Mähren und Schlesien - Industriestädte mit Herz (CZ) (Galerie)

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    • Da nicht einmal GF etwas Gescheiteres eingefallen ist als der Hinweis auf einen meiner bescheidenen und höchst subjektiven Ansicht nach summa summarum doch etwas anfechtbaren Kriegsgewinnler - nun ja, dieses Gebiet liegt nun einmal wirklich stark abseits und ist auch in der allgemeinen Wahrnehmung m.o.w. völlig untergegangen - machen wir hier einfach weiter. Wir wechseln wieder einmal hinüber nach Böhmen und machen vor Landskron noch Halt in einer kleinen Stadt mit relativ berühmten Namen: Trübau, das wie L. natürlich außerhalb des Schönhengstgaues liegt.

      Hier sehen wir erstmals auf dieser Reise den "klassischen" böhmischen viereckigen Ringplatz, nicht eben berauschend, aber immer noch ganz nett und viel besser erhalten als vergleichbar mediokre Ensembles in Westdeutschland:





      Insgesamt ist hier leider auch der häufig zu beobachtende Hang zu knallbuntem Postmodernismus anzutreffen, welcher der Würde dieser letztendlich doch alten Städte mE schlecht zu Gesicht steht. Das kalte Kommunistengrau fügte sich da besser ein.

      Die Hauptattraktion der Stadt ist die auf einem Hügel gelegene roman. Katharinen-Rotunde:



      Jetzt erreichen wir, immer noch auf altem böhmsichem Boden, die Stadt Landskron. Der schöne Ringplatz, 1945 Schauplatz widerwärtigster und nicht hinnehmbarer Ausschreitungen:





      Die Rückseite des Rathauses hat übrigens ein noch schöneres Portal, das ich aus unerfindlichen Gründen nicht geknipst habe:



      Die beiden Giebeln sind übrigens eine eher junge Reko (wenn nicht gar ein Phantasieprodukt, dergleichen gibt es in Böhmen mitunter oft):



      Die meisten Häuser sind eher unscheinbar. Eine gröbere Störung fehlt indessen:



      Am schönsten ist die Nordzeile:



      Rechts das einzige erhaltene Laubenhaus:



      Rechts die Bäckerei war natürlich auch ein Laubenhaus:



      Den schaurigen Schauplatz des Blutgerichtes konnte ich nicht ausnehmen. Offensichtlich wurde die Brandruine auch nicht abgerissen, da es keinen eigentlichen Neubau am Ring gibt. Gedenktafel hab ich auch keine gesehen (deren Fehlen heutzutage gar nicht mehr so selbstverständlich sein muss).

      Kirche und Schloss:



      Die Volksarchitktur des Schönhengstgaues scheint beträchtlich dezimiert zu sein. Eigentlich war in den von mir durchquerten Dörfern kaum noch etwas auszumachen. Es ist anzunehmen, dass gerade die ältesten und historisch wertvollsten Gehöfte als erste verfielen. Überraschenderweise findet sich gerade in einer Stadt das wichtigste Relikt. Die Kratschen (vgl schles. Kretscham) in Landskron zählt auch zu den meistphotographierten Sehenswürdigkeiten dieser Stadt:





      Vis-à- vis, am Rande der Innenstadt diese merkwürdigen vorgründerzeitlichen Inn-Salzach-Adapionen:



      In den Dörfern blieben eigentlich nur die Kirchen gut erhalten:

      Reichenau:



      und die wertvolle Renaissancekirche von Altstadt bei Mährisch Trübau, heute "nationales" Kulturdenkmal:



      Daneben der Friedhof. Na ja, was halt davon noch übrigblieb.



      Den sehr gut erhaltenen und äußerst stimmungsvollen,.geschichtsträchtigen wie kunsthistorisch bemerkenswerten Friedhof von Mährisch Trübau hab ich diesmal nicht besucht. Leider dürfte er seit meinem letzten (äußerst lang zurückliegenden) Besuch durch die ihn von der Stadt abschneidende neue Umfahrungsstraße in seiner Stimmungshaftigkeit zweifellos etwas beeinträchtigt.worden sein.

