Berliner Dom

  • Goldstein: haben sie nicht viel lieber die zierliche Kuppeln mit Laternen aus Bild 777? Heutige Kuppel wirkt m.M.n. plump und fremdkörperlich.

  • Das Überstreichen mit Acrylfarben soll, wie ich mal gelesen hatte, deswegen problematisch sein, weil dann der überstrichene Stein nicht mehr "atmen" könne.

  • Die Reinigung einer Sandsteinfassade wird in der Regel mit Sandstrahlgebläsen vorgenommen.


    Dies kommt einen massiven Abschmirgeln gleich und verursacht eine gröbere Oberflächenstruktur, welche wesentlich anfälliger für Witterungseinflüsse ist.


    Mich persönlich stört die altersgemäße Dunkelung nicht.

    Vollendet das ewige Werk.

  • Ich erinnere mich, wie das schwarze Paris in den 80ern in nur wenigen Jahren komplett hell erstrahlte. Damals wurden die ganze Stadt auf Verordnung hin gereinigt. Das war wie eine Befreiung. Und Paris sieht bis heute wunderbar aus.

  • Wenn der Dom erstmal komplett gereinigt ist wird er schon viel besser aussehen. Der Stein wird trotzdem dunkel bleiben, aber immer noch heller als das teilweise komplette Schwarz, welches jede Kontur und jedes Profil unkenntlich macht.

    Es gibt eine Architektur, die zur Landschaft gehört, sowie eine andere, die sie zerstört.

  • Die derzeitige Patina verleiht dem Dom etwas sehr Würdevolles, das ihn irgendwie in die Nähe von Ikonen wie dem Petersdom rückt. Gerade nach den Vereinfachungen des Wiederaufbaus, erscheint diese Patina unentbehrlich, zumal sie die Wucht dieses imgrunde neu entstandenen Gebäudes noch verstärkt. Der Orginalfarbton gehörte zum Vorkriegsbau, die Patina zum heutigen.

    So unterschiedlich sind die Sichtweisen, für mich wirkt das nicht würdevoll; im Gegenteil: eher heruntergekommen, düster und schmuddelig.

    Dass der Originalfarbton zum Vorkriegsbau gehören sollte (die Patina zum heutigen) kann ich nicht nachvollziehen. Wie die Aufnahme von 1940 zeigt, hat sich der Dom damals schon weit vom Originalfarbton verabschiedet.



    29882-dom-berlin-1939-e-jpg


    Denkmalschutz in Ehren, aber ein Alterungsprozess durch Umwelteinflüsse bzw. Oxidation und Dreck (und das ist es letztendlich) ist für mich nichts Schützenswertes. Es geht um das schönste Erscheinungsbild, und das hatte der Dom eben kurz nach der Fertigstellung.


    Ich erinner vor vielen Jahren, bevor das Brandenburger Tor restauriert wurde...standen vor dem Tor sogar vier "Abstimmungsurnen" mit entsprechenden Bildern, wodurch Passanten sich für eine Farbvariante (alle im seriösen Bereich) entscheiden konnten.

  • Das Überstreichen mit Acrylfarben soll, wie ich mal gelesen hatte, deswegen problematisch sein, weil dann der überstrichene Stein nicht mehr "atmen" könne.

    Deswegen sollen dafür natürlich auch keine normalen Acrylfarben verwendet werden.

  • ... bevor das Brandenburger Tor restauriert wurde...standen vor dem Tor sogar vier "Abstimmungsurnen" mit entsprechenden Bildern, wodurch Passanten sich für eine Farbvariante (alle im seriösen Bereich) entscheiden konnten.

    Und ich erinnere mich, wie strahlend schön das Brandenburger Tor nach seiner Restaurierung auf mich wirkte, sodass ich feuchte Augen vor Freude bekam, als ich es dann unmittelbar vor mir sah.

  • Ja, so unterschiedlich sind doch die Geschmäcker :cool:


    Ich finde imposante Gebäude welche sich mit der Zeit verdunkelt haben, durchaus reizvoll.


