Wien - kleine, private Rekonstruktionen (Galerie)

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    • Re: Wien - Kleine, private Rekonstruktionen

      Hm ... deine Begeisterung in Ehren, aber irgendwas scheint hier nicht zu stimmen.
      Man kann gegen den Historismus sagen, was man will, aber über derartige formale Stümpereien war er souverän erhaben:


      Daher würd ich bezweifeln, dass es sich hier tatsächlich um eine 'Reko' handelt.
      Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
      14. Buch 9. Kapitel
      Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.
    • Re: Wien - Kleine, private Rekonstruktionen

      hab ich nicht gewusst.
      Was ist mit dir los, zeno? Wie kommst du auf die Adresse? Kennst du dich in Wien besser aus, als du uns glauben lässt?
      ICH konnte keines der Straßenschilder lesen.
      Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
      14. Buch 9. Kapitel
      Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.
    • Rekonstruktion oder einfach nur daneben!

      letztes Jahr fiel mir bei der Einplankung des Geschäftslokalumbaus von Kärntnerstraße Nr. 9 - jenes Haus, das 273 Jahre lang das traditionsreiche Papiergeschäft "THEYER - HARDTMUTH" beherbergte (Erfinder des künstlichen Bleistifts) folgendes:



      Unter der linken Konsolenverkleidung ragte ein Stück ursprünlicher Fassadenschmuck hervor:



      Das Haus, von dem ich leider weder Bildmaterial noch Beschreibungen z. B. im DEHIO Wien gefunden habe, wurde nach mE um die Jahrhundertwende gebaut und nach Quellenangaben im 2. Weltkrieg schwer beschädigt. 1958 wurde es stark "geglättet" wiederhergestellt. Und unter dieser Verkleidung schlummerte noch ein kümmerlicher Rest "Altbestand"!

      Ich schrieb eine E-Mail dem Architektenbüro, um ihn auf den Fund hinzuweisen und zu erfahren, ob eine Wiederherstellung der historischen Fassade nicht auch eine Wertsteigerung für das Objekt bedeuten würde. Er erklärte mir, das er nicht zuständig sei, den Umstand aber an den Auftraggeber die "SIGNA HOLDING weiterleiten würde, da diese sicher an einer Wertsteigerung interessiet sei!

      Mit welchem Ergebins? .....
      Es darf nie vergessen werden, dass die Kunst eines Landes der Wertmesser nicht allein seines Wohlstandes, sondern vor allem auch seiner Intelligenz ist
    • Es schien wirklich eine Nachdenkpause gegeben zu haben, den die Arbeiten wurden dann erst im Frühjahr begonnen mit folgendem Ergebniss:



      Es wurden nicht nur die Erkerkonsolen mit dem spärlichen ehemaligen Fassadenstuck entfernt, sondern auch gleich die Rundbogenfenster, die auf die ehemalige Vielgestaltigkeit der Fenster verwiesen hatten, begradigt.

      Zu allem Leidwesen wurde beliebiger Fassadenversatz, ohne Bezug auf das ursprüngliche Gestaltungskonzept verwedet:



      Ich kenne kein Haus in Wien, das so eigenartige "Lammelen"-Deko über den Fenstern besitzt und die Balkone schweben wie Turmsprungbretter ohne Halt in der Fassade!

      Auch der eigenartige Fries unter dem Kranzgesims kommt in dieser Form niemals vor:



      In diesem Fall muß ich sagen, wäre es besser gewesen gar keine "Behübschung" zu machen! Das ist Wien heutzutage!
      Es darf nie vergessen werden, dass die Kunst eines Landes der Wertmesser nicht allein seines Wohlstandes, sondern vor allem auch seiner Intelligenz ist
    • Was in Wien gegenüber den wirklich originalgetreu erhaltenen Fassaden billig und im Detail missraten erscheinen mag (ich sehe dies durchaus auch so), wäre in vielen Städten in Deutschland ein echter Hingucker. Als Fazit würde ich eher sagen: mit einem blauen Auge davon gekommen.
      In Nordrhein-Westfalen wäre die gesamte Fassade unter einem glatten Wärmedämmverbundsystem verschwunden und mit großen Einscheiben-Fenstern versehen worden. Die runden Glasecken, die ich auf ihre Weise ganz interessant und elegant finde, wären schon aus Kostengründen gegen eine sperrige eckige Schüco-Pfosten-Riegel-Fassade getauscht worden. Es hätte also noch viel belangloser werden können.
      Ich vermute übrigens, dass die Erker-Konsolen der letzte Rest der Original-Fassade waren, denn nur hier waren Hohlräume und Verkleidungen zu erwarten. Dennoch schade, dass diese nicht wiederhergestellt wurden.
    • Die Sanierungen in Dresden sind wahrlich unterirdisch!

