Innenräume des Berliner Stadtschlosses

  • Ein knappes Drittel ist ja dann doch noch irgendwie da. Das ist doch schon mal was. Wer weiss vielleicht taucht im Ausland ja noch der ein oder andere Teil auf...Hoffentlich wird nochmal an entscheidender Stelle über die mögliche Wiederkehr von historischen Innenräumen nachgedacht. Wenigstens den Rohbau so erstellen, dass es später nicht unmöglich wird!

  • Ihr vergesst, dass hier nicht das Schloss wiederaufgebaut, sondern ein Humboldtforum erstellt wird, dass für die Kulturen der Welt genutzt wird,


    Es ist keine wirkliche Reko geplant! Leider!

  • Nach der Untersuchung des Kunsthistorikers Hinterkeuser existiert noch etwa ein Drittel der originalen Innenausstattung des Berliner Schlosses. Es wurde seinerzeit ausgelagert bzw. von Russen geraubt und später der DDR zurückgegeben. Diese Menge an Mobiliar feuert die Diskussion an, wie viele Innenräume originalgetreu rekonstruiert werden sollten, damit man die erhaltenen Stücke auch im weitgehend originalen Raumambiente präsentieren kann. Auf diese Weise wird dem Schloss eine "Innentiefe" verliehen, eine ungemeine qualitative Aufwertung.


    http://www.schnell-und-steiner.de/artikel_6669.ahtml

  • Heimdall



    Danke nochmal, daß du mich an dieses Buch erinnert hast; habe ich mir eben bestellt. Wird wohl zum Wochenende da sein und mir den Urlaubsbeginn versüßen :smile: .

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Von Heimdall angesprochene "Innentiefe" für das Schloss, mit den historischen Mobilien, scheint mir sehr wichtig zu sein.


    Ohne Illusionen hinterher rennen zu wollen, glaube ich noch immer, dass wenigstens einige der bedeutendsten Schlossräume wiederhergestellt werden könnten.
    Beispielhaft dafür : Warschau und Dresden.

    Neben den jetzt schon vorgesehenen Exponaten, wäre es selbstverständlich legitim, am angestammten Ort, Teile der ehm. Ausstattung in den dafür zu rekonstruirenden Räumen zu zeigen.

    Damit kann sicher einer gewissen Erwartungshaltung künftiger Besucher entsprochen werden, die hinter der historischen Schlosshülle wenigstens einige Räume mit entsprechenden Ausstattung vorfinden möchten.


    Die erwähnte Publikation ( von Hinterkeuser ), wird möglicher Weise aufzeigen, wo sich Teile der mobilen Schlosssausstattung gegenwärtig befinden.


    Trotz Auslagerung dürften die Verluste an Mobiliar und Kunstgegenständen ungeheuer sein, wenn man berücksichtigt, dass zur eigentlichen Schlossausstattung nach 1918 Teile des Kunstgewerbemuseums kamen, die dann im "Schloßmuseum" eine neue Heimstatt fanden.


    Einige spektakuläre Objekte aus dem Schloss ( u. a. Silberbufett ) sind gegenwärtig im Schloss Köpenick zu sehen.


    Sicher ist es möglich, fehlende Ausstattungsstücke durch annähernd ähnliche, ggf. aus den Depots, zu ergänzen.
    Natürlich sind auch zeitaufwändige, teure Nachschöpfungen fehlender Möbel etc. möglich.
    Im Dresdner Grünen Gewölbe wurde dies praktiziert, als ein verbrannter barocker Tisch ( Juwelenzimmer ) von einem Holzbildhauer in
    ca. 900 Stunden Arbeit kopiert wurde - nach alten Fotos.


    Zur Ergänzung: von der Trophäentruppe der sowjetischen Armee 1945/46 geraubte Objekte ( sog. "Beutekunst" ) sind bei weitem
    n i c h t alle nach hier zurückgekehrt.


