Stuttgart 21

    • Habe ich nicht gerade in einem seriösen Artikel gelesen, dass es bei dem Projekt gar nicht um Verkehr geht, sondern darum, das Bahnhofsumfeld gewinnbringend an Investoren zu verscherbeln? Eigentlich müsste mich das sprachlos machen, auf der anderen Seite ist so etwas in der heutigen Zeit fast schon die Regel. Und da stehen Menschen und historische Ensemble nur im Weg, wie Stuttgart 21 eindrücklich bewiesen hat. Da ich nicht ortskundig bin: Wie viel des Schlossparks müssen eigentlich bei dem Projekt dran glauben?
    • Teils der Rosensteinpark aufgrund von Tunnelbauten. Der mittlere Schloßgarten ist "vorübergehend" eine riesige klaffende Baugrube, die dann wieder überdeckelt wird. Aber bei einem mehrere Stockwerke tiefen Bauwerk darunter mit nur verhältnismäßig geringer Erdüberdeckung und glubschaugenartigen Oberlichtern kann man sich vorstellen, daß darauf nur mehr noch Rasen, Blumenrabatten und vielleicht noch Büsche wachsen, aber die mehrhuntertjährigen Bäume, die man dafür schon 2010 gefällt hat keineswegs nicht mehr, mangels Grundwasser.
      Überdies gefährden die Tunnelbauten in anhydrithaltigen Keupergestein die darüberliegenden Häuserzeilen und Straßen an den Hängen Stuttgarts und der tiefe Bodeneingriff wird wahrscheinlich die Druckverhältnisse für die Bad Cannstatter Mineralquellen so verändern, daß die nicht mehr so regelmäßig schütten.
      Das Gleisvorfeld war, man sollte es nicht glauben, ein Ökorefugium für seltene Arten, z.B. Kleinreptilien, zudem Frischluftschneise für den Stuttgarter Talkessel. Mit Klötzchen bebaut kann man sich vorstellen, was das bedeutet.
      Nicht nur Immobilieninvestoren verdienen ne goldene Nase, auch die Tunnelbaufirmen, für die man extra tunnelreiche Strecken plante haben erstmal ausgesorgt, falls das Gebirge sich nicht wehrt und das eine oder andere Maschinchen tüchtig drückt und einklemmt (schon geschehen)!
      Das ist kein Projekt für das Wohl der Allgemeinheit, sprich für die Bürgerschaft, sondern für die Rendite einer bestimmten politischen und wirtschaftlichen Elite.
      Die Beweise dafür und die Beugungen des Rechts, die mit dem Projekt einhergehen unter Negierung demokratischer Transparenz sind zahlreich und können alle im Internet eingesehen werden (siehe weiter oben im Faden die links), dank der unermüdlichen Arbeit der Alternativbewegung!
    • tegula schrieb:

      Zu Stuttgart: Habe ich nicht gerade in einem seriösen Artikel gelesen, dass es bei dem Projekt gar nicht um Verkehr geht, sondern darum, das Bahnhofsumfeld gewinnbringend an Investoren zu verscherbeln?
      Im Prinzip schon, wenn man sich aber anschaut, in welchem Zeitlupentemp das Areal des ehemaligen Güterbahnhofs unmittelbar daneben entwickelt wird (siehe Stuttgarter Zeitung), das rund 33 Jahre nach der Räumung immer noch nicht vollständig bebaut ist, kommen mir hinsichtlich dieser Theorie Zweifel ...

      tegula schrieb:

      Da ich nicht ortskundig bin: Wie viel des Schlossparks müssen eigentlich bei dem Projekt dran glauben?
      Auf jeden Fall weniger als für den Neubau des Innenministeriums gleich daneben, gegen den seltsamerweise niemand demonstriert hat, ich würde mal schätzen, derzeit während der Bauarbeiten vielleicht 3 Prozent? Schließlich geht der Schloßgarten ja vom Schloß bis zum Neckar.

