Institutionen des Denkmalschutzes in der Kritik

  • Ich vermute, dass es sich bei dieser Doktrin rund um erkennbare (reine!) Altbauteile und neuere Anfügungen um eine pragmatische Lösung eines regulatorischen Problems handelt. Eigentlich müsste man anerkennen, dass es da nicht den einen richtigen Weg gibt. Weil aber heute alles möglichst überprüfbar und schematisch zu vergleichbaren Ergebnissen führen soll, kommt man ganz automatisch zu dieser Lösung. Die Lösung ist nicht nur aufgrund des Standardisierens attraktiv für eine Behörde, sondern auch, weil sie reversibel ist. Etwas so anzufügen, dass es nicht mit dem Bestand verschmilzt, hält alles bürokratisch sortiert. Ästhetik ist unter einer solchen Metrik nicht quantifizierbar und damit irrelevant.

  • Nun bei dieser Thematik mischen sich zwei ungute Strömungen: der Dogmatismus aus dem Denkmalschutz (Charta von Venedig, Dehio :opa:perpetuiert von Generationen von Denkmalpflegern) (in vielen Ländern wird das übrigens bei weitem nicht so dogmatisch gehandhabt, siehe Spanien, Italien oder England) und als zweite Player die ideologisch indoktrinierten Architekten. Da wird m.E. oft recht schnell klar, dass dort sehr wohl viel Ideologie mit im Spiel ist. Schon allein das Gefasel von demokratischer Transparenz durch möglichst viel Glas ist quasi vom Wintergarten des Dorfbürgermeisters bis zum Bundestag mittlerweile Legion. Bruch und Dekonstruktion sind der idologische Goldstandard der Architekten, der auf willige "Abnehmer" im Denkmalschutz trifft. Beides geht Hand in Hand (mit ganz wenigen Ausnahmen) und ganz besonders schlimm wird es oft, wenn Staat oder Kirche die Auftraggeber sind.


    Dass es anders geht, zeigt uns das just gestern eröffnete Levine Gebäude am Trinity College in Oxford:

    https://adamarchitecture.com/project/trinity-college-oxford/


    Quote

    The buildings are in two parts that share a common core, resulting in a compact plan and an overall scale that sits comfortably with its neighbours and with the listed buildings in the adjoining Conservation Area.

    The site is an extremely important historic feature of the College and the impact of the new building has been very carefully considered

    In Deutschland ist eine "careful consideration" des "impacts" in einer "Conservation Area" in diesem Sinne nicht mehr vorhanden. Im Normalfall kann man sich hierzulande gar nichts mehr anderes vorstellen, als einen möglichst krassen Bruch.


    (siehe Erweiterung Schloss Gottorf:

    Quote

    Gleichzeitig berücksichtigt die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen die Vorgaben durch die Denkmalpflege, nach denen sich der Neubau deutlich vom Altbau abgrenzen muss.

    )


    Übrigens ist das Gebäude in Oxford kein "traditionalistisches" oder "historistisches" Gebäude im Sinne eines Entwurfs mit enger Führung in historischem Stil, sondern man merkt durchaus, dass es aus der Jetztzeit kommt. Und trotzdem ist es kein Bruch. (Hier ein Foto)


    (Da könnte unsereins höchstens noch geschmäcklerisch Fragen, warum man nicht gleich "in die Vollen" gegangen ist, wie vor einigen Jahren beim neuen Uhrturm des Harris Manchester College samt Torbogen (nicht allzu weit entfernt), Yiangou Architects, 2014:Harris_Manchester_College%2C_Oxford_%E2%80%93_Siew-Sngiem_Clock_Tower_and_Sukum_Navapan_Gate.jpgQuelle:Jonas Muschalski, CC BY-SA 4.0, wikimedia commons


    Wenn man etwas näher am Thema bleiben möchte, kann man auch einen schönen Vergleich der Kathedrale von Bury St Edmunds nehmen:

    vorher

    nacher


    In Deutschland unvorstellbar, da werden zu angepasste Erweiterungen aus der Vergangenheit vom Denkmalschutz als wertlos und von der Architektenschaft als nicht zu wiederholender Unfall betrachtet, der eradiziert gehört, siehe u.a. Deutschhaus/Landtag in Mainz, Schloss Nymphenburg)


