• Ich würde sagen, Ziegelbräustraße 5 und 7 dürften keine großen Verluste sein (wohl beides auch Nachkriegsbauten), um die Milchstraße 25 ist es dagegen schade. Hoffen wir auf ultratraditionalistische Neubauten...:augenrollen:


    Laut einem deiner verlinkten Artikel wird übrigens derzeit auch Milchstraße 23 abgerissen. Kannst du dieses Objekt identifizieren?


    Wirklich schlimm scheint in der Gegend allerdings etwas anderes zu sein, was mir zufällig auffiel: An der Süd-West-Ecke des Holzmarkts (Holzmarkt 1) stand bis vor kurzem offenbar noch ein niedliches, kleines Altbauhaus, das sehr alt gewesen sein könnte. Heute steht dort ein leidlich angepasster "Brazilian Shoes".


    Trotz der begrüßenswerten Altbausanierungen insgesamt also sehr durchwachsene Nachrichten aus Ingolstadt.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • zwei schlechte Meldungen aus Ingolstadt:


    Zum einen der Abriss des Nordbahnhofs (schon vor einigen Monaten):



    Quelle: Wikipedia Nutzer: Brian Clontarf


    zur Planung:
    http://www.donaukurier.de/loka…an-sterben;art599,2036052


    Erklärung des Bürgermeisters mit dem üblichen blabla von demokratischer entscheidungsfindung und gestaltungsbeirat...
    http://donaukurier.millibus.fi…osausin/art118131,2256034


    Stadtheimatpfleger widerspricht
    http://donaukurier.millibus.fi…mmerhaufen;art599,2255914


    Rettungsversuche im letzten Jahr
    http://www.augsburger-allgemei…2_puid,2_pageid,4289.html



    Bildergalerie zum Abriss:
    http://www.donaukurier.de/_/to…?_CMTREE=164939&_CMELEM=0


    Sicherlich im letzten Zustand keine Perle mehr aber ein wichtiges Zeugnis der Erschließung Bayerns durch die Eisenbahn. Das Generalkonservator Greipl dieses Gebäude als nicht denkmalwürdig (sofern das stimmt was der Bürgermeister sagt) einschätzt und dieses Gebäude nur "interessant" gefunden hat, sagt das schon viel über den Zustand Denkmalpflege in Bayern aus. Eigentlich Skandalös. Statt einer Sanierung kommen also Parkplätze und ein Betriebsgebäude für Busse. Stadtplanung im 21. Jahrhundert!!
    Laut Wikipedia ist der Bahnhof 1869/70 erbaut worden.


    Zum anderen ein historisches Verwaltungsgebäude auf dem ehmaligen Gießereigelände; laut Neuburger Rundschau eines der ältesten Industriegebäude Ingolstadts und stand sogar unter Denkmalschutz. Vor einigen Jahren wurden schon erhebliche Teile von der Gießerei abgerissen und jetzt also den letzten Rest bis auf den Turm.
    Als Neubebauung: Hotel-und Kongresszentrum sowie Erweiterung der FH...Vor einigen Jahren wurde ebenfalls bis auf einen Turm der ehemalige Schlachthof in der Nähe abgerissen um einem Einkaufszentrum Platz zu machen - ebenfalls ein großer Backsteinbau aus der Zeit der Industrialisierung.


    http://www.donaukurier.de/loka…i-Gelaende;art599,2258964


    http://www.donaukurier.de/loka…eht-bereit;art599,2288094


    http://www.augsburger-allgemei…2_puid,2_pageid,4502.html


    der Jurahausverein schaltet sich ein:


    http://donaukurier.millibus.fi…n-schaffen;art599,2292618


    Also Ingolstadt ist Ianus-köpfig; auf der einen Seite hat Ingolstadt ein hervorragendes Konzept zur Sanierung alter Häuser in der Altstadt ([url=http://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/0aufmach1-33-K-K-K-Alte-Haeuser-sind-wieder-gefragt;art599,1481041]Leerstandsmanagement[/url] (und [url=http://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/Bauherren-draengen-in-die-Altstadt;art599,1773096]hier[/url]) auf der anderen Seite erlaubt man aber Brachial-Architektur mitten in der selbigen wie bei dem Sparkassengebäude oder der Erweiterung des Rathauses vor einigen Jahren und den Abriss historisch wertvoller Bauten wie in den oben genannten Fällen :x Übrigens der nächste Kandidat steht bereit: [url=http://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/Ingolstadt-wochennl152010-Koernermagazin-zum-Abriss-frei;art599,2266190]das Körnermagazin[/url] - das die Stadt aber auch ein wichtiges Erbe aus der Industrialisierung hat, hat man noch nicht so ganz kapiert... es wird vernichtet...


    Es lebe der Commerz!

  • Nochmals zum Donautor...