      Bilder vom unzweifelhaften Glanzlicht des Schönhengstgaues und von einer der mE faszinierendesten Städte des Landes, dem einst sog. "Mährischen Athen" gibt es später.

      Hier einmal ein kleiner, den Kellerratern (von Markus bravourös erkannt!) schon bekannter Vorgeschmack:

      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Das enorme Publikumsinteresse und äußerst rege Echo auf meine diesbezügliche Ankündigung hat mich schlussendlich veranlasst, mit dieser Galerie fortzufahren.















      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Von Maßhäusern

      Rufen wir uns dieses Bild in Erinnerung:



      Wir sehen hier äußerst behäbige Eingangstore, die auf eine Trübauer Spezialität hindeuten - die sogeannten 'Maßhäuser'.



      Man beachte den tschechischen und englischen Text - auch in diesen wurde der in dieser Sprache doch völlig unverständliche Terminus mit leichten Adaptionen integriert.
      Was verbirgt sich hinter dem Begriff "mázhauz"? Klar, dass es von 'Maßhaus' oder 'Masshaus' kommt, aber dieses Wort ist in unserer Sprache verloren gegangen.

      Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, und ich hab ihrer zwei:


      Ein breite, gewölbte Eingangshalle also. Es gibt ihrer noch recht viele zu Trübau, dies auch in unterschiedlichen Gewölbeformen. Auch ein Zellengewölbe wie zu Meissen hab ich in den 80er Jahren gesehen.
      Die Tafel bezog sich mE nach übrigens auf dieses Haus, nebenbei bemerkt ein Ringplatzhaus, auf der Nordseite, die m.o.w. ganz abgebildet sein sollte. Von außen sehen diese Häuser jedoch ganz unscheinbar aus.
      Hier noch ein Beispiel, aus einer Gasse:
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ursus carpaticus ()

    • Trübauer Gassen

      Die schönste, die von der Südostecke des Rings wegführt, haben wir schon gezeigt. Nicht alle Gassen sind indes so intakt (und mit derartigem historisch wertvollem Bestand gesegnet!)













      Eine wichtige Motive fehlen, vor allem der stimmungsvolle, wohlerhaltene Friedhof mit einigen deutschen Gräbern auch aus der Zeit nach 45 und wertvollen Bauten, die wie üblich geschlossene Pfarrkirche und einiges mehr. Von der Hauptsehenswürdigkeit der Stadt allerdings werde ich noch etwas einstellen. Hier ein Vorgeschmack:

      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Alte Ansichten von Ortschaften, die im deutschen Bewusstsein längst vergessen wurden:

      Leipa (zwar nicht mährisch oder schlesisch, sondern eher eine böhmische Musterstadt)



      Markplatz 1899







      Kolin



      Bartholomäus-Dom









      Vom Wasser aus erinnert es an Meissen.

      Neutitschein



      Wirkt schon sehr schlesisch.





      Podiebrad (hauptsächlich historistische Archiktektur, ergo nach ursianischer Auffassung keine Stadt mit Herz.)







      Pschelautsch (hauptsächlich 19 Jh.)





      In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

      Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.
    • Neutitschein wirkt auf mich nicht ausgesprochen schlesisch, hat auch keinen schlesischen Grundriss mit zwei Parallelstraßen, die die zwei Plätze bilden. Es ist so mährisch wie die umliegenden Städte (Freiberg, Místek): quadratischer weiter Ring, Laubengänge, Inn-Salzach-Adaption, Rathaus am Rand u nicht in Platzmitte. Allerdings unterscheiden sich die Städte Ostschlesiens (siehe in der Galerie oben, Frýdek, Teschen, Bielitz) nicht besonders von den mährischen Nachbarn. Bermerkenswert ist, dass sich in Neutischein gegenüber den AKs überhaupt nichts geändert hat (von den Geschäftsaufschriften abgesehen).