    Um nochmal auf zeitlos' ursprünglichen Beitrag zu kommen, den Vogel schießt Bürgermeister Schmidt ab:

    Bürgermeister Schmidt, der aus seinem Dienstzimmer täglich auf die Alte Kirche blickt, findet die neue Farbgebung gar nicht so negativ. Sie passt seines Erachtens sehr gut zu den Sitzstufen des neuen Rathausplatzes und wenn erst einmal die neue Regenrinne Patina angenommen habe, sei der Kontrast zur ehemaligen Kirche nicht mehr störend.

    Jeder Kommentar erübrigt sich da. Gut, dass es für die Nachwelt dokumentiert ist, falls nachfolgende Generationen mal fragen werden, wie so etwas möglich war.


    Vor ein paar Jahren gabs übrigens einen ähnlichen Fall im Schwarzwald (hier besprochen) : https://www.schwarzwaelder-bote.de/gallery.schoemberg-sakristei-in-schoerzingen-feierlich-eingeweiht

  • Nun bei dieser Thematik mischen sich zwei ungute Strömungen: der Dogmatismus aus dem Denkmalschutz (Charta von Venedig, Dehio :opa: perpetuiert von Generationen von Denkmalpflegern)

    Wobei man konstatieren muss, dass sowohl die Charta von Venedig als auch die Theorien von Georg Dehio bedeutende Meilensteine in der Entwicklung der Denkmalpflege darstellen. Ohne sie wäre der Schutz unseres Kulturerbes nicht auf dem heutigen Niveau. Man denke zum Beispiel daran, dass noch bei der Restaurierung des Speyerer Doms in den 1960er Jahren die wertvolle historistische Ausmalung vernichtet wurde.


    Ich verstehe nicht, warum einige hier ihr Feindbild anhand der Denkmalpflege schärfen. Grundsätzlich haben Denkmalschutzbehörden und Rekonstruktionsinitiativen ähnliche Zielrichtungen. Dass man nach 60 Jahren Charta über eine Reformierung oder Nachschärfung des Denkmalschutzes diskutieren darf, ist dabei unbenommen

  • Ich war ja kürzlich auf dem "Konvent der Baukultur" in Potsdam, wo sich auch der institutionelle Denkmalschutz zahlreich rumtrieb. Man merkt schon, dass viele da völlig unverhohlen von ihrer eigenen Weltsicht motiviert sind. Da wurde so viel geschmäcklerisch von "tollen, aufregenden Brutalismusbauten" und "faden Altbauten" schwadroniert an den Diskussionstischen, das fand ich schon auffällig. Das hat dann ja nichts mit einer wissenschaftlich-objektiven Sicht auf die Epochen zu tun.


    Gleichzeitig scheint erstaunlicherweise endlich die Wertschätzung für das 19. Jahrhundert und den Historismus zu steigen.
    Einige zeigten sich in Gesprächen fasziniert davon, wie schnell man so massiv viel Stadtraum rund um die Gründerzeit schaffen konnte. Und das auch noch in nachhaltig hoher Qualität, in der die bis heute sehr beliebten Quartiere und Kieze entstanden.

  • Dass der Denkmalschutz nicht immer im Sinne der Rekonstruktionsfreunde handele, dieser Einschätzung kann ich noch folgen. Was allerdings absurd ist, ist der Vorwurf der Ideologie.

    Deine Kommentare sind einfach die besten. :lachentuerkis::lachentuerkis::lachentuerkis:


    Wenn die 100 Jahre alte (und nachweislich völlig obsolete) Dehio-Doktrin, die das Prinzip Rekonstruktion fast generell ächtet und nach der unsere Denkmalpflege verbissen und rigide handelt, keine Ideologie ist, wüsste ich nicht, was es sonst sein soll.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Absolut.

