Innenräume des Berliner Stadtschlosses

  • Ich finde es wird hier im Forum von einigen usern die zukunftige museal-ethnologische Nutzung der Schloßräume viel zu einseitig kritisch gesehen. Kann es sein, daß da Informationsdefizite bestehen!? Es werden ja bei weitem nicht nur Sammlungsbestände der indigenen Völker zur Ausstellung gebracht, z.B. die hier mit einem "Nase-rümpfen" oft zitierten pazifischen Boote (Oder woher sie nun auch kommen!?) , sondern gleichermaßen auch die ostasiatische Sammlung mit skulpturaler, sakraler Hochkunst, also z.B. hunderte von Götterfiguren aus verschiedenen Materialien, wie z.B. auch Buddha-Statuen. Dafür bietet das Schloß einen würdigen Rahmen und ich hoffe diese sakrale Kunst findet im Raum unter der Kuppel auch ihren Platz.


    Ich werde mich freuen, wenn es soweit ist durch die Räume der Buddhas achtsam zu wandeln und durch ihre spirituelle Aura zu schreiten, den genius loci gleichzeitig wahrnehmend und im Durchschreiten der Räume hier und da einen Blick in den atembraubend schönen Schlüterhof zu werfen.


    Freut Euch Leute, das wird gut. Das Wiederaufbau-Projekt ist so groß, daß daran Generationen ihre Willens- und Schaffenskraft beweisen können.

  • Ich finde es wird hier im Forum von einigen usern die zukunftige museal-ethnologische Nutzung der Schloßräume viel zu einseitig kritisch gesehen. Kann es sein, daß da Informationsdefizite bestehen!? Es werden ja bei weitem nicht nur Sammlungsbestände der indigenen Völker zur Ausstellung gebracht, z.B. die hier mit einem "Nase-rümpfen" oft zitierten pazifischen Boote (Oder woher sie nun auch kommen!?) , sondern gleichermaßen auch die ostasiatische Sammlung mit skulpturaler, sakraler Hochkunst, also z.B. hunderte von Götterfiguren aus verschiedenen Materialien, wie z.B. auch Buddha-Statuen. Dafür bietet das Schloß einen würdigen Rahmen und ich hoffe diese sakrale Kunst findet im Raum unter der Kuppel auch ihren Platz.


    Auch wenn ich nur für meine eigene Meinung und Ansicht sprechen kann, denke ich nicht dass ein "Informationsdefizit" zu einer "kritischen" Haltung gegen das Museumskonzept führt. Egal welche Artefakte dort im einzelnen ausgestellt werden (sollen), ist die Verhinderung zukünftiger Innenrekos der mehr als wunderschönen Schlossräume durch ein deratiges modernistisches Museumskonzept und die Motivation die dazu führt, der ausschlaggebende Punkt für meine kritische Haltung. Ich glaube, bin sogar fest davon überzeugt, dass die Baumasse des Humboldforums genügend Möglichkeiten geboten hätte (und bieten würde) das ethnologische Museum und die wichtigsten Raumfolgen des historischen Schlosses zu vereinigen oder mindestens gleichberechtigt zu installieren. Das ist aber nicht gewollt!
    Ich persönlich empfinde solche oder ähnliche Museumskonzepte (inhaltsunabhängig!) als daneben und werde nicht darin flanieren oder ehrfürchtig wandeln, wenn ich weiss welche Raumschöpfungen dadurch verhindert wurden!
    So oder so ähnlich wird es dann aussehen:


    http://www.visualisten.de/wp-c…m_Mesoamerika-480x274.jpg
    http://www.visualisten.de/wp-c…dtforum_Asien-480x274.jpg
    http://www.visualisten.de/wp-c…um_Kuppelraum-480x274.jpg
    http://www.visualisten.de/wp-c…um_Kuppelraum-480x274.jpg
    http://www.visualisten.de/wp-c…dtforum_Palau-480x274.jpg
    http://www.competitionline.com…030614ab099_16384.jpg</a>
    http://www.club-bel-etage.de/images/442t.jpg


    Ein würdiger Rahmen sieht nach meinen Ansichten anders aus...

