Wien - Historismus in Wien (Galerie)

  • @Ursus-
    Yes, one of my great pleasures is to walk through the streets of
    a city and to find unexpected surprises-and in Vienna you have a lot to discover! Neubau and Josephstadt are for me main sights to explore.. By the way, what is with the Maria Treu Kirche? Is it always closed?! :augenrollen:

  • nicht immer aber leider recht oft. Soweit ich mich erinnere (komme leider recht selten dorthin, immerhin eine meiner Lieblingskirchen): recht unangenehme Öffnungszeiten.
    Übrigens ist das Thema gar nicht so verfehlt hier, stellt doch die Fassade ein Beispiel einer guten historistischen Überformung dar - sie gehört eigentlich in diesen Strang. :idee:
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:MariaTreu070909b.jpg&filetimestamp=20071014190728\r
    de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 1014190728
    wer s nicht glaubt, siehe Bild ganz unten:
    http://www.planet-vienna.com/SPOTS/Piaristenkirche/piaristenkirche.htm\r
    http://www.planet-vienna.com/SPOTS/Piar ... kirche.htm

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Die Wieden zählt im Bereich der Argentinierstraße unterhalt des Elisabethplatzes nicht zu den städtebaulich ansprechenden Gegenden, hat aber eine Reihe interessanter Palais hervorgebracht, denen in ihrer zurückhaltenden Art für mich auf eigenartige Weise ein gewisses potsdamsches Element innewohnt. Hier werden einige gezeigt:


    Die Palais der nur einseitig bebauten Theresianumgasse:

    Namen sind mir hier Schall und Rauch...

    sehr römisch anmutend, leider nicht mehr steinsichtig:

    das hier blieb steinsichtig:

    weiteres steinsichtiges Beispiel an der Ecke zur Argentinierstraße:

    Hier rechts zu sehen. Die Argentinierstraße läuft auf die Elisabethkirche zu, die Zentrum eines geschlossenen historistischen Platzes ist, dem allerdings keine besondere Bedeutung zukommt. Links der Erker eines weiteren schönen Palazzos...:

    ... dessen Fassade zur Argentinierstraße hin allerdings eher schlicht gehalten ist:

    Wir gehen die Argentinierstraße hinunter, also stadteinwärts. Sie ist immer noch gesäumt von einer Fülle schöner Palais, jedoch ist der städtebauliche Wert dieses Viertels zu spät erkannt worden, weshalb ihm Abrisse und brutale Bausünden sehr zusetzten. Da braucht man gar nicht über die alte Bundesrepublik zu schimpfen, hier sieht es wirklich furchtbar aus, wie auch Gil schon angedeutet hat.
    Prager Vorbild?:

    Leider wird es um diese Jahreszeit schon sehr bald dunkel.

    Die (von der Innenstadt gesehen) linke Seite der unteren Argentinierstraße blieb gut erhalten:

    War nur ein kleiner Weihnachtsgruß an alle Historismusfreunde, der Besichtigungsrundgang durch das Argentinierstraßenviertel wie auch durch die ganze Wieden (die weit schönere Teile zu bieten hat!) wird irgendwann fortgesetzt.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Hier zur Abwechslung mal ein Beispiel für eine völlig verunglückte, unproportionierte Fassade. Was soll dies sein? Ein läppischer Ehrenhof oder eine zu großgewordener Terasse?
    Immerhin ging dieses dieses Anwesen ein wenig in die Musikgeschichte ein, weil ein bekannter Musiker hier seine letzten Tage verlebt hatte und auch gestorben ist .

    Diese schräge Gartenvilla trägt den Namen 'Bellevue', weil man von den hiesigen vorstädtischen Höhen einen hübschen Ausblick auf die entfernte Innere Stadt hat, wenngleich dieser heute auch nicht mehr das ist, was er mal war...
    Aber auch in Dresden ist der Ausblick schöner als das gleichnamige Gebäude...

