• Otto-von Guericke-Straße 59 macht mich wieder froh!! War wunderbarer Haus and Sanierung 100% gelungen. So gibt es Verlierer im Städtebild wie Sternstrasse 2 und Gewinner !!

  • Die Aufnahme ist von gestern. Noch etwas Müll und ein Dixi-Klo, sonst scheint die Fassade fertig zu sein.

  • Super Sache! Sinnvollerweise sollte man dazu schreiben, dass dies das Haus Otto-von-Guericke-Straße 59 ist. Zum einen ist es gut für die Suchfunktion, zum anderen hat nicht jeder, der hier mitliest, den Magdeburger Häuserbestand so genau im Kopf. Hier noch der Vorher-Nachher-Vergleich:

    Otto-von-Guericke-Straße 59 (Foto: Ajepbah, September 2014, CC-BY-SA-3.0)

    Otto von Guericke-Straße 59 am Reformationstag 2020

  • Vorkriegs Magdburg war ein einzigartiges und hochwürdiges Gründerzeit Paradis!! Nur in Leipzig ist davon noch etwas zu spüren aber diese hohe Qualität von Magdeburg durchschnittlich nicht. Gab vor den Krieg noch eindrucksvolle Gründerzeit Viertel wie Nordfront and Sudenburg. Leider wurde Nordfront in 45 bombardiert und gab es in Sudenburg zwecklose Strassenkämpfe.

  • Klassiker ,wenn ich Leipzig mit MD vergleiche haben beide Städte noch recht viele Gründerzeitquartiere.Einen starken Unterschied gibt es aber bei der Stadtmitte beider Städte.Leipzigs Mitte hat noch zu großen Teilen seine alte Straßen ,Stadtstruktur und viele hist. Großbauten,hingegen in MD (bis auf den Domplatz und wenig anderem reduziert) wo das hist. Stadtzentrum weitestgehend überbaut wurde-mit langgezogenen Blöcken breiten Straßen und monotonen Wohnscheiben.Das ist meine Sicht.

  • Danke für das Filmchen. Was mir auffällt, ist diese für mich erschreckende Piefigkeit fast aller gezeigten Aufnahmen. Dieser (Real-)Sozialismus erscheint mir dabei wie ein riesiges Spießbürgerprogramm.

    Nun muss man einschränken, dass viele Menschen vor Kameras steif agieren, wenn sie das nicht gewohnt sind. Und bei dem Film spielte sicher auch bei einigen die Sorge mit, nichts falsches zu sagen, um keine negativen Auswirkungen zu erfahren.

    Ansonsten aber, abgesehen vom Plattenbau und dem teils abstoßenden Ambiente, wirken alle Leute völlig steif und freudlos. Keiner lacht, außer dem ein wenig grinsenden Familienvater, als er über die Auswahl seiner Wohnungseinrichtung gefragt wird. Die Bürokraten sprechen angestrengtes Bürokratensprech und beten die staatlichen Vorgaben herunter. Gut, das machen sie heute genauso. Die Bürger aber wirken alle stumpf, wie Sprechpuppen. Alle scheinen nur auf das Funktionieren dieses Systems mit seiner übergriffigen Bürokratie ausgerichtet. Nichts ist schön, nichts begeistert... ;-\

    Wie weiß nicht, wie ich in einer solchen Welt hätte leben können. Entweder hätte ich es mir irgendwie schön geredet oder getrunken. Oder mir den Kopfschuss verpasst.

  • Die Bürger aber wirken alle stumpf, wie Sprechpuppen. Alle scheinen nur auf das Funktionieren dieses Systems mit seiner übergriffigen Bürokratie ausgerichtet. Nichts ist schön, nichts begeistert... ;-\

    Wie weiß nicht, wie ich in einer solchen Welt hätte leben können. Entweder hätte ich es mir irgendwie schön geredet oder getrunken.

    Nun ja, an hochprozentigen Sachen gab es ja keinen Mangel - besonders beliebt waren KaLi (Kaffelikör) Pfeffi (Pfefferminzlikör) und "14,50" (Klarer).

    Suizide hat es auch reichlich gegeben - wobei man da nie genau wußte, ob da nicht "irgendwie nachgeholfen wurde"


    Grau, trist und freudlos - ja, das trifft es aus heutiger Sicht absolut zu....Ostberlin war schon katastrophal und die Hauptstadt wurde noch am besten versorgt.


