Innenräume des Berliner Schlosses

  • Nachdem die Benin Bronzen dran waren, versucht man jetzt sich am Luf Boot sich abzuarbeiten. Bis vor 3 Jahren hat sich keine S.. dafür interessiert. :kopfwand:

    Es wird immer verrückter und ich habe keine Lust mehr, mir das innere des Berliner Schlosses ( Humboldt Forum ), ich schreibe das bewusst in Klammern sich anzusehen.

    Mit dem Begriff in Klammern kann ich absolut nichts anfangen, auch weil die Innenaufnahmen für immer mir den Rest gegeben haben. Es bleibt für mich nur die Erinnerung in Büchern und auf alten Aufnahmen an die alten Schlossräume. Leider



    https://www.zeit.de/2021/20/go…alismus-ethnologie-museum

    ,

  • Ganz ehrlich: je weniger Dritte Welt-Kunst sich im Schloss befindet, desto eher steigen die Chancen auf eine Umnutzung einzelner Räume, die sogar ohne staatliche Subventionen und alleine durch bezahlte Eintritte überleben könnten. Das muss keine Rekonstruktion sein, ein Einzug der Gemäldegalerie oder Bildern aus den Depots aus staatlichen Museen wäre bereits ein enormer Gewinn.

  • Nachdem die Benin Bronzen dran waren, versucht man jetzt sich am Luf Boot sich abzuarbeiten. Bis vor 3 Jahren hat sich keine S.. dafür interessiert. :kopfwand:

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich vor einiger Zeit einen Artikel gelesen habe, der einerseits nicht in Abrede stellte, wie das Boot nach Deutschland kam, der aber auf der anderen Seite sehr gut herausgearbeitet hat, dass das Boot hier im modernen Deutschland am besten aufgehoben ist.
    Das Boot - in seiner Struktur einzigartig und trotzdem fragil würde einen Transport ins heutige Neuguinea nicht unbeschadet überstehen.
    Weiter müsste dort erst ein Museum mit klimatischen Bedingungen zum dauerhaften Erhalt des Bootes gebaut werden.
    Die gesamten pazifischen Inselstaaten haben leider ganz andere Sorgen - nämlich dass vermutlich in den nächsten 100 Jahren die Staatsgebiete versunken sein werden.
    Daher ist es langfristig sinnvoller Exponate dieser Staaten an sicheren Orten unterzubringen.
    UND: wir leben in einem ziemlich reichen Staat dem der Bau eines solchen Museums und damit auch der längerfristige Erhalt dieser Exponate nicht wehtut.
    Das ist den Historikern in Neuguinea ebenfalls bekannt.
    Daher: warum schenkt man solche Exponate nicht einfach zurück und schreibt dran: "Dauerleihgabe".
    Leider weiß ich nicht mehr wo ich diesen Artikel gelesen habe - zumal ich ihm zu diesem Zeitpunkt nicht soo viel Bedeutung beigemessen habe.
    Ich suche mal - eventuell finde ich den Artikel erneut.

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    Nachtrag: vermutlich wäre die Lösung "Dauerleihgabe" zu pragmatisch und würde nicht genügend Stoff liefern um sich aufzuregen. ;)

  • Wahrscheinlich geben deshalb die Briten einfach gar nix zurück. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs völlig ungeniert. Die Briten argumentieren übrigens z.B. ggü. Griechenland auch, dass sie das Recht auf das Original haben, weil es am Originalort bereits zerstört worden wäre und dann niemand die Stücke gehabt hätte.

  • Bis vor 3 Jahren hat sich keine S.. dafür interessiert.

    Es wird immer verrückter

    Nichts daran ist verrückt. Es passt in eine politische Agenda. Es werden Absichten damit verfolgt. So ein Boot ist nur der Aufhänger. Wäre es nicht, würde man etwas anderes finden.


    Daher: warum schenkt man solche Exponate nicht einfach zurück und schreibt dran: "Dauerleihgabe".

    Wer schreibt das dran? Zuerst einmal werden dann die neuen Eigentümer gefragt werden müssen, ob sie das Exponat überhaupt verleihen wollen. Und dann werden die neuen Eigentümer womöglich sagen: "Leihen gerne, aber gegen eine Leihgebühr." Und damit wären wir bei deren Interessen angelangt. :zwinkern:

  • Bankett im weissen Saal des Schlosses zur Hochzeit der einzigen Tochter von Kaiser Wilhelm ll., Victoria Luise mit Ernst August lll. von Hannover am 22.5.1913. Die Hochzeit war 2 Tage später. Am Bankett haben auch die Gattin von Kaiser Wilhelm, Kaiserin Auguste Victoria, der Kronprinz Wilhelm von Preußen, der englische König George V. und der russische Zar Nikolai ll. teilgenommen.

