Innenräume des Berliner Schlosses

  • Ja also ich weiß ja auch nicht.


    Ich habe auch mal Pläne übereinander gelegt und da hat es für das 2. OG gepasst


    Immerhin haben das ja auch alle versprochen, daß nichts verbaut würde und ich weiß, daß Stuhlemmer sehr verantwortungsvoll an die Planung rangegangen ist.


    Und wo haste denn die Neubaupläne her?

  • Na, wie soll denn die Schlosskapelle wiederkommen können?
    Anstelle des kurfürstlichen Schlossflügels wird Stellas Spreeriegel entstehen... huh:)

    gute Frage. Ich zitiere dazu mal aus besagtem Artikel:

    Quote

    [...]
    Bei den Planungen zur zukünftigen Gestaltung der Innenräume des Berliner Schlosses-Humboldtforum sollten daher durhaus auch Überlegungen zur Rekonstruktion des Schlingrippengewöbes in der ehemaligen Erasmuskapelle mit in die Diskussion einbezogen werden, da aus handwerklicher Sicht sowie den Befunden zur histoischen Form ein Wiederaufbau durchaus möglich ist. Zumindest stimmt es hoffnungsvoll, dass die Planung von Franco Stella Architekten die historischen Raummaße wieder aufnimmt, so dass auch künftigen Generationen die Möglichkeit nicht verbaut wird, jederzeit dieses einzigartige Beispiel spätgotischer Wölbkunst zu rekonstruieren.

    Nun hätte ich vermutet, dass vielleicht ein anderer Ort innerhalb des Schlosses gemeint sein könnte, aber es wird ja explizit von den historischen Raummaßen gesprochen, also dem Originalstandort. Fakt ist jedenfalls, dass die Kapelle dort - wenn überhaupt - nur verkürzt rekonstruiert werden könnte. Ich denke der Verfasser hat die Pläne nicht gesehen.


    Dass der Weiße Saal nicht wiederkommen kann, war schon länger klar, dagegen sind sukzessive Errichtungen einzelner Paradekammern, inkl. des Rittersaalls auch zukünftig möglich.


    Also dann Rittersaal mit Betonsäulen in der Mitte?


    Quote from Oktavian


    Und wo haste denn die Neubaupläne her?


    von der Webseite der Stiftung:
    http://sbs-humboldtforum.de/Service/Presse/Pressebilder/
    Kann natürlich auch sein, dass diese Pläne veraltet sind.
    Für den ersten Stock passt es etwas besser...

  • Hm... ja ok... Ich denke Deine Pläne sind die aktuelleren!


    Also ich interpretiere das Ganze so, dass man mit dieser Lösung eben den maximalen Forderungen nach Raum fürs Ethnographische Museum gerecht werden wollte und gleichzeitig eben nur die Betonsäulen, nicht aber massive Wände einreißen müßte, wenn/falls die barocke Raumgruppe doch mal kommt.
    Schreib doch mal 'ne Mail an von Boddien. Er ist sehr freundlich und hilft dir (und uns) da sicher weiter...


    Grüße aus der schönsten Stadt der Welt (zw. Pirna und Meißen)

  • [Ja, das klingt logisch. Ich bin von der Prämisse ausgegangen, dass die Säulen statisch notwendig sind, quasi 'unverrückbar' sind. Wenn sie allerdings flexibel verschiebbar sind, schaut die Sache schon wieder anders aus. Aber bevor hier zu viel spekuliert wird, frag ich tatsächlich mal den Herrn von Boddien.

  • Na ja - jetzt und ohne die tragenden historischen Wände sind sie schon unverzichtbar!
    Ich hatte es mir auch erst anders vorgestellt (also die Säulen nur an den richtigen Stellen), aber deine Pläne sind definitiv die aktuelleren.....

  • In Spiegel-Online ist eine sehr sehenswerte Bilderserie über das Berliner Schloss veröffentlicht worden, in der Fassaden und Innenräume vor und nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg vergleichend gezeigt werden. Es wird deutlich, dass viele Innenräume hätten rekonstruiert werden können! Aber das wollte Genosse Walter Ulbricht nunmal nicht, ein Aufmarschplatz war halt viel schöner für ihn als das Schloss. :weinenstroemen:
    Hier zur Bilderserie: >> http://einestages.spiegel.de/e…ndXXL/a28776/l0/l0/F.html :zeitung:


    Hier ist zu sehen, wie die Innenräume zukünftig aussehen werden:
    http://www.berliner-historisch…12-10-08%20wettbewerb.pdf :augenkrummblau:

    "80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wiederholen Politiker jedes Jahr die Worte 'Nie wieder'. Und nun sehen wir, dass diese Worte wertlos sind." (Wolodymyr Selenskyj)

    Edited once, last by Maecenas ().

  • Traurig wie "wenig zerstört" das Schloss im Verhältnis zu anderen Schlossbauten in Deutschland war. Wenn man da das ausgeglühte Dresdner Schloss vor Augen hat, oder die Münchner oder Würzburger Residenz... Fast alles hätte gerettet werden können. Aber leider, leider...
    Im Schloss gab es neben dem Weißen Saal noch eine Reihe beschädigter aber nicht zerstörter Räume. Warum werden die hier nicht gezeigt?

