Chicago (Galerie)

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    • Chicago (Galerie)

      1-1 An diesen Strang kann ich noch ein paar Bilder anhängen, sozusagen als achten Teil meiner Nordamerika-Trilogie aus dem Herbst vergangenen Jahres, in Chicago waren wir fünf Nächte bis zum 01.10.2011.

      Nachdem PhillipK vor allem durch den nördlichen Teil der Downtown gelaufen war, beginne ich mal deutlich südlich der Downtown auf dem Gelände der World’s Columbian Exposition von 1893, eigentlich für den 400. Jahrestag der Entdeckung Nordamerika’s geplant, allerdings konnte der Termin nicht gehalten werden, heute undenkbar (von aktuellen Flughafenprojekten im Großraum Berlin abgesehen). Diese Ausstellung war für Chicago äußert wichtig, war sie doch der Startschuss für den Wandel der Stadt vom Provinznest zur Metropole. Und so sehen wir auch als erstes ein Bild der legendären „white city“, die von zur damaligen Zeit äußerst bekannten Architekten zusammengestellt wurde. Urheber der Gesamtanlage war der Chicagoer Architekt Daniel Burnham, allerdings wurden die spektakulären Gebäude in einem Stil irgendwo zwischen Historismus, italienischer Renaissance und beginnendem Beaux Arts nur aus temporär andauernden Konstruktionen gebaut, heute steht auf der Anlage ein Park nur noch das Gebäude ganz rechts im Bild, auf das ich später zurückkomme.



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      1-3 Es gab auf dem Gelände eine Fülle von Attraktionen wie das erste Riesenrad (Ferris Wheel), Buffalo Bill wurde mit seiner Western Show auf ein Nebengelände verbannt, was zu einer starken Verlagerung des Geschehens in Richtung zu Buffalo Bill und fast zu einer Pleite der Expo führte. Die damalige Stärke des deutschen Kaiserreiches unterstrichen verschiedene deutsche Beiträge, wie der beigefügte deutsche Pavillion, der die Expo überdauerte, als Restaurant genutzt wurde, aber in den 1920er Jahren abbrannte. Weitere deutsche Attraktionen waren ein Schokoladen-Tempel und entsprechende Maschinen aus dem Haus Stollwerk (die einen deutschstämmigen Amerikaner namens Milton Hershey auf die Idee brachten, selbst Schokolade zu produzieren) und eine Germania-Figur von Reinhold Begas. Zudem präsentierte Krupp tatsächlich stolz seine neueste Kanonen-Technik, die schon wenig später den europäischen Kontinent erzittern ließ.



      1-4 (Bild gemeinfrei)




      1-5 Wie schon gesagt hat auf dem damaligen Expo-Gelände nur ein Gebäude überdauert, der ehemalige Palace of fine Arts, der nach mehreren Umbauten heute als Museum of Sciene and Industry genutzt wird, ein äußerlich ein nicht wahnsinnig außergewöhnlicher Museumsbau mit allerdings gerade aus deutscher Sicht interessantem Inhalt, gibt es doch drinnen unter anderem den Nachbau eines Bergwerkes, eine große Modelleisenbahn, es werden künstliche Unwetter erzeugt und es hängen Flugzeuge von der Decke. Wer jetzt denkt, dass ihm das bekannt vorkommt, liegt genau richtig, wurde doch der Museumsgründer Julius Rosenwald, ein deutschstämmiger Amerikaner, überdeutlich durch das Deutsche Museum in München inspiriert, das er 1911 besuchte. Ein weiteres Highlight ist das deutsche U 505, das 1944 vor der Küste Westafrikas als einziges deutsches U-Boot durch einen US-Kapitän namens Daniel Vincent Gallery gekapert und 1954 (da Gallery aus Chicago stammte) an seinen heutigen Platz überführt wurde.



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      1-8 (Wikipedia) © Jeremy Atherton, 2005 (U 505)



      1-9 Unser nächstes Ziel ist das der Downtown südlich auf einer Halbinsel vorgelagerte Museums Campus (auf der Karte eingekreist) mit mehreren Museen.



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      1-13 Der eigentliche Star hier ist aber der Blick von Süden auf die Downtown, die vom Willis Tower (links, ehemals als Sears Tower mit 442m das höchste Gebäude der Welt) und dem John Hanock Center (ganz rechts schwarz mit zwei Antennen, 344m) begrenzt wird. Beide Gebäude sind sich durchaus ähnlich und stammen von den Architekten Skidmore, Owings and Merrill (SOM), die gerade in Nordamerika ab den 50er Jahren sehr viel gebaut haben.



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      1-16 Ein äußerst bemerkenswertes Gebäude im Umfeld ist auch das Sportstadion „Soldier Field“, eigentlich aus dem Jahr 1925, das aber nach dem Jahr 2000 komplett renoviert, und quasi durch eine neues, in das alte Gebäude gesetztes, Stadion ersetzt wurde. Ich hatte irgendwo die Formulierung gelesen „als wenn ein Ufo in dem (alten) Stadion gelandet wäre“.



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      1-19 Die Seeseite von Chicago bietet eine der wenigen Möglichkeiten, sich die Architektur der Stadt mit einiger Distanz anzuschauen. Hier liegt der Grant Park mit der Buckinghm Fountain von 1927, die eine überaus gelungene Perspektive auf die Gebäude stadteinwärts bieten. Durch die Perspektive zu klein wirkt der Trump Tower, das zweite Gebäude von rechts mit der Antenne, gebaut bis 2009 ebenfalls von Skidmore, Owings and Merrill (SOM), mit 423 Metern Höhe das zweithöchste Gebäude der Stadt und damit Nordamerikas.



      1-20 Hier ist das aus Sicht des Betrachters höchste Gebäude das AON-Center von 1973, das fünfthöchste Gebäude Nordamerikas, ein typischer Büroklotz aus der Zeit um 1970.



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      1-22 Dieses Bild ist mein Off-Topic-Liebling. Am 01.10.2011 war es in Chicago mit Temperaturen um 10 Grad bei Sonnenschein windig und deutlich kühl, wir trugen alle Klamotten am Leib, die wir dabei hatten. Das verdeutlicht die Bekleidung des Herrn im Bild links, der offensichtlich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut war. Den Ladies vor der Kamera hatte das aber wohl niemand gesagt, sie hatten vor allem die Mission, gut auszusehen, haben mit Sicherheit tierisch gefroren und das mit entsprechend grimmigen Mienen quittiert.



