• Ach, Georg Diez ist doch jener linke Fundamentalist, der unlängst schon aus Christian Kracht wegen dessen Roman "Imperium" einen "Nazi" machen wollte. Das misslang, weil selbst das sonst diesbezüglich ja nicht zimperliche bundesdeutsche Feuilleton Diez mehrheitlich die rote Karte zeigte. Nun hat er sich eben auf die scheinbar ungefährlichere Ebene der Architekturkritik verlegt.

    http://www.welt.de/kultur/literar…Nazi-macht.html

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/1676838/

    http://www.faz.net/aktuell/feuill…l-11734277.html

    http://www.sezession.de/30107/christia…thode-diez.html

  • Bei der Formulierung "Deutschland erledigt sich seiner Nachkriegsmoderne" sollten die Ansprüche vielleicht auch nicht so besonders hoch gestellt werden. In einem Architekturforum in Themen politischer oder gesellschaftlicher Natur abzudriften, mag man vielleicht auf den ersten Blick als etwas heikel ansehen, läßt sich aber aus den Erfahrungen der letzten Jahre nicht vermeiden. Daß sich der Spiegel seit einigen Jahren in einem Zustand kontinuierlich sinkenden Niveaus befindet, ist mittlerweile derart allgemein bekannt, daß es keinen Sinn macht, dieses noch näher zu thematisieren. Die sich mittlerweile auch in einem fortgeschrittenen Alter befindenden 68er mögen solche Texte wie jenen als Beweis sehen, daß sich die ganze Welt um sie herum gegen sie verschworen hat, aber auch solches regelt die Zeit. Da der Spiegel so tief wie derzeit gesunken ist, stellt sich überdies die Frage, ob man es sich erlauben darf, aufgrund der einstigen Bedeutung den derzeitigen Zustand zu bedauern (womit man zu den vom Spiegel so sehr verhaßten konservativen Menschen gerechnet würde), oder ob doch die so hoch propagierte progressive Fraktion den jetzigen Zustand gutheißen soll, da ja alles Leben Veränderung ist.

  • Der Abgesang der Moderne nimmt mittlerweile ein atemberaubendes Tempo auf. Seit gut vier Jahren steht die ehemalige IBM-Zentrale in Stuttgart-Vahingen leer. Keiner will in den Eiermann-Bau - eine "Ikone" der Nachkriegsmoderne in Deutschland einziehen. Ein Abriss wird wohl immer wahrscheinlicher. Nachdem bereits in Frankfurt/M. das Ex-Verwaltungsgebäude der Hochtief AG von Eiermann weggerissen wurde, schrumpft langsam der Baubestand des im Nachkriegsdeutschland gefeierten Architekten. Hier ein Auszug weiterer Bauten der Moderne, die so langsam verschwinden oder schon weggerissen wurden:

    - Seit zehn Jahren steht das Asbestverseuchte Deutsche Welle Hochhaus in Köln leer und wird jetzt abgerissen.
    - Bayer Hochhaus, Leverkusen (1963/HPP) - Abriss 2012/13 (heute Teil des japanischen Gartens)
    - Friedrich-Engelhorn-Hochhaus BASF, Ludwigshafen (1957/HPP) - Abriss 2013/14 (trotz Denkmalschutz)

    ...

  • Wobei ich's um das BASF-Hochhaus in Ludwigshafen schon irgendwie schade fänd, für mich ist es das Wahrzeichen der Stadt. http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich-Engelhorn-Hochhaus

    Es gibt auch sehr viel gute und erhaltenswerte Nachkriegsarchitektur, die nur im Laufe der Jahre entweder vernachlässigt oder verhunzt wurde. Ich finde, wir müssen auch von diesem Erbe einen ausreichend großen Anteil erhalten, der unsere Nachkriegsgeschichte schlüssig dokumentiert.

    Besonders der Abriss von einigen sehenswerten Nachkriegskirchen, Bauten mit Schalendächern oder klassischen 50er-Geschäftshäusern stimmt mich regelmäßig doch traurig. Zumal ja selten etwas besseres nachfolgt, in unserer gestalterisch erst allmählich wieder fähigeren Zeit.