    Und wie oft hat sich der Denkmalschutz schon als Ensemble-Purist aufgespielt, wenn es darum ging, dass Neubauten sich in einem historischen Umfeld mit tradierten Gestaltungselementen einfügen sollten - und durch die Denkmalschützer irgendwelche Maximalkontraste durchgesetzt wurden. Sowohl bei Sanierungen als auch Neubauten. Da wird so viel Unsinn landauf landab verzapft, der ganz klar ideologisch motiviert ist. "Bloß keine 'Anbiederung' an klassische Bauten!" Kein Gespür für Harmonie, Hauptsache "Kontraste".


    Als besonders tragisches Beispiel fällt mir da immer mein geliebtes Usedom ein, wo der Denkmalschutz durchgesetzt hat, dass das Hotel Kaiserstrand statt in schöner und passender Bäderarchitektur (wie vom Investor gewünscht) in langweiligstem und billigstem Betonmodernismus eingepflanzt wird...

  • Deine Kommentare sind einfach die besten. :lachentuerkis::lachentuerkis::lachentuerkis:

    Es freut mich, dass ich dich erfreuen durfte, aber ich befürchte deine Maustaste klemmt ein wenig oder gehörst du zu den Leuten, die es nicht schaffen, sich ohne eine Horde Emojis zu artikulieren?


    Dehio-Doktrin

    Einige nennen es aus aus einer guten Portion Halbwissen heraus vielleicht Doktrin. Fakt ist, dass Dehio einer der Pioniere der Denkmalpflege ist. Ohne ihn hätte diese im 20. Jahrhundert nicht die hohen Standards entwickeln können, von denen wir heute profitieren. Natürlich darf die kritische Frage gestattet sein, wie sich die Denkmalpflege des 21. Jahrhunderts weiterentwickelt hat. Dehio aber derart herabzuwürdigen, das zeugt von keinem wirklich fachkundigen Verständnis der Materie. Daher hier vielleicht zur schnellen Orientierung ein kurze Geschichte der Denkmalpflege vom 18. Jahrhundert bis heute: https://www.zeilenabstand.net/…hichte-der-denkmalpflege/

  • Es freut mich, dass ich dich erfreuen durfte, aber ich befürchte deine Maustaste klemmt ein wenig oder gehörst du zu den Leuten, die es nicht schaffen, sich ohne eine Horde Emojis zu artikulieren?


    Einige nennen es aus aus einer guten Portion Halbwissen heraus vielleicht Doktrin. Fakt ist, dass Dehio einer der Pioniere der Denkmalpflege ist. Ohne ihn hätte diese im 20. Jahrhundert nicht die hohen Standards entwickeln können, von denen wir heute profitieren. Natürlich darf die kritische Frage gestattet sein, wie sich die Denkmalpflege des 21. Jahrhunderts weiterentwickelt hat. Dehio aber derart herabzuwürdigen, das zeugt von keinem wirklich fachkundigen Verständnis der Materie. Daher hier vielleicht zur schnellen Orientierung ein kurze Geschichte der Denkmalpflege vom 18. Jahrhundert bis heute: https://www.zeilenabstand.net/…hichte-der-denkmalpflege/


    Stell dir vor, dass Dehio "Pionier" war, weiss ich. Wir leben aber nicht mehr im Kaiserreich - und ich denke du weisst sehr gut, dass der 2. Weltkrieg unsere Städte so ein bischen verändert hat, sehe ich das richtig ? Um zu wissen, wer George Dehio war, und was genau er postulierte - und inwieweit seine Lehre heute die Denkmalpflege beeinflusst - würde übrigens ein Viertelwissen ausreichen.


    Ich muss kein Kunsthistoriker sein, um zu sehen welcher Schrott und formensprachliche Makulatur seit 1945 unsere Städte "ziert". Dazu reicht es, ein sensibler Mensch mit künstlerischer Veranlagung zu sein (bin u.a. klassischer Musiker, d.h. Kenntnisse in mehr als 3 Akkorden und Polyphonie etc.). Hilfreich ist auch, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, eine Eigenschaft für die Du nicht nicht unbedingt bekannt bist, um es höflich zu formulieren. Es muss auch niemand Politikwissenschaftler sein, um zu erkennen welche Katastrophenpolitik gewisse politische Parteien betreiben.


