Potsdam - Speicherstadt und Brauhausberg

  • Das ist irgendwie schade. Denn wenn man schon einen DDR-Bau an dieser Stelle erhalten und einer derartigen Nutzung zuführen wollte, dann hätte es doch wenigstens weitgehend originalgetreu geschehen sollen, um einen authentischen Eindruck der DDR-Moderne zu erhalten.

  • Na,die Begeisterung zu dem neuen Minsk hält sich hier im Forum bis jetzt in Grenzen.Eher etwas Kritik am Bau.Mit der anfänglich überschwänglichen Euphorie pro Minsk tritt jetzt die Ernüchterung ein ?

  • Das Minsk ist ein ca. 95-prozentiger Neubau und jeder Form des Bauschmucks, also der Individualisierung, ist fortgelassen worden. Die Architekten, die sich als "modern" verstehen, haben bei Neubau den Bau so errichte wie sie meinen dass es richtig gewesen wäre, nicht wie es war. Das "neue Misk" ist also ein Bau historisierender Bau, keine Rekonstruktion. Man kann auch sagen: Historismus der Moderne.


    Wenn man sich den "Neubau" so anschaut, wirkt das Gebäude wie ein Bunker. Es hat mit den alten "Minsk" außer die Form nichts mehr gemeinsam. Auch fehlt das Farbenspiel. Das Gebäude hatte mal eine orange Fassade nun, hauptsächlich silber und grau.

  • Jetzt werden lange Gesichter gemacht wo jetzt die Hüllen des "Minsk"gefallen sind.Ist die anfängliche überschwängliche Freude über den "Erhalt" des Minsk mittlerweile etwas verblasst? Fast ganz Potsdam hat erst den möglichen Abriss des Minsk auf schärfste verurteilt und dann bejubelt das ,das Minsk Dank durch Plattner bleibt. Aber wieviel vom Orginal Minsk durch den Umbau am Ende übrig bleibt wurde nicht gesagt.

    Es ist jetzt wie es ist. Freuen wir uns lieber,und sind gespannt auf die Eröffnung eines neuen Potsdamer Museums in architektonischer Anlehnung an das alte Minsk. :smile:

  • Man könnte ja an der "Minsk"-Fassade den Spruch "Ce n'est pas un bâtiment de la RDA" anbringen. Und vor das Gebäude zwei Pappwände mit dem aufgedruckten Rechenzentrum platzieren.

  • Wie heißt eigentlich 'Greenwashing' bezogen auf Architektur?

    Zu behaupten etwas sei ökologisch gebaut obwohl es das nicht nicht ist. Zum Beispiel ein Haus aus (vermeindlich) ökologischem Holz, das bei genauerem Hinsehem
    - ein Fundament und ein Treppenhaus aus Stahlbeton hat,
    - dessen Holz mit Diesel-LkW von Lettland bis Memel sowie von Neu-Mukran auf Rügen bis Berlin gekarrt wurde,
    - deren Diesel-Lkw von Memel bis Mukran mit der Schweröl-Fähre transportiert wurden,
    - zum Schluß zwischen den Holzwänden noch eine Dämmung aus Styropor oder Steinwolle bekommt.
    - Geheizt wird mit einer Stromheizung, die aus Strom gespeist wird, für den Lausitzer Braunkohle verbrannt wird.

  • Ich dachte eher im übertragenen Sinn: Dass man etwas als Reko anpreist und dann so etwas heraus kommt.

    Eine Rekonstruktion ist ja nicht grün, sondern protofaschistoid, mindestens aber reaktionär.

  • Und was das Minsk angeht: "Fake-Reko" oder "Disneyland" trifft's da doch gut. 8o^^

    Nein, in Disneyland wurden keine bestehenden, realen Gebäude kopiert sondern Fantasiebauten errichtet. Hier handelt es sich ja um aus unserer heutigen Sicht "verbesserte" Nachbauten, also um historisierende Gebäude.

  • Nein, in Disneyland wurden keine bestehenden, realen Gebäude kopiert

    Doch, durchaus kopiert man da reale Gebäude. Ich war vor etlichen Jahren mal im Epcot Center von Disney in Florida, da stehen im World Showcase verkleinerte Nachbauten des venezianischen Campanile, von Hafenhäusern des norwegischen Bergen und der Stabkirche Gol, im französischen Pavillon ein Mini-Eiffelturm, usw. usf.
    Ob's im Pariser Disneyland sowas auch gibt entzieht sich meiner Kenntnis.

    Und damit zurück zum eigentlichen Thema. :)

  • Wieviele und welche Potsdamer und Initiativen haben sich denn für das Minsk während seines jahrelangen Verfalls wirklich ernsthaft und intensiv Öffentlichkeitswirksam stark gemacht?

  • Wieviele und welche Potsdamer und Initiativen haben sich denn für das Minsk während seines jahrelangen Verfalls wirklich ernsthaft und intensiv Öffentlichkeitswirksam stark gemacht?

    Mitteschön, Stadtschloßverein, Verein Freies Tor und eigentlich alle Parteien, zuerst allerdings die Sozialisten.