    "Der Neubau der "Donaubrücke" begann 1948 und am 14.07.1952 wurde sie eingeweiht. Vor dem Brückenschlag musste allerdings das Donautor abgerissen werden, denn es stand der breiten Brückenrampe im Weg. Manch heimatverbundener Bürger hat das bedauert, aber in den Jahren des Wiederaufbaus mussten die wirtschaftlichen Zielvorstellungen allemal wichtiger genommen werden als die Aspekte des Denkmalschutzes. Zudem hatten die Menschen auch andere Sorgen.
    Anmerkung: so einfach ist das also...^^


    Tröstlich ist es, dass das Tor nicht mit Brachialgewalt dem Erdboden gleich gemacht, sondern Stein für Stein zerlegt, nummeriert und im Städtischen Bauhof gelagert wurde. In den fünfziger Jahren stießen dann Regensburger Fachleute auf die gelagerten Teile, als sie nach geeignetem Material für die Ausbesserung der beschädigten "Steinernen Brücke" suchten. Auf Anweisung der bayerischen Staatsregierung, der ja die Festungsanlagen gehören, wurden die Steine von Ingolstadt nach Regensburg transportiert und sind mittlerweile Bestandteil der "Steinernen Brücke" geworden. In Ingolstadt verblieb nur der wappengeschmückte Aufsatz des ehemaligen "Donautores". " :daumenunten:



    Quelle: http://www.ingolstadt.de/stadt…cheuerer/ing/donbr-01.htm

  • Zur Geschichte des Georgianums:
    „1492 die erste bayerische Landesuniversität wird durch Ludwig den Reichen in Ingolstadt gegründet
    1494 sein Sohn Herzog Georg von Landshut errichtet eine Stiftung für begabte mittellose Studenten
    1826 - die Universität zieht nach München; mit ihr das Georgianum
    Das Georgianum gilt als erstes Beispiel der Studienförderung in Deutschland
    Von 1800 bis 1809 steht das Gebäude leer, 1809 wird es an Privatleute verkauft; im Zuge der Säkularisation wird die Ausstattung der Kirche versteigert, der Turm abgetragen
    1817 etabliert sich der "Herrnbräu" mit Gastwirtschaft und Hausbrauerei im Hauptgebäude und in der profanierten Kirche
    Die gesamte Brauerei zieht zwischen 1964 und 1974 aus der Innenstadt
    1972 das Anwesen an einen Gewerbebetrieb verpachtet
    1981 erwirbt die Stadt Ingolstadt das Anwesen; der Gewerbebetrieb zieht im Sommer 2000 aus; seitdem steht das Georgianum mit Kirchengebäude und Fasshalle leer.“
    ikiss_415



    http://www.ingolstadt.de/stadt…cheuerer/ing/georgi01.htm
    „Der Förderverein Georgianum e.V. wurde im November 2000 von Ingolstädter Bürgerinnen und Bürgern gegründet. Sein Ziel ist, das Georgianum im Besitz der Stadt zu erhalten, vor dem Verfall zu retten und einer sinnvollen öffentlichen Nutzung zuzuführen.
    Die dringend nötige, kostenintensive Sanierung und Restaurierung dieses historischen Denkmals soll mit öffentlichen Mitteln, aber auch durch private Spenden ermöglicht werden.“


    http://www.ingolstadt.de/stadt…g/denkmal1.htm#Georgianum



    http://de.wikipedia.org/wiki/Herzogliches_Georgianum


    http://de.wikipedia.org/wiki/Georgianum_(Ingolstadt)


    Zukunft des Georgianums weiter ungewiss
    Ingolstadt: Zukunft des Georgianums weiter ungewiss

  • Eigene Bilder vom Georgianum vom Tag des offenen Denkmals 2009 (für allerlei menschenscheues Getier ein ungewöhnlich anstrengender Tag)



    links die Hohe Schule, die erste bayr. Landesuniversität, rechts mittig das Georgianum mit der St. Peter und Paul-Kirche



    Georgianum vom Südturm des Liebfrauenmünsters



    der spätgotische Giebelbau vom Georgianum von SW



    rechts anschließend die ehem., 1803 profanierte St. Peter und Paul-Kirche






  • Blick über die Hohe-Schul-Straße auf das ehem. Pedellhaus und Kammerariat der Universität


    die ehem. St. Peter und Paul-Kirche, 1803 profaniert, ab 1838 Brauerei, 1865 Einziehung von Zwischendecken




    Dachstuhl


  • Abgesehen von den etwas uninspiriert daherkommenden Giebelfenstern war das ja wirklich ein recht angenehmer Füllbau. Gerade die Fenster und das Mezzanin wirkten recht stimmig. Insofern ist es wirklich bitter zu sehen, was hier passiert!

  • In der Ludwigstraße ist nach dem Krieg schon sehr viel derlei grober Unsinn zugunsten des Shoppings etc getrieben worden, an sich kommt es da jetzt auch nicht mehr darauf an. Aber ähnlich wie der Oberpaur in der Landshuter Altstadt war die bisherige Fassade wenigstens kein völliger Fremdkörper und noch ein wenig in IN verwurzelt.


    Beseitigt gehört m.E. unbedingt auch dieser Betonklotz nördlich von St. Moritz, lieber ein kleines unbebautes Plätzchen an der zentralen Stadtkreuzung als sowas.