    Wertvollste ( nach tausenden zählende ) Stücke werden von der sturen Altstalinistin Antonowa u. a. im Moskauer Puschkin Museum,
    teilweise in nicht zugänglichen Depots, in Geisselhaft gehalten - entgegen allem Völkerrecht !


    1945 sieht man Frau Antonowa, in Uniform, an "vorderster" Front, vor dem Bergpalais in Pillnitz, in dem u. a. eine Sammelstelle für Plünderungsgut aus sächsischen Schlössern eingerichtet war.

    Die Kunsträuber haben sehr wohl ein Gesicht !

  • Die Stücke aus dem Stadtschloss sind ja nicht allesamt Solitäre.


    Gleichwohl war das Stadtschloss mit seiner Ausstattung auch auf eine bestimmte Nutzung festgelegt. Natürlich wird das Humboldtforum eine andere Nutzung bedeuten,

  • Ich habe das Buch bereits vor einiger Zeit gekauft (und gelesen :-)) und kann es nur weiterempfehlen. In seinem Buch stellt Hinterkeuser fest, dass nach momentanem Stand (vielleicht findet man in Zukunft ja noch mehr) wohl fast ein Drittel des Vorkriegsinventars des Stadtschlosses (ca. 400 Objekte aus dem Schlossmuseum und 200 aus den historischen Wohnräumen) noch vorhanden ist. Was das Silber betrifft sind sogar nach 90%, und von den Wandteppichen und-gemälden noch 60% erhalten. Erstaunlich hohe Werte, wie ich finde.


    In seinem Buch propagiert Hinterkeuser übrigens ausführlich den auch von mir und den meisten hier bevorzugten Gedanken, zumindest einige der historischen Schlossräume zu rekonstruieren, um der Fassadenrekonstruktion einen tieferen Sinn zu geben.
    Die Voraussetzungen dafür sind mit der Beibehaltung der Raumkubatur der wichtigsten historischen Räume ja gegeben. Gerne darf es von mir aus für den Anfang auch "bloß" der Rittersaal ( http://www0.artflakes.com/artw…051e5981342a3850e8d26.jpg ) zur Aufstellung des derzeit in Köpenick ausgestellten Silberbuffets sein ;-)

  • Ich meine, die Nutzung als Humboldtforum schließt die Wiedergewinnung einiger Schlossräume keinesfalls aus. Wieso auch ?


    Bei "gutem Willen" wäre das dem Schloss, seinen genialen Architekten gewissermaßen sogar "geschuldet".

    Neben der neuen Funktion als Humboldforum, scheint mir ein Ort der Erinnerungskultur an das historische Schloss durchaus angemessen und sinnhaft.
    Die Schlossfassade allein vermag dieses weiterführende Anliegen nicht zu bewerkstelligen.


    Wie Munichfrank andeutet, könnte am Beginn der Rekonstruktionen z. B. der Rittersaal stehen.

    Ist eine solche Reko einmal gelungen, werden sich Stimmen mehren, die nach MEHR verlangen.


    Es gibt sicher nur Wenige, die sich der rauschhaft - beeindruckenden Pracht dieses Raumes entziehen können.


    UND . . . gehört der Barockstil etwa nicht zu den KULTUREN DER WELT ?

  • Nun aber noch mal: Die Raumfolgen und -dimensionen werden doch nahezu durchgehend eingehalten, sodass eine Rekonstruktion der wichtigsten Innenräume des Schlosses Stück für Stück möglich ist?!

    Ja klar, aber diese Raume (es sind leere Hallen, wo die Beton-Stützen genau an den Stellen der alten Wände stehen, d. h. zu diesen später ergänzt werden könnten) werden erst einmal (und wohl für Jahrzehnte) vollkommen durch die ethnologischen Sammlungen belegt werden.


    Ich schätze dass, die Reko eines einzigen der Paraderäume mind. 6-8 Mio EUR kosten würde (allein die Schlütersche Raumfolge im 2. OG umfasst 12 Räume, d.h. ca. 90 Mio Euro mindestens).