  • Ich kenne das Ethnologische und Asiatische Museum in Dahlem und schätze sehr deren großartige Sammlungen. Diese sind weltweit herausragend und verdienen es zweifellos aus einem usseligen Vorort-Museum in die Berliner Mitte geholt zu werden. Auch die Ansiedelung dieser Sammlungen im Berliner Schloss möchte ich im Prinzip nicht kritisieren, das Erdgeschoss und erste Obergeschoss hätte hierfür genug Platz geboten. Leider wird aber das nahezu ganze Ethnologische Museum im Bereich der ehemaligen Paradekammern untergebracht (siehe >> Raumplan für das 2.OG), so dass deren Rekonstruktion zukünftig nur noch sehr schwer umzusetzen sein wird. :daumenunten:

  • Das denke ich auch. Leider. Denn selbst nach dem Umzug wird wohl immer noch nicht Platz für die gesamte Sammlung sein. D.h. es wird auch in Zukunft ein beständiger Flächendruck da sein, der im Zeitverlauf eher wächst als sinkt, da die Sammlung ja keineswegs abgeschlossen ist. Dass dann Platz für Rekonstruktionen freigegeben wird, halte ich fast für ausgeschlossen. Einzige Ausnahme wäre die Gigantentreppe und der darüberliegende Schweizersaal, vielleicht als Zugeständnis an die Rekonstruktionsbefürworter. Wenn die Zentralbibliothek ihr "Schaufenster" im ersten Stock dann doch irgendwann einmal räumt, weil das halbgare Konzept nicht aufging - oder womöglich gar nicht erst einzieht, wird sich das ethnologische Museum sich die Flächen sichern. Und dass Räume rekonstruiert werden und sie dann gleichzeitig als Austellungsfläche genutzt werden, wäre weder mit der vorherrschenden politischen Korrektheit noch aus museumsdidaktischen Gründen vorstellbar... oder fehlt mir nur die Fantasie für die pazifischen Boote, asiatischen Buddahs, zentralafrikanischer Kriegermontur etc. unter barocker Stuckdecke? Das Museum wäre schön blöd würde sie das zulassen- die großartigen barocken Raumschöpfungen würden mit den Exponaten in Konkurrenz um die Aufmerksamkeit treten und die Exponate von der unglaublichen Fülle förmlich erschlagen werden. - "Wat? welsche Buddahs? hab ick nich jesehn - aber die Räume sin echt dufte!" - Nicht umsonst kann man die Bezeichnung "kahl" für das Innengestaltungskonzept fast noch als Euphemismus ansehen.


    Quote

    m.E. gab es die Rekonstruktion der Fassaden und der Kuppel nur unter der Prämisse daraus keinen Ort deutscher Identität werden zu lassen.

    Absolut - ob es dann jemals eine Zustimmung unter der rot-grünen Mehrheit im Bundestag gegeben hätte, darf bezweifelt werden - ich glaub ja nicht einmal, dass es eine Zustimmung in einem schwarz-gelben -Bundestag zu einer weit(er)gehenden Rekonstruktion/verändertem Konzept gegeben hätte.
    Dieses halbe Schloss drückt einfach herlich den vorherrschenden Zeitgeist und die Verkrampftheit aus, die ein Teil der Bevölkerung mit der eigenen Geschichte haben - ein echtes Kind unserer Zeit.

  • Ich persönlich empfinde den brutalen Bruch zwischen authentisch rekonstruiertem Äußeren und rein zeitgenössisch gestaltetem Inneren als sehr problematisch. Wenigstens die Treppenhäuser und Teil der Innenräume hätten zumindest in ihrer Kubatur wiederhergestellt werden müssen um sie zu einem späteren Zeitpunkt rekonstruieren zu können. So wie es jetzt kommt, wird eine unnötige Kulissenhaftigkeit erzeugt, die unangenehm auffallen wird.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • In 20 Jahren ist die deutsche Gesellschaft hoffentlich etwas gereift und hat sich besonnen, die eigene Geschichte mehr zu achten und zu verstehen. Dann kann man das Museumskonzept immernoch vom Kopf auf die Füße stellen. Das ist ein Prozess, und es ist verständlich, dass dieser nach 2 vernichtenden Weltkriegen und langer Teilung im letzten Jahrhundert noch lange nicht abgeschlossen ist.

