Berliner Dom

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    • Hier mal eine Zeitleiste des Berliner Doms gemäß Wikipedia:

      Baujahr: 1894–1905
      Zerstörung: 1944 (im wesentlichen)
      große Notkuppel: 1949-1953 (Wasserdicht)
      Beginn DDR: 1949
      Abriss Denkmalskirche, Neubau große Kuppel, Zerstörung und Umbau kleiner Turm 1v4, Rückbau Unterfahrt, Neubau der vier kleinen Turmkuppeln. 1975
      Ende DDR 1990 und Wiedervereinigung BRD

      Wann wurde der Berliner Dom eigentlich unter Denkmalschutz gestellt? Steht er überhaupt unter Denkmalschutz? Weis das jemand von euch? Ist dies zu DDR Zeiten oder BRD Zeiten geschehen?

      Rechtliche Grundlagen für eine Reko:

      1. Wenn der Dom nach dem Jahr 1990 unter Denkmalschutz gestellt wurde, würde dies bedeuten das alle Schandtaten der DDR mit geschützt sind und durch die BRD auch noch rechtlich legitimiert wurden. Eine Reko insb. der Kuppel wäre dann schwierig.

      2. Wenn der Dom zu DDR Zeiten unter Denkmalschutz gestellt wurde, stellt sich die Frage ob dies rechtlich in der BRD überhaupt bestand hat? Und man könnte leichter das Idiologieargument anbringen.

      3. Wenn der Dom bereits im deutschen Reich in der Ursprungsform geschützt war, müsste man im Sinne des heutigen Denkmalschutzes eigentlich das Gebäude wiederherstellen bzw. die mutwilligen Zerstörungen reparieren (Bestandsschutz).

      4. Der Dom ist nicht Denkmalgeschützt. Dann wäre eine Reko eine alleinige Entscheidung der evangelischen Kirche bzw. eine politische Entscheidung.
    • @ Sir Moc: ich nehme doch stark an, dass der Berliner Dom unter Denkmalschutz steht. Die Kuppel selbst auf jeden Fall. Das wurde ja bereits diskutiert, als vor einigen Jahren das Kuppelkreuz aus DDR-Zeiten restauriert wurde, dieses steht sicher unter Denkmalschutz, weshalb eine Rekonstruktion des ursprünglichen Zustandes rechtlich nicht ohne Weiteres möglich ist, dazu bedarf es MINDESTENS den entsprechenden politischen Willen. Aber ich vermute, dass man an den dafür entscheidenden Stellen gut mit der jetzigen Kuppel leben kann und möchte.
    • Der Berliner Dom steht unter Denkmalschutz, und zwar in seiner derzeitigen Form. Ausdrücklich wird die Aufbauleistung der DDR gewürdigt. Selbstverständlich stand der Dom schon in der DDR unter Denkmalschutz. Warum sollten Entscheidungen der Denkmalpflege in der DDR nach der Wiedervereinigung nicht anerkannt werden?

      Bei den Wiederaufbauplanungen in den 70er Jahren gab es anfangs Vorschläge, die Fassaden stärker zu vereinfachen. Das hätte dem Dom wohl eher eine klassizistische Wirkung verliehen. Dagegen gab es in fachinternen Diskussionen in der DDR Widerstand. Schließlich wurde beschlossen, die Fassaden unverändert zu erhalten (bis auf Denkmalkirche und Unterfahrt) und nur die Kuppeln vereinfacht zu gestalten. Alle Kuppeln waren kriegszerstört. Dadurch war der Dom vor Beginn des Wiederaufbaus noch niedriger. Trotzdem wirkte er gut. Deshalb teile ich die Auffassung, höhere Kuppellaternen würden sein Aussehen entscheidend verbessern, nicht. Die neue Gestaltung der Hauptkuppel orientiert sich an klassischen Vorbildern. Man vergleiche mal mit der Kuppel des Petersdoms! Die neue Laterne mit dem Kuppelkreuz wurde am 18. August 1981 aufgesetzt. Dadurch erhielt der Dom ein weithin sichtbares christliches Kreuz als Abschluss. Im Zentrum der Hauptstadt der DDR! Man muss auch solche historischen Umstände berücksichtigen, um den Denkmalwert bestimmter Kunstwerke einzuschätzen. Vor der Zerstörung hatte der Dom nur lange dürre Wetterfahnen. Im Innern sollte der Dom den DDR-Planungen gemäß restauriert und rekontruiert werden ("denkmalpflegerische Rekonstruktion im Sinne jener der Semper-Oper in Dresden", schrieb Karl-Heinz Klingenburg 1982). Die Wiederherstellung des Innern zog sich bis nach der Wiedervereinigung hin, war aber von Anfang an geplant. Der Dom wurde als "herausragendes Baudenkmal für die deutsche Architektur- und Kulturgeschichte am Ende des 19. Jahrhunderts" gewertet (Klingenburg 1982).

      Der Erhalt des Domes war eine deutsch-deutsche Gemeinschaftsleistung. Der Wiederaufbau wurde durch die Regierung der DDR beschlossen (wohl kurz vor 1975). Die Finanzierung besorgte überwiegend die westdeutsche EKD. Das wurde seinerzeit natürlich nicht laut gesagt. Der Dom ist also ein Stück "Aufbau Ost" avant la lettre. Die eigentlichen Arbeiten wurden von Fachleuten der DDR erbracht. Für das geistliche Leben im Dom sorgte die Ostberliner Domgemeinde. Die Tauf- und Traukapelle war 1981 vollständig wiederhergestellt.