  • Wobei ich's um das BASF-Hochhaus in Ludwigshafen schon irgendwie schade fänd, für mich ist es das Wahrzeichen der Stadt. http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich-Engelhorn-Hochhaus

    Es gibt auch sehr viel gute und erhaltenswerte Nachkriegsarchitektur, die nur im Laufe der Jahre entweder vernachlässigt oder verhunzt wurde. Ich finde, wir müssen auch von diesem Erbe einen ausreichend großen Anteil erhalten, der unsere Nachkriegsgeschichte schlüssig dokumentiert.

    Besonders der Abriss von einigen sehenswerten Nachkriegskirchen, Bauten mit Schalendächern oder klassischen 50er-Geschäftshäusern stimmt mich regelmäßig doch traurig. Zumal ja selten etwas besseres nachfolgt, in unserer gestalterisch erst allmählich wieder fähigeren Zeit.


    Ja, unbedingt.

    Ich kann mich da noch sehr lebhaft an die - leider etwas sehr kurzfristig und dann nicht sehr tragfähige - Debatte um den möglichen Denkmalstatus des Flensburger ZOB erinnern. Meines Wissens war er wohl einer der ersten ZOBs in ganz Deutschland und schon von daher ein Zeugnis. Im Laufe der weiteren Jahrzehnte erfolgten dann Umgestaltungen, bis die 1950er-Jahre-Architektur nur noch rudimentär erkennbar war. Heute ist auf der anderen Seite des später dann erweiterten Straßenmolochs innenstadtnäher ein neuer ZOB gebaut worden.

    Das Zweite sind dann zeugnisgebende Bauten am definitiv falschen Ort bzw. dort, wo sie UNABAHÄNGIG ihrer ästhetischen Gestaltung einen immensen Eingriff in die Struktur bedeuten. Das sehe ich ost- und west übergreifend. Das betrifft die typische Strickmuster-Fassade von Horten ebenso wie die Kaufhausfassade im nördlichen Breiten Weg in Magdeburg, die ja genauso städtisches Erkennungszeichen war, wie viele Betonriegel und auch Hochstraßen in Bahnhofsnähe wie in Bremen, Halle und Marburg vom Modernismus-Gedanken seiner Zeit künden. Soweit es irgend geht, wäre ich immer dafür, sie niederzumachen.

    Ist das Unilever-Hochhaus in Hamburg, unweit des Gänsemarktes, erhaltenswert, wo das Technische Rathaus in [lexicon='Frankfurt am Main'][/lexicon] als Fremdkörper angesichts der umgebenden Bebauung zu recht abgerissen wurde?
    Ist das ICC in Berlin erhaltenswert, wenn die UFO-Architektur mitsamt ihres seinerzeit geschaffenen Umfeldes so klar der menschlichen Fortbewegung auf zwei Beinen ihre Verachtung zeigt wie fast kein anderes Areal, wenn wir daran denken, dass nicht nur Fußgänger sich ins Mauseloch namens Unterführung zu verkriechen hatten, sondern Radfahrer - die Fahrräder geschultert - seinerzeit gleich mit?
    Manchmal denke ich, dass genauso wie Dörfer in Freilichtmuseen nachgebildet und zusammengefügt werden, wäre es überlegenswert, auch solche "richtigen" Bauten am falschen Platz woanders aufzubauen, soweit denn das gelingt. Da würde dann auch das (fehl-gestellte) Interhotel Stadt Potsdam, heute Mercure und der (fehl-gestellte) Palast der Republik ebenso seinen Platz finden wie das BASF-Hochhaus in Ludwigshafen und das Haus der Bremer Volksbank an der Domsheide.

  • Auf der anderen Seite zeichnet ja gerade die Moderne aus, dass diese Bauten jederzeit reproduzierbar sind und in Unabhängigkeit von dem jeweiligen Ort stehen. Nur so konnte z.B. das ursprünglich für Mannheim geplante Rathaus 1968 in Kaiserslautern errichtet werden und die Neue Nationalgalerie in Berlin anstatt wie ursprünglich geplant in Santiago de Cuba gebaut werden.

    In diesem Sinne darf man, wenn man der Moderne folgt, modernistische Bauten bedenkenlos abreissen, denn der betroffene Bau kann evtl. in 10 Jahren wieder an einem ganz anderen Ort problemlos wiederentstehen.

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  • Auf der anderen Seite zeichnet ja gerade die Moderne aus, dass diese Bauten jederzeit reproduzierbar sind und in Unabhängigkeit von dem jeweiligen Ort stehen. Nur so konnte z.B. das ursprünglich für Mannheim geplante Rathaus 1968 in Kaiserslautern errichtet werden und die Neue Nationalgalerie in Berlin anstatt wie ursprünglich geplant in Santiago de Cuba gebaut werden.

    In diesem Sinne darf man, wenn man der Moderne folgt, modernistische Bauten bedenkenlos abreissen, denn der betroffene Bau kann evtl. in 10 Jahren wieder an einem ganz anderen Ort problemlos wiederentstehen.

    @ Wikos,

    das sehe ich genauso.

    Das Wesen und der allererste Gedanke der ausgerufenen Moderne war ja gerade die Bezugslosigkeit in dem Sinne, dass sie dem geschichtlich gewachsenen Stadtraum quasi von außen und somit gleichgültig gegenübertrat. Doch nicht die gleiche, universell austauschbare Geltung der Moderne hat überlebt und "ihren Sieg" gefeiert ...

    - dazu war die gleiche Bauform, im Extremfall von Eisenach bis nach Wladiwostok, einfach zu gleichförmig und zu wenig identitätsstiftend -

    ... das Spezifische, das geschichtlich Gewordene und gerade das empfindsam Identitätsstiftende hat überlebt: hier so, da anders und dort wiederum anders.
    Und: Entspringt es nicht einer gewissen Paradoxie, Bauten der Moderne zu erhalten, die als Bauten für die Schnellebigkeit konzipiert waren, nicht aber dazu da waren, nachfolgenden Generationen Zeugnis zu geben, weil es darauf ja gar NICHT ankam?

    Deshalb kann deren Veranschaulichung vollkommen losgelöst vom vormals beeinträchtigten Ort erfolgen, sprich: per Translozierung und exemplarisch.

  • Einen weiteren Kandidaten der Moderne, der für eine Kleinstadt maßstabbeanspruchend und gewiss auch prägend war und ist, ist das 14-stöckige Teppich-Kibek-Hochhaus in Elmshorn bei Hamburg, fertiggestellt 1957. Sowohl von der Bundesstraße als auch von der Bahn aus gut zu sehen, so als hätte die Nachkriegsmoderne ihren Kirchenbau in die Höhe gereckt, wie ich es eigentlich schon recht früh empfunden habe. Die Zentrale der Firma ist ja mitsamt ihres jetzt vergrößerten Betriebsgeländes an den Stadtrand gezogen, zur A 23 (der Umgehungsstraße) hin, wo sie m. E. sowieso immer schon besser aufgehoben gewesen wäre.

    Sollte es irgendwann einmal zu einem "Freilichtmuseum der stadtraum-unbezogenen Moderne" kommen, wäre ich sehr dafür, es als Beispiel des Nachkriegsaufbaus bei entsprechendem Hinweis auf das Umfeld, genau dort wieder aufzubauen.

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/comm…_alt_hinten.jpg
    (Bildautor ist Southgeist, das Gebäude ist wie die Bildbezeichnung schon sagt, von der Rückseite her fotografiert.)