    Als einzige wirklich realistische Räume sehe ich (sogar relativ kurzfristig und darauf sollte man sich konzentrieren) die immens wichtige Gigantentreppe als Hauptzugang (die ist so wichtig wie die Fassaden und der Schlüterhof!) sowie des Hauptsaals, des Rittersaals, zumal dieser mit seinem Motto an den Supraporten: "Die vier Erdteile" ganz politically correct auch wunderbar in das Konzept des ethnogaphischen Museums passen würde (und dieser Saal ist auch der einzige im gesamten neuen Schloss, der auch, wenn ich es recht sehe, in seiner Raumkubatur jetzt schon wieder erlebbar sein wird (also mit vier Wänden an den richtigen Stellen!).
    Leider sind diese beiden Räume definitiv auch die kostspieligsten im gesamten Schloss, ich schätze mit Einzelbaukosten von ca. 10 Mio Euro.


    Dies sind - sorry - die Realitäten.

  • Da werden die armen Berliner und Nicht-Berliner schon gezwungen den Anblick eines aussen weitgehend rekonstruierten Barockbaus zu ertragen und jetzt willst du auch noch Geld für eine Innenreko verschwenden? :wink: Seien wir lieber froh, dass die alte Fassade kommt. Im derzeitigen politischen Klima der Krisen- und anderer Problembewältigung sehen ich nicht die leiseste Chance für eine Innenreko, auch nicht in Teilen. Man ist viel zu sehr multi-kulti-seelig eingestellt, das sieht man ja auch schon an der künftigen Schlossnutzung als "Humboldtforum". Sicher keine schlechte Idee, aber, dass die Geschichte des Schlosses und Preußens keinen Platz darin hat ist doch bedenklich. Ich hätte mir darin auch ein durchaus kritisch-hinterfragendes Preußen-Museeum vorstellen können. Schwerpunkte: Ungünstige Ausgangslage, Aufstieg, Preußische Toleranz, Preußischer Militarismus, der letzendlich in den Untergang führte, Preußens Bedeutung in der europäischen Kunst und, und, und.... Das alles sehr spannend präsentiert in Bild und Multimedia ohne zu verharmlosen oder zu beschönigen und als Krönung aus gewählte Paraderäume. Apropos Kunst: Preußische Baukunst seit dem Mittelalter wäre sicher auch interessant einschließlich eines Klassizisten-Museums: Schadow, Langhans, Gilly, Schinkel... Welch breite Palette würde sich da anbieten! Für Humboldt-museum wäre in diesem Kontext natürlich auch nicht zu verachten.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Sicher keine schlechte Idee, aber, dass die Geschichte des Schlosses und Preußens keinen Platz darin hat ist doch bedenklich.

    Wirklich gar keinen? Oder besteht wenigstens die Chance, dass der Inhalt der Räume im Charlottenburger Schloß, die sich mit dem Stadtschloß befassen - ein paar Möbel und Gegenstände, ein paar Schautafeln mit Informationen sowie ein großes Schloß-Modell - neuen Schloß untergebracht werden?


    Eine Art Schloß-Museum, und sei es auch noch so klein und bescheiden, müsste doch eigentlich irgendwo im Humboldtforum Platz finden - ist nicht sogar im Braunschweiger Einkaufsschloß ein solches enthalten?

  • Die entsprechende Räumlichkeit nennt sich thematisch "Geschichte des Ortes" und befindet sich über den erhaltenen Fundamenten und Kellern.
    Wer weiß, ob nicht der inhaltliche Schwerpunkt auf dem PdR liegen wird à la: "Von der feudalistischen Zwingburg zum zwanglosen Treffpunkt des Volkes" :lockerrot:


