Bücher-Tipps zum Thema Architektur und Städtebau

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    • An sich hört sich die Beschreibung des Buches ja gut an, aber der Satz "Edgard Haider verbindet sachliche historische Recherche mit leiser Trauer um die vergangene, von Leben erfüllte Pracht – ohne das Rad der Geschichte zurückdrehen zu wollen." bringt mich auf die Palme.

      Es ist schade um die Gebäude, aber rekonstruieren, das geht ja gar nicht...
    • "der_Sauerländer" schrieb:

      An sich hört sich die Beschreibung des Buches ja gut an, aber der Satz "Edgard Haider verbindet sachliche historische Recherche mit leiser Trauer um die vergangene, von Leben erfüllte Pracht – ohne das Rad der Geschichte zurückdrehen zu wollen." bringt mich auf die Palme.

      Es ist schade um die Gebäude, aber rekonstruieren, das geht ja gar nicht...


      Damit widerspricht er sich doch selber. Wenn es sich 50 Jahre nach ihrer Zerstörung (!) noch lohnt, ein Buch darüber zu veröffentlichen, sagt das doch schon alles über die Bedeutung der Bauten bzw. die Nötigkeit, diese zu rekonstruieren. Der o. g. Satz ist doch der typische Standardsatz, damit man sich als Autor von der Altherrenfraktion nicht gleich Revisionismus vorwerfen lassen kann. :lachen:
    • Ist schon ein dämlicher Satz... :)
      Drum merkt euch: _leise_ Trauer ist gerade noch so erlaubt, sich in Form eines Rekonstruktionswunsches äußernde Trauer aber Bäh!
      Hachja... so sind se halt, nicht? ;)

      Ich glaube auch nicht, dass der Autor so denkt. Wer ein ganzes Buch darüber schreibt und das viele schöne Verlorene sieht, kann gar nicht so denken.
      Dass ist eher so ein Satz wie man in aus totalitären Strukturen kennt, dass man bei jeder Veröffentlichung eben irgendwo den Diktator oder den Sozialismus oder was weiß ich postiv erwähnen muss, damit es keinen Ärger gibt.
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • @MunichFrank

      Ja, zum Beispiel meine Wenigkeit.

      Also, ganz kurz, da ich das Buch nicht gerade bei der Hand habe.

      Der Autor, ich glaube er heißt Haider, bringt in seinem Buch ein paar Beispiele nicht mehr vorhandener Bauwerke aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bisher hab ich noch nicht alle Kapitel gelesen, aber es waren auch Objekte dabei, von denen ich bis dato noch nichts gehört bzw. gelesen habe.

      Gelesen habe ich bereits die Kapitel über Schloß Putbus (MacPom), über Schloß Weilburg (NÖ), über die Villa Rosa (DD) und das Palais Rothschild (W). Für die anderen Kapitel hatte ich noch keine Zeit. Die eigentlichen Kapitellängen sind nicht besonders lang. Dafür enthalten sie aber, wie ich denke, alle relevante Informationen, die den Leser interessieren und sind auch eingermaßen gut mit Fotos der Objekte dokumentiert, auch wenn ich mir als Leser mehr davon wünschen würde.

      Der Preis (ich glaube so um die €30) ist schon sehr teuer. Man muß halt abwägen, ob es einem das Wert ist. Wenn Du Interesse hast, dann kann ich Dir am Montag zumindest schreiben, welche Objekte noch im Buch sind, die ich bisher noch nicht studiert habe?
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • "Exilwiener" schrieb:


      ... ein paar Beispiele nicht mehr vorhandener Bauwerke aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.


      Könntest Du mir bitte auch mitteilen, welche Objekte der Schweiz abhanden gekommen sind? Gemäss Buchbeschreibung sind ja auch Objekte drin enthalten, welche der Modernisierungswut der Nachkriegszeit zum Opfer gefallen sind.
    • @Riegel

      Ja, das mache ich. Da ich am Wochenende wahrscheinlich wieder kein Internet haben werde, werde ich womöglich erst Montags antworten können.

      Soviel ich mich erinnere ging es in der Schweiz um ein Hotel der Jahrhundertwende (mit einem markant englischen Namen, da die Gäste überwiegend von der Insel kamen) und wenn ich mich erinnere auch um ein kleines, aber feines Palais. Beide dem Modernisierungswahn zum Opfer gefallen. Vielleicht gibt es noch mehr schweizer Objekte darin, aber an die erinnere ich mich auf Anhieb.
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • Also, ich habe mir über das Wochenende das Buch ziemlich genau durchgelesen und muß nun sagen, dass es eigentlich besser ist, als ich dachte.

      Der Einfachheit halber, habe ich das Inhaltsverzeichnis eingescannt und auch eine kleine Lesekostprobe für Euch, bei der es sich um das ehemalige Palais Kaskel in Dresden dreht, welches, obwohl es wie so vieles in Dresden zu retten gewesen wäre, von den "politischen Verantwortlichen" abgerissen wurde. Die damaligen Verantwortlichen waren waren wirkliche Verbrecher, was die heutigen natürlich nicht sind, aber an Kompetenz fehlt es den heutigen Stadtentwicklungsplanern auch.







      Quelle: Vgl. Edgard Haider (2006), Verlorene Pracht - Geschichten von zerstörten Bauten, Gerstenberg Verlag, Hildesheim
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • Bücher zur Vorkriegsarchitektur deutscher Städte

      Kann jemand mir weiterhelfen. Welche empfehlenswerten Bücher gibt es über die Architektur deutscher (Groß-)Städte vor dem 2.WK.

