Berlin - Anhalter Bahnhof

  • Ich hoffe, und hier geht es mir nicht um die Idee, denn die finde ich gut, sondern allein um die unsensible Ausführung, dass diesem Projekt die Sponsoren fehlen und die Zeit eine bessere Ausführungsplanung bringt.

    "Gebt mir 500Mio. und dann wird es!" scheint im Moment für ein Rekonstruktionsprojekt auch nicht der Schlüssel für den Erfolg zu sein.

    Leider müssen dazu viele empfindliche Politikerseelen überzeugt werden, deren von ihnen vertretene Randgruppen natürlich mit eingeschlossen.

    Das unsinnige Hick-Hack um die Situation am Hermannplatz zeigt es.

  • Die Detailierung und Schmuck waren klasse und typsich für Berlin. So wird nie mehr gebaut. Also Sprengung was da noch stand, wie bei KWGK, Petrikirche, Georgen Kirche, Börse, Hertie und Bauten rund Marienplatz, waren allen unumkehrbar.


    Bild 142 sehr eindrucksvoll!! Danke Eiserner Pirat!!

  • Unumkehrbar war und ist nichts, auch nicht in Berlin.

    Beispiele sind das Stadtschloss, die Alte Kommandantur, das Prinzessinnenpalais ….das waren auch alles mal Ruinen, abgetragen und wieder aufgebaut (letzteres sogar zu DDR Zeiten)


    Offensichtlich war und ist beim Anhalter Bahnhof der Wunsch nach einem Wiederaufbau bei den Entscheidungsträgern und/oder der Bevölkerung nicht ausreichend vorhanden.

  • Leider lag der Anhalter im politischen Abseits nach Bau der Berliner Mauer, so wurde gleich nebenan das Haus Vaterland und das Völkerkundemuseum abgerissen, überlebt hat in dieser Ecke nur der Gropiusbau und der Bau des preußischen Landtags.


    Ruine Haus Vaterland



    Ruine Völkerkundemuseum

  • Hoffe Newly Sie haben recht. Abbruch Ruinen wie Kroll-Oper, Haus Vaterland, Petri Kirche, KWGK und ganz intakte Bauten rund Marienplatz und Vineta Platz sehr waren allen Totsünden. Ruinen laden ein um wieder aufgebaut zu werden. Abbruch ist meistens ein definitives Ende.

  • Klassiker,wir Rekobefürworter haben und werden nur einen kleinen Teil der von uns gewünschten Rekos durchsetzen können.Ebenso die Gegner von Rekos,die Rekos nicht grundsätzlich verhindern können und werden.

  • Das Potential der Ruine des Anhalter Bahnhofs wurde damals nicht erkannt, was wäre wohl heute wenn diese Ruine noch stehen würde eine fabelhafte Eventlocation wie man heute neudeutsch sagen würde.

  • und so einer erhält noch ein Ehrengrab in Berlin, ich kann es nicht fassen. Und auch noch in die Steglitzer Kreisel Affäre verwickelt nono:)


    RIP Anhalter einer der schönsten Bahnhöfe den es mal gab

  • Es ist wirklich ein sehr großer Verlust das Gebäude des Anh.Bahnhofs für Berlin.Ich denke,wenn Berlin nicht geteilt worden wäre hätte man das Gebäude nicht abgerissen.Bis 1952 war der Anh.noch in Betrieb.Dannach gelangte er immer mehr Bzw.dieses Viertel in eine politisch,geographische,"Randlage"(Sektorengrenze) und eine verkehrliche Bedeutungslosigkeit der Stadt obwohl immer noch im Zentrum Berlins.Das sind vielleicht auch unter anderem Umstände die zu seinem Abriss führten.

  • Die Demolierung des Anhalter Bahnhofs entsprach wohl mehr dem Zeitgeist ("Alles Wilhelminische muss weg !") als verkehrspolitischen Überlegungen. Das gleiche Bild in Köln. Das Empfangsgebäude des Kölner Hauptbahnhofs (eingeweiht 1894) und die Hohenzollernbrücke mussten einfach weg.