    Da die Denkmalpflege der Meinung ist, Rekonstruktion sei "verboten" (wenige Ausnahmen) - obwohl es keine rechtliche Norm gibt die dies verböte, eine "moralische" wäre vermessen - also genau diese absurde Vorgehensweise durchführt die Dehio forderte, erlaube ich mir, dies "Doktrin" zu nennen. Ich denke nicht, dass du in der Position bist, denkenden Menschen die Wahl ihrer Terminologie zu bestimmen, vor allem wenn diese begründet ist. Willst Du behaupten, die Denkmalpflege vertritt Dehios Ansichten nicht bis heute?


    Was Dehio im Kaiserreich forderte war sinnvoll, denn der Kaiser wollte Burgruinen aufbauen, was man tatsächlich als Verfälschung betrachten kann. Betonung lieft auf "kann". Ich wäre nicht grundsätzlich dagegen, wir waren als Kinder oft auf der Burg Hohenzollern, ein Erlebnis dass so beeindruckte dass die Erinnerung noch sehr lebendig ist. In einem intakten Gebäude ist Leben, ein Gang durch den bemoosten holprigen Boden einer leeren Ruine wäre nicht vergleichbar. Insofern finde ich die Reko der Burg Hohenzollern auf keinen Fall einen Fehler. Im Gegenteil, es wäre ein folgenschwerer Fehler gewesen sie nicht aufzubauen.


    Man kann darüber streiten, wie hoch die Anzahl der Ruinen hätte sein "dürfen" (Kunsthistoriker scheinen gerne Juristen zu spielen, vielleicht überschreiten sie hier ihre Kompetenz), aber das Entscheidende ist, dass Dehios Forderung im damaligen Kontext der Zeit (die Burgenromantik des Kaisers) sinnvoll war.


    Dehio aber starb vor dem 2. Weltkrieg, konnte also weder die Katastrophe ausradierter Städte ansehen, daher auch seine Forderung nicht revidieren.


    Paul Clemen, Zeitgenosse Dehios, kannte sowohl die intakten Städte des Kaiserreichs als auch die Katatstrophe der zerstörten Städte, denn anders als Dehio überlebte Clemen den 2. Weltkrieg. Er begann sehr schnell, sioh selber zu widerlegen und hielt in Rheinländischen Kirchen Vorträge mit der Botschaft:


    "Baut es lieber doch wieder auf".


    Eine "Doktrin" ist übrigens ein anderes Wort für "Lehre", und zwar für eine als allgemein gültig anerkannte. Wenn Du mir erzählen willst, Du wüsstest nicht dass die Deutsche Denkmalpflege diese Lehre ( = Doktrin) bis heute als alleingültige vertritt und wider besseres Wissen rigide an ihr festhält - und dabei die Konsequenzen der Weltkriege ignoriert - dann bist Du ein gar seltsamer Kunsthistoriker.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Ich denke nicht, dass du in der Position bist, denkenden Menschen die Wahl ihrer Terminologie zu bestimmen, vor allem wenn diese begründet ist.

    Ich lege nicht die Wahl der Terminologie fest. Ich widerspreche dir, weil du mir deinem - ich zitiere dich selbst - "Viertelwissen" fragwürdige Schlüsse ziehst.


    Kunsthistoriker scheinen gerne Juristen zu spielen, vielleicht überschreiten sie hier ihre Kompetenz

    Und ich glaube nicht, dass du in der Position bist, meinen Berufsstand zu beurteilen.


    Eine "Doktrin" ist übrigens ein anderes Wort für "Lehre", und zwar für eine als allgemein gültig anerkannte. Wenn Du mir erzählen willst, Du wüsstest nicht dass die Deutsche Denkmalpflege diese Lehre ( = Doktrin) als alleingültige vertritt und bis heute rigide an ihr festhält, dann bist Du ein ganz seltsamer Kunsthistoriker.