  • Ingolstadt: Mit dem erweiterten Medizinmuseum und den Projekten auf dem Gießereigelände steht Ingolstadt vor einem Imagegewinn


    Quote

    Das Deutsche Medizinhistorische Museum bekommt den lange ersehnten Erweiterungsbau, der auf kleiner Fläche an der Anatomiestraße eine ganze Reihe von Funktionen erfüllen soll.


    das Bild lässt nichts gutes erahnen...


    hier die derzeitige Situation:
    http://binged.it/IfWmvh


    schaut nach einem älteren Bau aus der dafür weichen muss... allerdings laut Denkmalviewer nicht als Denkmal eingetragen...

  • Der Erweiterungsbau ist eine der möglichen Varianten heutiger Baumoderne: Lochfassade, Strichcode oder Brutalismus mit Trapezförmiger Dach-Asymetrie? (Habe ich was vergessen?) In Ingolstadt hat man sich für die schlechteste der drei Varianten entschieden. Schließlich ist denen das Stadtbild immer noch ein wenig zu harmonisch. Nun denn Abrisshammer her und mehr Beton, bitte! :anbeten:

  • In den letzten Jahren häufen sich leider die Bausünden in Ingolstadt, während man früher in der Fußgängerzone und Innenstadt immer wieder recht gelungene Lösungen bei Neubauten fand. Der Tiefpunkt ist meines Erachtens das neu renovierte Rathaus und vor allem der Neubau der Sparkasse daneben, völlig überdimensioniert, lieblos und billig.


    Aber zum eigentlichen Zentrum mausert sich ja sowieso immer mehr das riesige Einkaufszentrum im Westen der Stadt mit allem drum und dran (Restaurants, Kino usw.), da kann man sich die Innenstadt langsam sowieso sparen...

  • Quote

    Das Landesamt für Denkmalpflege sieht durch das geplante Hotel- und Kongresszentrum das Neue Schloss als Wahrzeichen Ingolstadts „in gravierender Weise in seiner historischen Erscheinung beeinträchtigt“. Die Behörde erneuert in einer Stellungnahme zum jüngsten Stadtratsbeschluss ihre Kritik an dem Vorgehen der Stadt.


    Ingolstadt: Landesamt für Denkmalpflege kritisiert den Stadtrat: Neues Schloss durch Kongresshotel "gravierend beeinträchtigt"

  • WOW! Da hat mal wieder jemand alles gegeben!
    Bemerkenswert einmal wieder welch spannende Kontraste durch die wellige Glasfassade und den geraden Abschluß mit dem Schloss erzielt werden! Wie treffend die Fassade die Wuchtigkeit der Festungsarchitektur Ingolstadts konterkariert bei gleichzeitiger Neuinterpretation der klassizistisch- ludovizianischen Architektur Klenzes! Auch im Areal selbst wird durch das selbstbewusste Spiel mit kubischen und organischen Formen dem Betrachter auf interessante und anregende Weise die Bandbreite zeitgenössisch moderner Architektur nahe gebracht! :biggrin:

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

    Edited 2 times, last by Pfälzer Bub ().

  • Um mich mal selbst zu zitieren:


    Quote

    In den letzten Jahren häufen sich leider die Bausünden in Ingolstadt,
    während man früher in der Fußgängerzone und Innenstadt immer wieder
    recht gelungene Lösungen bei Neubauten fand. Der Tiefpunkt ist meines
    Erachtens das neu renovierte Rathaus und vor allem der Neubau der
    Sparkasse daneben, völlig überdimensioniert, lieblos und billig.

    Hier noch die beiden Fotos dazu:


    Hier hat man es tatsächlich geschafft, das häßliche alte Rathaus im Plattenbaustil noch unattraktiver zu gestalten:



    Der absolute Tiefpunkt ist das neue Sparkassen-Gebäude - das Vorgängergebäude paßte noch halbwegs an den Platz (rostbraune Klinkerfassade mit "richtigem" Dach, wenn ich mich recht entsinne), der Nachfolger ist nur noch ein völlig unmaßstäblicher grober Klotz:



    Leider ist das Baugeschehen in Ingolstadt oder München inzwischen kaum noch besser als in anderen Teilen Deutschlands, immer dieselben "Wettbewerbe" mit immer denselben Kisten...

  • Die o.g. positive Berichterstattung im Donaukurier unter dem Titel "Die Wucht ist weg" zum Kongresshotel ist schon bemerkenswert. Und die euphorischen Aussagen des Gestaltungsbeirats-Vorsitzenden Prof. Ludwig Wappner, die im krassen Gegensatz zum Willen der Bürger stehen, sind eine Farce.


    In der gestrigen BR-Kultursendung Capriccio vom 26.07.12 bekam das geplante Kongresshotel ein vernichtendes Urteil. Siehe Artikel "Der Koloss von Ingolstadt" auf br.de dazu: Baustelle: Der Koloss von Ingolstadt | Capriccio | Bayerisches Fernsehen | Fernsehen | BR.de