon wrote:

      Natürlich, was die Fläche angeht, ist die Sache klar.
      Der gehaltvolle Wikipedia-Eintrag zur Stadtbefestigung Genuas lässt die Ausdehnung der Stadt im Laufe der Zeit erkennen:

      en.wikipedia.org/wiki/Walls_of_Genoa

      Hier der Kern der Stadt am Ende des 10. Jahrhunderts:


      Description=murallas de Génova |Source=[it.wikipedia.org/wiki/Immagine:Muragenova3.jpg] |Date=26 dic 2006 |Author=f.noceti |Permission= Creative Commons Attribuzione 2.5 (CC-BY-2.5).

      Die erweiterte Stadt mit der um 1160 erbauten "Barbarossa-Mauer", die 55 Hektar, also etwas mehr als einen halben Quadratkilometer, umschloss. Das Gebiet entspricht annähernd der heute erhaltenen Altstadt :


      Muros de Génova (Italia) |Source=[it.wikipedia.org/wiki/Immagine:Mura4.jpg]|Date=26 dic 2007 |Author= User:f.noceti


      Zwischen 1320 und 1350 wurde die Stadtbefestigung drastisch vergrößert, mit einer ummauerten Fläche von 155 Hektar, das sind gut anderthalb Quadratkilometer. Das war die letzte mittelalterliche Stadterweiterung.


      Murallas de Génova |Source[it.wikipedia.org/wiki/Immagine:Muragenova5.jpg] |Date=11 enero 2007 |Author= User:f.noceti

      Man erkennt auf obigem Photo, dass der östliche Bereich innerhalb der Mauern heute keine mittelalterliche Stadtstruktur mehr aufweist. Und in der Tat: Das Viertel Portoria (zwischen der Piazza De Ferrari und der Porta Monumentale) ist im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts fast vollständig zerstört und neu bebaut worden.

      "Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Portoria noch ein beliebter Stadtteil am Rande der Altstadt, aber seit Mitte des Jahrhunderts, mit der Umsetzung des vom Architekten Carlo Barabino 1825 ausgearbeiteten Plans, die Stadt über die Grenzen der mittelalterlichen Stadt hinaus nach Osten auszudehnen, begann eine echte städtische Revolution. In wenig mehr als einem Jahrhundert wurde die Struktur des Gebietes völlig verändern und die Altstadt der Arbeiter und Handwerker in ein Geschäfts- und Handelszentrum verwandelt. [...] Mit der systematischen Anwendung von innerhalb weniger Jahrzehnten aufeinander folgender Stadtplanungen blieben von einer jahrhundertelang beliebten Peripherie nur wenige historische Gebäude übrig." (Quelle)

      Großflächige Abrisse gab es auch im Norden der Altstadt. Insgesamt hat Genua in den letzten zwei Jahrhunderten ungefähr ein Drittel seiner Altstadt verloren. Zum Vergleich ein Plan von 1766 mit der noch intakten Stadt:

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    • Apropos RAF: Die Kriegsschäden waren in Genua nicht unbedeutend. Schon im Februar 1941 ist die Stadt von der Royal Navy beschossen worden. 141 Zivilisten starben und eine 38cm Granate, abgefeuert vom Schlachtschiff HMS Malaya, traf den Dom, jedoch ohne zu explodieren. Infos und einige Bilder zur "Operation Grog" hier: it.wikipedia.org/wiki/Bombardamento_navale_di_Genova_(1941)

      Die Granate kann man im Dom noch heute besichtigen:


      Genova - Proiettile inesploso nella cattedrale di S.Lorenzo |Source=my own work |Date=8/12/2006 |Author=William Domenichini |Permission=Own work, copyleft: Multi-license with GFDL and Creative Commons CC-BY-SA-2.5

      Schlimmer waren die folgenden 86 Luftangriffe. Ein Drittel der Gebäude Genuas wurden zerstört oder beschädigt. (Quelle)

      Laut dem interessanten Wikipedia-Eintrag zum historischen Stadtzentrum Genuas stammen dort heute 23,5% der Gebäude aus der Nachkriegszeit (wofür nicht nur der Krieg, sondern auch die Stadtmodernisierung danach verantwortlich sind).

      Eine Karte mit den Bauten des 20. Jahrhunderts findet man hier: civis.comune.genova.it/piano_operativo/quadripdf/xx_sec.pdf

      Die Größe des historischen Stadtzentrums wird mit 1,13 km² angegeben, die Zahl der Gebäude beträgt 2305 (mit einem Gesamtvolumen von 10 Millionen Kubikmetern! - das erste Mal, dass ich das Volumen einer Altstadt beziffert gesehen habe...).

      Schmunzeln musste ich bei diesem Absatz: "In considerazione dell'estensione del nucleo originale di 1,13 km² [...] viene talvolta ritenuto il centro storico antico maggiormente esteso d'Europa. In realtà questa può essere considerata una leggenda metropolitana, in quanto risulta meno esteso, ad esempio di Roma (1.430 ettari) e Napoli (quest'ultimo, con i suoi 1.700 ettari, il maggiore)."

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