    Gerade so verdunkelte Sakralbauten strahlen für mich irgendwie so eine gewisse Würde aus.

    Vollendet das ewige Werk.

  • Vielleicht wirkt auf uns der Dom im Augenblick trotz Restaurierung so "schäbig", weil nebenan das Schloss mit seiner doch sehr freundlichen Farbgebung dagegen hält. Sieht man Farbfotos aus den 30er und 40er Jahren wirkte dieses doch eben auch eher wie ein großer grau-schmutziger Kasten. Da war der Unterschied nicht so eklatant. :lehrer:

  • Stimmt.

    Und da sind mir doch Schloss und Dom in freundlicher Farbgebung lieber als zwei große grau-schmutzige Kästen.

  • Vielleicht wirkt auf uns der Dom im Augenblick trotz Restaurierung so "schäbig", weil nebenan das Schloss mit seiner doch sehr freundlichen Farbgebung dagegen hält.

    Ich denke mal es wirkt aufgrund der arg verstümmelten Kuppeln schäbig.


    Die Stilistik der heutigen Kuppeln und dem Stil des Domes passen nicht zueinander, was das Ganze wie gewollt und nicht gekonnt ausschauen läßt.

    Vollendet das ewige Werk.

  • Die Stilistik der heutigen Kuppeln und dem Stil des Domes passen nicht zueinander, was das Ganze wie gewollt und nicht gekonnt ausschauen läßt.

    Für mich gilt diese Aussage für die historischen Kuppeln. Auch wenn ich grundsätzlich die wilhelminische Architektur sehr schätze, so wirkt der Berliner Dom in seiner historischen Form auf mich wie eine kitschige, überladene Kuckucksuhr. Durch die Reduzierungen der Nachkriegszeit wirkt der Bau auf mich deutlich geschmackvoller, harmonischer und auch monumentaler. So unterschiedlich sind eben die Geschmäcker.

  • Wir hatten diese Diskussion um den Umgang mit verschwärzten Sandsteinfassaden ja schon mehrmals hier im Forum, mit den immergleichen Argumenten. In anderen Ländern ist es völlig selbstverständlich, eine von Verschwärzungen gereinigte Natursteinfassade als Idealzustand anzusehen. Dass dort infolge der schichtweisen Abtragung von Originalsubstanz größere Probleme aufgetreten sind, habe ich noch nicht gehört. Ich halte dieses Argument für rationalisierten, typisch deutschen Substanzpurismus, wie er eben derzeit in der Denkmalpflege angesagt ist.

    In Berlin werden verschwärzte Sandsteinfassaden zumeist gründlich gereinigt. In Dresden hingegen überhaupt nicht.

    Mir gefällt die gereinigte Version besser, Details der Ornamentik sind wesentlich besser erkennbar, der Eindruck ist heiterer. In Dresden wirken die verschwärzten, scheckigen Fassaden auf mich hässlich und grob. Aber sei's drum.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Deutsche Denkmalschützer werden ja auch nicht müde zu betonen, dass ihnen das Kriterium "Schönheit" irrelevant, suspekt, ja geradezu widerlich ist. Mich erinnert dies manchmal an die ebenfalls typisch deutsche Zwölftonmusik - theoretisch ist sie die Gerechtigkeit und Ordnung der Töne schlechthin und die Krone der musikalischen Schöpfung, aber in der Praxis hört sich das kaum jemand freiwillig an.

    Sorry für diesen Exkurs.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Weiss gerade jemand, wo in diesem Strang die Fotos von restaurierten und gereinigten Statuen zu finden sind? Und wurden dort nur die Statuen gereinigt, oder auch schon anliegende Fassadenpartien? Dann kann man sich eher ein Bild machen, was durch eine Reinigung herausgeholt werden kann.


