Innenräume des Berliner Schlosses

  • Das Thema kaiserliche Toiletten wurde schon mal im Strang "Das lebendige Stadtschloss" behandelt.

    Im Jahre 2004 wurde im Schloss Wernigerode das stille Örtchen von Wilhelm I. entdeckt. Das ein mal zwei Meter große Kämmerchen war im Schloßmuseum Wernigerode hinter einer Holzverkleidung im königlichen Ankleidezimmer versteckt gewesen. Sowohl Kaiser Wilhelm I. wie auch Wilhelm II. waren des öfteren zu Besuch bei den Grafen zu Stollberg-Wernigerode.

    Ein Bild vom gekachelten WC-Schrank hier, fehlt nur noch eine verzierte Kloschüssel von Meißen oder von KPM oder gar aus England, der Wiege des Wasserklosetts, von der Verwandtschaft... :biggrin:

    Gibt es eigentlich eine vollständige Übersicht der Nachnutzung jedes einzelnen Raumes in der Zeit nach der Abdankung bis zur Zerstörung? Vielleicht im Buch "Des Kaisers Nachmieter" von Christian Walther.

  • Einen schönen guten Tag in die Runde..

    Ich bin auf der Suche nach Informationen über den Schweizersaal (Raum 814) im Berliner Schloss.

    In den Ecken des Raumes sind Staturen aufgestellt gewesen, zu unterschiedlichen Zeiten sind anscheinend verschiedene zur Aufstellung gekommen. Leider finde ich weder einen Künstler oder ein halbwegs brauchbares Foto dazu. In den Büchern von Peschken, Geyer etc. werde ich leider auch nicht fündig.

    Desweiteren würde ich mich freuen wenn jemand Informationen über den Bodenbelag hätte. Auf Fotos sieht es mir nach Schachbrett artig verlegtem Holz aus. Ist bekannt oder irgendwo Informationen zu finden, welche Art von Bodenbelag dieser Raum hatte?

    Hintergrund ist eine digitale 3D Rekonstruktion des Giganten Treppenhauses, mit darüber liegendem Schweizer Saales. Bei Interesse ist der Link zu den Bildern dieser Räume angehängt bzw in der Signatur.

    (Da erstes Post von mir in diesem Forum, einen freundlichen Gruß in die Runde)

  • Laut Peschken 1998 handelt es sich um Tafelparkett, dass wohl aus der Zeit Friedrich Wilhelms IV. stammt.

    Hier mal eine Aufnahme, auf der man den Boden hoffentlich besser erkennt.

    Quelle: Peschken 1998, S. 172 (Aufnahme um 1930)

    Ursprünglich nimmt man entweder einfache Dielen oder geschacht verlegte Steinpflaster an.

    Zu den Figuren konnte ich bislang nur so viel herausfinden, dass es sich um „frühwilhelminische“ Marmorgruppen mit erotischen Allegorien handele.

    Meiner Meinung nach befindet sich in der westlichen Ecke (auf dem obigen Bild links) eine Figurengruppe in der Art von Amor und Psyche. Sich zum Kusse zwei Figuren nähernd, zumindest eine mit Flügeln.

    In der östlichen Ecke (an der gegenüberliegenden Schmalseite) befand sich allem Anschein nach eine erwachsene weibliche Figur auf einem Panther reitend, begleitet von einem kleinen Knaben.

    Stilistisch kann ich es leider nicht zuordnen.

  • Hintergrund ist eine digitale 3D Rekonstruktion des Giganten Treppenhauses, mit darüber liegendem Schweizer Saales. Bei Interesse ist der Link zu den Bildern dieser Räume angehängt bzw in der Signatur.

    Herzlich Willkommen im Forum!

    Ich hab mal einen kurzen Blick auf Eure Projektseite geworfen, sieht Klasse aus. Macht neugierig auf das Schlossprojekt. :daumenoben:

  • Herzlichen Dank für das Willkommen.

    @VanWuerzburg ganz besonders.