    Es war das letzte Zusammentreffen des europäischen Hochadels vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges.





    Die Reichstagseröffnung am 25.6.1888 im weißen Saal des Schlosses nach der Ernennung des Kaisers Wilhelm ll., gemalt von Anton von Werner im Jahr 1893.


  • Die Innenräume des Schlosses waren einzigartige Kunstwerke höchster Qualität. Von der Renaissance über den Barock / Rokoko, Klassizismus bis zum Historismus war alles enthalten. Es gab sogar einen Raum mit spätgotischem Gewölbe. Somit war das Berliner Schloß das vollständigste Architekturmuseum der Welt.

    Dass viele Räume wieder rekonstruiert werden müssen steht außer Frage. Nicht nur die Barocken Höhepunkte, sondern auch das runde Kabinett von Friedrich II (Er hatte seit Rheinsberg immer runde Bibliotheken), sondern auch bedeutende Klassizistische Räume wie den kleinen Parolesaal und Schinkels Teesalon.

    Die außereuropäischen Ausstellungsstücke, die momentan die Räume belegen, müssen natürlich zurückgegeben werden. Sie wurde brutal geraubt und nach Berlin verschleppt. Die völlig berechtigte Diskussion um die deutsche grausame Kolonialzeit wird erst würdevoll beigelegt werden können, wenn alles zurückgegeben worden ist.

    Deutschland war das Land mit den meisten Kolonien. Alle Deutschen Fürsten hatten aus imperialistischer Großmannssucht weitere Völker unterjocht und versklavt. Wer nicht schnell genug unter der Peitsche arbeiten konnte, dem wurden schlimmstenfalls die Hände abgehackt. Nein Leute. Die Grünen und die Linken haben völlig recht. Kein Land war so grausam wie Deutschland unter der Monarchie. An allen Ausstellungsstücken im Humboldtforum klebt Blut. Wir müssen alles zurückgeben. So schnell wie möglich. Warten die Politiker zu lange, so erscheint der Eindruck, dass die heutige Politik die grausame Kolonialzeit, als Deutschland unter den preußischen Königen und Kaisern die Welt unterjochte und ausbeutete, gut heißt.

  • Aber wenn "kein Land so grausam (war) wie Deutschland unter der Monarchie", dann verbietet es sich aber auch, eben gerade die Symbole dieser Monarchie zu rekonstruieren.


    Satire darf zwar alles, hilft aber dann doch nicht immer bei der Argumentation weiter.


    Können wir nicht einfach einmal die neue Nutzung des Stadtschlosses akzeptieren. Was dort gezeigt wird, ist Weltkultur (nicht nur aus Afrika).


    Selbstverständlich hätte man sich auch eine andere Nutzung vorstellen können, aber diese ist nun einmal das Ergebnis eines Kompromisses, der die Rekonstruktion der Fassaden erst möglich gemacht hat. Diesen durch das lächerlich machen der Sammlungen in Frage zu stellen, ist auf dem gleichen Niveau derer, die den Abriss des Schlosses in 30 Jahren verlangen.

  • Ich könnte mir das Schloß als Mahnmal gegen die Monarchie gut vorstellen. in den rekonstruierten Räumen könnte dann endlich in einem passenden Rahmen die Kolonialzeit aufgearbeitet werden.

    Oh, oh, oh. Da wirst du aber von der konservativen Seite auch schnell Widerspruch finden.

    :wink:

  • Deutschland war das Land mit den meisten Kolonien.

    Das Gegenteil ist eher richtig. Deutschlands Kolonialpolitik im 19. Jh. startete spät und die kolonialen Besitzungen waren im Gegensatz zu Großbritannien, Frankreich oder Spanien dünn gesät. Gleichwohl prägte die Zeit die Länder nachhaltig.


    Kein Land war so grausam wie Deutschland unter der Monarchie.

    Ich halte nichts von solchen Vergleichen. Kolonialpolitik missachtete grundsätzlich Menschenrechte, egal von welcher europäischen Nation die Gewalt ausging. Natürlich hat Deutschland mit dem Genozid an den Herero und Nama in Namibia eine besondere Bürde zu tragen, aber auch die Belgier wüteten im Kongo grausam. Hier muss jedes Land seine Kolonialzeit aufarbeiten, ohne mit dem Finger auf andere zu zeigen. Vielleicht könnte auch ein gesamteuropäischer Ansatz fruchtbar sein.


