Kandidaten für "Das hässlichste Gebäude"

  • Von der Kirche finde ich die bunten Mosaikfenster ganz schön. Habe bei Google ein paar Bilder mit den Fenstern aus der Innenraum-Ansicht gefunden:


    http://www.strasse-der-moderne…n_Christine_Krienke-5.jpg


    http://www.strasse-der-moderne…n_Christine_Krienke-1.jpg



    Den Fußboden, den Treppenaufgang zum Altar, die Raumaufteilung, überhaupt das Ambiente des Raumes finde ich ganz gut. Von innen gefällt mir die Kirche besser als von außen, doch möglicherweise steht sie wirklich an einem falschen Ort, wie "Riegel" geschrieben hat. Vielleicht würde sie in ihrer Gesamterscheinung als Solitär an einem anderen Ort mit weniger nachbarlicher Bebauung besser wirken.

  • Ja, ist schlimm. Ist eine der hässlichsten Ecken der Innenstadt. Ich möchte hierzu aber ein wenig erklären. Diese Betonrampe ist der Rest einer alten Verkehrsplanung der 60er/70er-Jahre. Damals ging man von der Separierung von Auto-Schnellstraßen und Fußgängerwegen aus. Auch in Offenbach wurde die Berliner Straße, die durch die Innenstadt führt, ausgebaut und mit mehreren Fußgängerbrücken überspannt, die Geschäftshäuser, jeweils mit Parkhäusern im Erdgeschoss, verbanden. Eine Art 2. Ebenen-Planung. Ähnliches gibt es z.B. noch im Frankfurter Nordwest-Zentrum. Nach dem S-Bahn-Bau kam es in Offenbach zum Umdenken. Die schlimmsten Betonblöcke der Innenstadt wurden abgerissen, vor allem um Platz für den City-Tower zu machen. (Der ist nicht die Krone der Architektur, aber um Längen besser als das, was vorher dort stand.) Ein paar dieser Betonsünden gibt es noch, aber es geht ihnen womöglich in absehbarer Zeit an den Kragen. Auch mehrere der Fußgängerbrücken wurden abgerissen. Was auf "Münchners" Bild zu sehen ist, ist ein Rest mit Abbruchkante, den man nur deshalb stehen gelassen hat, um den wenigen Geschäften im Obergeschoss des angrenzenden City-Centers eine Zuwegung zu belassen. Es ist aber wohl in Zukunft geplant, das Marktplatz-Gebiet neu zu strukturieren. Dazu würde wohl eine bauliche Veränderung des City-Centers und ein Abriss der gezeigten gruseligen Betonrampe gehören.

  • Mit einer Mischung aus Abscheu und einer nekrophilen Faszination für das Morbide und Häßliche ist mir bei meinem noch kindlichen Tallinnbesuch vor 10 Jahren die Stadthalle in Erinnerung geblieben, damals wurde sie noch sporadisch genutzt heute steht sie leer.


    Aztekenpyramide und Brutalismus in einem:


    https://i.ytimg.com/vi/3W4hWG12Pdg/maxresdefault.jpg


    https://upload.wikimedia.org/w…s/d/d2/Linnahall_2006.jpg


    http://www.taevapiltnik.ee/static/body/pildid/pilt_208.jpg


    https://upload.wikimedia.org/w…43/Tallinna_linnahall.jpg


    https://upload.wikimedia.org/w…/77/Tallinn_Linnahall.JPG


    http://f.postimees.ee/f/2012/01/10/908804t54h940b.jpg


    http://www.rosannedubbeld.nl/w…6/Linnahall-Tallinn-3.jpg


    http://g1.nh.ee/images/pix/900…015-purjekad-72638991.jpg


    Und ich muß gestehen, beim Anschauen der Bilder erweckt mich ein Gefühl, daß dem beim durchschreiten antiker Ruinen nicht ganz unähnlich ist. Ähnlich hatte sich Speer für seine Bauten auf wohl eine monumentalistische Ruinenwirkung erhofft wie in Nürnberg ja heute teilweise zu bewundern ist.

    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

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  • Diese Stadthalle ist ja wirklich - einzigartig... Die Treppen erinnern mich an ein Bild von Escher, und die Gesamtanlage könnte auch als Kulisse für einen düsteren SciFi-Film herhalten.

  • Den Fußboden, den Treppenaufgang zum Altar, die Raumaufteilung, überhaupt das Ambiente des Raumes finde ich ganz gut. Von innen gefällt mir die Kirche besser als von außen, doch möglicherweise steht sie wirklich an einem falschen Ort, wie "Riegel" geschrieben hat.