    Ich habe mir dieses Bild in der grössten Auflösung die ich finden kann genommen und einfach mal Versucht mir das in Photoshop deutlicher zu machen. Demnach wirkt diese Figur auf mich wie ein musizierender Engel auf einem Tier (Wildschwein?) Amor und Psyche wären sicher reizvoller, gibt es da zu deinen hinweisen quellen, wo ich danach suchen könnte? Habe auch gerade nochmals den Guido Hinterkeuser durchgeschaut und leider hat er dazu auch keine weiteren Infos.

    Mit dem Boden finde ich ein interessanter Gedanke das es auch Stein sein könnte. Auf einem nachkolorieren Foto des Raumes hat der Künstler es in Holz gefasst.

  • Es gibt noch eine Fotografie von Lucien Levy um 1910, da steht in dieser Ecke in der Tat eine andere Skulptur.

    Das Bild findet sich bei Kunstkopie und bei akg-images, bei Letzteren kann man kostenlos eine lowres. Version herunterladen und näher betrachten.

    Ich kenne mich in der Ikonografie und Deutung nicht so gut aus, aber ich erkenne einen Löwen, auf dem jemand sitzt und rechts daneben einen Knaben mit Bogen (Amor?). Was sagen unsere Kunstexperten dazu?

  • Mit dem Boden finde ich ein interessanter Gedanke das es auch Stein sein könnte.

    Ein Foto auf Gettyimages zeigt den Bereich vor dem rechten Kachelofen. Der Boden vor der Relieftafel daneben glänzt doch sehr und reflektiert die Reliefs. Würde poliertes Parkett so glänzen oder ist es doch eher Marmorboden?

    Würde man für Holzparkett nicht auch eher filigranere Motive gewählt haben als nur Schachbrettmuster?

  • Ein paar Foto-Updates:

    Die Gigantentreppe ist jetzt komplett gerüstfrei >> Bild

    Wenn ich alte Grundrisse richtig deute, befand sich das Treppenhaus der Gigantentreppe zwischen 4. und 6. Säule (v.l.) und erstreckte sich vom Erdgeschoss bis zum 1. Obergeschoss, von wo es dann einläufig zum 2. Obergeschoss im Vorbau des Schlüterportals zum Schweizersaal führte. Aus den neuen Grundrissen ist zu ersehen, dass sich jetzt genau in dem Bereich der Skulpturensaal mit umlaufender Galerie befindet, der sich vom Erdgeschoss bis zum 1. Obergeschoss erstreckt.

    Der Skulpturensaal in der Simulation

    Quelle: Humboldtforum

    War bauseits jemals Hoffnung auf später mögliche Rekonstruktion der Gigantentreppe gemacht worden oder ist das nur Euer/unser Wunsch?

  • classica

    Der Frage möchte ich mich anschließen und füge ein Ausschnitt von dem Boden in Farbe an, was darauf schließen lässt das es eher auf Holz hindeutet. Mag aber sein das es coleriert wurde.

    Da es nach meiner Kenntnis eher ein Verteiler- bzw Wachraum gewesen ist, würde es mich zumindest nicht enttäuschen wenn der Boden eher einfacher als in den anderen Räumen gehalten war.

  • Leider nichts zu Fußboden und Skulpturen habe ich trotzdem eine kleine Beschreibung des Schweizer Saales gefunden.

    Schweizer Saal, dem ehemaligen Wachzimmer der Schweizer Garde. Als Vorraum einfacher behandelt, zeigt der Saal über niedrigem Sockel eine Teilung durch Pilaster und Wandfelder mit Grisaillemalereien, und zwar in den oberen Feldern grau in grau gemalte Büsten, über den Türen und am Friese des Gebälks Reliefmalereien geschichtlichen Inhalts. Auf dem Gesimse eine gemalte Galerie mit festlich gekleideten Zuschauern, über welcher sich ein perspektivisch gemalter Dachraum mit dem Ausblick in den Äther wölbt. – An den Langseiten zwei Marmorkamine mit modernen Öfen. – Zwei Messingkronleuchter bekannter Form (XXVII. Jahrhundert).

  • Das von Dir gezeigte Bild von ca. 1930 hat die gleiche Perspektive wie jenes von ca. 1910 von Lucien Levy, das ich in meinem Beitrag hier erwähnt habe. Dort könnte es sich in der Tat um "eine erwachsene weibliche Figur auf einem Panther reitend, begleitet von einem kleinen Knaben" handeln, wie Du meinst. Ich denke eher an Löwe und Amor (Bogen). Diese Kombination gibt es in der Darstellung öfter (Liebe bezwingt sogar den starken Löwen).