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
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  • Nun, ich dachte denn doch, dass außer unserem wackeren Exilanten, der nebstbei bemerkt ein erstaunliches Erinnerungsvermögen an seine alte Heimat aufzuweisen scheint, irgendjemandem irgendetwas zu dieser seltsamen Gartenvilla einfallen müsste...

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
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  • Wenn du dies auch tatsächlich sagtest, würde ich sagen, dass du recht hast.
    Abgesehen von dir (und natürlich auch zuvor exilwiener) scheint dies offenbar niemand erkannt zu haben.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
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  • Natürlich habe ich das Obere Belvedere auch erkannt.... mir gefällt es trotz der missglückten Proportionen ausgesprochen gut. :zwinkern:

  • natürlich ist auch die Schmalseite alles andere missglückt, vor allem aus der Schrägsicht mit ihren Überschneidungen, am besten aus einer gewissen Distanz besehen.
    Um die hier gezeigte etwas derartig skurrile Sicht muss man sich schon bemühen :zwinkern:

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
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  • Hier ein interessanter Vergleich Wien- Berlin:




    Palais Borsig (Berlin, Voßstraße 1-Ecke Wilhelmstraße), um 1881
    Quelle: http://www.wikipedia.de



    Palais Wessely in Wien IV, Argentinierstraße, ca 15 Jahre später erbaut (Fellner und Helmer).


    Mir sind die Wiedner Palais ohnehin als Fremdkörper im Wr Historismus erschienen, ich hab sie auch oben als 'potsdamsch' bezeichnet.
    Hier zeigt sich mE eindeutig, dass tatsächlich eine starke Berliner Beeinflussung vorlag.
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Palais_Wessely-Argentinierstra%C3%9Fe_23.JPG&filetimestamp=20090304165130\r
    de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 0304165130

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
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  • Das Palais Hoyos ist, wie vom exilanten mitgeteilt, mittlerweile fertig geworden:

    mE einer der schönsten Historismusbauten Wiens, ach was, überhaupt, kein Wunder, stammt ja von Otto Wagner.


    Jetzt zurück in den IV. Bezirk, die Schwindgasse verbindet die Prinz-Eugen-Straße (dhd hier noch Schwarzenbergplatz) mit der Argentinierstraße.

    Oben ist sie auf ihrer ganzen Länge zu sehen. Während die Arg- und die. P.E. Straße bedeutende Palaisbauten aufweisen, jedoch eher zerrüttet erscheinen,

    ...ist die Schwindgasse ohne außergewöhnliche Einzelleistungen ein perfekt erhaltener Straßenraum,

    Musterbeispiel einer originär historistischen Neuanlage.

    Hier geht der Blick zum SchwBPl.

    ...hier zum Palais V.z.Falkenstein.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Palais_Vrints_zu_Falkenstein\r
    de.wikipedia.org/wiki/Palais_Vri ... alkenstein

    So ist das Palais wenigsten von der Schwindgasse aus in adäquatem Ensemble wahrnehmbar, nachdem das benachbarte Palais Wittgenstein der Nachkriegszeit zum Opfer gefallen war.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Palais_Wittgenstein\r
    de.wikipedia.org/wiki/Palais_Wittgenstein
    Photos und der heutige skandalöse Zustand:
    http://www.planet-vienna.com/SPOTS/Palais/wittgenstein/wittgenstein.htm\r
    http://www.planet-vienna.com/SPOTS/Pala ... nstein.htm

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ja, der Wagner-Bau ist wirklich sehr lieblich. Und ja, der heutige Ersatz für das Palais Wittgenstein ist wirklich skandalös. Da kann eine Veränderung fast nur Verbesserung bringen.