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      1-24 Jetzt nähern wir uns an die Bebauung des Parks an, die für Chicago äußerst harmonisch ist. Hier ist eigentlich jedes Gebäude eine eingehende Betrachtung wert. „Harmonisch“ ist vielleicht das falsche Wort, aber immerhin stammen die allermeisten Gebäude aus der gleichen Epoche und sind gleichermaßen aufwändig gestaltet.



      1-25 Hier sehen wir das Metropolitan Building in der Mitte, 1924, von Graham, Anderson, Probst & White, die in Chicago noch öfters sehen und denen auch z.B. der Terminal Tower in Cleveland zu verdanken ist. Links das Santa Fe Building, 1904 D. H. Burnham, heute Sitz der Chicago Architecture Foundation, aus deren Stadtmodell ich hier einige Ausschnitte eingestellt habe und einstellen werde.



      1-26 Das ist ein Teil der Front zum Lake Michigan vor vielleicht 90 Jahren, damals wie heute sehenswert, die meisten Gebäude stehen heute noch, das rechts mit dem Turm allerdings nicht mehr (gemeinfreie Postkarte).



      1-27 Das ist das Fine Arts Building, auch Studebaker Building, von 1885, das seit Erbauung im Besitz verschiedener Künstlervereinigungen ist, die wohl nie richtig Geld hatten, so entstand die merkwürdig zusammengeflickte Fassade. Das Gebäude ist für amerikanische Verhältnisse richtig alt, es gibt einen uralten Fahrstuhl inklusive Liftboy.



      1-28 Das ist der Blick aus dem Studebaker Building über den Grant Park mit dem Museums Campus rechts hinten.



      1-29 Dieses ist mein Favorit im Umfeld, das Chicago Athletic Association Building, 1893 von Henry Ives Cobb, im Stil eines venezianischen Palazzo.



      1-30 Der University Club of Chicago, Holabird & Roche, 1909.



      1-31 Das Monroe Building, ebenfalls von Holabird & Roche.




      1-32 Auf den ersten Blick hat sich die Perspektive vom Arts Institute of Chicago im Lauf der Zeit deutlich gewandelt, die Häuserfront links ist allerdings noch sehr ähnlich.



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      1-34 Jetzt sind wir ziemlich am nördlichen Ende der Michigan Avenue vor dem Grant Park angekommen und sehen das Chicago Cultural Center von 1897, heute u.a. Sitz der Touristen-Information. Wir hatten in Chicago im Vorfeld via Touristeninformation eine Führung durch einen ehrenamtlichen sog. Chicagogreeter gebucht, was ich unbedingt jedem empfehlen kann.



      1-35 Äußerlich ein geschlossenes Gebäude, wurde das heutige Chicago Cultural Center in zwei Teilen gebaut, einmal als Stadtbibliothek und als Versammlungsgebäude für Veteranen des amerikanischen Bürgerkrieges, so etwas hatten wir schon in Detroit gesehen. Das innere Gebäude ist spektakulär ausgearbeitet (man achte auf die Decken), der Bürgerkriegsteil hat venezianischen Brücken nachempfundene Bögen im Treppenhaus, es gibt zwei aufwändigst gestaltete Glaskuppeln. Laut unserem Chicagogreeter ist die Arbeit, die wie sehen, heute nicht mehr zu bezahlen, handwerklich kaum mehr möglich und sehr wahrscheinlich das Werk deutscher Immigranten. Das gesamte Gebäude stand laut unserem Chicagogreeter in den 1960ern vor dem Abriss, was nur durch die Frau des damaligen Bürgermeisters verhindert wurde.



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      1-40 In der Karte erkennen wir, dass wir im nördlichsten Bereich des Grant Parks gelandet sind, weiter links kämen wir in den „Loop“ die Schlinge, die die oberirdischen Bahnlinien um die innerste Downtown legen. Dieser Bereich der Parks heißt Millennium Park und wurde auch erst zum Jahr 2000 durch namhafte Architekten angelegt. PhillipK hatte aus diesem Bereich auch schon Bilder eingestellt. In jedem Fall befand sich hier bis in die 1990er Jahre das seit 1971 leer stehende Randoph Street Terminal und dahinter eine wohl ziemlich trostlose Gleisanlage, die wir in Bild 1-42 rechts oben außen sehen können.

      Chicago wollte ich in vier Teilen darstellen und mache bei Gelegenheit weiter.



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      1-42 (Bild aufgrund des Alters wohl gemeinfrei).

    • Chicago 2011, Teil 2 von 4

      2-1 Der zweite Teil meiner Chicago-Tour führt durch die südliche, vor allem die südwestliche, Downtown, die ich in der Karte unten markiert habe.



      2-2 Das erste Gebäude, das wir sehen, befindet sich außerhalb der Markierung in der Verlängerung der blau gestrichelten Linie etwas weiter nach links, ist aber in der Karte nicht eingezeichnet. Es handelt sich um das Old Post Office von Graham, Anderson, Probst & White, 1921, allerdings mit wesentlichen Erweiterungen 1932, die älteren Teile befinden sich aus dieser Perspektive auf der Rückseite des Gebäudes und sind nicht zu sehen. Ein riesiger Betonklotz mit deutlich faschistischen Zügen, unter dem Gebäude verläuft die Interstate 290 (eine Autobahn!) stadteinwärts. Über die aktuelle Bestimmung des Gebäudes bin ich nicht informiert, im Detail sieht es nicht toll aus, wie wir auf dem nächsten Bild sehen.



