Bielefeld

  • Ich habe bereits das Landesamt für Denkmalpflege in Münster angeschrieben. Demnach hat sich das Amt bereits 1996 mit dem Gebäude beschäftigt, aufgrund der starken Veränderungen in Inneren wurde aber kein Denkmalwert festgestellt. Dies kann ich nicht ganz nachvollziehen, zumal auch Teile eines Gebäudes (Fassade, Portal, Dachwerk etc.) unter Schutz gestellt werden können. Das zeigt ja auch sehr schön das oben genannte Beispiel des ehem. Atrium-Kinos, von dem nur der obere Teil der Fassade erhalten ist. Die Erdgeschosszone wurde derart verändert, dass die ehem. Kinonutzung nicht mehr erkennbar ist. Zudem wurde der eigentliche Kinosaal schon vor vielen Jahren abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Warum der Bau dennoch unter Schutz steht, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Die Rasterfassade ist zwar typisch für die 1950er Jahre, aber keineswegs etwas Besonderes. Es handelt sich lediglich um Dutzendware.


    Es wurde aber eine Stellungnahme an die Stadt Bielefeld geschickt, in der empfohlen wird, die Fassade von Wilhelm Kreis als erhaltenswerte Bausubstanz einzustufen. Mal sehen, was dabei herauskommt. Ich fürchte aber, dass die Würfel längst gefallen sind.

  • Hallo Ravensberger,


    vielen Dank für Deinen Einsatz. Wenn ich hier noch unterstützen kann, gerne - ich muss nur wissen wie. Im Vergleich mit dem Atrium ist diese Entscheidung tatsächlich nicht nachzuvollziehen, zumal das Gloria wesentlich stärker als Kino zu erkennen ist. Eine Resthoffnung bleibt, da in den Obergeschossen Fenster zur Straße bestehen.


    ... vor gut 2 Monaten bin ich dort noch vorbeigelaufen und habe gesehen, dass Benetton dort einen Räumungsverkauf gestartet hat. Ich habe noch gedacht, hauptsache es findet sich schnell ein Nachmieter. Dass mit dem Gebäude so etwas passiert hätte ich nie gedacht.


    Viele Grüße
    Michael

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Aus Bielefeld gibt es Positives zu berichten. Das Bauamt teilt mir Folgendes mit:


    Die Entwürfe wurden in verschiedenen nicht öffentlichen Gremien intensiv diskutiert.


    Das Ergebnis ist eine weitest gehende Rekonstruktion der Originalfassade in der Niedernstraße. Die Umbauten der letzten Jahrzehnte werden zurückgenommen und es wird sicherlich ein attraktives Erscheinungsbild in Anlehnung an den Originalzustand entstehen.


    Die Fassade bleibt also nicht nur erhalten, sondern soll auch noch wiederhergestellt werden! Wer hätte das gedacht?

  • Hallo Ravensberger,


    Ich habe auf meine Anfrage am Donnerstag dieselbe Antwort erhalten. Ich vermute mal, dass bis vor kurzem noch diskutiert wurde. Ein Trost ist die Fassade schon, auch wenn der Kinosaal leider wegfällt.

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    Karl Kraus (1874-1936)

  • Puh, das ist ja ein ganz schöner Eingriff in die Bausubstanz. Klar kann man sagen, die schönen Fassaden bleiben erhalten und der Rest ist ja eh nur aus den 50ern - aber mich erschaudert es, dass einer der besten 50er Jahre-Bauten so wenig Substanzschutz genießt. Bei dem damaligen Bauherren kann ich mir nicht vorstellen, dass das Innere nicht erhaltenswert wäre.