  • Im bevorstehenden Spaziergang durch Alt- Wieden werden wir uns mit den Glanz- und Schattenseiten des Wr Historismus auseinandersetzen müssen.
    Dazu wird es auch erforderlich sein, etwas auf den Vorbestand einzugehen.
    Hier das berühmteste Wiedner Bauwerk aus weniger bekannter Perspektive:

    an und für sich muss es als Schnapsidee angesehen werden, die prächtige Karlskirche auf grüner Wiese zu errichten (sie war lediglich als Huldigung irgendeines Koals, Nummer wurscht, zur Fernsicht von der Hofburg aus errichtet worden).
    Erst im Historismus wurde die dahinterliegenden Flächen der nordwestlichen Wieden bebaut.
    Im Bereich Argentinierstraße-Kreuzherrengasse ist die Integration der Karlskirche durchwegs passabel geglückt:

    Anders am eigentlichen Karlsplatz, wo Otto Wagners weitsichtige Bebauungspläne nicht umgesetzt wurden, und der zur viel zu weiten, uferlosen Leerfläche geriet - ein schweres Versäumnis der historistischen Stadtplanung. Während vergleichbare, jedoch architektonisch idR weniger bedeutende Kirchen in Berlin und Potsdam eine städtebaulich tragende Funktion erhielten, dümpelt die Karlskirche in der Ecke einer Brache so vor sich hin.
    Folgende Aufnahmen beschönigen das Bild sehr stark, geben dem Karlsplatz so etwas wie ein Potsdamsches Gepräge:

    allerdings ist die technische Hochschule ncoh biedermeierlich, die benachbarte evangelische Schule jedoch schon typischer Historismus:

    Immerhin blieb der Fernblick auf die Karlskirche gewahrt, worauf es den Stadtplanern immerhin ankam.


    ein völlig anders Bild ergibt das Zentrum Alt-Wiedens:

    die Paulanerkirche, als frühbarocker Bau ein Unicat in der Wr Vorstadt, an der Wiedner Hauptstraße. Wieden wurde nahezu vollständig historistisch überformt, lediglich dort, wo man es am wenigsten erwartete, an der Wiedner Hauptstraße, blieb die alte biedermeierliche Bebauung ziemlich geschlossen erhalten und bietet, gesäumt von Alleebäumen, ein sehr freundlich, wenngleich architektonisch eher belangloses Bild.
    IN den umliegenden Gasse ändert sich das schlagartig, wie hier zu sehen(Schleifmühlgasse):

    Hier ein typisches, wenig gewinnendes Bild einer Wiener Vorstadtstraße (Margarethenstraße):

    Kein Grün, enge Wirkung durch viel zu hohe Bebauung, durch die Beibehaltung der alten biedermeierlichen Straßenflucht ein unorganisches, chaotisches Bild. Man spürt förmlich den Hauch des Ostens oder gar des Balkans. Ich denke, für Ästheten wie zeno ein Stadtteil zum Abgewöhnen.
    Die einzelenen Häuser sind durchaus aufwändig, aber den Raumverhältnissen nicht angepasst:

    Das Schikaneder-Kino, dessen Monumentalität sich erst in der noch engeren Schikanedergasse vollends (negativ) auswirkt:



    Dennoch strotzt das Kretzl geradezu vor einzelnen Prachtbauten, die teilweise in völlig geschlossenem Zusammenhang erhalten geblieben sind.
    Schleifmühlgasse, mittig das erste Turnerhaus Wiens:

    Schikanederhof in der Schikanedergasse:

    Fassade Mühlgasse:

    Der größte Schwachsinn ist die Mühlgasse, benannt, wie die '-mühl-' beinhaltenden Nebengassen, nach einem ehem. Nebenarm des Wienflusses, eben der Mühl, welcher wiederum nach diversen, an ihm liegenden Mühlen benannt wurde.
    Diese Mühlgasse ist geschlossen erhalten geblieben, teilweise mit (wenig gewinnendem) Vorbestand, vorwiegende jedoch mit historistischen Prachtbauten, die in der Enge der Gasse viel zu wenig zur Geltung kommen.
    Der Namen dieses Palais fällt mir momentan nicht ein. Man beachte die Reste der (mickrigen) Vorbebauung links -für solche Häuser war die Gasse disponiert (!):