    Wer denn so will und das Foto näher betrachtet, so ist mit der Errichtung des eigentlich noch recht ansehnlichen Kibek-Hochhauses der Startschuss gegeben worden für eine Verunstaltung des Stadtraums ziemlich üblen Ausmaßes. Im Vordergrund ein stehengebliebener Bau aus dem südlichen Teil des Stadtkerns, ich nehme an aus dem 18. Jh., der die flächenhaft geschwungene Abrissbirne der 1970er Jahre haarscharf überlebt hat, aber der Verunstaltung seiner Nutzer nicht entgangen ist.

  • Himmelsrichtungen: Ich kann dem Kibek-Hochhaus nichts abgewinnen, aber das ist wohl eine lokale Sache, so wie der Henninger Turm, ein hässlicher Nachkriegsbau in Frankfurt/M., der aber mit der Zeit zum gewohnten Stadtbild gehörte.

    Ich finde es bemerkenswert, dass auch der Bilbao-Effekt langsam abkühlt. Nach der Elbphilharmonie scheint kein Investor in Deutschland mehr das Risiko einzugehen, mit den futuristischen Spielwiesen der Stararchitekten finanziell baden zu gehen. Es ist meines Wissens nach, derzeit kaum ein Bau eines Stararchitekten (Gehry etc.) in Deutschland in der Pipeline.

    ...

  • "Stararchitekten" hatten in Deutschland noch nie einen leichten Stand. Das liegt an der vehement-deutungsdominanten Architektenkaste hierzulande - und daran, dass wir auch einfach so verdammt viele Architekten haben. Daneben mitunter wohl tatsächlich auch an mangelndem Mut/Risikobewusstsein, bzw. am verbreiteten deutschen Understatement. Ein zurückhaltender Bau für 50 Mio. Euro erhitzt die Gemüter weniger als ein auffälliger Starbau für 50 Mio., so auch die landläufige Meinung von Kommunalpolitikern (aus meiner Erfahrung).

  • Himmelsrichtungen: Ich kann dem Kibek-Hochhaus nichts abgewinnen, aber das ist wohl eine lokale Sache, so wie der Henninger Turm, ein hässlicher Nachkriegsbau in Frankfurt/M., der aber mit der Zeit zum gewohnten Stadtbild gehörte.

    Vielleicht habe ich mich da mit der Vokabel "eigentlich doch recht ansehnlichen ..." etwas unzulänglich ausgedrückt, wobei Lokalkolorit gewiss auch dabei sein mag. Ich finde den Bau nicht gerade überragend schön, vielmehr nur im Vergleich zu dem dann Folgenden, für das er gewiss so etwas wie einen sichtbaren Startschuss gab. Als solcher recht prägnanter Ausdruck könnte er in einem "Freilichtmuseum stadtraum-unbezogener Moderne" durchaus seinen Platz finden, finde ich.

  • Es ist schon bemerkenswert, wie derzeit "die Moderne" in Deutschland abgewickelt wird. Fast der gesamte "Nachkriegsstolz" der Moderne steht derzeit zur Disposition. Da wären z.B. folgende Leitbauten der Moderne:

    - Deutsche Welle, Köln - Abriss geplant
    - Verwaltungsgebäude Hochtief AG, FFM (Eiermann, bereits abgerissen)
    - Bayer Hochhaus, Leverkusen (1963/HPP) - Abriss 2012/13 (heute Teil des japanischen Gartens)
    - Friedrich-Engelhorn-Hochhaus BASF, Ludwigshafen (1957/HPP, Abriss 2013/14 trotz Denkmalschutz)
    - Erweiterungsbau Werner Düttmann Kunsthalle Bremen - Abriss 2009
    - IBA-Bau von Ungers, Berlin - Abriss 2013
    - Stadttheater (1959)/Paul Stohrer, Mönchengladbach, Abriss 2012

    Gleichzeitig werden unmaßstäbliche Bürobauten aus den 60iger/70iger Jahren teilweise in Wohnraum umgewandelt. Beispiele aus Frankfurt/M.:

    - Onyx, Oberlindau 76-78, FFM. (ehem. Bürohochhaus wird gerade umgewandelt)
    - MA - ex-Diamantenbörse, FFM
    - Stresemannallee 61, FFM - Investor Bien plant Bürohochhaus in Wohnhaus umzubauen
    - 70iger-Bürokasten Niedenau 25, FFM - soll abgerissen werden und durch Wohnbebauung ersetzt werden
    - "Solitaire" Bürohochhaus, Hamburger Allee 26-28, FFM - wird zum Wohngebäude umgebaut.