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      2-4 Im Stadtmodell sehen wir rechts das Post Office mit der Interstate darunter, weiter links habe ich die Union Station markiert, den einzigen nennenswerten Bahnhof, der im Stadtbild erhalten wurde. Daniel Burnham hatte das Objekt konzipiert, letztlich ausgeführt haben dann wieder Graham, Anderson, Probst & White bis 1925, nachdem Burnham gestorben war. Vielleicht kann man erahnen, dass dieser Bahnhof (ich spekuliere!) einmal so prächtig werden wollte die die Grand Central Station in Manhattan, in den 1920er Jahren ist er dann doch etwas schlichter ausgefallen, hat aber ähnliche Ausmaße. Heute verkehren hier nur noch Nahverkehrszüge. Sonst habe ich in Chicago keinen Bahnhof gesehen (außer der wesentlich kleineren Dearborn Station, die aber eh außer Betrieb ist). Wo überregionale Züge ankommen und abfahren, weiß ich nicht. Absolut zu bedauern ist noch, dass der Vorbau, den wir in Bild 2-6 sehen, in den 1960ern einem gesichtslosen Bürogebäude geopfert wurde.



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      2-6 (gemeinfreie Postkarte)



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      2-9 Folgend eine Auswahl weiterer Gebäude auf Postkarten die nach zwischenzeitigem Abriss heute nicht mehr im Stadtbild anzufinden sind.



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      2-19 Jetzt sehen wir durch die LaSalle Street von Norden auf die Chicago Board of Trade (1930, 184m, Holabird & Root), die Perspektive hat viel von der Park Avenue in Manhattan mit Blick auf Helmsley Building und Grand Central Station. Unbedingt zu beachten ist das rötliche Gebäude mit den beiden Türmchen links, ...



      2-20 ..., die relativ bekannte Rookery, einer der absoluten Chicago-Klassiker. Gebaut 1886 von Burnham & Root, immerhin 55m hoch und eines der ältesten Hochhäuser in Chicago. Besonders beachtlich ist die Stahlkonstruktion im Innern, so etwas Ähnliches hatten wir schon einmal in Buffalo gesehen. 1905 hat Frank Lloyd Wright (eine weitere Chicago-Größe) das Innere umgebaut und wesentlich aufgehellt, das ist in Bild 2-22 rechts gut zu erkennen, die dunklen Stahlträger wurden weiß ummantelt.



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      2-23 Jetzt stehen wir in direkter Nachbarschaft zur Rookery in der LaSalle Street vor der heutigen Bank of America, einem wuchtigen Art-Deco-Bau, gebaut als Field Building 1934, 163m, wieder von Graham, Anderson, Probst & White. Bemerkenswert ist noch, dass sich auf dem durch die heutige Bank of America bebauten Gelände bis 1932 das 1884 von William Le Baron Jenney gebaute Home Insurance Building befand, das als der weltweit erste Wolkenkratzer gilt.



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      2-27 Und sogar der Briefkasten ist in Art Deco.



      2-28 Das ist der Chase Tower der gleichnamigen Bank, fertiggestellt 1969 und 260m hoch. Für mich ein gelungener Bau in der finstersten Epoche der Architektur. Die Uhr im Bild rechts stammt aus dem Vorgängerbau, der zugunsten des aktuellen Baues abgerissen wurde.



      2-29 (gemeinfreie Postkarte)



      2-30 Dieses Bild ist ein schönes Beispiel für die an den allermeisten Stellen deutlich zerrissene Bebauung der Innenstadt, die hier sogar noch relativ harmonisch ausfällt. Zudem fällt auf, das es in Downtown Chicago keinen (KEINEN!) öffentlichen Platz gibt (vor allem keinen begrünten Platz), der auch eine schöne Perspektive auf die umliegende Bebauung liefert, so wie das in Manhattan z.B. am Union Square, dem Bryant Park, dem Madison Square Park (nahe dem Flatiron Building) oder sogar am Times Square möglich ist. Kann sein, dass das im Vordergrund dieses Bildes hier mal ein Platz war, der dann irgendwann mit dem flachen Gebäude überbaut wurde. Im Vordergrund sehen wir eine der Plastiken von Miro, Picasso und Konsorten, die um 1980 in Downtown Chicago verteilt wurden.



      2-31 Hier haben wir ein weiteres Beispiel für die zerrissene, aber dennoch spektakuläre Bebauung von Downtown Chicago. Sears Tower und Board of Trade hatten wir schon, das Gebäude rechts sticht ins Auge, ohne unseren Chicagogreeter hätte ich nicht erkannt, dass es sich hier um das Metropolitan Correction Center, also vulgo das städtische Gefängnis, handelt. Ein wunderbarer Brutalismus-Bunker a.d. 1975, der eigentlich gut zum Thema passt. In einer architekturbegeisterten Stadt wie Chicago musste sogar für diesen eigentlich trivialen Zweck ein außergewöhnlicher Bau entstehen. Das Gebäude hat eine Grundfläche in Form eines Dreieckes. Bei genauer Betrachtung konnte ich im oberen Teil des Gebäudes Freigangs-Bereiche der Häftlinge sehen. Zum naheliegenden Gericht geht es durch einen unterirdischen Gang, damit keiner stiften geht.



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      2-33 Jetzt sind wir an der Chicago Public Library. Ich weiß nicht genau warum, aber öffentliche Bibliotheken waren und sind in amerikanischen Städten besonders wichtig und somit grundsätzlich großartig gebaut und großzügig ausgestattet. Dieser Bau stammt aus dem Jahr 1991, ich hätte ihn für älter gehalten, einfach aus dem Grund, dass ich aus den 1990ern nur schlicht gehaltene Zweckbebauung kenne, von absoluten Prestigebauten wie den Berliner Regierungsgebäuden mal abgesehen. Allerdings hatten die USA ja um das Jahr 1990 noch relativ viel Geld, nun ist das ja anders, heute würde man sicher einfacher bauen. In der Bibliothek gibt es gemäß unserem Chicagogreeter übrigens die besten öffentlichen Toiletten der Stadt.