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    Karl Kraus (1874-1936)

  • Angeblich wurde das Gebäude von Mitarbeitern des Landesamtes in Münster eingehend begutachtet. Der historische Gewölbekeller, in dem sich vor dem Krieg ein Feinkostgeschäft befand, existiert leider nicht mehr. Auch sonst scheinen nur wenige ältere Bauteile überliefert zu sein. Leider hat man sich bisher nicht dazu entschließen können, die wirklich tollen Nachkriegsbauten neben dem Battighaus von Paul Griesser, die zu den wenigen wirklich gelungenen Neubauten der unmittelbaren Nachkriegszeit in der Altstadt gehören, unter Schutz zu stellen. Besonders ansehnlich ist die Apotheke am Markt, die ein Beweis dafür ist, wie man mit relativ wenig Aufwand einen altstadtgerechten Bau kreieren kann: Das Haus verfügt über ein steiles, mit roten Ziegeln gedecktes Satteldach, über einen hohen Sockel, ein Portal und Sprossenfenster mit Sandsteinrahmung und der schlichte Dreiecksgiebel erhebt sich über einem profiliertem Gesims. Ich halte die Architektur für äußerst angenehm. Sie fügt sich gut in die Umgebung ein ohne sich aufzudrängen oder anzubiedern und lässt den benachbarten Altbauten (Battig- und Crüwellhaus) den Vortritt.Dabei bleibt sie dennoch als Nachkriegsneubau erkennbar. Unsere heutigen Architekten können sich davon eine dicke Scheibe abschneiden! Das Haus gehört meines Erachtens sofort unter Denkmalschutz gestellt:


    https://media.holidaycheck.com…/images/41/1170729533.jpg


    http://www.docbetge.de/webyep-…1-3-im-BildLarge-6350.jpg



    Der neugotische Vorgängerbau (wohl unter Einbeziehung älterer Bauteile): https://www.bielefeld.de/ftp/b…Klick_2013/01072013_7.jpg

  • Das Haus gehört meines Erachtens sofort unter Denkmalschutz gestellt:

    Dem will ich mich anschließen! Danke Ravensberger, für die Bilder des Apothekenhauses. Ein schlichtes, aber sehr attraktives Gebäude und es wirkt viel älter als die 50er-Jahre. Eigentlich eher wie aus einer viel früheren Epoche... Hoffentlich wird es unter Denkmalschutz gestellt!

  • Eine kleine, aber feine Rekonstruktion gibt es aus der Altstädter Nicolaikirche zu vermelden: Dort wurde eine 1944 zerstörte Marienfigur rekonstruiert, bei welcher nur der Kopf nach der Zerstörung übrigblieb. Ein detailliertes Foto habe ich nicht gefunden.


    Quote

    Nur das Köpfchen der prächtigen Marienfigur fand sich in den Ruinen der 1944 zerstörten Altstädter Nicolaikirche. Jetzt, mehr als 70 Jahre später, wurde die Skulptur rekonstruiert – und ist Mittelpunkt der neuen »Historischen Ecke« in der Kirche.


    Kirchengeschichte mit Köpfchen

    In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.


    Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.

  • Auch wenn die ganz großen Rekonstruktionen noch ausbleiben sind es manchmal auch die kleinen Dinge, über die man sich freuen kann. Schön, dass man sich für eine Rekonstruktion und nicht für eine moderne Ergänzung entschieden hat.

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    Karl Kraus (1874-1936)

  • Da möchte sich wohl jemand von seinen Bauklötzchen billigster Art trennen, die ausschließlich nach Ritter-Sport-Prinzip aufgestapelt werden sollen. Ein schauriges Bauwerk, das da vorgeschlagen wird, ein stadtbildvergiftendes, ein seelenloses.

  • Dieser Vorschlag für die Baulücke neben dem Crüwellhaus ist ja wirklich der absolute Horror! Bloß nicht!!

  • Ich hoffe auch, dass dies lediglich eine Konzeptstudie ist. Dass die Baulücke auf kurz oder lang bebaut wird, ist abzusehen. Vor dem Krieg stand dort ein harmonischer Gründerzeitler, jedoch aus meiner Sicht kein Rekonstruktionskandidat. Ein klassisches, traufständiges (wie der Vorgänger), 3 stöckiges Gebäude mit weißer oder hellgrauer Putzfassade und Sprossenfenster wäre hier aus meiner Sicht das beste. Man möchte schließlich nicht Bielefelds bedeutendstem Baudenkmal die Show stehlen.

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    Karl Kraus (1874-1936)