    Auf der Seite der Gesellschaft Berliner Schloss e.V. (nicht der Förderverein!) gibt es dieses Bild der gegenüberliegenden Schmalfront (sofern es nicht gespiegelt ist), man kann auch schön die beschriebenen Zuschauer auf der Galerie der Deckenbemalung sehen.

    Ich vermute, dass es ebenfalls um 1930 entstanden ist, zu Museumszeiten. Verwunderlich ist doch das Riesenpodest für so eine kleine Skulptur, was der Sockel eher für eine ähnlich große Skulptur wie der auf dem älteren Foto gewesen sein muss. Also wurden die großen Skulpturen wohl irgendwann entfernt und gegen kleinere ausgetauscht. Vielleicht nach der Abdankung verkauft? Übrigens sind die Kronleuchter auch Andere.

    Noch eine kleine Frage: müsste man nicht eher von nördlicher und südlicher Ecke sprechen? Der Saal verlief doch parallel zur heute Ostfassade genannten Stella-Fassade.

  • War bauseits jemals Hoffnung auf später mögliche Rekonstruktion der Gigantentreppe gemacht worden oder ist das nur Euer/unser Wunsch?

    Meiner Erinnerung nach hieß es schon sehr früh, dass die Gigantentreppe sogar eines der ersten Reko-Projekte sein könne, sofern das Geld und der Wille vorhanden sein werden. Ich kann es auf die Schnelle nicht belegen, aber ich meinte das sogar in einem Extra-Blatt zum Schloss vor Jahren schon gelesen zu haben. Aber eben nur meiner Erinnerung nach...

  • Mit seeehr viel Geld und umfangreichen Umbauten am Eingang zum Ostflügel wird es wohl möglich sein.

    Rekonstruktion historischer Innenräume:

    z.Z. ist die Rekonstruktion historischer Innenräume nicht vorgesehen, aber Architekt Franco Stella habe die Innenmaße des Hauses so fortgeschrieben, dass diese später für die meisten kunsthistorisch wertvollen Räume durchaus noch umsetzbar seien. Dies gelte schon jetzt für Schlüters Gigantentreppe, die sofort eingebaut werden könne, wenn dazu das Geld vorhanden sei. Bevor aber die Fassaden nicht vollständig über Spenden finanziert worden seien, sei daran nicht zu denken. Spätere Generationen könnten aber durchaus positiv über den Weiterbau entscheiden.

  • (...)

    In der östlichen Ecke (an der gegenüberliegenden Schmalseite) befand sich allem Anschein nach eine erwachsene weibliche Figur auf einem Panther reitend, begleitet von einem kleinen Knaben.

    Stilistisch kann ich es leider nicht zuordnen.

    Wo kann man denn da ein Foto sehen?

    Ariadne auf dem Panter würde vielleicht passen.

    Eine sehr bekannte Darstellung stammt von Heinrich von Dannecker:

    https://www.liebieghaus.de/de/renaissance…auf-dem-panther

  • Jakob

    Es gibt noch eine Fotografie von Lucien Levy um 1910, da steht in dieser Ecke in der Tat eine andere Skulptur.

    Das Bild findet sich bei Kunstkopie und bei akg-images, bei Letzteren kann man kostenlos eine lowres. Version herunterladen und näher betrachten.

    Ich kenne mich in der Ikonografie und Deutung nicht so gut aus, aber ich erkenne einen Löwen, auf dem jemand sitzt und rechts daneben einen Knaben mit Bogen (Amor?). Was sagen unsere Kunstexperten dazu?

    Könnte es auch ein Löwe sein? Und wenn Ariadne, dann mit Amor?

  • O.k., jetzt gesehen. Und eindeutig ein Mähnenlöwe mit Jüngling rechts. Auf dem Löwen erkenne ich nix, da ist vielleicht auch mein Laptop zu alt. Es dürfte kaum Herkules sein, der den nemeischen Löwen abmurkst,der bräuchte ja nicht noch eine Assistenzfigur.