      In der Heftreihe "Das christliche Denkmal" erschien 1982 das Heft "Der Dom zu Berlin", aus dem die Zitate stammen. Außerordentlich bemerkenswert finde ich darin die durchgehend positive kunsthistorische Würdigung des wilhelminischen Domes. Ohne die Neubewertung des Historismus durch die Kunsthistoriker und Denkmalpfleger in der DDR wäre der weitgehend originalgetreue Wiederaufbau des Domes nicht möglich gewesen.

      Klingenburg 1982:
      "Während die Sandsteinfassaden des Domes wiederhergestellt werden konnten, mußte aus finanziellen Gründen die Denkmalkirche abgerissen werden. Eine in doppeltem Wortsinn krönende Aufbauleistung stellt zweifellos die Montage der Domkuppel dar. Hier sowie bei der Erneuerung der vier begleitenden Türme mußte aus technischen und ökonomischen Erwägungen auf die Nachbildung des ehemaligen Baubefundes verzichtet werden. Zwar erhält der Dom dadurch ein im Detail verändertes Aussehen, aber diese Änderung wird aufgehoben durch die wesentliche Erhaltung der Gesamtbaumasse. Die Neuerungen erscheinen vor allem als Vereinfachungen, wie sie ähnlich auch sonst vorgenommen werden. Eine Reduzierung des bauplastischen Bestandes der Dekoration erfolgt nicht." (S. 12-13)
    • Heimat wrote:

      @Goldstein: Bismarck sollte zunächst tatsächlich auch in der Denkmalskirche beigesetzt werden. Der Kanzler selbst hat allerdings testamentarisch festgelegt, in Friedrichsruh beerdigt zu werden, was seine Familie ja auch tat. So blieb in Berlin eben nur ein leeres Grabmonument.
      Wilhelm II. hat Begas nach dem Tod Bismarcks mit der Ausführung eines Grabmonumentes beauftragt und dessen Aufstellung im Berliner Dom in Aussicht genommen..
      Anscheinend wohlwissend, daß im Testament etwas anderes steht.
      Hat er "herrschaftlich" verfügen wollen und ist dann von der Familie in die Schranken verwiesen worden ?
    • Ich glaube hier geht Einiges durcheinander. Oder?

      Welcher König? Was hat die Unterfahrt mit Bismarck zu tun? Unter Willy II (König & Kaiser) wurde wohl kaum daran gedacht Bismarck hier unterzubringen, vielleicht noch unter Friedrich III. (König & Kaiser), falls er nicht gestorben wäre, aber Bismarck starb doch erst 1898 also unter Willy II, der ihn in die Wüste geschickt hatte.

      Übrigens konnten die beiden Kaiserinnen Viktoria und Auguste Viktoria Bismarck absolut nicht leiden, was aber hier wohl auch keine Rolle spielt.

      Übrigens waren die Türme nicht ganz zerstört!

      Hier auf beiden Fotos kann man sehen, dass die spreeseitigen Laternen noch aufbaufähig gewesen wären:



      1950:



      1961:



      Quelle: medienarchiv.com/Berlin/Divers…Baake/ppages/ppage100.htm
    • Heimat wrote:

      es war tatsächlich Wilhelm II., natürlich hat auch er versucht, den toten und beim Volke verehrten Eisernen Kanzler für sich zu vereinnahmen.

      Quellenangabe?

      Auf der Internetseite "wilhelm-der-zweite.de" wird die These dargelegt, dass der Hauptgrund der Entlassung Bismarcks in seiner angeschlagenen Gesundheit und in grundsätzlich unterschiedlichen Auffassungen hinsichtlich Sozialpolitik (Innenpolitik) zu suchen sind.

      Roland Siegert (wilhelm-der-zweite.de) wrote:

      Der Historiker Golo Mann schrieb: „Während des Jahres 1889 hieß es, daß er [Anm.: Bismarck] schnell alterte, die Angelegenheiten des Staates schleifen ließ.“[1] In diesem Jahr war er acht Monate lang nicht nach Berlin gekommen

      Rudolf Augstein (DER SPIEGEL 38/1980) wrote:

      Die soziale Frage, so erklärte er [Anm.: Bismarck] dem sächsischen Gesandten Graf Hohenthal, lasse sich nicht mit Rosenwasser lösen, sondern nur mit Blut und Eisen. Bewußt, um sich unentbehrlich zu zeigen, wollte er ein innenpolitisches Chaos inszenieren. Man wird Wilhelm zubilligen müssen, daß Bismarck mit seinem innenpolitischen Latein am Ende war, als der Kaiser ihn entließ, ...

      Roland Siegert (wilhelm-der-zweite.de) wrote:

      Dem ehrwürdigen Ansinnen des Kaisers stand also Bismarcks unzeitgemäße Radikalität gegenüber, die zudem die tatsächliche Lage völlig verkannte, wie auch Golo Mann schrieb: „Wenn Bismarck jetzt mit Kanonen gegen die Sozialdemokraten vorgehen wollte, so lebte er in einer Welt der Halluzinationen.“[7]

      Dieser Beitrag soll lediglich als Anregung verstanden werden das offizielle und all zu negative Geschichtsbild in Bezug auf Wilhelm II. zumindest in Teilen zu hinterfragen ...
      "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

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