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      2-36 Das Monadnock Building ist auf den ersten Blick ein nicht sonderlich schöner, wuchtiger Büroklotz. Aufgefallen ist mir das Gebäude in einer Doku bei n-tv, dort wurde das Gebäude als „Dinosaurier“ bezeichnet. Dies ist allerdings nur auf den älteren Teil des Gebäudes bezogen, das aus zwei Teilen besteht. Diese zweiteilige Struktur ist von außen kaum zu sehen, von innen sehr wohl. Der nördliche Teil wurde 1889-91 von Burnham & Root errichtet, der südliche 1891-93 von Holabird & Roche. Dabei ist der ältere Teil mit 60m Höhe eines der höchsten Gebäude der Welt mit tragendem Mauerwerk, was eine entsprechend wuchtige Mauer entstehen lässt, die Dicke der Mauer ist auf diesem Bild genau zu erkennen. Mit einer Höhe von 60 m war man hier an einer Grenze angelangt. Eine Steigerung der Höhe um meinetwegen 10m hätte zu einem überproportionalen Anstieg der Dicke des Mauerwerk geführt, was in der Enge einer amerikanischen Großstadt nicht mehr darstellbar war, ebenso wie ein Ableiten des Drucks des Gebäudes nach unten durch Verstrebungen wie bei einer gotischen Kathedrale.



      2-37 An dieser Stelle passiert der Quantensprung, man kann ihn von außen nur erahnen, rechts der ältere Gebäudeteil, links der neuere in Stahlskelett-Bauweise. Löblich und in Betonung ihrer Arbeit sogar sehr pfiffig ist natürlich, dass Holabird & Roche die Arbeit ihrer Vorgänger äußerlich fortsetzten und nur minimal mehr Verzierungen einbauten. Heute würde jeder Architekt äußerlich deutlich etwas Neues bauen



      2-38 Hier sehen wir das ganze zunächst abschließend aus der Perspektive der van Buren Street, der neuere Gebäudeteil zeigt zum Betrachter, mit dem verzierten Dachkranz, der bei US-Bauten ab 1890 sehr oft anzutreffen ist.

    • Danke für die ausführlichen und interessanten Bilder! Chicago ist, egal ob man amerikanische Städte mag oder nicht, zumindest architektonisch gesehen eine der interessantesten Städte der Westlichen Welt. Der Chicago-Stil hat seinen eigenen Platz in der Kunstgeschichte und das zu Recht. Die amerikanische Architektur des ausgehenden 19ten Jahrhunderts war ihrer Zeit weit voraus und moderner als vieles, was dort in den 20ern gebaut wurde. Der Reformstil in Deutschland war ähnlich radikal, allerdings später und mit stärkerem Regionalbezug.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • Auch von mir vielen Dank für diese gut geschossenen Fotos einer wirklich beeindruckende Stadt. Die Bilder vermitteln den Eindruck einer schwermütigen und maschinellen, gleichzeitig abwechslungsreichen, lebensbejahenden und ... schlicht einzigartigen Aura. Für mich einfach nicht real, fassbar. Ausnahmen gibt es natürlich überall, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass hier Mies van der Rohes Maxime "Form follows Function" irgendwie als einziges passt. Der berühmt-berüchtigte "Kontrastpunkt zwischen alt und neu", der hier bei uns zahllose Stadtbilder auf Jahrzehnte grausam entstellen sollte - in Chicago funktioniert er.
      Schlimm hingegen finde ich diese Produkte zeitgenössischer Architekten. Diese Stadt IST ein Raster, vom Straßennetz bs zur Fassadengliederung, selbst bei den Jahrhundertwendebauten tritt die Gliederung deutlich zutage. Diese glatten Glasfassaden wirken dazwischen einfach nur wie mit *orfaktologischen Ausscheidungen* übergossen. Besonders schlimm: Der Trump Tower. Überdimensioniert, einfallslos und glatt steht er exponiert über dem Chicacago River, der optische Schrei eines verhaltensgestörten Riesenbabys, als hole er schon weit aus, um Wrigley, Tribune, Mather &Co mit einem brutalen Schlag zu zerschmettern. Sinnbild für einem gefühlskalten Magnaten mit wohl viel zu kleinen *Golfbällen*.
      Äußerst schön jedoch finde ich die Werke Frank Lloyd Wrights. Die sogenannten "Präriehäuser", Meilensteine für bequemes und privates Wohnen einer - und naturnahe Dekoration andererseits, allem voran Robie House, Willits House und Winslow House, sind wirklich unglaublich. Leider hatte ich bisher nicht das Glück dorthin zu kommen. Aber wenns mal wieder einer aus diesem Forum schafft: Unbedingt besuchen :zwinkern: .
      Form is Function.

      "Fürchte nicht, unmodern gescholten zu werden. Veränderungen der alten Bauweise sind nur dann erlaubt, wenn sie eine Verbesserung bedeuten, sonst aber bleibe beim Alten. Denn die Wahrheit, und sei sie hunderte von Jahren alt, hat mit uns mehr Zusammenhang als die Lüge, die neben uns schreitet."
      Adolf Loos (Ja, genau der.)
    • Der berühmt-berüchtigte "Kontrastpunkt zwischen alt und neu", der hier bei uns zahllose Stadtbilder auf Jahrzehnte grausam entstellen sollte - in Chicago funktioniert er.