    Wie ich bereits schrieb: Du bist auch nicht in der Position zu beurteilen, ob ich ein seltsamer Kunsthistoriker bin. Überhaupt, was sollen diese ad-hominem-Argumente bezwecken? Möchtest du mich provozieren?


    Paul Clemen, Zeitgenosse Dehios, kannte sowohl die intakten Städte des Kaiserreichs als auch die Katatstrophe der zerstörten Städte, denn anders als Dehio überlebte Clemen den 2. Weltkrieg. Er begann sehr schnell, sioh selber zu widerlegen und hielt in Rheinländischen Kirchen Vorträge mit der Botschaft:


    "Baut es lieber doch wieder auf".

    Paul Clemen lebte nicht lange genug, um die Denkmalpflege nach dem Krieg wirklich aktiv zu beeinflussen. Er starb bereits 1947. Gleichwohl sind doch die Leitbauten in Deutschland in großer Anzahl wieder aufgebaut worden. Woher möchtest du einschätzen, ob nicht auch Dehio angesichts der Verwüstung des Zweiten Weltkriegs seine Einschätzungen relativiert oder gar revidiert hätte?


    Übrigens zu Paul Clemen:

    In sei­nen über 400 Schrif­ten hat Cle­men den Grund­stein für die heu­ti­ge Denk­mal­pfle­ge ge­legt. Da­zu ge­hör­ten der weit ge­fass­te Denk­mal­be­griff, der das Stadt­bild und die Land­schaft mit ein­schlie­ßt, eben­so wie die In­dus­trie- und Gar­ten­denk­mal­pfle­ge, aber auch ei­ne kri­ti­sche Po­si­ti­on zu Re­kon­struk­tio­nen.


  • Paul Clemen lebte nicht lange genug, um die Denkmalpflege nach dem Krieg wirklich aktiv zu beeinflussen. Er starb bereits 1947. Gleichwohl sind doch die Leitbauten in Deutschland in großer Anzahl wieder aufgebaut worden.


    Du bist echt anstrengend als Gesprächspartner......


    Nirgendwo schrieb ich Clemen habe die Denkmalpflege beeinflusst. Er hat sie eben leider nicht beeinflusst.

    Liest Du Beiträge. bevor Du sie kommentierst? :lachen: :lachen:


    Mein Punkt war, und ich denke den hast du auch sehr gut verstanden, dass Clemen seine Ansichten änderte, eben da er die Konsequenzen der Totalzerstörung kennenlernte. Dehio konnte sie nicht kennenlernen, da er sie nicht mehr erlebte. Also gründet sich seine Doktrin auf Annahmen die heute nicht mehr existieren d.h. die Doktrin ist obsolet.

    Was ist daran so unverständlich?


    Es geht nur darum, dass beide die gleiche Weltsicht hatten d.h. die des Kaiserreichs, aber der eine starb während der andere die Totalzerstörung der Denkmäler erlebte und entsprechend seine Ansichten bezüglich des Umgangs mit Denkmälern drastisch änderte. Es ist davon auszugehen, dass Dehio seine Sicht ebenfalls geändert hätte, hätte er einen Blick auf Köln oder Dresden 1945 geworfen.


    Und die Denkmalpflege vertritt noch heute die Doktrin eines Menschen der von unversehrten Städten ausging, was eine Fehlannahme ist.


    Noch einfacher kann man es nicht erklären, sorry. Und ich denke du verstehst auch sehr gut, was ich schrieb,


    Quote


    Woher möchtest du einschätzen, ob nicht auch Dehio angesichts der Verwüstung des Zweiten Weltkriegs seine Einschätzungen relativiert oder gar revidiert hätte?


    Oh weia.....Junge du bist echt anstrengend.


    Und warum hält dann die Denkmalpflege an einer 100 Jahre alten Doktrin fest, wenn sie nicht mehr zeitgemäß ist?`


    Und: vor allem da sie genau weiss, die Doktrin wurde auf Umständen aufgebaut (unzerstörte Städte, Monarchie) die schon lange nicht mehr existieren?