    Quote

    Geschichte des Ortes
    Schloss und Schlossplatz blicken auf eine lange, wechselhafte Geschichte zurück. Im Zusammenspiel mit dem „Archäologischen Fenster“ werden in der „Galerie der Geschichte des Ortes“ die Spuren der Vergangenheit im Humboldt-Forum exemplarisch aufgedeckt.
    Im Berliner Schloss residierten brandenburgische Kurfürsten, preußische Könige und deutsche Kaiser. Die Novemberrevolution, die Abdankung des Kaisers 1918, das Schloss als Museum in der Weimarer Republik, die ausgebrannte Kriegsruine, die Sprengung des Schlosses, der Palast der Republik sowie dessen Abriss wegen Asbestbelastung – all diese Ereignisse werden in der Galerie der Geschichte des Ortes nacherzählt. Auch die im Zuge der Ausgrabungen wieder freigelegten Kellerreste werden als „Archäologisches Fenster“ für den Besucher begehbar werden: barocke Kellergewölbe, die ehemalige Wachstube des Schlosskommandanten sowie die Sprenglöcher von der Zerstörung des Schlosses im Jahr 1950 werden zu sehen sein. Auf diese Weise kann der Besucher unmittelbar in die Geschichte des Ortes ‚eintreten’.

    http://www.humboldt-forum.de/humboldt-forum/aufbau/


    Im Faltblatt der SBS-Humbldtforum ist eine Nutzungsübersicht enthalten:
    http://sbs-humboldtforum.de/md…Schloss-Humboldtforum.pdf


    Diese Abbildung macht auch einiges verständlicher und anschaulicher.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)


  • Also wenn die Pläne die tatsächliche Ausführung wiedergeben, und ich mal von den Verzerrungen absehe die unten rechts zweifelsohne vorhanden sind, dann sehen ich die Betonstützen und -mauern mitten im Weissen Saal und in der Bildergalerie bei dieser Fotomontage der historischen und aktuellen Pläne:


    Grundriss Berliner Schloss - Humboldtforum im Vergleich:

    scn_00013bkgx.gif


    und auch mitten im Rittersaal:
    scn_23gkj7y.gif


    also allzu große Hoffnungen braucht man sich nicht machen...

  • Even worse :thumbdown:
    Hast du denn aber auch das richtige Stockwerk erwischt?? Die Schlüterräume befanden sich im 2. OG.
    Dass der Weiße Saal auf jeden Fall nicht kommen soll, war mir klar. Ist ja auch nur ne öde Kiste ausm 19. Jh. :lachen:

  • Even worse :thumbdown:
    Hast du denn aber auch das richtige Stockwerk erwischt?? Die Schlüterräume befanden sich im 2. OG.
    Dass der Weiße Saal auf jeden Fall nicht kommen soll, war mir klar. Ist ja auch nur ne öde Kiste ausm 19. Jh. :lachen:


    ganz blöd bin ich auch nicht :tongue::lachen: ... es sei denn es wäre falsch beschriftet gewesen...
    naja immerhin gabs drei Versionen des Weißen Saales, darunter eine in barocker Form (wobei mir persönlich die zweite am besten gefallen hat) ;)


    Habs für den Grundriss des ersten stock auch noch gemacht:
    scn_000223hj32.gif


    Auch die Schlosskapelle, zu dessen Rippengewölbe im aktuellen "Berliner Extrablatt" des Fördervereins eine Studie veröffentlicht worden ist, mit der Hoffnung es wieder errichten zu können, wird so räumlich schon gar nicht mehr entstehen können.

  • Na, wie soll denn die Schlosskapelle wiederkommen können?
    Anstelle des kurfürstlichen Schlossflügels wird Stellas Spreeriegel entstehen... huh:)
    Dass der Weiße Saal nicht wiederkommen kann, war schon länger klar, dagegen sind sukzessive Errichtungen einzelner Paradekammern, inkl. des Rittersaalls auch zukünftig möglich.




    Dass der Weiße Saal auf jeden Fall nicht kommen soll, war mir klar. Ist ja auch nur ne öde Kiste ausm 19. Jh. :lachen:

    :zungeorange:

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)