    Beim Vergleich von gereinigten Fassaden in andern Ländern sollte man aber auch Kenntnis von der verwendeten Gesteinsart haben. Ich kann mir vorstellen, dass dies bei Marmor wie beim Petersdom u. U. leichter geht. 1980 war ich das erste Mal in Paris, und da waren bereits einige Monumentalbauten gereinigt und andere noch schwarz. Vor allem bei nächtlicher Beleuchtung war dies beeindruckend, aber leider alles mit orangem Licht.


    Edit.: Hier gibt's Bilder von Mantikor, wo man vergleichen kann:

    Die Sanierung der Spreeuferseite des Doms wurde ja bereits im letzten Jahr abgeschlossen. Diesbezügliche Bilder gab es m. E. hier noch nicht.

    Es sieht für mich aus, wie wenn die Reinigung schon 20 bis 30 Jahre zurückliegen würde. Eine "natürlich" wirkende Patina ist das für mich nicht.

  • [...]

    Beim Vergleich von gereinigten Fassaden in andern Ländern sollte man aber auch Kenntnis von der verwendeten Gesteinsart haben. Ich kann mir vorstellen, dass dies bei Marmor wie beim Petersdom u. U. leichter geht. 1980 war ich das erste Mal in Paris, und da waren bereits einige Monumentalbauten gereinigt und andere noch schwarz. Vor allem bei nächtlicher Beleuchtung war dies beeindruckend, aber leider alles mit orangem Licht.

    Ich weiß nicht wie oft wir das Thema schon hatten. Eine Qualität der alteuropäischen Architekturgeschichte liegt in ihrer regionalen Vielseitigkeit, das betrifft auch die Baumaterialien. Der im römischen Barock verwendete Travertin und der Kalkstein der Ile de France sind etwas völlig anderes als der im sächsischen und mitteldeutschen Raum verwendete Elbsandstein. Erstere Gesteine kann man durch Dampf- und Wasserstrahlenreinigung (Sand ist meist zu aggressiv) relativ [sic] schadlos reinigen. Beim Sandstein findet nach dem Brechen eine chemische Reaktion an der Oberfläche statt, die den Stein auch schützt [sic]. Weniger industrielle Umwelteinflüsse lassen ihn dann schwarz werden. Die Dresdner Frauenkirche war beispielsweise schon Ende des 18. Jahrhunderts, vor der Industriellen Revolution, schwarz. Reinigen kann man die Oberflächen nur von aufliegender Verschmutzung, was zu einer gewissen Aufhellung führt wie derzeit beim Berliner Dom. Eine tiefgehendere Reinigung würde die schützende "Kruste " beschädigen und zu Substanzverlusten führen. Die Baumeister wussten darum und haben damit gelebt oder wie im Barock ab und zu die Oberflächen überfasst, was bei Großbauten nicht möglich ist. Auch bedarf eine Überfassung ständiger Pflege sonst sieht´s nach wenigen Jahren viel schlimmer aus als etwas dunkler Sandstein.

  • Kurprinz : das mag ja alles richtig sein. Dennoch ist doch für jeden Laien offensichtlich, dass es erhebliche regionale Unterschiede in der Behandlung ein und derselben Sandsteinsorte gibt. Allein entlang der Elbe findet man die unterschiedlichsten Vorgehensweisen. Während beispielsweise die Hamburger stolz auf die nahezu perfekt entschwärzte Sandsteinfassade ihres Rathauses sind und Berlin in dieser Hinsicht eine Mittelstellung einnimmt, legt man in Sachsen größten Wert darauf, alles weitgehend so zu lassen, wie es ist. Die Erklärung scheint eben darin zu liegen, dass die Wertigkeit einer "schönen", hellen, gleichmäßigen Erscheinung der Sandsteinfassade ebenso regional unterschiedlich eingeschätzt wird wie die Erhaltung der originalen, konservierenden Oberfläche.

    Es ist nicht zu übersehen, dass es zu diesem Thema unterschiedliche Traditionen, Einstellungen, Prioritäten und Vorgehensweisen gibt. Hier täte es den Vertretern bestimmter denkmalpflegerischer Dogmen sicherlich gut, auch mal etwas über den Tellerrand zu blicken.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir