Denkmalschutz in der Kritik

  • Das bekannte ostdeutsche Ferienparadies auf der Viktorshöhe bei Friedrichsbrunn verfällt. (MZ-Beilage "Blick)Es ist wieder das gleiche Lied: Nachdem die Höhe zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, ist eine gastronomische Nutzung nicht mehr erlaubt. Deshalb findet sich kein Investor. Die Vandalen gehen ein und aus. Sogar eine Leiche wurde gefunden. Naturschutz macht an solchen Orten aktiven Denkmalschutz unmöglich.

    Ähnlichem fiel das Objekt Königendorf bei Dessau zum Opfer. Es wurde vor ein paar Jahren abgefackelt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Viktorshöhe

  • Fotolinks tun gut, damit sich Forumskollegen etwas darunter vorstellen können.


    Einst: https://de.wikipedia.org/wiki/…K%C3%B6nigendorf_2010.JPG


    Dann: https://commons.wikimedia.org/…%C3%B6nigendorf_2012a.JPG

    Das war nur das Hauptgebäude. Wie auch auf der Viktorshöhe, war der Verfall nicht aufzuhalten, nachdem eine gastronomische oder Erholungsnutzung untersagt und der Objektschutz abgezogen wurde. Alle Wertobjekte inclusive des exotischen Baumbestandes wurden verhökert. Die Natur holt sich das Gebiet zurück. Manchem kommt das sehr gelegen. Vermutungen gehen bis zum unterirdischen Atombunker der lokalen Nomenklatura.

  • Sofortige Entlassung derartiger "Denkmalschützer" wäre das Mittel der Wahl. Über einen einstündigen Zwangsaufenthalt per Halsgeige am viel frequentierten Haupteingang wäre nachzudenken.

  • Über einen einstündigen Zwangsaufenthalt per Halsgeige am viel frequentierten Haupteingang wäre nachzudenken.

    Ich glaube so etwas ist heute nicht mehr so ganz legal - außerdem würde so etwas ja das wunderschöne Ensemble stören :biggrin:

  • Wenn ich mir die Unterzeichner der Charta von Venedig anschaue, dann sehe ich vor allem viele Vertreter aus Italien, Frankreich und Spanien. War dort wirklich die damalige Elite des Denkmalschutzes zusammengekommen? Oder war es eher eine italienisch-französisch-spanisch dominierte Konferenz? Was war der Grund das kein Unterzeichner aus den USA dabei war und auch kein Unterzeichner aus den kriegszerstörten Ländern England, Deutschland und Japan?

  • Quote

    Denkmal-Dilemma: Steht die Geschichte der Heimat im Weg?


    Die Bausubstanz marode, eine Sanierung viel zu teuer. Seit Jahren stehen die Fugger-Häuser im schwäbischen Bubenhausen leer. Abreißen und neu bauen – die einfache Lösung? So wollen es jedenfalls die Bubenhausener und wenden sich mit einer Petition an den Landtag. Doch ihr Gegner heißt Denkmal- bzw. Ensembleschutz. Die schwierige Abwägung lautet: Was soll man in Bubenhausen bewahren? Einen lebendigen Ortskern mit Neubauten oder alte Häuser mit historischer Bausubstanz?

    Quelle:

    https://www.br.de/mediathek/vi…bGyLlomePfVgTXz1TUJlCcTaY


    Der Beitrag ist ab Minute 35:30 zu sehen.


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
    www.archicultura.ch

  • Stattdessen ist Wohnungsbau geplant gewesen:

    Die damalige Planung sah vor, dass fünf Wohneinheiten in dem Gebäude untergebracht werden. Zusätzlich Stellplätze. Städtebaulich fügt sich das Vorhaben ein.

    Interessanterweise, war die Stadt bereit sich für die Aufhebung des Ensembleschutzes einzusetzen, und hatte entsprechende Reaktionen erhalten:

    Quote from Sitzungsprotokoll 01/20

    Im Rahmen dieser Besprechung signalisierten die Vertreter des Denkmalamtes, dass Sie einer Aufhebung des Ensembleschutzes nicht im Wege stehen würden. Sie begründeten dies damit, dass im gesamten Ensemble es lediglich noch zwei Denkmäler gebe und von einem schützenswerten Ensemble nicht mehr viel vorhanden sei. Sie baten jedoch darum, dass man im Stadtrat die Möglichkeit der städtebaulichen Denkmalpflege nicht unberücksichtigt lassen sollte.

    Warum der Schutz nun doch durchgesetzt wurde, kann ich nicht rückverfolgen, eventuell findet da Jemand etwas dazu, es wurde nun aber ein kommunales Denkmalkonzept erstellt, ein sehr aufwendiges Verfahren. Und wesentlich hat sich die Meinung der Stadt verändert:

    Quote from Stadtanzeiger 06/21

    In Bubenhausen steht der Straßenzug der Babenhauser Straße unter besonderem Ensembleschutz. Er zählt damit zu den 800 wichtigsten Orts-, Platz- oder Straßenräumen in Bayern. [...]

    Die Straßenzeile dokumentiert mit ihrer Bebauung und im Grundriss die Anlage einer spätmittelalterlichen Webersiedlung, die auf Initiative der Fugger zurückgeht. Die heutige Bebauung stammt vorwiegend aus dem 19. Jh. Es handelt sich um eine regelmäßige Reihung streng giebelständig zur Straße stehender Häuser, zwei-geschossiger Wohnstallbauten mit z. T. noch hakenförmig angelegter Scheune. Vor dem ehem. Gasthof Hirsch kommt es zu einer platzartigen Erweiterung der Straße, die insgesamt die planmäßige Anlage des 16. Jh. anschaulich macht.Auf der Denkmalkarte sieht man rosa hinterlegt das Ensemblegebiet, mit ca. 43 Anwesen in einzigartig regelmäßiger giebelständiger Reihung der bis zu 200 Jahre alten Wohnstallhäuser. Die meisten Ausbauten oder Ersatzbauten in der Siedlung folgten diesem Bauschema bis ins 19. Jahr-hundert auf der Grundlage entsprechender Bauordnungen. Viele der Wohnstallhäuser im Ensemble sind im Kern ca. 200 Jahre alt.

    Das Konzept ermöglicht wohl jedoch auch erleichtert Neubauten zu errichten:

    Quote from Stadtanzeiger 06/21

    Aus den abgestimmten Kriterien und Werten des geschützten Orts-, Platz- oder Straßenbildes von Bubenhausen ergeben sich also Ziele und Empfehlungen für die Instandsetzung von Bestandsbauten und ggf. für zukünftige Neubauten im Ensemblegebiet.

    Veröffentlichung Stadt, Ensemblegebiet