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • ich finde die Reko ist ein Neubau mit Zitaten, und bin absolut n i c h t begeistert !!!

  • Nee, da kann es einem echt vergehen. Ist fast wie in Braunschweig - schöne Fassade mit Mist dahinter..... :sad:

    "Willst du eine Stadt vernichten, baue Kisten, Kisten, Kisten!"

  • Irgendwo habe ich doch gelesen, dass Boddien eventuell auch ein Plus an Spendengeldern einnehmen könnte, wenn die Sache erst einmal richtig anläuft. Warum dann nicht dieses mögliche Plus gleich für die Wiederherstellung von 1-2 Räumen verwenden? Von welchem Kostenrahmen müsste man denn z.B. bei der Wiederherstellung des Rittersaales ausgehen?

  • @ Heimdall


    Hier ein Zitat dazu von oktavian


    Ich schätze dass, die Reko eines einzigen der Paraderäume mind. 6-8 Mio EUR kosten würde (allein die Schlütersche Raumfolge im 2. OG umfasst 12 Räume, d.h. ca. 90 Mio Euro mindestens).


    Als einzige wirklich realistische Räume sehe ich (sogar relativ kurzfristig und darauf sollte man sich konzentrieren) die immens wichtige Gigantentreppe als Hauptzugang (die ist so wichtig wie die Fassaden und der Schlüterhof!) sowie des Hauptsaals, des Rittersaals, zumal dieser mit seinem Motto an den Supraporten: "Die vier Erdteile" ganz politically correct auch wunderbar in das Konzept des ethnogaphischen Museums passen würde (und dieser Saal ist auch der einzige im gesamten neuen Schloss, der auch, wenn ich es recht sehe, in seiner Raumkubatur jetzt schon wieder erlebbar sein wird (also mit vier Wänden an den richtigen Stellen!).
    Leider sind diese beiden Räume definitiv auch die kostspieligsten im gesamten Schloss, ich schätze mit Einzelbaukosten von ca. 10 Mio Euro.

    APH - am Puls der Zeit

  • Hmm...Also 6 bis 8 Millionen Euro für die Rekonstruktion eines einzigen Paraderaums kommt mir doch irgendwie sehr viel vor. Worauf stützt du denn diese Einschätzung, Oktavian?


    Zum Vergleich: Im Braunschweiger Schloss hat man sieben der herzöglichen Gemächer, etwa 700 Quadratmeter Fläche, originalgetreu rekonstruiert, darunter auch den nicht unbedingt prunklosen Thronsaal. Das hat (samt Einrichtung!) drei Millionen Euro gekostet (Quelle). Das macht im Schnitt knapp eine halbe Million Euro pro Raum (etwa 430.000). Nun waren die Prunkräume im Berliner Stadtschloss ungleich größer und noch einiges prächtiger ausgestattet. Aber dass ihre Rekonstruktion mindestens 16 mal so teuer sein soll wie die der Braunschweiger Schlossräume, kommt mir etwas übertrieben vor.

    Die Welt muss romantisiert werden! - Novalis

  • Hm, na ja ich kenne mich da schon ein bisserl in den denkmalpflegerischen Details aus...


    "Rund 100 Künstler und Handwerker haben auf Basis von Vorarbeiten aus den 1960er Jahren, Fotos und Dokumenten mit Akribie, Hingabe und alten Handwerkstechniken die 1945 zerstörten Räume in ihrer barocken Pracht wieder erschaffen. Der Freistaat Sachsen investierte in neuen und alten Teil des Schatzkammermuseums zusammen rund 45 Millionen Euro"
    hieß es damals zum Grünen Gewölbe (Quelle Dresdner Morgenpost 28.3.2006)
    .
    Man kann davon ausgehen, dass mehr als die Hälfte davon auf das "Historische" fielen: also mindestens 25 Millionen Euro.
    Das Historische Grüne Gewölbe beinhaltet 8 (eigentlich nur 7, da das 8. das winzig kleine und vollständig erhalten gebliebene Eckkabinett im Pretiosensaal ist) historische Räume (die bei weitem nicht so aufwendig sind, wie die in Berlin waren), also pro Raum kommen ca. 4 Mio. Euro in Frage (mindestens!!!)


    Die Räume in Braunschweig waren klassizistsisch (einfache vorgefertigte Profile und Ornamente, keine Skulpturen (!), keine Fresken (!), kein freier Antragsstuck - all dies kam im Berliner Schloss in Masse vor!!!!) und sind bei weitem nicht mit denen in Berlin noch in Dresden vergleichbar.

    Edited 4 times, last by Oktavian ().

  • Stimmt es, dass die Kubatur des Weißen Saals aus Platzgründen beim Wiederaufbau entfällt?

    Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. - Friedrich Schiller -

  • Stimmt es, dass die Kubatur des Weißen Saals aus Platzgründen beim Wiederaufbau entfällt?


    Soviel ich weiß ja....