    Die Bezirke wie Magdeburg - das war noch n Zacken extremer. Wer nach Jahren endlich mal eine marode Altbauwohnung zugewiesen kam, wo an allen Ecken und Enden etwas gerichtet werden mußte.....klar, gab es die Versorgungsstellen für Baustoffe - nur auf Mörtel und Zement konnte man da auch Ewigkeiten warten, ganz zu schweigen von Klinkersteinen!


    Wenn Du etwas brauchtes, mußtest Du entsprechende Leute aus entsprechenden Berufsgruppen kennen und Deinerseits was anzubieten haben.


    In Berlin (Ost) wurden immer noch Vorkriegsbauten irgendwie erhalten (auch wenn man sie schlußendlich dann doch wegsprengte) , in Magdeburg hingegen überließ man die Altbausubstanz oft einfach ihrem Schicksal, welches spätestens mit einem undichten Dach besiegelt war und nur noch abgerissen werden konnte.

  • Was mir auffällt, ist diese für mich erschreckende Piefigkeit fast aller gezeigten Aufnahmen.

    Das Interessante an den alten Filmen ist ja, wie sich Deutschland in den letzten Jahrzehnten verändert hat. In alten Tatortfolgen aus z.B. ESSEN (Haferkamp), DUISBURG (Schimanski) oder HAMBURG (Stöver) ist der auf Heutige erschreckend wirkende damalige Alltag -und der Zustand der Stadtlandschaften, Gebäude etc.- zu sehen. Man muss manchmal betonen, dass es sich um Farbfilme handelt. :zwinkern:

  • "Reik", ich finde, dass man das nicht ganz miteinander vergleichen kann.

    Diese Fernsehfilme sind zuerst auch inszeniert, also wollen einen bestimmten Stil vermitteln. Dann ist klar, dass Essen und Duisburg (vielleicht auch einige Ecken Hamburgs) auch heute noch nicht die Schmuckstücke der Republik sind. Aber der Alltagszustand der Stadtlandschaften, Gebäude usw. war in den 70er/80er Jahren, die ich ja miterlebt habe, keinesfalls mit dem vergleichbar, was ich da in der DDR sehe. Der Lebensstandard war ja auch viel höher. Wir hatten in den 70ern auch eine Hochhauswohnung, aber mit zwei WCs, Bad, Dusche, Bidet, Glasbauwand im Wohnzimmer, Müllschlucker draußen vor der Tür, großes Auto in der Tiefgarage.

    Vor allem aber herrscht für mich selbst bei den Spielfilmen eine irgendwie andere Stimmung im Westen. Vielleicht hat das etwas mit dem Wohlstand zu tun, vielleicht mit der Abwesenheit einer derart kontrollierenden Staatsgewalt, vielleicht mit den (in diesem Fall positiven) Folgen des 68er-Kulturbruchs. Die Leute im Westen waren nicht so verkrampft und verklemmt, wie ich sie in dieser DDR-Dokumentation erfahre. (Wohlgemerkt immer unter der Berücksichtigung, dass Laien vor einer Kamera immer nervös agieren.) Ich erinnere, wie hier in den 70ern von den Erwachsenen gefeiert und gelacht wurde. Mein Cousin hatte langes Haar und spielte in einer Rockband. Mit meiner Cousine raste ich mit der Ente zum Kino, während ich unangeschnallt auf dem Sitz stand und während der Fahrt durch das offene Verdeck lugte. Was es noch nicht so gab (das kam erst Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre) waren Cocktailbars und Außengastronomie (abseits von Biergärten, die es natürlich schon gab).

    Kann natürlich sein, dass diese ganze Verklemmung wiederkehrt. Wir sehen ja, wie immer verkrampfter auf die richtige, politisch-korrekte Sprache geachtet wird. Die Verwaltung bekommt Richtlinien, in den Medien soll das Gendersternchen mitgehaucht werden usw. Warten wir´s ab.

  • Naja Heimdall - in den DDR Gegenden hatte man von der baulichen Substanz her tatsächlich den Eindruck, sich im Graustufenmodus zu befinden.


    Entweder waren die Häuser weiß getüncht oder grau bis schwarz.


    Gerade in Bezirken wie Magdeburg, wurde das sehr deutlich.


    Gut, Plattenbauten vom Typ WBS 70 wurden häufig mit blauen Kacheln versehen....sah dann aus wie ein umgekrempeltes Badezimmer.

  • "Henry", das stelle ich überhaupt nicht in Frage. Es ist ja alles gut dokumentiert. Ich sprach allein von meinen Eindrücken aus dem Westen, weil "Reik" die beiden Situationen mir zu sehr gleichgesetzt hatte.