    Selbst die Relikte der autogerechten Stadt fallen dem Abgesang der Moderne zum Opfer wie z.B. der Abriss Tausendfüssler Düsseldorf und die geplante Umwandlung der Hochstraße Ludwigshafen beweisen.

    Unter dem Strich haben die Errungenschaften der Moderne keine 40 Jahre gehalten. Die Massenabrisse historischer Bausubstanz der 60iger und 70iger Jahre sind demnach dem kurzfristigen Zeitgeschmack der Moderne geschuldet.

    ...

  • Da würden mir in Stuttgart auch jede Menge Abrisskandidaten einfallen. Der Eiermann-Campus wird ja jetzt nach anfänglichen Abrissplänen und 4 Jahren Leerstand doch erhalten.
    Das Problem ist, daß die funktionale Architektur, die heute anstelle der Nachkriegsmoderne kommt, sich nicht wesentlich von dieser unterscheidet und daher auch keine längere Lebensdauer erwarten lässt. Und das, wo doch Nachhaltigkeit heute in aller Munde ist. Klassische Architektur dagegen hat Bestand und dauerhafte Qualität, auch und gerade nach den Wertmaßstäben der Bürger. Zu dieser Erkenntnis können sich Stadtplaner und Architekten aus ideologischen Gründen bisher nicht durchringen und machen weiter wie bisher.

    In dubio pro reko

    Edited 3 times, last by reklov2708 (January 6, 2014 at 2:51 PM).

  • Die billige Nachkriegsarchitektur wird uns doch nur als Moderne verkauft. Ich war über Weihnachten in Rotterdam, das im 2.WK von den Deutschen zerstört wurde, und habe gestaunt, wie gut der moderne Wiederaufbau geklappt hat. Anscheinend können unsere Nachbarn Architektur besser als wir. Darüberhinaus, habe ich im Gespräch erfahren, dass in Rotterdam Bebauungspläne sehr starken Designvorgaben unterworfen werden, also weniger 'Freestyle' möglich ist als bei uns. Ich vermute, dass so eine viel bessere Ensemble-Wirkung erzielt wird und krasse Gegensätze, wie man sie leider zu oft z.B. in Berlin sieht, vermieden werden.

    Gruß,
    Gaube

  • Ich persönlich finde die Nachkriegsarchitektur noch recht akzeptabel. Was die Augen wirklich zum Bluten bringt ist die Architektur der 70er bis heute
    (mit wenigen Ausnahmen). Ein paar gute Beispiele für die Nachkriegsarchitektur in Frankfurt ist zum einen das Juniorhaus, das Bayerhochhaus (in
    dem heute das Flemings Deluxe-Hotel untergebracht ist) und die Viktoria Apotheke (für Bilder einfach in Google-Bilder suchen), aber natürlich ist
    nichts besser als ein schöner Prachtbau des Historismus (Siehe Palacio Postal in Mexiko-Stadt (eines der geilsten Gebäude überhaupt)).

  • Der Begriff "modern" wird gerne für Unfähigkeiten und Versagen mißbraucht - wenn ich mich vertippsel, kann ich mich ja damit rausreden, es wäre nun mal die moderne und zeitgemäße Schlechtschreibung, wenn ich zu viel getrunken habe , und verspiele mich ständig am Klavier - ja, dann ist das halt moderne Musik.
    Und wenn ein Architekt nicht fähig ist etwas optisch ansprechendes zu entwerfen, dann ist das eben modern und zeitgemäß, und der ach so intellektuelle Pöbel fällt darauf auch noch rein.