    Aber selbst wenn man es vorgesehen hätte, würde man diesen Saal des 19. Jhs. wohl erst als Aller-allerletztes wiederbringen angesichts der enormen Verluste an kunsthistorischeh hochbedeutenden Räumen des frühen und späten 18. Jhs. (Schlüter-Enfilade und v. a. die Königskammern von Erdmannsdorf) :crying:

  • Wiederauf-, bzw. einbauen kann man den Weißen Saal trotzdem. Allerdings ist es nicht so einfach wie bei den weiteren Räumen, die ohne versetzen von vorhandenen Wänden ect. rekonstruiert werden können. Für den Weißen Saal müsste man auf jeden Fall die Zwischendecke abreißen.

  • Im Wiener Dorotheum gelangte vor ca. 3 Wochen ein prächtiger Konsolentisch aus dem berliner Stadtschloß zur Versteigerung!


    Allerdings fand das gute Teil keinen Käufer, da der Schätzpreis bei ca. 45.000 € bis 60.000 € lag...wodurch sich der Tisch nun im Nachverkauf befindet! Also, lieber Stadtschloß Verein...jetzt gäbe es noch die Möglichkeit dieses Kunstwerk für die Wiedereinrichtung des Schlosses mit originalem Mobiliar zurück zu erwerben! Wenn jemand Kontakt zu Herrn von Boddien hat?




    Quote


    Dieses in ausgesprochen hoher Qualität und auf den ersten Blick französisch anmutende Möbel ist vollendetes „preussisches“ Ebenisten- Handwerk aus dem ausgehenden 19. Jh.
    In dem von Paul Seidel 1901 herausgegebenen Tafelwerk mit den „Für seine Majestät den deutschen Kaiser angefertigten Kunstmöbeln und Bronzen auf der Pariser Weltausstellung 1900“ ist gegenständlicher Konsoltisch abgebildet und dokumentiert: Holzschnitzerei von Adolf Hoffmann, Vergoldung: Noack und John, Marmorplatte: Wimmel & Cie.


    Das Inventaretikett belegt den Standort der repräsentativen Schlossanlage, nämlich der sog. „Mecklenburgischen Kammern (Wohnung)“. Erst im 19. Jh. ist der Name der „Mecklenburgischen Wohnung“ entstanden; diese wurde im Erdgeschoss Ecke Lustgarten und Schloßfreiheit, z.T. in den „Petits Appartements“, für die Großherzoginmutter von Mecklenburg- Schwerin, Alexandrine, eine Schwester Kaiser Wilhelms I, eingerichtet. Absicht Kaiser Wilhelms II. war es für fürstliche Gäste ausreichend adäquate Wohnräume zu schaffen, die in Form von repräsentativen Wohnungen ausgeführt wurden (1903 – 1905).
    Gegenständlicher Tisch stammt aus dem „Großen Salon“ der damals aus fünf Räumen bestehenden Mecklenburgischen Wohnung.





    Quelle: http://www.dorotheum.com/aukti…7f2ba600d7c5972f4ef8150b3

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Liebe Freunde,


    ich weiß nicht ob Wilhelm von Boddien und sein Förderverein Interesse daran haben in der jetzigen Situation
    einen Tisch aus dem Mobiliar des "ehemaligen Stadtschlosses" zu erwerben. Wir müssen daran denken das
    erstmal das Geld für die Fassade und die Kuppel zusammenkommen muss und da fehlen noch ein paar Euro.


    Der zweite Punkt den man nicht vergessen darf ist das keines der Innenräume des Stadtschlosses rekonstruiert
    werden soll, also müsste man den Tisch dann einlagern bzw. erstmal als "Leihgabe" in ein anderes Schloss oder
    Herrenhaus Berlins unterbringen, und für den Betrag von 45.000 Euro - 60.000 Euro könnte man auch eine
    Figur auf dem Humboldtforum rekonstruieren.


    Aber natürlich kann man die Anfrage an den Förderverein ja stellen, mehr als "NEIN" kann der Förderverein
    uns nicht mitteilen.


    Viele Grüße :cool:

  • Im Hinblick auf die derzeitigen Diskussionen im Hauptstrang (und damit eigentlich falschen) zum Schloss, verweise ich gerne auf die bereits hier dazu bestehenden Beiträge:
    Innenräume des Schlosses



    Dies ist der geplante Grundriss des 2. OG rund um die Nordseite des Schlüterhofs:

    Bildquelle: SBS Humboldforum/Franco Stella


    Auch die Frage der im Grundriss markierten Rundpfeiler, welche mitten durch die Paradekammern laufen hatten wir, glaube ich, schon angesprochen.
    Wenn sie nicht tragend und damit notwendig sind, warum hat man sie dann errichtet?
    Der hier markierte Pfeiler dürfte direkt im Rittersaal-Bereich stehen...


    Hoffentlich stimmt es, dass damit eine spätere Rekonstruktion nicht verunmöglicht wird.


    Denn eine solche Raumschöpfung sollte man der Welt doch nicht vorenthalten?


    Rittersaal nach Osten mit Silberbuffet


    Rittersaal nach Westen mit Thronbaldachin

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)