      Er hätte auch bei uns funktioniert, sogar besser dh ausgeprägter als in Chicago, wo eigentlich alles als Solitär entworfen wurde und nur eher zufällige Ensembles ergibt, womit auch der Kontrast nur zufällig und noch dazu der Regelfall ist. Jedoch setzt ein guter Kontrast sowohl gutes Altes wie auch gutes Neues voraus, und daran krankt es hierzulande halt. Man kann sagen, dass man wirkliche Kontraste nie probiert (nur Geschmacklosigkeiten) und im Grunde aus dem amerikanischen Städtebau nichts gelernt hat. Am ehesten hat man in der DDR noch dies versucht, vor allem in Thüringen (Gera, Suhl, Jena, daneben auch Leipzig und Chemnitz). Die Ergebnisse waren eher dürftig, wobei ich Suhl nur von Bildern kenne und es mir recht interessant zu sein scheint. Die Idee, gegen verdichtet belassene Zentrumsreste monumentale Solitäre zu stellen, ist zwar nicht schlecht, ging aber in der DDR regelmäßig mit einem Übermaße an sehr öd wirkenden Leerflächen einher.
      Ein besseres Beispiel ist sicher FM mit dem Makro-Kontrast Altstadt- Hochhäuser.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Generell stimme ich da mit dir überein, auch wenn ich die Beispiele eher kritisch sehe: Die amerikanischen Neubauten verfügen meiner Meinung über ein "besseres" Glas-Wandfläche-Verhältnis, und sind z.T aus verhältnismäßig hochwertigen Materialien (mein Lieblingsbeispiel diesbezüglich, wenn auch in New York, ist das Seagram Building) erbaut. Ebendiese Kriterien sind bei den DDR-Bauten mit ihren Sicht- oder noch schlimmer Kiesbetonplatten nicht gegeben. Problematisch ist außerdem in Deutschland der Umgang mit der erhaltenen Altbausubstanz - gerade in Frankfurt. Auch in Chicago hat man viel abgerissen, doch die vorhandenen Altbauten sind immerhin im guten Zustand. Verglichen damit erscheinen einem unsere entstuckten Gründerzeitler, in Plastikkartons verpackten Barockpaläste und niedergerissenen Fachwerkpanoramen regelrecht barbarisch.
      Aber dass gute Architektur nicht durch Stil, sondern Ausführung definiert wird, ja, das steht zweifelsfrei fest. Und wenn es so gekommen wäre, wer weiß? Vielleicht würden unsere Altstädte ja tatsächlich durch Kontraste glänzen. Das Problem ist nur, dass es nicht dazu gekommen ist. Und was nützt einem hypothetische Ästhetik, wenn das einzige, was mit ihr kontrastiert, die grobschlächtige Realität ist?
      Form is Function.

      "Fürchte nicht, unmodern gescholten zu werden. Veränderungen der alten Bauweise sind nur dann erlaubt, wenn sie eine Verbesserung bedeuten, sonst aber bleibe beim Alten. Denn die Wahrheit, und sei sie hunderte von Jahren alt, hat mit uns mehr Zusammenhang als die Lüge, die neben uns schreitet."
      Adolf Loos (Ja, genau der.)
    • 3-1 Im dritten Teil meiner Chicago-Bilder gehen wir die State Street im Herz des Loop hoch Richtung Norden und dann irgendwann links ab zum Brunswick Plaza mit dem höchsten Kirchengebäude der Welt.

      Die State Street ist wunderbare zentrale Einkaufstraße im Herzen der Stadt. Wir haben direkt an der State Street gewohnt und sind die Straße oft rauf und runter gelaufen. Komischerweise gab es direkt an der Straße weder Restaurants noch Kneipen, dafür jede Menge sehenswerte Architektur.



      3-2 Das Reliance-Building (1890-1895, John Root, Charles Atwood, Daniel Burnham ) ist der unbestrittene Star an der State Street, ständig standen geführte Gruppen Architektur-Interessierter vor dem Gebäude. Es wurde in verschiedenen Phasen und verschiedenen Stilarten gebaut. Die merkwürdig versetzte Fassade wurde an anderen Bauwerken in Chicago (und vermutlich weltweit) mehrfach aufgenommen.



      3-3 Ein paar Blocks weiter nördlich hat einem mir unbekannten Architekten das Reliance Building so gut gefallen, dass er es etwas modifiziert quasi gespiegelt noch einmal gebaut hat.



      3-4 Nebenan (jetzt sind wir kurz in der benachbarten West Randolph Street) steht das Oriental Theatre, eines der erhaltenen 1920er Theater der Architekten Rapp & Rapp, die ich schon des öfteren erwähnt habe.



      3-5 Daneben steht die Fassade des Old Heidelberg, der Innenraum dieser ehemals deutschen Bastion in Downtown Chicago musste einem Neubau weichen.



      3-6 (gemeinfreie Postkarte)



      3-7 Wieder an der State Street sehen wir das Rothschild & Co. Building (Holabird & Roche 1912) ...



      3-8 ... und das “Carson, Pirie, Scott and Company Building” (Louis Sullivan 1899) mit seinem tollen Nordwesteingang, das innen aktuell umgebaut wurde.



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      3-10 Ein weitere absoluter Klassiker und Prototyp für gesamt Nordwestamerika war und ist das Kaufhaus Marshall Field (heute Macy’s), 1892 von Daniel Burnham gebaut mit zahllosen späteren Erweiterungen. In Cleveland (May Company) oder Boston (altes Filene’s) haben wir Kaufhäuser gesehen, die Marshall Field nachempfunden waren, bei Filene’s wurde sogar die Marshall-Field-Uhr imitiert. Von der Uhr gibt es mittlerweile am Gebäude in Chicago zwei, die erste war Treffpunkt für Generationen („unter der Uhr von Marshalll Field“). Bild 3-10 + 3-11 gemeinfreie Postkarten.



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      3-15 Selbst dieses eher hässliche Gebäude ist eine Besonderheit, das Benson & Rixon Building, im Jahr 1937 ein Fingerzeig auf die Zukunft. Architekt war ein Alfred Alschuler, den wir später noch mit einem völlig anders gearteten Gebäude wiedersehen werden.



      3-16 Jetzt sehen wir das Century Building (Holabird & Roche, 1915) ...



      3-17 ... und das Singer Building (1926) in einem allerdings wenig schönen Umfeld.



      3-18 Jetzt sind wir am Palmer House Hilton, in dem wir fünf Nächte geschlafen haben. Ich will bestimmt nicht protzen oder so, aber einen Preis wenig über € 100,-- pro Zimmer halte ich für ein sehr schönes Hotel mitten in der Innenstadt für akzeptabel, vom so einem Kurs wäre in New York, vor allem Boston, aber auch Rom oder London (und vielen anderen Städten) nur zu träumen. Ursprünglich wurde das Haus 1875 gebaut, dann aber mehrfach erweitert. Die heutige Form stammt im Wesentlichen von Holabird & Roche 1923-1925, zu diesem Zeitpunkt war es mit 2268 Zimmern das größte Hotel der Welt.



      3-19 Hier sehen wir das Gebäude um 1900 ...



      3-20 ... und hier die State Street Richtung Norden ebenfalls um diese Zeit. Wir erkennen, dass sich das Umfeld hier damals zu heute komplett gewandelt hat. Das Palmer House habe ich eingekreist, rechts dahinter dürfte sich (das Gebäude mit der Fahne?) Marschall Field befinden.