    Die Dehio-Doktrin war im Kaiserreich richtig, heute veraltet und eine Fehlannahme da wir nicht mehr im unzerstörten Kaiserreich leben - was aber Dehios Grundlage war.

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Oh weia.....Junge du bist echt anstrengend.

    Wenn du meinst. Dann streng dich mal an.


    Und warum hält dann die Denkmalpflege an einer 100 Jahre alten Doktrin fest, wenn sie nicht mehr zeitgemäß ist?`


    Und: vor allem da sie genau weiss, die Doktrin wurde auf Umständen aufgebaut (unzerstörte Städte, Monarchie) die schon lange nicht mehr existieren?

    Na ja, woran sich die Denkmalpflege vor allem orientiert, ist die Charta von Venedig, die 1964 entstand. Sie (und hier erlaube ich es mir Wikipedia zu zitieren, weil ich es auch nicht besser ausdrücken könnte) "gilt als zentrale und international anerkannte Richtlinie in der Denkmalpflege und als wichtigster denkmalpflegerischer Text des 20. Jahrhunderts. Sie legt zentrale Werte und Vorgehensweisen bei der Konservierung und Restaurierung von Denkmalen fest."

  • Ein klassisch dreistes Vorgehen dieser zwei "Münchner Geschäftsleute". Erst ersteigern sie das Haus, dann stellen sie der Stadt das Ultimatum: Renditeträchtiger Anbau bei Erhalt des Gebäudes oder Komplettabriss und Bebauung mit einer Renditekiste. Und als die Stadt ablehnt, werden denkmalwürdige Teile schnell herausgerissen, damit der Denkmalschutz sagt, dass keine Unterschutzstellung mehr möglich ist, da bereits entstellende Umbauten stattfanden.

    Schande über solche geldgierigen Typen. Mögen sie finanziell bald kräftig auf die Nase fallen.

  • Dießen am Ammersee:

    Haus aus der Gründerzeit erhält modernistischen Anbau: https://www.sueddeutsche.de/mu…tektur-arzthaus-1.5582293


    Die Terminologie ist falsch. Ich denke es ist höchste Zeit, dass sich endlich herumspricht, dass eine solche Fehlplanung weder "modern" noch "modernistisch" ist. Sie ist einfach nur grottenschlecht, miserable Qualität und m.E. Ausdruck dessen, dass hier ein weiterer "Baukünstler" den falschen Beruf ergriff und lieber Steuerberater oder Eiskremverkäufer hätte werden sollen. Da kann er weniger Schaden anrichten.


    Ein solcher Karton hat mit "modern" überhaupt nichts zu tun, zumal dieser Schuhkarton-Stil über 100 (!) Jahre alt ist. Peinlich. Hier geht es offenbar nur noch um Ideologie und Destruktionswillen.


    Um es etwas simpler aber deutlicher zu formulieren: Das Ding sieht einfach abartig aus.


    PS: Es hat aber einen Vorteil -

    Es ist garantiert nicht "rechtsextrem" ! :lehrer:   :blink: :D

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Norishalle, Nürnberg -

    geschützte Hässlichkeit durch Denkmalpflege(r) zum Schaden für das Stadtbild


    „ ... Grabers Norishalle ist ein wunderbarer Beleg dafür, dass die Frage, ob ein Objekt Denkmalschutz genießen sollte oder nicht, Experten vorbehalten bleiben sollte. Schutz verdient, was uns und künftigen Generationen anschaulich und in typischer Weise von Geschichte, Kunst, Städtebau, Wissenschaft und Volkskunde der Vergangenheit berichtet. Und das tut die Norishalle wie kaum ein anderes Bauwerk seiner Entstehungszeit in Nürnberg. Persönliches Schönheitsempfinden, das bei jedem Menschen anders ist, dagegen ist ein miserabler Gradmesser ...“


    Quelle: https://www.nordbayern.de/regi…te-architektur-1.12203000

  • Wirkt schon sehr von oben herab gesprochen...