  • So sehe ich das auch.
    Was man langfristig jedoch nicht aus den Augen verlieren sollte ist, was das Schloss eigentlich ausmachte. bzw. wodurch es so bedeutend und besonders war:


    Es besaß zwar eine der bedeutendsten und kunsthandwerklich herausragendsten barocken Raumschöpfungen Europas (eigentlich der Welt, aber das klingt immer so angeberisch), allerdings hat Versailles ähnlich bedeutende Barockräume.


    Auch die Klassizistischen Raumfolgen gehörten zu den bedeutendsten von Deutschland, aber andere rein Klassizistische Schlösser haben das auch.


    Die wirkliche Stärke des Berliner Schlosses war, dass es das reinste Architekturmuseum war! Kein anderes Schloss Weltweit hatte von der Spätgotik, über die Renaissance, den Frühbarock, Barock, Spätbarock, Rococo, Frühklassizismus bis Spätklassizismus bis hin zum späten Historismus alle Stilrichtungen in so qualitativ hochwertiger Ausführung in einem Baukörper "verinnerlicht". Man konnte bei einem Schlossrundgang quasi über ein halbes Jahrtausend Innenraumgestaltung besichtigen, die Entwicklung von der Gotik bis zum Historismus hautnah miterleben.


    Wie schon der Autor aus meinem erwähnten Link schreibt:
    "Today, one goes to Europe to visit museums and peruse great works of art. In the world wonder that was Berlin's noble Stadtschloß, the entire building was an artwork--every column, every ceiling, every statue and painting. "


    Wenn man jetzt nur ein paar Barockräume langfristig rekonstruiert, wäre das unbefriedigend. Langfristig sollte man auch z.B. die Erasmuskapelle (dazu muss nur das häßliche Parkhaus hinter dem Schloss irgendwann mal abgerissen werden;-) und aus jedem Jahrhundet ein, zwei Räume rekonstruieren, damit das Schloss wenigstens wieder die architektonische Zeitspanne überdeckt.

  • Bleibt zu Hoffen, dass ein Umdenken stattfinden wird, Ostflügel, Erasmuskapelle, das wäre zu schön

  • Ich bin überzeugt, dass es eines fernen Tages dieses Umdenken geben wird. In ca. 30 bis 40 Jahren, wenn der Stella Flügel saniert werden muss, wäre die erste große Chance für die Rekonstruktion der Ostseite.


    Aber jetzt muss man erstmal sehen, dass die Fassaden, die Risalite in den Höfen und auch die Kuppel finanziert und fertiggestellt werden.
    Dann, wenn das geschafft ist, fokussieren wir uns auf die Gigantentreppe und den Schweizer Saal darüber. Denn beides sollte in einem rekonstruiert werden, damit man nicht in einem kahlen Raum steht, wenn man die Gigantentreppe hinaufschreitet.


    Das heißt: wieder Spenden sammeln, solange bis mit der Rekonstruktion begonnen werden kann. Spätestens wenn die ersten Innenräume fertiggestellt sind, wird das Verlangen nach weiteren Rekonstruktionen deutlich wachsen. Vielleicht wird man dann den Rittersaal als künstlerrischen Höhepunkt in Angriff nehmen.
    Aber bis es soweit ist, sind wir schon alt und bewahren unsere Zähne nachts in Kukident auf :blink:

  • Die von Aedificium verlinkten Ansichten der künftigen Museumsinterieurs machen deutlich, dass nicht so sehr die Ausstellungsobjekte, welche die Innenräume doninieren werden, als unpassend für das Schloss empfunden werden dürften, dass vielmehr das Design der Räume selbst auf viele Besucher verstörend wirken wird. Da beißt keine Maus einen Faden ab, diese Ausstellungsflächen werden so extrem minimalistisch und collageartig konzipiert sein, als wären sie in irgendeinem zeitgenössischen Museums-Schuhkarton eingebaut, provokant modern und dezidiert gegen die Außengestalt gerichtet. Etwas anderes können und wollen deutsche Designer nicht mehr liefern.


