Berlin - Anhalter Bahnhof

  • Bin bei wikipedia gerade zufällig auf dieses Bild gestoßen. Es zeigt den Anhalter Bahnhof im Jahre ....



    Quelle: wikipedia


    ... genau: 1951.


    Wenn man sich das Bild ansieht, kann man kaum glauben, dass ein bis auf die Dachkonstruktion völlig intaktes Gebäude mit seiner unglaublichen Geschichte einfach weggerissen wurde.
    Warum hat man nicht ein Einkaufszentrum daraus gemacht, wenn es seinen ursprünglichen Zweck nicht mehr erfüllen konnte. Ich dachte immer, der Anhalter Bahnhof wäre schwer beschädigt gewesen, aber es ist unfassbar traurig, wenn man sieht, was man mit diesem stolzen Bau gemacht hat. Und das, obwohl er seit den 30-ern unter Denkmalschutz stand!!!

    APH - am Puls der Zeit

  • Ein wundervolles Bauwerk. Ich liebe es!

    Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
    Jesus ist mein Herr und Retter!

  • Ein Jammer, wie um all die schmucken Berliner Kopfbahnhöfe!
    Auf dem vorletzten Bild sieht man garstiges Federvieh (das 'Bonbon' wird durch das Schild verdeckt) - ob das der Grund für den Abriss war..

  • Tja, die Bauten von Franz Schwechten waren wohl auserkoren, für die beiden bedeutendsten West-Berliner Ruinenveranschaulichungen herhalten zu müssen.


    2009:

    Auf den alten Bahnsteigen befindet sich heute ein Kunstrasen-Fußballplatz mit Flutlichtanlage. Es pfeift der Schiri statt der Schaffner.



    Abschließend ein zeitgeschichtliches Nachkriegsbild aus dem Jahr 1945, welches einen ungeheuerlich überladenen Flüchtlingszug im Anhalter Bahnhof zeigt.

    Quelle: LIFE bei Google

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • immerhin etwas - in Wien wärn wir froh, stünde von einem unsrer Hauptbahnhöfe noch soviel.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ich frage mich aber trotzdem, warum man ein Gebäude in einem solch guten Zustand, das nach dem Krieg ja noch lange Zeit in Betrieb war, dann abreißt. Es hätte sich für einen solchen Schatz doch sicherlich eine Nachnutzung finden können. Oder zumindest für das Vorgebäude. Man hätte ja die Haupthalle abreißen können, aber doch nicht das Vorgebäude.


    Ein ähnliches Schicksal hat der Kölner Hauptbahnhof hinter sich. Die Hauptfassade war noch lange nach dem Krieg erhalten und dann wurde sie Opfer unglaublicher Abrisswut. Heute steht in Köln ein widerlicher 60-er Jahre Kasten. Auch hier wurde ohne Not abgerissen!

    APH - am Puls der Zeit

  • Relatitivtät der historischen Betrachtung:
    um 1950 war ein um 1900 errichtetes Gebäude mal 50 Jahre alt.
    Für uns hat ein Kasten aus 1960 überhaupt keinen historischen Wert, je mehr man davon abreißt, desto besser.
    Nicht anders sah es damals mit der Wertschätzung der Gründerzeit aus. Dass sich diese Wertschätzung mit größerer historischer Distanz und in Anbetracht dessen, was nachkam, bald ändern sollte, konnte damals keiner vorhersehen.
    In Wien ging man in den Wiederaufbaujahren wirklich behutsam mit dem kulturelle Erbe um, nur bei den Gründerzeitbauten kannte man kein Pardon - sehr zum Schaden des heutigen Stadtbildes.
    Sogar intakte Bahnhöfe wurden abgerissen - hier kommen natürlich schon auch funktionalistische Überlegungen ins Spiel - ein Bahnhof hat nicht nur schön zu sein.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Man wollte damals, 15 Jahre nach dem Krieg, die ganzen Ruinen einfach nicht mehr sehen. Noch weitere 15 Jahre später, um 1975, mit Aufkommen des "allgemein akzeptierten" Denkmalschutzes, wäre dies vielleicht anders entschieden worden.


    Der Anhalter Bahnhof wurde übrigen schon 1876-80 errichtet, war 1960 also immerhin 80 Jahre alt. Einfluss auf die Wertschätzung hatte das Alter selbstverständlich nicht.

  • Herren: wurde nicht eine ungeheure Reihe von schönen Kriegsüberlebenden Bauten in Mitte und West Berlin abgerissen?
    Die Reihe ist wirklich schrecklich lange!!!!! Und schönste Bauten wurden damals weggeblasen. Das alte Berlin verschwand....... traurig und unnötig.
    Museum für Völkerkunde auch so ein Beispiel "unersetzbare " Bauten.


    Wie war es um den Vinetaplatz? Waren die Bauten dort nicht ganz intakt, nicht abgestuckt? Auch verrückt "einfach" und "arm" heute dort alles
    aussieht.. aber dass gilt doch für noch hunderte von einst berühmte Plätze und Strassen.


    Tabula Rasa hiesss dass.



    Sehe bitte http://commons.wikimedia.org/w…buildings_in_Berlin-Mitte

  • Vielen Dank, "Klassiker", für den Link. Ja, das ist wirklich erschütternd. Wollen wir hoffen, daß wir in einigen Jahren/Jahrzehnten mental so weit sind, auch den ein oder anderen dieser verlorenen Bauten zu rekonstruieren.