  • Mitteschön, Stadtschloßverein, Verein Freies Tor und eigentlich alle Parteien, zuerst allerdings die Sozialisten.

    Wenn sich all diese Initiativen und vor allen Dingen alle Parteien Potsdams und die Oberste Stadtregierende SPD so sehr für das Minsk so stark gemacht haben,wieso konnte es dann dennoch so viele Jahre bis fast zur Unkentlichkeit vor sich hin gammeln?"

    Ja, wer waren denn nun letzendlich der oder die Schuldigen in der Stadt ,die das Minsk Jahrelang der Natur überließen wenn sich doch die Stadtverantwortlichen Parteien für einen Erhalt des Minsk so sehr einsetzten ? :kopfschuetteln: ?

  • Wenn sich all diese Initiativen und vor allen Dingen alle Parteien Potsdams und die Oberste Stadtregierende SPD so sehr für das Minsk so stark gemacht haben,wieso konnte es dann dennoch so viele Jahre bis fast zur Unkentlichkeit vor sich hin gammeln?"

    Ja, wer waren denn nun letzendlich der oder die Schuldigen in der Stadt ,die das Minsk Jahrelang der Natur überließen wenn sich doch die Stadtverantwortlichen Parteien für einen Erhalt des Minsk so sehr einsetzten ? :kopfschuetteln: ?

    Die Möglichkeit der heutigen Lösung ergab sich erst durch das private Engagement von Hasso Plattner, der den Abriß/Reko zzgl. vier Millionen Euro für die Grünfläche herauslegte. Die Gesamtkosten von über 20 Millionen Euros wären aus dem kommunalen Haushalt nicht zu realisieren gewesen. In wieweit er Teile der Investition durch den geplante Wohnungsbau auf dem westlichen Grundstücksteil neben dem Minsk wieder hereinholt bleibt dahingestellt.

    Hätte es dieses Angabot von privater Seite nicht gegeben wäre der Bau abgebrochen und das Gesamtgrundstück von der stadteigenen Pro Potsdam mit Wohnungen bebaut worden, die ja in Potsdam akut fehlen.

  • Dann wollen wir hoffen, dass Plattner nicht noch sein Herz für Rechenzentrum oder Staudenhof entdeckt. Ein Mäzen wäre wohl das einzige, was diese Bauten noch erhalten könnte...


    Ich war übrigens heute im Minsk. Wirklich schöne Architektur - allerdings sehr klein für ein Museum.

    Mir nicht ersichtlich ist der Zweck der vielen gepflasterten und damit versiegelten Flächen rund um das Gebäude. Rechnet man mit so langen Schlangen?

    Die Treppe und die Bar sind sehr gelungen, das Speisenangebot extravagant (keine Currywurst!) aber gut. Der Blick von der oberen Terrasse auf Potsdam wird durch die hohe und fensterlose Rückwand des "Blu" leider sehr beeinträchtigt; auch das Bahnhofsgebäude steht im Wege und man merkt wieder einmal aufs Neue, dass es mindestens ein Stockwerk zu hoch geworden ist. Darüber aber sieht man aufs schönste den Dreikirchenblick aus Garnisonkirche, Nikolaikirche und Heiliggeistkirche, nebst den kleineren Höhendominanten wie Waisenhaus, katholische Kirche, Rathaus und Belvedere.

    Lächerlich finde ich das Bemühen, dem "Minsk" eine städtebauliche (Zitat der Terrassen von Sanssouci) oder lokalhistorische (beliebtestes Ausflugsziel) Bedeutung anzudichten. Bis auf die Tatsache, dass auch hier verschiedene Ebenen mit Treppen verbunden sind, gibt es keine Gemeinsamkeiten mit dem Sommerschloss Friedrichs II. Und alle Alt-Potsdamer, mit denen ich über das Minsk sprach, sagten "da bekam man nur mit Beziehungen einen Tisch" - mit anderen Worten: es ist ein Sehnsuchtsort nur für die ehemalige SED-Nomenklatura, das einfache Volk kannte dieses Restaurant nur von außen.

    Aber auch ohne dieses Klimbim war es gut und richtig, diesen Bau zu retten oder, wie Konstantindegeer sagt, nachzuempfinden. Im Gegensatz zu anderen Bauten der "Ostmoderne" beeinträchtigt er das barocke Stadtbild nicht, er ist gute Architektur, und mit der Plattner-Kunstsammlung hat er einen sinnvollen Zweck gefunden. Eine Potsdamer Geschichte mit Happy end!

  • allerdings sehr klein für ein Museum.

    H.Plattner hat einmal gesagt, als er sich entschloß das Minsk zu einem Museum zu nutzen,das er es gern etwas größer ausbauen würde.Aber es wurde von den Minskerhaltern nur der Erhalt der orginalen Raumgröße gefordert. Also keine Aufstockung und keine Anbauten am Bestandsbau. Ein weniger finanziell gut bemittelter Investor hätte das Minsk unter diesen strengen Bedingungen und Vorgaben nicht wirtschaftlich betreiben können.Ob die jetzige kleine Nutzfläche für Plattner wirtschaftlich rentabel ist ????

    Dem Besucher des Museums sollte dies aber alles egal sein.