    Aber stellen wir uns mal vor, was eine künftige Generation angemessen finden wird: Museumsräume in der Kubatur der historischen Schlossräume, als Enfilade angeordnet, mit Hohlkehlen, mit Gesimsen versehen, hier und da mit Blattgoldleisten geschmückt, alles teils als Erinnerung an die einstige Pracht verstanden und zugleich als Ansporn, so nach und nach einiges von dem Verlorenen wieder in die Sichtbarkeit zurückzurufen. Ich denke, lange wird die modernistische Obsession deutscher Gestalter nicht mehr vorhalten. Wenn man deutschlandweit in jedem Museumsraum und selbst im Berliner Schloss die immer gleichen "kühnen" Flächenarrangements vorgeführt bekommt, wird irgendwann das große Gähnen anheben, wird der Frust über diesen ewigen gestalterischen Provinzialismus die Museen leeren oder sie zwingen, umzusteuern. Sicher wird Berlin den Anfang machen.

  • Oh, da kennst du aber unsere Architekten nicht ;)

    Form is Function.


    "Fürchte nicht, unmodern gescholten zu werden. Veränderungen der alten Bauweise sind nur dann erlaubt, wenn sie eine Verbesserung bedeuten, sonst aber bleibe beim Alten. Denn die Wahrheit, und sei sie hunderte von Jahren alt, hat mit uns mehr Zusammenhang als die Lüge, die neben uns schreitet."

    Adolf Loos (Ja, genau der.)

  • In der Humboldt-Box gibt es seit ein paar Wochen wohl Modelle der einzelnen Schloss-Etagen und ihrer geplanten Nutzung.
    Ich meine diese Modelle >> http://www.humboldt-forum.de/h…-box/werkstattgespraeche/


    Frage / Bitte an die Berliner Kollegen in diesem Forum:
    Könnte einer von euch mal die Humboldt-Box besuchen und ein paar Fotos der einzelnen Etagen machen und hier hochladen?? Das wäre sehr aufschlussreich! :foto:


    Hier sind schon mal ein paar Bilder des Modells:
    https://stefandraeger.files.wo…14/06/20140601_131949.jpg
    http://www.humboldt-forum.de/h…-box/werkstattgespraeche/
    http://www.dowe-modellbau.de/projekt14.html
    http://microsite.humboldt-forum.de/

  • Habe erst heute wieder die Anfrage gefunden:


    Nun ein paar Fotos von der Humbodt-Box von letzter Woche. Ich beginne mit einer Übersicht, dann folgen die Etagen von oben nach unten:





    Dachgeschoss mit dem Restaurant und den 2 Terrassen zum Lustgarten und zur Schlossbaustelle:













    Die 4. Etage ist für spezielle Veranstaltngen reserviert


    Die 3. Etage mit Ausstellungen zu Sammlungen der Humboldt-Universität, Sitzecken zum Lesen etc:













    Die 2. Etage zeigt die Sammlungen des Völkerkundemuseums und Modelle, wo und wie sie im Humboldtforum gezeigt werden:











    In der 1. Etage befinden sich das Modell der Mitte Berlins rund ums Schloss, alle Angaben zur Rekonstruktion der Fassade und ein Laden:









    Im EG ist der Eingang


    Warum erscheinen plötzlich bereits im Eingabefeld alle Fotos, wenn man zwischenspeichert und die Vorschau aktiviert??? Weiß da jemand was!?

  • ... dachte die Anfrage bezog sich auf die Abbildung der Modellinnenräume...? Trotzdem ein interessanter Einblick in die Humboldtbox! :daumenoben:

  • Besten Dank für die Bilder Spreetunnel! (eigentlich hatte ich nur nach den Etagen-Modellen gefragt) :wink:


    Interessant ist auf jeden Fall schon mal die Erkenntnis über die zukünftige Gestaltung des einst wunderschönen Schweitzer Saals (historische Aufnahme siehe hier und hier).
    Der Schweitzer-Saal-Raum wird - wie man in dem Bild unten gut erkennen kann - in seinen Proportionen wiederhergestellt (auch die dünne fensterreiche Zwischenwand zum Treppenhaus fehlt nicht) und wird vorerst u.a. mit den berühmten Azteken-Monumentalstelen des Ethnologischen Museums bestückt werden.
    Ich hoffe sehr auf eine langfristige Wiederherstellung des Schweitzer Saals, was allerdings vorerst ein sehr utopischer Wunsch sein dürfte, da allein die Wiederherstellung des darunter liegenden Schlüterschen Treppenhauses ca. 20 Mio. Euro kostet. :unsure:



    .

  • Vielen Dank für die tollen Bilder! Gibt es auch eine Aufnahme, die den Zugang von der Treppe zum Schweizer Saal zeigt?! Das würde mich noch interessieren.