  • Ja stimmt, hier ging es ja auch um Tatortfolgen aus den "alten Bundesländern" . Ich hab mir ja immer ganz gern den Kommissar Veigl angeschaut - aber so recht farbenfroh wie wir die Filme heute kennen, war der auch nicht.


    Ich weiß nicht, ob es an der alten Filmqualität liegt, oder mehr an der farblichen Umgebung.



    Aber gut, jetzt entfernen wir uns ein paar 100 km von Magdeburg, kommen wir also irgendwie mal wieder zum Thema zurück :wink:

  • DDR-Dokumentation

    SWR-Dokumentation.:wink:


    Das war jetzt auch nicht sooo ernst gemeint. Die Tatortfilme sind aber vermutlich näher am Leben als "Dallas" oder "Denver Clan". Als ich das erste Mal in New York war, war auch schnell klar, dass das Bild aus "Einsatz in Manhattan" verzerrt war.:lachen:


    Andererseits fahre ich seit dreißig Jahren von Flensburg bis Berchtesgaden durch Deutschland und komme berufsbedingt in Wohnungen, Fabriken, Ställe. Das relativiert einiges. Glaub es mir.


    Die Wohnungen in den Stalinbauten in Magdeburg, Dresden usw. dürften alle Deine Kriterien erfüllen. Außer dem Bidet. Das gab es aber in der Millionärsvilla letztens in Göttingen auch nicht.


    Glaub mir: In den dreißig Jahren hat sich Deutschland erheblich verändert.

  • "Reik", ich glaube in dem Strang reden alle irgendwie aneinander vorbei. Es ging mir nicht darum, zu behaupten, dass sich in den östlichen Bundesländern nichts getan hätte oder dass die Situation heute noch so wäre wie in der DDR. Ich rede auch nicht von den Stalinbauten in Magdeburg und Dresden, sondern von den Verhältnissen und der Stimmung, die in dem oben gezeigten Film präsentiert wurden. Und meinen diesbezüglichen (natürlich subjektiven) Eindrücken dazu.

  • Heimdall, ich finde schon ,dass Reik in #430 recht hat. Diese Veränderungen haben halt in dem Film noch nicht stattgefunden. Gute alte Zeit...

    In Bezugnahme auf das von dir wohl eher Gemeinte ist abgesehen von diesem ethnischen Aspekt vor allem zu konstatieren, dass diese Gesellschaft, die dort gezeigt wird, keine amerikanisierte ist. Dh jeder gibt sich nüchtern, ohne fortwährend gute Laune oder positives Denken oder "gut Draufsein" etc ausstrahlen zu wollen. Abgesehen davon gefällt mir die im Standbild gezeigte Frau ziemlich gut, sie strahlt eine in der heutigen Welt völlig verlorengegangen Attraktivität aus.

    Wenn du das alles als "piefig" bezeichnen willst...

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • "Ursus", ich bin ja nun sicherlich kein Typ, der fortwährend nur gute Laune präsentiert, immer "positiv" (also naiv) drauf ist und mit einem dummen Grinsegesicht in der Gegend herumläuft. Mir wird sogar bisweilen eine Schwere und stete Melancholie meiner Gedanken vorgeworfen. Selbst ein Bekannter, der stark zu Hypochondrie und übertriebener Grübelei neigt, äußerte mir gegenüber diesen Sommer: "Das ist mir jetzt wirklich zu düster." Aber deshalb halte ich es trotzdem mit dem Humor und einer gewissen Lockerheit. Wenn Lachen und mal "Alle Fünfe gerade sein lassen" amerikanisch ist, dann haben die Amis ja doch etwas gutes getan. Ich denke aber, dass man nur etwas in den Süden fahren muss, wo mehr Sonne und Vitamin D vorhanden sind, und findet das auch dort.

    Nein, vor allem scheint mir das System-bedingt. Man musste sich ja nur Erich H. angucken. Wäre er nicht Staatsratsvorsitzender, sondern Schauspieler geworden, wäre er optisch die perfekte Besetzung für die Rolle des verspießten Mecker-Rentners gewesen, der die Nachbarskinder vom Küchenfenster beschimpft, weil sie einen Fuß über den Maschendrahtzaun in seine Rabatten gesetzt haben. Und dieses ganze realsozialistische Herumgeklemme, kein falsches Wort sagen zu wollen, kehrt ja heute mit der political correctness wieder. ;-\ Zum anderen kann es natürlich auch etwas mit der deutschen Mentalität zu tun haben. Diesbezüglich haben dann die 68er wohl doch eine positive Veränderung bewirkt. Ihre Bilanz halte ich insgesamt für negativ, aber alles haben sie doch nicht schlecht gemacht.