• Tja, ich denke Magdeburg ist wohl für unser Anliegen ein ziemlich verlorener Posten. Man kann nur hoffen, dass die zukünftige Architektur dort ein besseres Niveau erreicht als in so viel anderen deutschen Städten. Ich finde das Hundertwasser Haus beispielsweise sehr kreativ.

    Ich tue mich immer schwer, von verlorenen Posten zu sprechen. Ich würde eher sagen, dass andere Städte schon bedeutend weiter sind als Magdeburg, was unsere Anliegen anbelangt.
    Deswegen sind hier in Magdeburg erstmal die Hauptaufgaben die Bürger für die Fehler der Stadtplanung und der Architekten zu sensibilisieren, Leute zu vernetzen und bürgerschaftliches Engagement zu stärken. Wir arbeiten sozusagen mit Hochdruck an den Basics ;)

  • Das ist genau der richtige Ansatz, MagdeburgerKind! Kein Ort kann für uns als verloren gelten, der noch engagierte Bürger mit Gespür für Historie und Stadtbild hervorbringt, wie du einer bist.


    Diese nötige "Bewusstseinserweiterung" ist ein mitunter jahrelanger Prozess, doch ich denke, dieser ist in Magdeburg u.a. durch die breit diskutierte Initiative für die Ulrichskirche bereits weiter als in vielen anderen Großstädten, z.B. im Ruhrgebiet oder in Stuttgart.


    Steckst du eigentlich auch hinter der Facebookseite Magdeburg - ein verlorenes Stadtbild? Die hat immerhin über 9000 Abonennten, das ist schon eine sehr ordentliche Reichweite und gute Basis für den Stadtbild OV Magdeburg.


    Und man bedenke noch jeweils die Seiten Zeitreisen Magdeburg und Vergessenes Magdeburg mit jeweils deutlich über 20.000 Abonennten!

  • Das ist genau der richtige Ansatz, MagdeburgerKind! Kein Ort kann für uns als verloren gelten, der noch engagierte Bürger mit Gespür für Historie und Stadtbild hervorbringt, wie du einer bist.


    Diese nötige "Bewusstseinserweiterung" ist ein mitunter jahrelanger Prozess, doch ich denke, dieser ist in Magdeburg u.a. durch die breit diskutierte Initiative für die Ulrichskirche bereits weiter als in vielen anderen Großstädten, z.B. im Ruhrgebiet oder in Stuttgart.


    Steckst du eigentlich auch hinter der Facebookseite Magdeburg - ein verlorenes Stadtbild? Die hat immerhin über 9000 Abonennten, das ist schon eine sehr ordentliche Reichweite und gute Basis für den Stadtbild OV

    Magdeburg.

    Du hast absolut Recht!


    Nein, das bin ich nicht. Aber mir bringt die Seite viel, da ich in den Kommentaren viele Menschen erreiche.

  • Ich habe es ja bereits mal geschrieben und sage es nochmal: Magdeburg hat eigentlich das schlimmste Schicksal aller deutschen Großstädte hinter sich. Nicht nur, dass das Erbe fast vollständig ausgelöscht wurde, es ist mittlerweile auch irgendwie vergessen.
    In Dresden erinnert man sich zumindest noch an die einstige Stadt und es ist grade diese Erinnerung, dieser Schmerz, der ja auch zu den Rekonstruktionen geführt hat.
    Aber in Magdeburg erinnert irgendwie nichts mehr an die überragend große Vergangenheit der Stadt, es hat sich wie ein Schleier des Vergessens drüber gelegt und ich empfinde das als das schlimmste, denn erst wenn man etwas vergisst, hört es endgültig auf zu existieren.
    Daher kann ich euch nur darin unterstützen, zunächst einmal wieder die Schönheit und die unglaubliche Historie dieser Stadt zurück ins Bewusstsein der Menschen zu rufen. Dort liegt aller Anfang. Ach Magdeburg....

  • erinnert irgendwie nichts mehr an die überragend große Vergangenheit der Stadt

    Das stimmt in dieser Radikalität nicht. Es sind dort immer noch bedeutende Einzeldenkmale zu sehen, z.B. der Dom, das Rathaus mit Roland und Magdeburger Reiter, die Barockbauten des Domplatzes, der Wehrturm Kiek in de Köken, die St. Johannis-Kirche, das Kloster Unser Lieben Frauen, Teile von Stadtmauer und Festung, Gründerzeitstraßenzüge... Aber, Du hast natürlich Recht in dem Anliegen, dass Magdeburg mehr an historischen Anknüpfungspunkten gut tun würde.