      Wobei die betroffene Fläche ja teilweise zuvor durch einen vorsintflutlichen Busbahnhof genutzt wurde und die Parkecke direkt am Bahnhof vormals nach Einbruch der Dunkelheit zu vermeiden war, es sei denn, man war auf der Suche nach Drogen oder dubiosen erotischen Abenteuern. Angenehmer Nebeneffekt ist jedenfalls, daß die äußerst unangenehmen Leutchen an der Unterführung zum Park inzwischen komplett verschwunden sind.
      "O meu amor tem um jeito manso que é só seu Que rouba os meus sentidos, viola os meus ouvidos Com tantos segredos lindos e indecentes" (C. Buarque)
    • Ich möchte mal die Gelegenheit nutzen und fern ab des konkreten Projekts Stuttgart 21, zu dem man stehen kann, wie man will, einmal eine Anmerkung über das Thema hinaus machen.
      Denn in dem Projekt und dem, was man so in der Gesellschaft spürt, kommt etwas durch, was mir extreme Sorgen bereitet. Und das ist eine Passivität, eine Mutlosigkeit, eine generelle Angst vor allem Neuen und dem, was nicht ist, wie es heute war. Dieses Phänomen betrifft Großprojekte, weite Teile der Wissenschaft bis hin zur Industrie.
      Ich frage mich manchmal, wo der Geist geblieben ist, der Deutschland mal zu dem führenden Standort für Wissenschaft und Forschung gemacht hat.
      Die großen, bis heute die Menschheit bestimmenden Erfindungen kamen zu wesentlichen Teilen aus Deutschland, vom Buchdruck, dem Automibil, der Rakete bis hin zum Computer. Die Naturwissenschaften von 1880 bis 1945 waren im Prinzip deutsch. Man schaue nur mal in die Nobelpreisliste.
      Wo ist dieser Geist, dieser Wagemut, diese Freude auf das Neue, die Veränderung hin. Denn ja, auch die großen revolutionären Denker kamen auch aus Deutschland.
      Ja, Stuttgart 21 kostet viel, ja, es mag nicht zwingend nötig gewesen sein, aber ich verstehe diese Verzagtheit nicht. Ich frage mich manchmal, wenn heute neue Technologien wie die Eisenbahn erst jetzt erfunden würden, wie sollte so eine Technologie noch eine Chance auf Umsetzung haben, bei dem gesellschaftichen Klima und den Planungszeiten.
      Ich liebe die Wissenschaft, ich liebe den Fortschritt, dieser kann durchaus mal einen Schritt zurück beinhalten, aber letztlich hat er uns immer voran gebracht. Ich wünsche mir, egal in welchem Bereich, ob nun Wissenschaft, Kunst, Forschung oder Architektur, mal wieder mehr von der Dichter und Denker Mentalität, was wir jetzt haben, das hat uns alle total verarmen lassen, künstlerisch, philosophisch, intellektuell.
      Ich wünsche mir wieder ein Land, was positiv in die Zukunft blickt, Herausforderungen annimmt, mit Mut und Vision. Denn wenn wir uns nicht aus uns heraus verändern, dann werden wir irgendwann verändert werden.
      Und ich bestimme da dann lieber selbst, wo die Reise hin geht, als mir das von den USA oder China aufdrängen zu lassen.
      APH - am Puls der Zeit

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    • Grundsätzlich stimme ich Dir zu, ich bin selber auch ein großer Verfechter des Fortschritts. Allerdings sehe ich in Stuttgart21 keinen wirklichen Fortschritt. Sicher, wenn das Projekt gelingt (woran ich noch nicht wirklich glaube), ist das eine bergbautechnische Meisterleistung aber Stuttgart besitzt dann statt eines 21-gleisigen Kopfbahnhofs mit freier Gleiszuleitung einen nicht ausbaufähigen Tunnelbahnhof mit fragwürdigem Bahnsteiggefälle. In der Sache wäre also überhaupt nichts gewonnen. Und ich denke, der Widerstand rührt aus der Unsinnigkeit des Vorhabens her und nicht aus einer Angst vor technischem Fortschritt.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Genau, Booni schreibt es! Ich würde noch korrigieren: Es ist nicht die Angst, sondern die ganz klare Ablehnung dieses unterirdischen Bahngrabes aufgrund seiner Unsinnigkeit, die längst schon klar ist, der Streßtest wurde nicht bestanden, das will nur die Politik und die Bahn nicht akzeptieren und Konsequenzen daraus ziehen.
      Und die Gruppierungen, die für K21 sind, protestieren nicht nur, sie jammern nicht, sondern haben mit viel Fleiß und Ingenieurswissen ein brauchbares Ausbaukonzept für den Kopfbahnhof entwickelt, bei dem ebenso ein Teil der Gleisflächen frei wird. Also wissen.de Deine Anmahnung nicht so ängstlich vor Veränderung zu sein und besser den Fortschrittsgeist neu einkehren zu lassen paßt hier nicht wirklich. Bitte mal die Seiten zu Umstieg 21 studieren!
      Nicht alles was den Anschein des Fortschrittes zeigt ist auch ein echter Fortschritt. In unserer Zeit ist vieles Täuschung und Schein. Dafür braucht es Unterscheidungsvermögen!

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    • Ich wäre hinsichtlich dieses zu optimistisch besetzten Fortschrittsbegriffs auch skeptisch. Diesen Begriff könnte ein neuer Le Corbusier auch jederzeit anwenden, wenn es mal wieder darum geht, Altstadtareale oder historische Gebäude abzureißen, um dort irgendein neues Bau- oder Technik-Experiment zu installieren.

      SchortschiBähr schrieb:

      das will nur die Politik und die Bahn nicht akzeptieren und Konsequenzen daraus ziehen.
      Das wollen die Verantwortlichen nicht nur nicht, sondern das können sie eigentlich nicht. Sie sind doch schon zu weit gegangen, und es muss klar sein, dass, wenn dieses Projekt gestoppt wird, Köpfe rollen werden. Was meinst Du, welche Schadensersatzforderungen dann entstehen und wie viele Karrieren oder ruhige Ruhestände mit einem solchen Schnitt schlagartig beendet sind? Es ist die pure Angst, die sie dazu treibt, das Projekt weiter zu verfolgen. Und die Bauunternehmen reiben sich derweil die Hände.