      Kolín ist eine alte Stadt mit gewisser Substanz. Den Vergleich mit Meißen allerdings als "schmeichelhaft" zu umschreiben, wäre ein gewaltiger Euphemismus. Prelouc und Podiebrad hingegen ganz zu vernachlässigen, ganz verständlich ist mir dieser ostmittelböhmische Exkurs nicht, denn da gäbe es wahrlich anderes zu zeigen. Ich meine, dort stand auch zu vorhistoristischen Zeiten nicht allzuviel.
      B. Leipa wiederum ist ganz nett, aber völlig historistisch überformt (aufgrund eines Stadtbrandes. Ob das Stadtbild davor sehr viel wertvoller war, weiß ich nicht. Abseits des Ringes ist immerhin ein Palast-artiger Renaissancebau erhalten).
      Wennst dich mit alten AK hier spielen willst, wären Bilder aus M.- Aussee, -Sternberg, -Neustadt, -Schönberg und ev. auch Hohenstadt sicher interessanter. Vielleicht kannst du da was auftreiben?
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Wennst dich mit alten AK hier spielen willst, wären Bilder aus M.- Aussee, -Sternberg, -Neustadt, -Schönberg und ev. auch Hohenstadt sicher interessanter. Vielleicht kannst du da was auftreiben?

      Grundsätzlich will ich nicht in jeden Strang alte AK's hineinfetzen, hier habe ich es nur getan um vergessene Orte wie Leipa oder Podiebrad mal wieder in den Fokus zu stellen. Mal eine Frage an dich Ursus, die du mir als kulturbeflissener Österreicher sicherlich beantworten kannst und mich schon länger interessiert: Wie gehen eigentlich die Österreicher mit ihren verlorenen Gebieten (Böhmen, Mähren, Untersteiermark, Galizien, Südtirol) um? Besteht ein gesellschaftliches Desinteresse bzw. Unkenntnis wie in Deutschland, oder können die Jungen noch etwas mit Galizien oder Mähren anfangen?


      Schönberg kann ich noch bieten











      In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

      Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.
    • Wer redet von "hineinfetzen"?
      Mir fehlte nur der Sinn, was an B. Leipa oder Podiebrad, zwie in meinen Augen historisch wie architektonisch vernachlässigbare Städte, so bemerkenswert sein sollte. Aber danke für die AKS aus Schönberg, die passen gut dazu.
      Zu deiner Frage...
      Erstens ist einmal alles Frage der Bildungsschicht. Ein altösterreichsiches Bewusstsein für Lemberg, Czernowitz etc besteht sehr wohl, ich kenne einige, die dahin gereist sind. Allerdings wird man das wohl kaum als "verlorene Gebiete" iS des dt O ansehen können.
      Ansonsten ist vieles eine Frage der Region. Bei mir daheim nördlich der Donau nimmt man natürlich eher Anteil am südmähr. Schicksal, über den Tellerrand, etwa nach Nordmähren blickt kaum wer (nicht einmal Heimatvertriebene aus dem Krs Znaim, wie ich feststellen musste). Die ältere Generation (so hinreichend historisch gebildet)hat den Tschechen die Vertreibung nicht verziehen, der jüngeren ist eigentlich alles wurscht. Zwei so Spinner wie uns beide, die sich für diese Gebiete so interessieren, wirst du kaum oder zumindest nicht so schnell finden.

      Südtirol ist in dem Sinne kein "verlorenes" Gebiet, zumindest empfinde ich es nicht so. Von der Untersteiermark weiß ich sehr wenig (außer dass das Schicksal 45 schrecklich war). Momentan mühe ich mich mit einem interessanten Roman über Marburg ab, gefällt mir gut, obgleich ich nicht weiter komme ("Nordlicht" von Drago Jancar). Sicher nimmt man in der Steiermark da größeren Anteil.