  • Das stimmt in dieser Radikalität nicht. Es sind dort immer noch bedeutende Einzeldenkmale zu sehen, z.B. der Dom, das Rathaus mit Roland und Magdeburger Reiter, die Barockbauten des Domplatzes, der Wehrturm Kiek in de Köken, die St. Johannis-Kirche, das Kloster Unser Lieben Frauen, Teile von Stadtmauer und Festung, Gründerzeitstraßenzüge... Aber, Du hast natürlich Recht in dem Anliegen, dass Magdeburg mehr an historischen Anknüpfungspunkten gut tun würde.

    So sehe ich das auch. Ich würde es als isolierte Traditionsinseln bezeichnen und davon gibt es recht viel. Die Aufgabe der Zukunft wird es sein, da spreche ich von einen Zeitraum von etwa 50-100 Jahren, diese ganzen Inseln wieder miteinander zu verbinden. Die Impulse müssen von diesen Traditionsinseln aus losgehen. Beispielhaft ist da das Areal um die Johanniskirche und die Nordseite vom Rathaus. Den Johanniskirchhof städtebaulich wieder erlebbar zu machen, ist eine der wichtigen Bausteine.

  • Wenn man einen Bogen machen würde und die Nathusiussche Häuser, die Ulrichskirche, und längerfristig auch die Jakobikirche rekonstruieren würde - der Platz dafür ist jeweils frei - so könnte man die Größe und Vielfalt der ehemaligen Magdeburger Altstadt für Einwohner und Gäste wieder erlebbar machen. Auch die Stadtsilhouette mit den Doppelturmkirchen wäre bis auf die Katharinenkirche wieder komplett.

  • Und hier gibt es übrigens hochspannende Dinge zur Magdeburger Geschichte zu lesen und in Form unzähliger Bilder zu sehen:


    18. Jahrhundert: http://www.magdeburger-chronist.de/md-chronik/ch-1700.html
    19. Jahrhundert: http://www.magdeburger-chronist.de/md-chronik/ch-1800.html
    20. Jahrhundert: http://www.magdeburger-chronist.de/md-chronik/ch-1900.html

  • Danke erbse, für die Weiterleitungen.


    Solche Bildersammlungen machen mich immer unendlich traurig. Besonders auch Bilder wie dieses:


    http://www.magdeburger-chronis…onik/1900/Zeitung_032.jpg


    Die Zerstörung ist schon schlimm genug. Aber die unendlichen Fehler beim Wiederaufbau, sind mindestens ebenso ärgerlich. Was hätte nicht alles repariert werden können,... :kopfschuetteln:


    @MagdeburgerKind,


    man fragt sich, ob die heutigen Architekten und Stadtplaner so gar kein Gespür mehr dafür haben, was zusammenpasst und was einfach nur schrecklich aussieht. Wenn ich als Grafikdesigner eine Trauerkarte mit poppig buntem Neontext verbinde, fliege ich in hohem Bogen raus. In der Architektur scheint die Abwesenheit des Gestaltungstalentes einfach toleriert zu werden.

  • Na sicher , die Leute ohne Gestaltungstalent werden Dringend gesucht , ..... je Hässlicher so jemand etwas verunstaltet desto besser für seine Karriere.

  • Es hat überraschend eine Debatte über den Alten Markt eingesetzt. Es herrscht in den Fraktionen Einigkeit darüber, größere Umgestaltungsmaßnahmen vorzunehmen. Trümper will sogar einen internationalen Wettbewerb initiieren. Davon halte ich allerdings gar nichts, da solch ein Wettbewerb im schlimmsten Fall zu modernistischen Spielereien auf dem ansich sehr schönen Markt führen würde. Bislang ist der Markt sehr traditionell gestaltet.


    https://www.volksstimme.de/lok…kt-soll-neue-mitte-werden


    Die wirklichen Probleme liegen mMn im Umfeld, wie die Collage deutlich zeigt.


  • Das sehe ich ganz genauso. Das Problem des Marktes ist nicht seine Gestaltung, sondern dass er weitegehend isoliert daliegt. Es fehlt eine Stadt drum herum, die Menschen überhaupt auf den Markt führen könnte.