      3-21 Im Stadtmodell sehen wir, wie zugebaut das Palmer House heute ist. Ich hatte beim Einchecken nach einem Zimmer mit Aussicht gefragt, aber aus offensichtlichen Gründen keines bekommen.



      3-22 Die Lobby ist besonders spektakulär und wird in jedem Chicago Reiseführer erwähnt.



      3-23 Das ist der nördliche Teil der State Street. Bemerkenswert ist links hinten einer der zwei maiskolbenartigen Marina-City Türme, die ich nicht in Gänze photographiert habe. 1965 von Betrand Goldberg als Stadt in der Stadt gebaut, einer der berüchtigten Klassiker der Moderne.



      3-24 Das ist das Chicago Theatre mit seiner Außenwerbung, die zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Gebaut haben es 1921 die deutschstämmigen Architekten Rapp & Rapp aus Chicago, die ich schon mehrfach genannt habe. Das Thema Rapp & Rapp in Chicago und überhaupt ist an dieser Stelle nicht erschöpfend zu behandeln. Ich kann nur auf Wikipedia verweisen.

      en.wikipedia.org/wiki/Rapp_%26_Rapp




      3-25 Jetzt sind wir am Brunswick Plaza angekommen, einem vielleicht ehemals größeren Platz, der dann durch das rechts zu erahnende Gebäude teilweise überbaut wurde. Immerhin befindet sich hier eines der interessantesten Gebäude, die ich bislang gesehen habe, das Chicago Temple Building, auf das ich (wie auf das Monadnock Building) ebenfalls bei einer n-tv-Doku aufmerksam geworden bin. Manch einer in diesem Forum wird wissen, dass sich der höchste Kirch-TURM der Welt in Ulm befindet (161m). Das höchste Kirchen-GEBÄUDE befindet sich in Chicago (173m, 1924, Holabird & Roche) mit einer einzigartigen Kombination aus drei Kirchenräumen und dazwischenliegenden Büroetagen.



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      3-28 Kircheninnenraum im Erdgeschoss.



      3-29 Dabei hat die Kombination aus Kirche und Bürogebäude an dieser Stelle Tradition, hier standen verschiedene Gebäude, dieses hier wurde nach dem großen Stadtbrand 1871 errichtet und enthielt ebenfalls oben einen Kirchentrakt und darunter Geschäfte.



      2-30 (gemeinfreie Postkarte)



      3-31 In direkter Nachbarschaft befand sich das Morrison Hotel, das bei einer Höhe von 160m 1965 abgerissen wurde, bis dahin das höchste weltweit abgerissene Gebäude. Drei Jahre später wurde diese Marke mit dem Abriss des Singer Towers (187m) in New York schon wieder getoppt, den ich an anderer Stelle schon beklagt hatte. Heute steht auf dem Gelände des Morrison Hotels die Chase Bank, die wir schon gesehen hatten (gemeinfreie Postkarte).




      3-32 Direkt gegenüber der Kirche steht das Cook County Court House, einer der wunderbaren Verwaltungsbauten aus der Zeit um den ersten Weltkrieg, von denen wir z.B. in Cleveland eine Menge gesehen hatten.



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      3-34 Laut unserem Chicagogreeter wurde das Gebäude irgendwann zwischen zwei Zuständigkeiten aufgeteilt, meinetwegen zwischen Stadt und County. Eine Zuständigkeit bekam irgendwann die Schnapsidee, die wunderbar verzierten Fahrstuhlzugänge radikal zurückzubauen (im Bild links), eine sichtbare Grenze, die sich heute mitten durch das Gebäude zieht.



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      3-36 Das ist das James R. Thompson Center, 1985 von Helmut Jahn, dessen spektakulären Innenraum ich leider nicht photographiert habe



      3-37 Richtung Norden ergibt sich ein wunderbarer Blick mit einem interessanten Mix aus Moderne und Art Deco, von vorne nach hinten sehen wir das Thompson Center, das Trustee System Services Building und 300 North Lasalle. Ganz links wird noch einmal das Cook County Court House angeschnitten.



      3-38 Eine oder zwei Straßen südlich stehen wir vor „The Berghoff“, ungefähr dem letzten deutschen Gastronomie-Betrieb in Downtown Chicago. Dem Besitzer müssen für das extrem wertvolle Gelände schon Unsummen geboten worden sein, es hat es nicht nötig zu verkaufen.



      3-39



      3-40 Andere einstmals deutsche Treffpunkte haben es in Chicago leider nicht über die Zeit geschafft.

    • Gute & interessante Darstellung dieses Teils von Chicago!
      Ich habe noch ein wenig "alten Kram" hinzuzufügen; mag ja jemanden interessieren...

      Das Reliance Gebäude um 1900:

      Bildquelle: Library of Congress

      Das Marshall & Field mit dem links, jenseits der Randolph St. angrenzenden Masonic-Temple (1937 abgerissen :augenrollen: )
      Shorpy Historical Photo Archive :: Marshall Field's: 1908
      Shorpy Historical Photo Archive :: Theatorium: 1907

      Noch eine Aufnahme des damaligen Palmer House um 1900:

      Bildquelle: Library of Congress

      Das Chicago Theatre noch in den (geschätzt) 70ern:

      Bildquelle: Library of Congress (no known restrictions on images made by the U.S. Government)

      Große historische Postkartensammlung von Chicago:
      CHUCKMAN'S COLLECTION (CHICAGO POSTCARDS) VOLUME 01
      CHUCKMAN'S COLLECTION (CHICAGO POSTCARDS) VOLUME 02
      ...usw. bis
      CHUCKMAN'S COLLECTION (CHICAGO POSTCARDS) VOLUME 17

      Verzeichnis Chicagoer Architektur:
      Building Database: Chicagoland

      Und schließlich - Innenaufnahmen aus der Wolkenkratzerkirche (=ganz nah bei Gott) Chicago Temple:
      Chicago Temple | Flickr - Photo Sharing!
      Inside the top of a skyscraper - Chicago Temple Building Chapel | Flickr - Photo Sharing!
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Vielen Dank für die Ergänzungen.