    Das ist meines Erachtens bei Kirchen aus der Nachkriegszeit oft so: von außen wirken sie oft sehr spröde, ja abweisend, aber innen haben die Planer aus wenig viel gemacht. Licht spielt eine große Rolle, die Farbigkeit von Fenstern ist ein großes Thema, und die Raumdispositionen sind oft sehr durchdacht, auch wenn man das nicht sofort bemerkt. Vielleicht ist dieser Gegensatz von innen und außen auch ganz bewußt so gewollt: Religion als Besinnung auf innere Werte, ganz gleich, wie es außen aussieht.

  • Boah, ist die Stadthalle von Tallinn häßlich! Vor allem der ganze Beton! <X
    Die Römer haben doch gezeigt, dass man auch mit Beton schön bauen kann.
    Aber irgendwie ist es auch beruhigend zu wissen, dass es in anderen Ländern auch architektonische Fehlbauten gibt. In solch einem Fall kann man sich ja nur über einen Nachfolgebau freuen... ;)

  • Der Komplex ist stark heruntergekommen. Aber interessant ist der Bau schon. Wirklich eine Mischung aus Azteken-Tempel und Science-Fiction-Dystopie. Man hört regelrecht die Sirenen ertönen, damit die Eloi dort hineinströmen, um von den Morlocks verspeist zu werden oder die Rede des "Großen Bruders" zu hören...
    Für mich ist das, wäre der Bau renoviert bzw. von einer anderen Materialität, nicht das hässlichste Gebäude. Da fiele mir anderes ein. Ein Libeskind-Sapphire zum Beispiel.

  • Gerade habe ich wie jeden Monat die Zeitschrift "deutsches Architektenblatt" aufgenötigt bekommen. Darin wurde dieses Gebäude über den Klee gelobt. Da ich das Gebäude auch vom vorbeifahren kenne, möchte ich es an dieser Stelle mal vorstellen. Es ist ja hier in diesem Strang am besten aufgehoben. :)


    Moderne frist Historie:



    SOP Firmenzentralein Düsseldorf

  • Das sieht für mich danach aus, als habe der Architekt den Altbau unbedingt erhalten müssen (nicht wollen), und er meint nun irgendwie, "das beste" draus gemacht zu haben. Bei solchen Konstrukten ertappe ich mich immer bei dem spontanen Gedanken "dann hätte man's doch auch gleich abreißen können, fertig".

  • Das sieht für mich danach aus, als habe der Architekt den Altbau unbedingt erhalten müssen (nicht wollen), und er meint nun irgendwie, "das beste" draus gemacht zu haben. Bei solchen Konstrukten ertappe ich mich immer bei dem spontanen Gedanken "dann hätte man's doch auch gleich abreißen können, fertig".

    Ja, den Eindruck habe ich auch, vor allem das Erhalten müssen. Das ist kein angemessener Umgang mit historischer Bausubstanz. Da wäre abreißen besser gewesen. Noch besser wäre freilich eine Planung gewesen, die einen angemessenen Umgang mit der historischen Substanz findet. Das ist hier komplett mißlungen. Ich denke, da war der politische Druck wieder mal größer als der bauliche Sachverstand, und der Neubau musste unbedingt genau da hin - "Denken Sie doch an die Arbeitsplätze!" ist dann so ein typischen Scheinargument, damit noch die letzte bauliche Ohrfeige gerechtfertigt ist.

  • Genau denselben Eindruck habe ich auch gehabt. Der Architekt scheint geradezu demonstrieren zu wollen, wie angefressen er darüber war, den Altbau erhalten zu müssen, und hat nun versucht, seinen ganzen Hass und seine ganze Verachtung gegenüber dem Alten deutlich zu machen. Aber er demonstriert damit auch seine Unfähigkeit, mit so einer Planungsaufgabe umzugehen. Er hat es nicht geschafft, etwas Harmonisches zustandezubringen. Ist er selber so besessen von der Moderne, dass er sie um jeden Preis durchsetzen will?

  • Moderne frist Historie

    Das Zitat bringt es auf den Punkt. Die Moderne als gefräßiges Monster, die jede Tradition und jede Schönheit wegmalmt.


    Ich finde es gut, dass der Altbau erhalten geblieben ist. In zwei, drei Jahrzehnten bietet das die Möglichkeit, diesen Neubau wieder abzureißen und die Altbausubstanz freizulegen.


    P.S.: Die Architekten sind übrigens ein Großbüro. Ich denke, die agieren nicht so sehr nach persönlichen Gefühlen wie Hass. Es ist eher Abstumpfung. Eine Aufgabe wird nach dem gelernten Schema F vom Reißbrett erfüllt. Danach wird der Griffel fallen gelassen und man ist nirgendwo angeeckt.
    http://www.sop-architekten.de/team/

  • So einen Schrott sieht man in Sydney an jeder Ecke. Dort findet man oft noch eine vorgeblende viktorianische Fassade, die nur aus dem Erdgeschoß oder bis maximal zum ersten Stock reicht und dahinter ragt die Glasfassade eines Hochhauses empor.