      Generell ist man im Umgang mit den Nachbarn schon selbstbewusster und nicht so kriecherisch wie in D., was uns seitens der Tschechen in komm. Zeit den Vorwurf des "Antitschechismus" eingebracht hat.
      Zu bedenken ist auch, dass der dt. Sprachgürtel jenseits unserer Grenze eher dünn war, ganz anders als bei Selb oder Hof. Eine gewisse Normalisierung der Verhältnisse war da leichter zu erwarten.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Industriestadt ohne Herz:


      OLYMPUS DIGITAL CAMERA von alexanderfranzlechner auf Flickr
      Kopřivnice, deutsch Nesselsdorf, wichtige junge Industriestadt im Beskidenvorland. Erste Autofabrik Österreichs.
      Auf der anderen Seite des Berges dieses alte Beskidenstädtchen, Stramberg, heute ein kleiner kulissenhafter Flecken zwischen Industrie und Bergbau, quasi eine Fata Morgana:

      P6090073 von alexanderfranzlechner auf Flickr
      Hier in weiter Ferne zu sehen, dahinter der Berg, von dem dieses Bild gemacht wurde. Im Vordergrund die Ruine Hochwald:

      P6090065 von alexanderfranzlechner auf Flickr

      Innenhof der Ruine:

      P6090069 von alexanderfranzlechner auf Flickr

      Sie zählt zu den größten des Landes.


      P6090060 von alexanderfranzlechner auf Flickr

      Eingangsbereich:


      P6090054 von alexanderfranzlechner auf Flickr

      Sie wurde - gemeinsam mit anderen in der Umgebung, von den Grafen von Hückeswagen gegründet. Weiß der Kuckuck, was die im 13 JH in die Beskiden verschlagen hat...
      An den Namen dieser bergischen Stadt erinnert nur noch der tschechische Name Hukvaldy, das fälschlich zu Hochwald germanisiert wurde und kaum einen Bezug zur Wurzel aufweist. Ähnliche Fälle sind: Mährisch Schönberg und Moldau (Fluss).
      In der Vorburg eine Barockkapelle mit angeblich exzellenter Akustik. Was Wunder, dass hier Konzerte stattfinden, angesichts des darunter liegenden musikhistprisch bedeutsamen Ortes?


      P6090058 von alexanderfranzlechner auf Flickr
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Stramberg macht im 360° Bild einen gemütlich-kleinstädtischen Eindruck, sodass ich dich hier bitte, uns noch ein paar Fotos zu spendieren (wanns da nix ausmocht :biggrin: )
      Generell verdanke ich deinen Galerien mein ganzes Wissen über das östliche Mitteleuropa :thumbup:
      Architektur ist immer subjektiv, da sie wie jede andere Kunstform vom Auge des Betrachters abhängt.
    • exforestusbavaricus schrieb:

      Generell verdanke ich deinen Galerien mein ganzes Wissen über das östliche Mitteleuropa

      Das kann ich von mir überhaupt nicht sagen. Seit Kindheitszeiten habe ich immer Interesse für Mähren gehabt, wenn es auch stets unerreichbar war. Damals wegen des Eisernen Vorhangs (undenkbar, je in seinem Leben dort hinzukommen), heute noch wegen der Sprache und wegen der übermäßigen Entfernung. Wahrscheinlich möchte ich es doch nicht sehen, zu vielen Industrie- und sonstigen Orten ist das Herz herausgerissen worden, wenn es überhaupt eins gehabt hat.

    • P6090066 von alexanderfranzlechner auf Flickr


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      Sehenswert auch der naturbelassene, urwaldartige Schlosspark - so charaktervoll...