      4-1 Im vierten und letzten Teil meiner Chicago-Bilder befinden wir uns im nördlichen Teil der Downtown am Chicago-River, beginnend bei der linken Markierung, gehen dann am River Walk nach rechts zur Kreuzung vor Wrigley Building und Tribune Tower. Abschließend geht es dann noch zum John Hancock Center nördlich dieses Bildausschnittes.




      4-2 In diesem Teil der Stadt stehen vor allem viele Art Deco Gebäude. Von diesen möchte ich drei zeigen, zunächst das Chicago Civic Opera Building, 1929 von Graham, Anderson, Probst and White, mit 45 Stockwerken und über 3.500 Sitzen erneut die für uns merkwürdige Kombination aus Oper oder Theater und Bürogebäude, die wir nun schon des Öfteren gesehen haben.




      4-3




      4-4 (gemeinfreie Postkarte)




      4-5 Jetzt stehen wir vor dem Merchandise Mart, einem gigantischen Büroklotz, dem nach dem Pentagon zweitgrößten Bürogebäude der Welt, gebaut 1930 wieder von Graham, Anderson, Probst and White. Hier fehlen eigentlich nur eine Kuppel und ein paar Rundungen und wir wären wieder bei Bahnhof und City Hall, die wir in Buffalo gesehen hatten.




      4-6 (gemeinfreie Postkarte)




      4-7 Und dies ist das Daily News Building (1929, Holabird & Roche), das dann etwas von einem U-Boot-Bunker in Art Deco hat.




      4-8 Direkt gegenüber des Merchandise Mart steht „333 West Wacker Drive“ aus dem Jahr 1983, das mit seiner Form die Fußkrümmung an dieser Stelle perfekt aufnimmt.




      Architekten von 333 West Wacker Drive waren Kohn-Pedersen-Fox, die sich in den letzten Jahren für einige gelungene Neubauten verantwortlich zeigten, z.B. den Westend Tower in FFM.

      Westend Tower – Wikipedia


      4-9 Auf den nächsten drei Bilder sehen wir den Chicago River aus der Gegend 333 West Wacker in Richtung Wrigley Building und Tribune Tower und damit zum Lake Michigan. Ich bin nicht der erste, der diese klassische Chicago-Perspektive photographiert hat.




      4-10




      4-11




      4-12 Jetzt sehen wir einen ähnlichen Ausschnitt aus dem Stadtmodell, allerdings in entgegengesetzter Richtung. Man beachte noch einmal die maiskolbenartigen Marina-City Türme von Bertrand Goldberg in der Bildmitte, die auch schon in den drei Bildern zuvor auffielen.




      4-13 Kurios ist die Umkehrung des Chicago River durch den Einbau eines Kanals im Jahr 1900. Heute wäre ein solches Vorhaben mit dem Ziel einer Flussrichtung vom Lake Michigan weg in Richtung Mississippi undenkbar, die negativ betroffene Region würde auf die Barrikaden gehen, man stelle sich ein derartiges Projekt im heutigen Deutschland vor. Laut unserem Chicago-Greeter hätten die Leute am Mississippi zunächst nichts mitbekommen und als es dann soweit war, war es eben zu spät.




      4-14 Jetzt sind wir an einer der schönsten Kreuzungen angekommen, die ich bislang gesehen habe, hier treffen Chicago River und Michigan Avenue aufeinander, eine von zwei Stellen (die erste war die seeseitige Bebauung des Grant Parks), an der ich in Chicago ein harmonisch schönes Stadtbild gesehen habe.

      Von links sehen wir das schlanke 333 North Michigan (1928, Holabird & Roche), dann in der Mitte das wuchtigere 360 North Michigan (auch London Guarantee Building, 1923), dann weiter rechts das schlanke 75 East Wacker Drive (auch Wacker Tower, 1928, Herbert Riddle) und schließlich rechts mit der auffälligen Kuppel 35 East Wacker Drive (1925-1927). Für Letzteres zeigten sich die Architekten Giaver und Dinkelberg verantwortlich, die auch am Bau des Flatiron Building in New York beteiligt waren.

      Auf das genannte London Guarantee Building hatte ich mich schon einmal bei Bild Nr. 3-15 (Benson & Rixon Building a.d. 1937) bezogen. Architekt dieser beiden völlig gegensätzlicher Gebäude war ein Alfred Alschuler. Auch wenn mir das Gebäude aus Bild 3-15 letztlich nicht gefällt, kann ich nur den Hut ziehen, heute bewegen sich viele Architekten stilistisch wesentlich weniger oder einfach gar nicht und bauen einfach überall über Jahre das gleiche.

      Man beachte auch die hochklappbare Michigan Avenue Bridge im Vordergrund, a.d. 1920, die schlanke 3.030 Tonnen wiegt.




      4-15





      4-16 Auf der gegenüberliegenden Seite schauen wir zu faszinierenden Kombination von Wrigley Building (links) und Tribune Tower (1925 Howells & Hood).




      4-17 Das Wrigley Building ist angeblich das Lieblingsgebäude der Chicagoer. Graham, Anderson, Probst and White bauten das größere Hauptgebäude (120m) als ersten Wolkenkratzer im Umfeld 1921 und den stilistisch geringfügig variierten Anbau (91m) 1924. Vorbild war wie so oft die Giralda in Sevilla, die Turmspitze wurde angeblich an den Tempel des Lysikrates in Athen (334 v. Chr.) angelehnt. Wahnsinn, was man alles herausfinden kann. Wrigley (vom Kaugummi) ist ein großer Name in Chicago, ungefähr zu vergleichen mit Beck’s in Bremen. Interessanterweise wurde das spektakuläre Gebäude so gut wie nie zu Werbezwecken dargestellt.



      4-18 Tempel des Lysikrates (Bildquelle Wikipedia, Foto von Andreas Trepte)



      4-19




      4-20 Was die Figur von Marilyn Monroe hier verloren hat, weiß ich nicht. Als PhillipK hier war, stand hier noch etwas anderes.