    Ich könnte mir das Schloß als Mahnmal gegen die Monarchie gut vorstellen.

    Ich nicht. Die Gründe liegen auf der Hand. Zum einen ist das wieder aufgebaute Schloss ein Symbol für die Monarchie, insofern wäre ein Mahnmal paradox. Zum anderen ist eine Monarchie nicht per se verurteilungswürdig. In Europa haben wir zahlreiche Demokratien, die stolz auf ihr Königshaus sind und dieses weitgehend positiv assoziieren. In Deutschland ist die die Beziehung zur Monarchie ambivalent. Das hat historische Gründe: Der letzte Kaiser steuerte das Land in die Katastrophe des ersten Weltkrieges, was zu einem abrupten Ende der Monarchie führte. Hierzulande gab es entsprechend nicht die Möglichkeit, die Entwicklung zu einer repräsentativen Monarchie innerhalb einer parlamentarischen Demokratie zu vollführen.

  • Ich halte nichts von solchen Vergleichen. Kolonialpolitik missachtete grundsätzlich Menschenrechte, egal von welcher europäischen Nation die Gewalt ausging. Natürlich hat Deutschland mit dem Genozid an den Herero und Nama in Namibia eine besondere Bürge zu tragen, aber auch die Belgier wüteten im Kongo grausam. Hier muss jedes Land seine Kolonialzeit aufarbeiten, ohne mit dem Finger auf andere zu zeigen. Vielleicht könnte auch ein gesamteuropäischer Ansatz fruchtbar sein.

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Whataboutism und Hinweise auf Verbrechen anderer Kolonialstaaten funktionieren, zum Glück, nie.

  • Aus der zweiten Hälfte meines obigen Beitrags #381 trieft doch eigentlich die Ironie aus jeder Zeile:cool:

    Was aber nicht heißt, dass ich mir nicht für die außereuropäischen Ausstellungsstücke einen anderen Standort besser vorstellen könnte. Das Schloß würde mit den rekonstruierten Räumen wesentlich mehr Besucher anlocken, als mit den momentanen Ausstellungen. Davon bin ich überzeugt. (Dies war jetzt keine Ironie)

  • Bildvergleich:

    Der Raum unter der Kuppel, aka Schlosskapelle

    Früher

    Heute

    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)

  • Bildvergleich:

    Der Raum unter der Kuppel, aka Schlosskapelle

    Früher

    Heute

    Ich finde es ja teilweise schon spannend alleine die Kubatur und Raumdimension zu empfinden auch wenn die Räume nicht rekonstruiert sind. Aber was ist dort mit der Kuppel - leer oben drüber?


    Gibt es schon Bilder vom Rittersaal? Welchem Ausstellungsbereich gehört der eigentlich an?

  • Aber was ist dort mit der Kuppel - leer oben drüber?

    Ja leider. Ein völlig ungenutzter Raum, der viel Potenzial gehabt hätte, auch ohne eine Reko der Kapelle.

    Hier gibt's Bilder der inneren Kuppel.

    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)

  • Einige historische Räume die vielleicht hier noch nicht gezeigt wurden ?


    Raum 061 Speisezimmer Prinz - Heinrich - Wohnung, Apothekerflügel 1.OG



    Raum 209 kleiner Salon ( Schreibzimmer), Mecklenburgische Wohnung



    Raum 211 Schreibzimmer Mecklenburgische Wohnung



    Aus dem Raum 211 wurde nach Eröffnung des Schlossmuseums 1920, der Raum 41



    Raum 210 Großer Salon, Mecklenburgische Kammern



    Raum 249 Speiseraum Boisiertes Zimmer oder Salon der Petits Apartments ll, später im Schlossmuseum Raum 47



    Raum 290 Empfangszimmer Polnische Kammern



    Raum 291 Schlafzimmer Polnische Kammern



    Raum 523 Prinz - Wilhelm - Zimmer, Wilhelmsche Wohnung




    Raum 522 Toilettenzimmer, Wilhelmsche Wohnung



    Raum 521 Flur Wilhelmsche Wohnung, ein Teil war ehemaliges rotlackiertes Kabinet



    Raum 522 Gästezimmer, Wilhelmsche Wohnung



    Raum 526 kleines Schlafzimmer, Wilhelmsche Wohnung



    Raum 525 Salon ( kleines Empfangszimmer ), Wilhelmsche Wohnung



    Raum 555 Speisesaal ( Spiegelsaal ) Königskammern