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      ...wie die durch diesen Ort inspirierte Musik:

      P6090051 von alexanderfranzlechner auf Flickr
      ..das schlaue Füchslein - Liška Bystrouška (Füchsin Schlitzohr)
      Der Marktflecken Hukvaldy entstand erst im 16 Jh. Auch hier charaktervolle Ensembles:

      P6090044_ShiftN von alexanderfranzlechner auf Flickr
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • exforestusbavaricus schrieb:

      Stramberg macht im 360° Bild einen gemütlich-kleinstädtischen Eindruck, sodass ich dich hier bitte, uns noch ein paar Fotos zu spendieren (wanns da nix ausmocht :biggrin: )
      Generell verdanke ich deinen Galerien mein ganzes Wissen über das östliche Mitteleuropa :thumbup:


      Wenn der letzte Satz auf ein umfassendes und gewissenhaftes Studium meiner Galerien hinweisen und die Wortgruppe "noch ein paar Bilder" im zweiten Halbsatz sich auf die auf Seite 2 gezeigten neun Bilder beziehen soll, gegen welche Interpretation in verbaler und grammatikalischer Hinsicht ja rein nichts spricht, dann muss ich dir leider mitteilen, dass ich keine weiteren Bilder dieses "walachischen Bethlehems", wie es sich gerne nennt, zur Verfügung habe. Im anderen Falle wird dir der obige Verweis weiterhelfen.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Zufälligerweise haben Ursus und meine Wenigkeit dieses Fronleichnamwochenende anscheinend in der selben Gegend verbracht. Während Ursus eher nördlich von Pustevny unterwegs gewesen sein dürfte, habe ich mich südlicherseits aufgehalten. Um ein Haar hätten wir uns bei den Pustevny Bauden getroffen. Ich war allerdings einen Tag später erst oben, da ich am noch sonnigen Freitag das wallachische Freilichtdorf in Roznau besuchte, von dem ich auch zwei Bilder bereitstellen kann.

      Die nach dem Architekten Jurkowitsch benannten Bauden. Auch genannt Mamenka und Libusin. Die eine ist eine Speisebaude. Die andere ist ein Baudenhotel.





      Mamankabaude innen. Seher schön und die Svickova haben dadurch noch besser geschmeckt!



      Wallachisches Freilichtdorf Roznau - sehr schön und in einer herrlichen Umgebung gelegen.



      Altes Postgebäude von Roznau - man beachte das alte Postzeichen aus K.k. Zeiten.



      Eine sehr schöne Gegend und interessanterweise besinnt man sich dort auch wieder der Vergangenheit. In fast allen Lokalen, die ich frequentierte hing zumeist ein Bild des Kaiser Franz Josef. Das kannte ich aus Nordböhmen eher weniger.
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit."
    • Mal nicht die immer gleiche Touristenperspektive (mit Lysa hora, dem höchsten Berg der Mähr.-Schles. Beskiden):

      P6080024 von alexanderfranzlechner auf Flickr
      obwohl, es geht auch anders:

      P6080037 von alexanderfranzlechner auf Flickr

      typisch beskidische Landschaft, wie oft in den Karpaten anzutreffen:

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      Radhoscht-Baude - auch hier hängt der alte Procházka:

      P6080014 von alexanderfranzlechner auf Flickr

      Blick vom Berge Srmk über Friedland nach Frýdek-Místek, dessen Doppelanlage recht gut erkennbar ist (oben halbrechts).links sieht man schon einen Schlot des hier beginnenden Ostrauer Kohlereviers:

      P6070001 von alexanderfranzlechner auf Flickr

      Blick vom Smrk, dem zweithöchsten Beskidenberg, nach Süden:

      P6070004 von alexanderfranzlechner auf Flickr

      Beskidendorf mit dem Knjiehinje, dem dritthöchsten Beskidengipfel:

      P6080043 von alexanderfranzlechner auf Flickr
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    • Vgl hiezu auch Seite 4.

      @Zeno
      Wahrscheinlich möchte ich es doch nicht sehen, zu vielen Industrie- und sonstigen Orten ist das Herz herausgerissen worden, wenn es überhaupt eins gehabt hat.


      Versteh ich nicht, Zeno - dass die Städte noch intakte Zetren haben, und dies weitgehend unverschandelt im Gegensatz zu Lauingen, Landshut (Abrisse wie in der Neustadt am laufenen Band wären dort absolut unmöglich!) zeigt doch diese Bildserie. Oder soll es zumindest. Hast du da viele Bausünden feststellen können?