    Hier kommt durch Enge und Unregelmßigkeit fast Altstadt-Stimmung auf:

    Höhepunkt ist das herrliche, unmittelbar anschließende Palais Ehrbar:

    Klavierfabrikant war er, der Ehrbar Fritz, wie man liest:

    kaum zu photographieren, das Biest:

    Auch das Nachbarhaus ist nicht uninteressant:

    7-Geschosser sind keine Seltenheit:


    Mündung der Schleifmühlgasse in das Wiental - historistische Pracht -(rechts)

    - und ihr Preis (links):

    wobei man über letzteren hier in der Wieden durchaus diskutieren darf.
    Gewichtiger ist mE das teilweise nicht zu übersehende stadtbildgestalterische Versagen des Historismus. Anders als an der Ringstraße, bei der Glacisbebauung ua ist es hier einfach nicht gelungen, einen befriedigenden Stadtraum zu schaffen, was besonders im Wiental eklatant wird. Hier hätte um den Fluss eine Prachtbabauung ohnegleichen erfolgen sollen, die sich von der Hofburg bis nach Schönbrunn erstrecken sollte, was aber am Desinteresse des berüchtigt weitsichtigen Hofes scheiterte. So blieb es beim Stückwerk. Hier stören heute die Rudimente der schäbigen Vorbebauung (oben gezeigtes Haus ist damit natürlich nicht gemeint!) erheblich.
    Dazu wäre mE eine Unterteilung des 'unendlichen' Uferbereiches in einzelne Plätze vorteilhaft gewesen.

    Naschmarktbereich:

    trotz langer intakter Zeilen wie dieser ergibt sich kein befriedigendes Gesamtbild:

    Hier ist mal eine künftige, fortschrittlichere Stadtplanung als wir sie heute haben, gefragt. Statt - reparatur Stadtbildvollendung sozusagen.
    wir aber begeben uns durch Heumühl- und Waaggasse zurück ins Wiedner Zentrum.
    Die sehr hübsche Heumühlgasse versprüht durch ihre Gewundenheit regelrechten Altstadtcharme, nicht zuletzt durch die moderate Bebauungshöhe.

    auch schöne Pallais wird es zu sehen geben, demnächst mehr.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Danke für die Bilder, eine kleine Anmerkung:


    ist die Paulanerkirche wirklich die einzige frühbarocke Kirche der Wr. Vorstadt? Was ist mit der Servitenkirche?


    Ansonsten kann ich deine Ansichten teilen, allerdings mit dem Einwand, dass ich den von dir kritisierten Stadtraum liebe, also diese viel zu engen und hohen Straßenfluchten. Wien versucht nicht, zu gefallen, buhlt nicht um Gunst, weil es die Stadt einfach nicht notwendig hat!

    "Ich denke an Wien, so wie Sie an Brüder, an Freunde denken, die jetzt an der Front sind. Nun sind sie fern von Ihnen und Sie wissen sie in Gefahr, ohne ihnen beistehen, ohne diese Gefahr teilen zu können" - Stefan Zweig 1940

  • Kleist
    ad Servitenkirche:
    ja, das stimmt eigentlich, ist mir aber nicht so rätselhaft- schließlich lag die Servitenkirche weit außerhalb, wohl aus dem Schussfeld der Inneren Stadt.
    Anders die weit näher zum Zentrum gelegene Paulanerkirche, die zweifellos den Türken zum Verschanzen dienen konnte. Ich dachte, die gesamte Vorstadt wäre restlos abgebrochen worden?

    Quote

    Wien versucht nicht, zu gefallen, buhlt nicht um Gunst


    Das kann man laut sagen. Es gibt wohl keine zweite Stadt, die ihre Schönheiten so versteckt. Hier in Wieden kömmt s mir allerdings etwas übertrieben vor, stellenweise zumindest. Das stark verwinkelte Stadtbild ist viel unrunder als im III., VII., VIII oder IX., die allesamt noblicher wirken.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Hmmm, das Rätsel um die Servitenkirche. Immerhin lag sie in relativer Nähe der Türkenschanze, sie wurde sogar stark beschädigt, aber offensichtlich hat man sich gegen einen Neubau entschieden. Gut so, denn heute stellt sie das einzige Überbleibsel aus dem Vorhistorismus am Servitenplatz dar, der mir aber gut gefällt, recht harmonisch.