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      4-22 Die Idee zum Bau eines neuen Firmengebäudes entstand anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Chicago Tribune 1922, Publisher Robert McCormick wollte schlicht das schönste Gebäude der Welt bauen. Im Anschluss gab es einen spektakulären Architektenwettbewerb, der die Abgabe von 263 (!!) Vorschlägen zur Folge hatte. Letztlich ausgewählt wurde ein Modell der Architekten Howell und Hood, Raymond Hood hat sich sonst vor allem mit einigen Gebäuden in New York verewigt. Im Folgenden sehen wir einige Ergebnisse des Wettbewerbs, viel diskutiert wurde besonders der Vorschlag des zweitplatzierten Finnen Eliel Saarinen. Vorschläge im Bauhaus-Stil fielen Gott sei Dank unter „ferner liefen“.

      2blowhards.com: Exploring Modernism: The Tribune Tower Contest

      Dass mit die letztlich gebaute Version des Gebäudes in Gothic Revival außerordentlich gefällt, muss ich nicht erwähnen, vor allem rundet es diese phantastische Kreuzung wunderbar ab. Vorbild war laut Tribune-Prospekt angeblich die Kathedralen von Rouen und Mechelen.



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      4-24 Die Lobby des Gebäudes ist am Tag 24 Stunden (!!) geöffnet. Der Eingangsbereich eines Bürogebäudes in der Optik eines Gotteshauses ist natürlich in Europa undenkbar, aber ich kenne auch sonst weltweit kein Beispiel für einen ähnlichen Bau




      4-25 Aus dem 16. Stock des Trump Tower direkt nördlich der eben beobachteten Szenerie hat man einen tollen Blick Richtung Süden. Wieder war es erstaunlich, wie ungezwungen wir uns (nachdem wir am Eingang gefragt hatten) in einem Gebäude bewegen konnten, in dem wir nichts verloren hatten. Der Trump Tower ist natürlich von innen äußerst neu und äußerst chic. Doppelzimmer beginnen wochentags bei $ 300,-- pro Nacht (ohne Frühstück), am Wochenende und für Suiten natürlich gerne deutlich mehr. Wahnsinn, es gibt Leute, die solche Kurse locker bezahlen.

      In jedem Fall sehen wir hier die Wabash Avenue herunter in Richtung Süden und schauen auf „El“ (elevated train), die Hochbahn, die namensgebend den Loop umschließt.




      4-26 Jetzt sehen wir noch einmal 35 East Wacker Drive, eigentlich mein Lieblingsgebäude in Chicago. In der Kuppel hatte während der Prohibitionszeit Al Capone eine illegale Kneipe. Links ist wieder die Wabash Avenue.





      4-27 Das ist wieder 75 East Wacker Drive, eine „Rakete mit gotischen Details“, man beachte links das 275m hohe „Two Prudential Plaza“ und rechts die vergoldete Spitze des Carbide an Carbon Building von Daniel and Hubert Burham. Heute ist ein Hard Rock Hotel drin.





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      4-29 Jetzt sind wir wieder unten und schauen hoch zum Trump Tower und 35 East Wacker Drive. Den Trump Tower finde ich noch gar nicht mal ganz schlecht. Trump hat ihn wirklich mitten in die Stadt setzen können. Das Grundstück und die Baugenehmigung hätte wohl nicht jeder bekommen. Er scheint in den USA gute Verbindungen zu haben (Ironie).




      4-30 In dieser vor dem Gebäude ausgestellten Darstellung wird die Größe des Trump Towers in Nordamerika noch einmal betont, der Rest der Welt ist nicht sonderlich relevant. Aber letztlich sehe ich es genauso, Höhenrekorde in Kuala Lumpur oder irgendwo in der arabischen Wüste interessieren mich nicht wahnsinnig.




      4-31 Das Chicago Spire ist noch eine Erwähnung wert. 2007 als 610m hoher Rekordbau für Nordamerika geplant, wurde das Projekt mittlerweile eingestampft. Im Stadtmodell vorne rechts oder auch per google maps sieht man das kreisrunde Betonfundament. Hier hat irgendjemand mehrere Dutzend Millionen in den Sand gesetzt. Und das mit dem Sand ist sogar fast wörtlich zu nehmen, wurden doch die Chicagoer Hochhäuser komplett auf sandigem Grund gebaut, im Gegensatz etwa zu Manhattan, dort gibt es teilweise felsigen Untergrund, nämlich in Downtown und Midtown, wo die Hochhäuser stehen




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      4-34 Jetzt sind wir in der Lounge im 96. Stock des John Hancock Center fast am nördlichen Ende der Michigan Avenue, die nördlich des Chicago River unter „Magnificent Mile“ läuft. Dort gibt es deutlich viele Geschäfte, aber auch deutlich teurere als in der State Street. Zunächst schauen wir die Mag Mile Richtung Süden, genau in der Bildmitte ist verdeckt die Kreuzung um das Wrigley Building.




      4-35 Jetzt sehen wir den gleichen Bereich nur aus anderer Richtung ca. im Jahr 1920, der sich offenbar, wie so manche amerikanische Innenstadt, seit dem 2. Weltkrieg dramatisch gewandelt hat. Im Bild oben sehen wir das auffällig weiße Palmolive Building (1929, Holabird & Root). Von 1965-1989 lief das Gebäude unter Playboy Building und war Hauptsitz des gleichnamigen Konzerns.




      4-36 Und noch einmal sehen wir den Blick die Mag Mile Richtung Süden mit dem markierten Palmolive Building im Vordergrund.




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      4-38 Hier sehen wir noch einmal die vorhin besprochene Kreuzung Michigan Ave. / Chicago River. Die vergoldete Spitze des Carbide and Carbon Building fällt sehr auf, vor Ort bin ich an dem Gebäude vorbeigelaufen.




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      4-40 Hier sehen wir den Navy Pier, einer typischen Amüsier-Meile amerikanischer Städte.




      4-41 Und anschließend haben wir das Ganze noch aus entgegengesetzter Perspektive vom Sears Tower (Besucherplattform in 412m Höhe, im Empire State Building in 312m Höhe). Oben war ich nicht, das Bild stammt aus Wikipedia, copyright by Daj12192. Ganz hinten sehen wir das John Hancock Center, im Vordergrund die Spitze des höchsten Kirchengebäudes der Welt, das in diesem Umfeld tatsächlich untergeht. Das waren meine Bilder aus Chicago und überhaupt von meiner Nordamerika-Tour 2011.