      Was mir etwas bei der Schönbrunner Straße fehlt, ist nicht etwa der Deckenstuck, sondern eine Holzvertäfelung im Sockelbereich. Diese kann nicht nur schön sein, sondern sie ist überdies noch praktisch. In einigen Monaten nämlich wird man die Abnutzungen an den Wänden der Durchgänge schon sehen können.
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • @bilderbuch

      Soweit ich weiß gibts es so was in Wien kaum - ich kenne keine Objekte mit Holzverkleidung in den Fluren! Scheint eher eine Norddeutsche Spezialität zu sein - schätz ich mal!

      Was in Wien zum Schutz gemacht wurde, subjektiv beobachtet erst zur Jugendstil- und Art Deco Zeit, ist der Schutz durch Marmorverkleidung.
      Es darf nie vergessen werden, dass die Kunst eines Landes der Wertmesser nicht allein seines Wohlstandes, sondern vor allem auch seiner Intelligenz ist
    • @Bilderbuch

      Es gibt in Wien ein paar wenige Objekte aus der Zeit des späten Historismus (Liechtensteinstraße 12 und Eckhaus Peterwardeingasse ?) bzw. Jugendstil (Neulingasse 11 und Margaretenstraße 78, ), die mir persönlich bekannt sind, bei denen es im Treppenhaus Holzvertäfelungen gibt. Das Problem heutzutage ist jedoch, dass aus feuerpolizeilichen Gründen (Baupolizei) in allgemeinen Bereichen des Treppenhauses keine brennbaren Materialien verbaut werden dürfen. Wenn diese historisch sind, dann genießen sie eben Bestandsschutz. Als Alternative könnte man nachträglich eingebaute Holzvertäfelunegn speziell beschichten - allerdings habe ich keine Ahnung wie teuer das ist, aber das war bei dieser Liegenschaft, die jetzt nicht gerade im Zentrum liegt kein Thema. Aber Zustimmung - das hätte seine Wirkung nachhaltig erzielt!

      In Leipzig und Dresden sind mir einige Häuser bekannt, die Holzverkleidungen im Eingangsbereich haben - sieht nicht nur edel aus, sondern ist auch sehr praktisch. In Leipzig habe ich auch das Gefühl, dass die Bewohner dieses Flair auch sehr schätzen und darauf aufpassen. Die Wiener sind da eher so schlampig wie die Berliner - aber wir werden ja sehen, wie die Bewohner in der Schönbrunner Straße auf die Malerei Rücksicht nehmen...
      „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








    • Das Feuerproblem hatte ich allerdings auch im Hinterkopf.
      Zu Beginn der 90er Jahre glaubte man die Aufgänge unseres Schulgebäudes mit Brettern aus dem Baumarkt aufhübschen zu müssen. Einige Wochen später wurde alles wieder heruntergerissen.
      In diesem Falle hilft also nur noch die schon in der Dresdner Oper aus Feuerschutzgründen angewandte Methode: illusionistisch bemalter Stuck. Das allerdings ist nun auch wieder reichlich theoretisch!
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Ich möchte Euch noch drei weitere Rekos von Wiener Kaiserzeitfassaden in diesem Strang nicht vorenthalten! Vor allem die rekonstruierte Jugendstilfassade im 5. Bezirk ist ganz toll gelungen! Solche Fassadenrekos sind in Wien noch sehr selten, aber immerhin!

      2. Bezirk, Große Mohrengasse 35









      „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








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    • Große Mohrengasse 35 ist ja ganz hervorragend gelungen! Die Fassade ist jetzt wieder reich an schönen Details.
      Da gäb's in Berlin auch so einige Kandidaten, die man auf diese Weise wieder herrichten könnte. Erfreulich, daß dies in Wien so praktiziert wird, in letzter Zeit hat man ja mehr die ärgerlichen modernistischen Dachausbauten zu sehen bekommen.
      Danke für die Aufnahmen.
      In dubio pro reko