    Hat die Schönheit eine Chance-Dieter Wieland

  • So ein Bulls***. Herr Sebastian Gulden, der Autor dieses Artikels, ist damit ein weiterer "Experte" (in diesem Fall Kunsthistoriker), der allen "Ungebildeten", die sich natürlich nur auf Gefühle ("Schönheitsempfinden") verlassen (und nicht auf die in unserer westlichen Welt einzig zählenden rationalen, harten Fakten), die Urteilsfähigkeit abspricht, und die alleinige Deutungshoheit für seine Peer-Group, die "Experten", beansprucht. Elitäres Denken, das völlig an der Allgemeinheit vorbei geht.

    Er widerspricht sich auch meiner Meinung nach selbst, wenn er einerseits von "persönlichem Schönheitsempfinden, das bei jedem anders ist" spricht (eindeutig Denkschule des Modernismus - "keiner kann sagen, was schön ist"), und andererseits gleich in der Überschrift schreibt, dass die Norishalle "nicht schön, aber schützenswert" sei. Damit erkennt er ja direkt in der Überschrift an, dass die Halle allgemein, und nicht nur punktuell, als hässlich empfunden wird. Natürlich gibt es Regeln für Ästhetik, das wussten Künstler und Architekten über tausende Jahre. Nur seit einem Jahrhundert müssen wir uns mit diesem Nonsens "Schönheit ist Meinungssache" rumschlagen. :zeitung:  :gehtsnoch:

    Ich finde, neben einem "Denkmalamt" müsste es baldmöglichst auch eine Art "Ästhetikamt" geben, dass sich mit Fragen der Schönheit unseres Lebensumfeldes beschäftigt. Und das über dem Denkmalamt steht - ein Denkmal kann dann weg, wenn es nicht auch ein ästhetisches Denkmal ist.

    Klingt vielleicht utopisch, aber vor 100 oder 50 Jahren hat sich auch noch keiner um die Luftreinhaltung geschert, oder die Lärmbelastung. Oder gar die Lichtverschmutzung in urbanen Gebieten. Ich bin also einfach mal zuversichtlich, dass ich dieses "Ästhetikamt" noch erleben werde. cheers:)

  • "... dass die Frage, ob ein Objekt Denkmalschutz genießen sollte oder nicht, Experten vorbehalten bleiben sollte"

    Na klar. Wer will schon durch Normalmenschen in seinem Tun gestört werden? Ist es nicht viel schöner, ohne Rücksicht auf die Allgemeinheit machen zu können, was man will? Zu diesem Zweck wird die Idee vom Expertentum dahergebracht, um die Mitmenschen auch gleich wissen zu lassen, dass sie sowieso keine Ahnung haben und froh sein sollen, dass die Experten besser wissen, was ihnen zu gefallen hat.

  • Der Autor Sebastian Gulden ist einer der Betreiber der FB-Seite Nürnberg - Stadtbild im Wandel. Diese ist durchaus sehr informativ und von bemerkenswertem Hintergrundwissen geprägt, wenn auch ohne die kritische Distanz zur Nachkriegsmoderne, die wir uns wünschen würden.

    Ich denke, genau so wie der Artikel argumentiert auch der heutige Denkmalschutz, insofern ist es ein Dokument der selbstbezogenen Haltung in Fachkreisen, die den Bürgern aufgrund angeblich fehlender Kompetenz das Mitspracherecht vorenthält, und das daher nicht unwidersprochen bleiben darf.

  • Ich muss meinen Kollegen da in Schutz nehmen. Denkmalschutz ist nun mal eine Disziplin, die eine gewisse Expertise erfordert. Das ist auch keine neue Erkenntnis und dürfte auch niemanden überraschen, ebensowenig, dass Ästhetik hierbei ein untergeordnetes Kriterium darstellt. Ich würde mir trotzdem manchmal wünschen, dass in Fragen der Denkmalpflege mehr Fingerspitzengefühl zu erkennen wäre. Ich wiederhole mich dabei: Auch wenn hier immer wieder Bashing gegen die moderne Denkmalpflege betrieben wird, ohne sie würden unsere Altstädte gänzlich schutzlos dastehen.