      Zwei Bilder fehlen noch:

      Kapellei in die Beskiden:

      P6070008 von alexanderfranzlechner auf Flickr
      Die Tschechen haben ein nationales Problem: im Gegensatz zu den richtigen Slawen sind sie der Katholisierung anheimgefallen, ohne wie PL und SK dies zur Nationalreligion oder Staatsräson gemacht zu haben. Daher findet man in des Beskiden viel "heimatstilartige" Anklänge an ruthenische Holzkirchen wie in den Ostkarpaten.

      Zurück nach Hukvaldy, dessen Bildserie durch den Exkurs des Exilanten unterbrochen wurde. Hier ist es, das Geburtshaus des größten tschechischen Komponisten:

      P6090046 von alexanderfranzlechner auf Flickr

      Er hat es geschafft, "nationale " Musik zu schreiben, mehr noch als die im Grunde der deutschen Romantik verhafteten Dvorschak und Smetana. Dies durch noch mehr folkloristische Verwurzelung seiner Themen, sowie durch formale Konsequenz, die wie eine ins Groteske übersteigerte Adaption der russischen Reihungsform erscheint.
      Dabei war es um sein Tschechentum gar nicht so großartig bestellt. mE war seine Mutter gebürtige Deutsche, zumindest legt es ihr Mädchenname Grulich nahe. Ev. auch ihre Abkunft als Tochter eines Freiberger Ringplatzbürgers. Im Taufregister war er übrigens als Leo Eugen J. eingetragen. Auch die pseudotschechisierte Form des Vornames, Leoš, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Leo einfach KEIN tschechischer Name ist. In der Literatur wird über diese skandalöse Möglichkeit, die J. übrigens mit einem anderen großen "nationalen" Komponisten, nämlich Belá Bártok, teilen dürfte (auch hier schweigen die Biographen taktvoll über die Herkunft der Mutter) hinweggesehen, auch in der jüngsten, durchaus kritischen Biographie des Deutschen Meinhart Saremba. Der kommunistisch- nationale Biograph Jaroslav Vogel erwähnt immerhin, dass zwei Brüder Leos deutsche Frauen heirateten und "zu Deutschen wurden".
      Bei den Tschechen ist J. übrigens nicht besonders beliebt - und es ist ungefährlich, sie auf diese Möglichkeit hinzuweisen (auf Smetanas richtigen Vornamen Friedrich zu verweisen, ist zweifellos brisanter). Musik des 20. JH wird eben niemals populär werden. Dazu war er rein objektiv alles andere als ein netter Mensch.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Dazu fällt mir ein, dass auch Karl Marx irgendwo einmal erwähnte, dass die Tschechen früher oder später in der deutschen Kultur komplett assimiliert und in dieser aufgehen werden, da es einfach keine Notwendigkeit für das Übrleben des Tschechischen gibt.

      Auch so ein weiterer Irrglaube des Herrn Marx, obwohl er, wenn die Geschichte anders - nämlich ohne Sarajewo oder bei einem anderen Ausgang des 2.WK - verlaufen wäre, vermutlich Recht behalten hätte. Aus diesem Grunde halte ich auf dieser Welt eben alles für möglich, da man keine Entwicklung und sei sie noch so abstrus vorhersehen kann. Vielleicht heißt Wien in 50 Jahren Viden oder Vindobona und Praha wieder Prag oder Berlin dann Berlistanbul.