    Noch schlimmer die Situation in Wien: Westbahnhof, Nordbahnhof und Nordwestbahnhof abgerissen. Das schlimmste Kultur-Verbrechen war jedoch die Demolierung des zweiten Wiener Südbahnhofs, der durch einen miesen 50er-Jahre-Neubau ersetzt wurde. Insofern bin ich froh, dass dieser dritte Wiener Südbahnhof nun inzwischen auch demoliert wurde.

  • Die Demolierung des Anhalter Bahnhofs entsprach wohl mehr dem Zeitgeist ("Alles Wilhelminische muss weg !") als verkehrspolitischen Überlegungen.

    Darf ich Dir den Rat geben, die politische Situation im Nachkriegsberlin vor den Zeitgeist zu stellen. Die Reichsbahn hatte für Kopfbahnhöfe einfach keine Verwendung mehr, weil sie teils auf West-Berliner Gebiet lagen, bzw. fast an der Sektorengrenze (Potsdamer Bahnhof, Stettiner Bahnhof)

  • Wenn ich es richtig verstehe, hat nicht die Reichsbahn der DDR den Anhalter Bahnhof zerstört, sondern der Berliner Senat. Dass man in Berlin kein Geld für den Wiederaufbau hatte, mag ja sein. Für eine großstädtische Neubebauung fehlte wohl auch das Geld. Da ist ja heute immer noch Brachland.

  • Ich glaube, man war beim Anhalter Bhf. nicht ganz ehrlich zu uns...


    Wie oft habe ich die Erklärungen gehört, man hatte nach dem Krieg ganz andere Sorgen und man konnte die historische Bausubstanz und Fassaden aufgrund von Geldmangel nicht erhalten. Was wurde also stehen gelassen z.B. am Alexanderplatz oder am Anhalter Bahnhof:

    Zufällig immer die langweiligen einförmigen Resthüllen der modernen Bauten von Behrens und seinen Mitstreitern. Am Potsdamer Platz das Columbushaus.


    Das kann nicht nur am stabilen Stahlskelett gelegen haben. Immer mehr Bilder tauchen im Internet von Berlin 1945 auf. Da war noch sehr viel Bausubstanz vorhanden. Die alten hochwertigen Gebäude waren oftmals stabil wie Burgen gemauert worden und wieder aufbaufähig. Teilweise war die Beseitigung teurer als eine Nachnutzung und der Anhalter Bahnhof brauchte drei Sprengversuche. Trotzdem haben modernistische Stadtplaner (die teilweise schon unter den Nazis tätig waren) flächendeckend abgerissen.


    Heute sagen die Architekten auch, ein Wiederaufbau wäre zu teuer und funktionslos. Demnach sind Neubauten funktionierend und preiswert?!


    Die einfältige James Simon Galerie (sehr viele "handwerkliche hochwertige Schmuckteile lassen sich dort wirklich nicht entdecken) kostete 134 Mio. Die Elbphilharmonie 866 Mio. Die einfältige Glasfassade der Akademie der Künste, die sich nicht in den Pariser Platz einfügt liegt bei 77 Mio. Der dort gestaltete Brutkasten, der unter zahlreichen Wasserschäden leidet muss immer wieder erneuert werden. Die mehrfach geklebten Scheiben, die wie beim Kaufhaus Lafayett "unbedingt an Schnallen" vor dem Gebäude "schweben" sollen, stürzen leider zahlreich hinunter. Auf diese Weise werden auch sehr teure Natursteine vor den Fassaden vieler Gebäude befestigt, was zu einem sehr einfältigen Aussehen, zu Dreckschlieren und wenig Haltbarkeit führt.