    Nein! Modern hieße sich dem Zeitgeschmack anzupassen, und zwar der Überzahl der Bevölkerung, und nicht jener kleiner Lobbyistenminderheit!

    Wenn ich mich kleide, stülpe ich mir ja auch nicht Kartons über den Körper, sondern schau daß ich mittels Kleidung nicht abstoßend auf meine Mitmenschen wirke.

    Was allerdings gewisse Architekten verbrechen, wirkt mehr als nur abstoßend auf jeden welcher auch nur ein geringes Maß an Ästhetik empfindet.

  • Quote

    Der wahre Grund für Misere moderner Architektur

    Wer braucht die Wellblechhütten, die sich Avantgarde nennen? Und warum wollen die wenigsten in solchen Objekten wohnen? Wer menschenfreundlich bauen will, sollte aufhören, alles neu zu denken.

    Quote

    Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gab es praktisch keine schlechte Architektur. Sicher: Bei den ägyptischen Pyramiden stand der Aufwand in keinem Verhältnis zum allgemeinen Nutzen, so etwas würde im Wettbewerb "Soziale Stadt" keinen Preis holen. Im Barock gab es Exzesse der Dekoration, genauso im späten Historismus. Aber nichts davon würde man heute abreißen.

    Selbst die Mietskasernen und ersten Arbeitersiedlungen vom Ende des 19. Jahrhunderts waren so gut gebaut, dass sie bis heute begehrt sind. Sogar aus den Gefängnissen jener Zeit lassen sich attraktive Wohnungen machen – während manche neuen Luxusapartments heute aussehen wie Gefängnisse.

    Quote

    Von schlechter Architektur kann man eigentlich erst seit dem großen Bruch am Anfang des 20. Jahrhunderts sprechen. Die Baumeister der Moderne setzten auf die neuen Materialien Beton, Stahl und Glas und auf Flachdächer. Zugleich wollten sie mit ihren Bauten den Weg in eine bessere Welt für alle Menschen bereiten. Doch sie produzierten mehr Gebäudeschäden, als es jemals zuvor gegeben hatte.

    Schon das Bauhaus in Dessau von Walter Gropius machte Probleme: Im Sommer war es darin zu heiß, im Winter zu kalt, und das Flachdach war nicht dicht zu kriegen. Ausgerechnet in den 60er- und 70er-Jahren, als das Bauen zum Wohle der Bürger seinen Höhepunkt erreichen sollte, entstanden die unwirtlichsten Stadtteile. Dass man Sozialbausiedlungen mit Preisen auszeichnet und keine zwei Jahrzehnte später wieder in die Luft sprengt, das bleibt eine Errungenschaft, die die Nachkriegsmoderne exklusiv für sich hat.

    http://www.welt.de/kultur/literar…rchitektur.html

  • Wer im SSC-Forum angemeldet ist - oder dies empfehlenswerterweise vorhat, um an weltumspannenden Diskussion teilzunehmen - möge einmal an dieser kleinen Umfrage teilnehmen und sich ggf. zu Wort melden:

    Has modernism failed? // Hat der Modernismus versagt?

    Die Variante im deutschsprachigen Teil: Moderne kontra Klassik? Architektur-Grundsatzdiskussion!


    Sehr viele lesenswerte Beiträge, kann ich zur Lektüre beides empfehlen. Ich habe ja vom SSC/DWF auch häufig aufs APH verwiesen, um den Austausch über die ganze Bandbreite zu befördern.

  • Anbei einen interessanten Beifang aus der Netzrecherche:

    Flachdach war nicht zu verhindern (Artikel aus den Westfälischen Nachrichten)

    In dem Artikel erzählt ein Gebäudebesitzer, wie er bei der Ortskernsanierung in den 1970er-Jahren von der Gemeinde gegen seinen Willen ein Flachdach aufgezwungen bekommen hat und erst 2004 diesen Missstand durch Aufstockung beseitigen konnte. Schön ist das Haus immer noch nicht, der Artikel zeigt aber ein interessantes Bild des Fortschrittsglaubens der 70er Jahre.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)