  • Das sehe ich ganz genauso. Das Problem des Marktes ist nicht seine Gestaltung, sondern dass er weitegehend isoliert daliegt. Es fehlt eine Stadt drum herum, die Menschen überhaupt auf den Markt führen könnte.

    Das ist der richtige Gedankengang. Ich hatte gestern auf unserer Facebookseite einen Stadtplan von 1829 gepostet. Damals liefen 11 Geschäftsstraßen auf den zentralen Markt zu, zudem fuhren mehrere Straßenbahnlinien über den Markt. Er war also mitten im Zentrum angebunden. Heute führen noch 6 Straßen auf den Markt, wovon 2 in einem hässlichen Hinterhof enden (siehe Foto links oben). Der Markt ist daher quasi isoliert und genießt längst nicht mehr die zentrale Stellung wie vor 1945. Zum Shoppen geht man heute ins Allee-Center.

  • Priorität müsste die Bebauung umgebender Freiflächen haben. Nördlich und südlich des Rathauses, links und rechts der Johanniskirche. Warum die Jakobstraße zwischen Rathaus und Johanniskirche immer noch magistralenartig mit begrüntem Mittelstreifen daher kommen muss, erschließt sich mir nicht. Das Schleinufer sollte da als leistungsstarke Nord-Süd-Verbindung ausreichen. Die Platte an der Julius-Bremer-Straße muss weg (weiß nicht genau was da drinn ist). Dann könnte man sich an die Wiederherstellung des Bereichs Katzensprung/Buttergasse machen. Ich fürchte aber, die in Magdeburg grassierende Liebe zur nutzlosen Freifläche wird da wenig Änderungswille entstehen lassen. Leider haben sich ja auch die 90er in Magdeburg mit wenig Ruhm bekleckert und haben neue Großkörper wie das Allee-Center hingeklotzt. Sicher auch ein Versagen der Stadtführung von damals.

  • Das war definitiv ein Versagen der Stadtplanung zur damaligen Zeit. Man hat sich richtigerweise dazu durchgerungen, den Plattenbau zwischen Alter Markt und Breiter Weg abzureißen. Ersetzt hat man ihn aber durch das furchtbare Marietta-Quartier (Foto links oben). Dazu hatte man bereits vorher das Sparkassen-Gebäude errichtet (Foto links unten). Beide Gebäude sind 1.) in einer schrecklichen Architektur ausgeführt und 2.) zur Buttergasse und Schwertfegergasse hin tot (siehe rechts oben). Das war einer der größten Fehler der 1990er Jahre.


    Ich gebe dir Recht. Zumindest die Fläche links vom Rathaus muss wieder bebaut werden. Alleine schon, um eine vernünftige Platzkante zur Ostseite zu erschaffen. Die Fläche südlich vom Rathaus wird nur schwer zu bebauen sein, da hier der beliebte Mittelalter-Weihnachtsmarkt und im Sommer Biergarten- und viel Freizeit-Betrieb stattfindet.
    Die Jakobstraße hat noch einen Grünstreifen in der Mitte, weil sie als mögliche Trasse für eine neue Straßenbahnlinie dienen soll. Ich würde aber dafür werben, die Jakobstraße auf eine Spur pro Seite zu verkleinern. Zwei Spuren sind aktuell defintiv überdimensioniert.

  • Einen großen Vorteil haben die vielen Freiflächen und Brachen in Magdeburg ja. Es gibt noch viel Platz zum Wiederherstellen des alten Stadtbildes. Diesen Luxus haben vor allem viele westdeutsche Innenstädte nicht, die komplett mit Schrott zugebaut wurden.


    Allerdings braucht es endlich Leitplanken für die Entwicklung dieser Flächen. Grundlage sollte der vorkriegszeitliche Stadtgrundriss sein. Und es braucht dringend Leitbauten, an denen sich etwaige Neubauten orientieren können. Wenn man immer weiter nur modernistische Klötze baut, wird die Chance für Rekonstruktionen wohl immer kleiner.


    Hier ist also der Ortsverband Magdeburg von Stadtbild Deutschland gefragt. Zusammen mit anderen Bürgergruppen. Und es müssen Leute mit Einfluss in der Stadt ins Boot geholt werden! :)