  • Quote from "Wissen.de"


    Warum hat man nicht ein Einkaufszentrum daraus gemacht

    ...Kino, Oper, Musicaltheater, Konzerthalle, Hotel, Kongresszentrum, Bürogebäude, Behördenzentrum, Großmarkthalle, Sporthalle, Museum (Musée d'Orsay läßt grüßen) - die Liste der denkbaren Umnutzungen nach einem Umbau ließe sich fast beliebig fortsetzen. Die Verachtung gegenüber der Kaiserzeit und ihrer Architektur hat das Denken bestimmt - in diesem Fall allerdings laut Wikipedia offenbar nicht das Denken der Architekten und Denkmalpfleger, sondern dasjenige der verantwortlichen Politiker:

    Quote

    Trotz starken Widerstandes der Fachwelt und der Architekten- und Baukammern sollte das seit den 1930er-Jahren unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsgebäude auf Betreiben das damaligen Baustadtrates Rolf Schwedler zum Abbruch freigegeben werden. Begründet wurde der Abriss teilweise mit der Notwendigkeit zum Neubau eines größeren Bahnhofes an gleicher Stelle, für den es bereits Architektenentwürfe gab, und mit der Einsturzgefahr der freistehenden Hallenwände.


    Was nicht zwingend benötigt wurde, wurde damals eben gesprengt. Potsdamer Bahnhof und Lehrter Bahnhof waren nach dem Krieg gleichermaßen beschädigt, aber stehengeblieben und wiederherstellbar, wie man hier und hier sehen kann - und wurden genauso rücksichtslos plattgemacht. Die großartigen Kopfbahnhöfe von Leipzig und Frankfurt hat der Umstand gerettet, daß sie zu dieser Zeit noch gebraucht wurden - sonst hätte man sie vermutlich auch abgerissen (wie so manches andere in beiden Städten).

  • Im Wikipedia Artikel steht nicht nur etwas über die Begründung des Abrisses:

    Quote

    ...Einsturzgefahr der freistehenden Hallenwände.


    sondern auch über den Abriss selber:

    Quote

    Der Abriss erwies sich aufgrund des sehr stabilen und harten Mauerwerksverbandes jedoch als derart schwieriges Unterfangen, dass mehrere Abrissfirmen sich wirtschaftlich verkalkulierten und in der Folge Konkurs anmelden mussten.

    :grinsenlachen:
    Hätten se es jelassen, wärn se heut noch jut im Jeschäft.


    Noch´n paar Hinweise:
    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/denkmalpflege_vor_ort/de/erkennen_erhalten/oeffentlich/anhalter_bahnhof_portal.shtml\r
    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/d ... rtal.shtml

    External Content www.youtube.com
    Content embedded from external sources will not be displayed without your consent.
    Through the activation of external content, you agree that personal data may be transferred to third party platforms. We have provided more information on this in our privacy policy.

    http://www.youtube.com/watch?v=SKiHUswj ... re=related
    External Content www.youtube.com
    Content embedded from external sources will not be displayed without your consent.
    Through the activation of external content, you agree that personal data may be transferred to third party platforms. We have provided more information on this in our privacy policy.

    http://www.youtube.com/watch?v=rPxVtd8Q8PQ

    Labor omnia vincit
    (Vergil)

  • Hm... dasselbe hat man auch vom Bahnhof Altona gesagt. Hätte man sie beide noch stehen lassen...

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Heimdall: und dann handelt es sich nur um einen Auswahl der verschwunden Bauten der Mitte.......... so wenn alle nach dem Krieg abgebrochen Bauten in Berlin aufgereiht werden, dann brauchen wir bestimmt 10 oder sogar mehr Seiten!!! :weinengelbtraenen:

  • Auf den Anhalter Bahnhof war ich am Wochenende beim Besuch des Deutschen Technikmuseums aufmerksam geworden. Dort sind das Fürstenportal sowie die Originale der Skulpturen ausgestellt
    http://sdtb.de/technikmuseum/ausstellungen/94/
    Völlig Irre dass die damals dieses wundervolle Gebäude einfach plattgemacht haben. Was ist dort heute? Ein Fussballplatz und ein Aufentshaltort für Obdachlose! Man könnte ausrasten...









  • Das Problem der verschwundenen Kopfbahnhöfe liegt nicht daran, dass man sie "plattmachen" wollte. Sie waren durch die Nachkriegssituation und -politik nun mal ihrer Funktion beraubt. Die Reichsbahn, die eben auch im Westteil Berlins für den S-Bahn und Fernverkehr zuständig war, hat den Betrieb eingestellt. So herrlich, ja prächtig und berühmt sie waren, was hätte gerechtfertigt, sie stehen zu lassen?
    Und auch heute durch die Neuordnung des Eisenbahnverkehrs in Berlin mit Stadtbahn, Hauptbahnhof und Tiergartentunnel wären sie obsolet, so traurig das auch ist.

  • Das hat aber beileibe nicht rechtfertigt, das Portal und noch den ganzen Rest nach dem Krieg noch zu zerstören.

    Bildquelle: Bundesarchiv via Wikimedia


    Der Fußballplatz hätte sich vielleicht ja ganz außergewöhnlich innerhalb des bestehenden Gemäuers anlegen lassen, das wäre wohl weltweit einmalig gewesen...

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Für mich ist das (fast) dieselbe Kategorie wie die Sprengung des Schlosses. Der Kaiser war auch lange nicht mehr da und das Schloss der Funktion beraubt und damit nutzlos. Also weg damit? Der verantwortliche "Wessi" ist in der Hinsicht auch nicht besser als Ulbricht.
    Wie von Wissen.de anfangs geschrieben hätte man den Bahnhof durchaus einer anderen Nutzung zuführen können.