      Ich meine solche Bücher wie "Das alte Dresden" von Fritz Löffler, die nicht nur Bildband sind, sondern auch ausführliche Informationen über die Architekturgeschichte der jeweiligen Stadt liefern. Das neuerschienene Buch "Das alte Frankfurt" scheint ein weiteres Beispiel hierfür zu sein.

      Gibt es ähnliche Literatur z.B. zu Berlin, Leipzig, Hamburg, Köln, Stuttgart,...? München betreffend kenn ich übrigens auch keins.
    • "Alt-Frankfurt. Ein Vermächtnis." von Fried Lübbecke (1950, Reprint 1971) ist weiter der bedeutendste Bildband zur Frankfurter Architekturgeschichte. Der Reprint enthält auch einen längeren Textteil zu den bedeutendsten Baudenkmälern. Das Buch ist allerdings nur noch antiquarisch erhältlich und kostet dort um 125 Euro. Ich habe es vor kurzem auf eBay für 35 Euro in fast neuwertigem Zustand erworben, also Augen auf.

      Ein selbst antiquarisch verschollenes Werk zur Frankfurter Architekturgeschichte sind "Die Baudenkmäler von Frankfurt am Main", in drei Bänden zwischen 1896 - 1914 erschienen. Enthält unzählige sonst nie wieder gezeigte Risszeichnungen, Pläne und Fotografien der Frankfurter Baudenkmäler, sowie ausführliche architektonische und geschichtliche Beschreibungen, wobei letztere allerdings zum Teil von der neueren Forschung wieder überholt worden sind. Die Bücher gibt es in jeder größeren Stadt- oder Unibibliothek, ich habe sie u. a. in Würzburg und Frankfurt stehen sehen.

      Speziell zu Frankfurt gibt's noch einige bedeutende Einzelwerke, aber ich will dir ja nicht mein ganzes Bücherregal aufzählen. Zumal du wohl eher an allgemeinen Infos interessiert bist.

      Generell kann ich dir da die vorweltkrieglichen Dehio-Ausgaben des "Handbuchs der deutschen Kunstdenkmäler" empfehlen, die im Antiquariatshandel für um 10 Euro das Stück zu haben sind. Dazu zählen:

      - Mitteldeutschland
      - Nordostdeutschland
      - Süddeutschland
      - Südwestdeutschland
      - Nordwestdeutschland

      Wer alle fünf Bände besitzt, hat schon einen recht guten Überblick.

      Die "Kriegsschicksale Deutscher Architektur" erwähne ich hier nur formhalber (hast du wahrscheinlich schon?), sie liefern auch zu einer jeden Stadt immer eine Zusammenfassung der Architektur-, dann der Zerstörungs- und schließlich der Wiederaufbaugeschichte. Danach folgen im gleichen Schema Einzelbeschreibungen der Gebäude der jeweiligen Stadt. Pflichtwerk, wenn auch nur schwer verdaulich.
    • @RMA: Vielen Dank für deine ausführlichen Informationen. Ich bin vor allem auf der Suche nach Büchern, die Text- und Bildinformation in einem ausgewogenen Verhältnis (etwa wie das Löffler-Dresden-Buch meine ich) liefern.

      Ist der Lübbecke Band auch bebildert. Und das neu veröffentlichte "Das alte Frankfurt"-Buch. Wie hoch ist der Textanteil?
    • "MunichFrank" schrieb:

      @RMA: Vielen Dank für deine ausführlichen Informationen. Ich bin vor allem auf der Suche nach Büchern, die Text- und Bildinformation in einem ausgewogenen Verhältnis (etwa wie das Löffler-Dresden-Buch meine ich) liefern.

      Ist der Lübbecke Band auch bebildert. Und das neu veröffentlichte "Das alte Frankfurt"-Buch. Wie hoch ist der Textanteil?


      Der Lübbecke-Band hat in der Ausgabe von 1971 331 Seiten, davon sind ~ 275 großformatige Fotografien. Allerdings stehen auch unter jedem Bild noch einmal mehrere Zeilen meist bau- oder kunstgeschichtliche Informationen. Das Verhältnis Bild - Text dürfte etwa bei 70 - 30 % liegen.

      Der neue Band "Das alte Frankfurt" enthält ein etwas ausgewogeneres Verhältnis von Bild - Text, so etwa 55 zu 45 % - er ist mit Garantie das, was du suchst und geht für 40 Euro anbetrachts seiner Qualität völlig in Ordnung. Ich hatte ja schonmal ein Bild aus dem Buch gepostet, weiß nicht, ob du das schon gesehen hast - es ist recht repräsentativ:



      Du kannst ja vorher mal bei der Buchhandlung deiner Wahl einen Blick reinwerfen, wenn du meiner Lobhudelei nicht traust. ;)
    • Nachtrag, ich habe mich mal eben aufgerafft und zwei Bilder aus dem Buch von Lübbecke geschossen...





      Von der ganzen Aufmachung her ist das Buch sensationell wie bestürzend zugleich. Die Aufnahmen sind nämlich in den 40er Jahren entstanden, in vielen Gassen sieht man Autos, Menschen und Straßenschilder, die schon stark an heutige Verhältnisse erinnern. Kombiniert mit den Kommentaren Lübbeckes, die an den unglaublichen Wert vieler Bauten erinnern, wird zugleich Tragik und Sinnlosigkeit des Verlusts der Frankfurter, ja im Prinzip jeder großen deutschen Altstadt überhaupt erst bewußt. Ein echtes Vermächtnis eben. Sollte jeder Städteplaner, Politiker und Architekt lesen müssen, bevor er seinem Beruf nachgehen darf.