    Ad Wiener Stadtraum:


    2 Vergleichsbilder aus meiner Gegend, zuerst die sehr noble Porzellangasse, wo der Historismus durchaus seine Stärken entfaltet und die tollen Fassaden gut zur Geltung kommen:



    Und hier die unmittelbar benachbarte Liechtensteinstraße, die eng und eigentlich unansehnlich ist. Man beachte die beiden vorhistoristischen Häuser (links angeschnitten von 1781, rechts weiter hinten von 1820). Daran erkennt man gut, dass die Straßenflucht ursprünglich noch enger war. Im Historismus hat man sie allerdings nur unwesentlich verbreitert und mit viel zu hohen Fassaden ausgestattet. In der Liechtensteinstraße findet man übrigens auch 7-Geschoßer, sogar viele.


    "Ich denke an Wien, so wie Sie an Brüder, an Freunde denken, die jetzt an der Front sind. Nun sind sie fern von Ihnen und Sie wissen sie in Gefahr, ohne ihnen beistehen, ohne diese Gefahr teilen zu können" - Stefan Zweig 1940

  • Kleist
    selbst die Liechtensteinstraße sieht viel freundlicher und heller als die verwinkelte Wieden aus...
    Ansonsten veranschaulichen deine Bilder gut das von mir Gemeinte.
    Zeno

    Quote

    Also langsam gefällt mir dieses Wien


    Wenngleich das hier natürlich kein Antihistorismusstrang sein soll, muss ich schon sagen, dass mich das von dir just an dieser Stelle überrascht.
    Zum Haus LWZ 15:
    Aber das ist doch normaler Vorstadtstandard. Solche Häuser gibt s zwar nicht mehr gerade massenweise, aber immer noch recht gehäuft, vgl Bilder vom Spittelberg oder Landstraße.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Hier mal ein etwas grotesker Vergleich Historismus-Rokoko:


    Palais Hoyos versus Haus Damski, Wien gegen Thorn.
    Ich finde, die Runde geht klar an Otto Wagner.



    "Altstadtflair" in der Heumühlgasse:





    Wieder auf der Margaretehnstraße:

    Die 'geteilte' Freundgasse:

    Prächtige Potsdamsche Palaiszeile in der Waaggasse (die Namen erspare ich uns):

    Backstein, Stuck, Sgrafitti:

    Schade, dass man das alles nicht ganz einfach nach Potsdam translozieren kann, dort bräuchte man dies dringender als hier in der tiefsten, unscheinbaren Vorstadt:

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Quote from "ursus carpaticus"



    Was ist das da rechts angeschnitten für ein eigenartiger Bau? Die Fenster deuten auf 50er Jahre hin, ebenso die eigenartige Dachterrasse, aber der Eingang eher auf Vorkriegszeit. Ist das unter Umständen ein Kriegsschaden, wo über dem erhalten gebliebenen Erdgeschoß einfach die Stockwerke aufgesetzt wurden? Ähnliches gibt es ja auch am neuen Markt. Hast du davon noch ein Bild, bzw. welche Nr. ist das?


    ad Vergleich: genial, ich seh´s nicht so eindeutig wie du, wenngleich speziell das Erdgeschoß bei Wagner viel besser gelungen ist (das ist bei dem Rokoko-Haus direkt abstoßend)!

    "Ich denke an Wien, so wie Sie an Brüder, an Freunde denken, die jetzt an der Front sind. Nun sind sie fern von Ihnen und Sie wissen sie in Gefahr, ohne ihnen beistehen, ohne diese Gefahr teilen zu können" - Stefan Zweig 1940