    Die handwerklichen wertvollen und vielfältigen Schlossfassaden (mit Innenhöfen) haben dagegen nur etwa 100 Mio. gekostet! Der Anhalter Bhf. wäre sicher auch nicht so teuer und wir würden uns diese dunkle einfältige Kiste von Dorte Mandrup ersparen.

  • Meine Güte... Beschäftigt sich niemand mit den politischen Gegebenheiten der Berliner Nachkriegszeit? Wie wir jetzt wissen, hat die Teilung Berlins 45 Jahre gedauert. Wie lange hätte man denn einen teilzerstörten funktionslosen Bahnhof stehenlassen sollen?

    In den autofreundlichen 50er und 60er Jahren war nun mal eine Stadtautobahn geplant, die über das Areal des Anhalter Bahnhofs führen sollte. Nicht, dass ich das gutheißen würde. Nicht, dass ich nicht auch gern gesehen hätte, wenn vieles stehengeblieben wäre, was man ohne größere Not hätte erhalten oder wiederaufbauen können.

    Und nicht zuletzt geht es hier zu einem großen Teil um private Gebäude. Und wenn ich als Eigentümer entscheide, dass ich lieber einen modernen "Kasten" an die Stelle der Kriegsruine setzen möchte, dann ist das so.

  • Es muss leider immer wieder das Rad neu erfunden werden.

    Anstelle die markantesten Bauteile des Bahnhofs zu rekonstruieren wie die Halle, und den Raum sinnvoll zu füllen, mit dem Museum, einem z.B. Exil-Hotel, usw. , muss das Ganze wieder auf Krampf modernistisch aufgeblasen werden.

    Übrigens ist das Tempodrom kein Hindernis für den Wiederaufbau, da es knapp außerhalb der ehemaligen Hallenkonstruktion errichtet wurde.

    Mit einem Betonkern und einer Ziegelverblendung wäre das Bauvorhaben vielleicht sogar deutlich günstiger als der dänische Entwurf und aufgrund des Bauvolumens vielfältiger nutzbar.

  • Gehörte das ganze Bahnhofsgelände in den Westsektoren nicht formal zum Territorium der DDR, da die Allierten der Deutschen Reichsbahn die Betriebsrechte übertragen hatten? Und musste eine solche Sprengaktion nicht auch in beiderseitigem Einvernehmen organisiert worden sein?

  • Meine Güte...

    Meine Güte,

    jetzt bestätigen und rechtfertigen Sie genau das, was ich in meinem Beitrag kritisiert habe, wobei ich meistens Ihr Beiträge sehr gern lese.

    Zitat "ohne größere Not hätte man..." Ich bin über die große Not nach dem Krieg sehr gut informiert, deshalb wundern mich ja die relativ schnellen. teuren komplizierten drei Sprengversuche und die Abräumarbeiten an so vielen Gebäuden und am Anhalter Bhf. -die Autobahn war noch in weiter Ferne.


    Ich wusste gar nicht, dass die James-Simon-Galerie, die Akademie der Künste, die Elbphilharmonie und der das Exilmuseum am Anhalter Bahnhof zum großen Teil PRIVATE Gebäude sind oder waren und deswegen vom Bauherren ohne Berücksichtigung irgendwelcher Vorschriften und ohne Rücksichtnahme auf die Umgebung und Bevölkerung modern gebaut werden mussten. Man fragt sich nur, ob z.B. bei entsprechender Bürgerbeteiligung vielleicht ebenso viele Menschen (ähnlich wie beim Berliner Schloss) für eine schmuckvoll verzierte Akademie am Pariser Platz gespendet hätten.

    Zitat "dann ist das so"? -Dann war das so, jetzt könnte es anders werden!: Vielleicht kann man bei den entsprechenden Entscheidungsgremien zukünftig auch mehr Liebhaber der klassischen Architektur zu Wort kommen lassen und Fehler der Vergangenheit revidieren. Ich würde das faire finden und begrüßen.