      Alles ist dynamisch und nichts bleibt statisch - spannend, nicht?
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit."
    • Marx hat sich beileibe nicht so viel geirrt, wie ihm manche unterstellen, wenngleich die politisch-militärische Entwicklung unverhersehbar war. Die Slawen und speziell die Tschechen hat er verachtet (wie er auch Antisemit war), und der Umstand, dass soviele Tschechen Marxisten wurden, erscheint grotesk. Unterschiede in der demographischen Entwicklung zwischen Wien, Prag und Berlin können sich ausschließlich auf den Grad der Islamisierung beziehen bzw deren Abwehr. Dabei haben die Tschechen die besten Karten, obwohl der Islam seinen Nachholbedarf offenbar erkannt hat und auch dort im Vormarsch ist. Die Tschechen werden erst 2070 rechnerisch eine islamische Mehrheit bzw 2050 bürgerkriegsartige Zustände haben. Das Zentrum der Kolonisierung ist übrigens nicht Prag, sondern Brünn.
      Im Grunde ist es deprimierend zu sehen, wie sehr dort unsere Fehler wiederholt werden. Eine tiefere Einsicht ist in Tschechien nicht zu erwarten (höchstens was Stadtbildpflege betrifft, und auch hier nur oberfächlich. Die schönen alten Kalkputze sind verschwunden, wenngleich Fassaden und Ensembles blieben). Der Autobahnbau boomt, und die Beskiden haben in den letzen zwei Jahren ihre Ruhe verloren - offenbar befindet sich darüber ein Luftfahrtkreuz. Das Dröhnen vom Himmel ist so schlimm wie in den Alpen. Trostlos.
      Was die Windräder betrifft, sind sie nicht so blöd wie wir. Sie setzen mehr auf Solarfelder. Wird das und das nichts nützen, aber die Landschaft ist nicht so zugeschissen.
      Ansonsten scheint die bürgerliche Schicht, im Kommunismus noch omnipräsent, völlig verschwunden zu sein. Sicher wird es sie noch geben, aber man sieht sie nicht. In Hukvaldy wird aller Ramsch verkauft, aber keine CDs. In den Beskiden sind die gleichen stumpfsinnigen Firmenseminare wie bei uns zu beobachten. Die heranwachsende Generation wirkt so vertrottelt wie bei uns.
      Es ist interessant, dass alle stattfindenden oder sich abzeichnenden, teilweise widerstreitenden Entwicklungen - Amerikanisierung, Islamisierung, Globalisierung, Kommerzialisierung, Liberalismus auf die Auflösung des Bürgertums hinauslaufen. Klassischer Konzertbetrieb und großflächiger Stadtbildschutz wird dann mangels Interessenten einfach nicht mehr möglich sein - in W-Deutschland sieht man mE das schon deutlich anhand der trostlosen Entwicklung zB in Landshut oder Memmingen. Was da verschwindet, das waren eben - Bürgerhäuser.
      Nun - einiges wird sich durch den bevorstehenden und höchst wünschenswerten Crash, der hoffentlich auch zu einem Zerfall der EU führen wird, zum Besseren wenden. Aber die Zeit danach wird auch kein Honiglecken, und vieles ist schon verloren.
      So wenig einnehmend vieles auch an Janacek war - ein Gestalt wie er fehlt heute - eine Künstlerpersönlichkeit von einigem Einfluss, ein Idol für die Leute, ein politisch denkender Mensch, der nicht dem schwachsinnigen pseudo-linken Liberalismus verfallen ist, und nicht dieser Strömung nach dem Maul redet, also nicht so moralisch verkrüppelt wie unsere heutigen "Eliten", über die man nur kotzen kann und die ohnehin niemand mehr ernstnimmt. Ein Dorm im Auge der Demagogen und Mächtigen.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • ursus carpaticus schrieb:

      Das Zentrum der Kolonisierung ist übrigens nicht Prag, sondern Brünn.
      .
      Das muss auch nicht unbedingt das Zentrum sein. In Österreich ist es ja auch eher Dornbirn und weniger Wien, In Deutschland auch eher Frankfurt, Duisburg und Köln als Berlin, Hamburg oder München, in Frankreich eher Marseille und Toulouse als Paris, in England eher Birgmingham als London, in Spanien Barcelona und nicht Madrid und in Italien Mailand und nicht Rom. (Malmö - Stockholm usw...)
      "Ich denke an Wien, so wie Sie an Brüder, an Freunde denken, die jetzt an der Front sind. Nun sind sie fern von Ihnen und Sie wissen sie in Gefahr, ohne ihnen beistehen, ohne diese Gefahr teilen zu können" - Stefan Zweig 1940