Berliner Dom

    • Also gut, wenn es hier um vorteilhaftere Perspektiven des Berliner Domes geht, dann vielleicht mit diesen Fotos!? Habe mal unter meinen eigenen gekramt. Sind von Mai 2015:
      (Im Umkehrschluß geschaut - gibt es denn vom alten Dom eine Froschperspektive? Wäre doch mal interessant zu sehen, ob Raschdorffs Kuppeln die" perspektivische Stauchung ausgeglichen" haben!?









































    • SchortschiBähr schrieb:

      Also gut, wenn es hier um vorteilhaftere Perspektiven des Berliner Domes geht, dann vielleicht mit diesen Fotos!? Habe mal unter meinen eigenen gekramt. Sind von Mai 2015:
      (Im Umkehrschluß geschaut - gibt es denn vom alten Dom eine Froschperspektive? Wäre doch mal interessant zu sehen, ob Raschdorffs Kuppeln die" perspektivische Stauchung ausgeglichen" haben!?







      Sehr schöne Fotos. Du könntest daraus glatt Ansichtskarten machen.

      Was die Eckkuppeln betrifft:
      Diese einfachen laternenlosen Kuppeln erinnern mich irgendwie immer an Sternwarten. Ich weiß auch nicht warum:




    • newly schrieb:

      Warum auch nicht... Wenn Du es schaffst, die Zustimmung des Senats zur Wiederaufstellung zu bekommen, würde ich auch etwas für die Neuanfertigung des Denkmals spenden - im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten
      Ich sehe schon, wie die beiden Mädels, Lü und Lo, mit hochrotem Kopf Schnappatmung bekommen . . .
      "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"
    • @Kaiser Karl: stimmt, hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Sternwartenkuppeln.
      @all: ich hatte die Kuppel des Doms bisher einfach so hingenommen und fand sie ganz gut, aber jetzt, wo ich die ältere Version gesehen habe, muß ich sagen, die gefällt mir besser, auch wenn die vielen Spitzen z.T. ein wenig wie ein Steampunk-Antennenwald wirken. Es stimmt, das In-die-Höhe-Streben des Gebäudes wird ausgebremst durch die Kuppeln, die ein bißchen zu flach wirken.
      der Raschdorff-Entwurf: wuuuhuu! DAS ist ja ein tolles Ensemble. Am besten gefällt mir der Münzturm (man muß die Idee nach dem ersten Versuch ja nicht gleich aufgeben, nach 300 Jahren Weiterentwicklung der Gründungstechnik könnte mans doch nochmal versuchen...), aber auch die Ostfassade gefällt mir gut. Die Seufzerbrücke ist nicht so meins, ich finde es generell problematisch, Straßen nach oben abzuschließen. Aber der Münzturm...der gefällt mir sehr. Den Dom finde ich in Karreeform, wie er heute ist, besser als die von Raschdorff beibehaltene längliche Form, die er vorher hatte. Das wäre zu kulissenhaft geworden, hätte zuwenig räumliche Tiefe gehabt.
      Die Boumans/Schinkel-Varianten des Vor-Doms finde ich arg bukolisch-ländlich, das konnte man zu Zeiten, als der Berliner Raum noch eine Agglomeration war (Fontane, der in Berlin eine Apothekerlehre machte, soll fassungslos gewesen sein, daß in Berlin die Häuser niedriger waren als im heimatlichen Neuruppin - was ich nachvollziehen kann, denn erst höhere Häuser sind wirklich urban), so haben, aber als es sich zur Großstadt verdichtete, war es schon ganz richtig, das jetzige größere Gebäude zu bauen.
      (Der Schinkelentwurf im Speziellen läßt mich an die römischen "fuori le mure"-Pilgerkirchen denken, die aus einer Zeit stammen, als Rom von einer Millionenstadt längst zu einem etwas größeren Dorf zusammengeschrumpft war)
      Davon abgesehen würde mir der Dom noch weitaus besser gefallen, wenn die Spreeseite gleichhohe und -breite Türme hätte wie die Eingangsseite. Dieses Schaufassadenbetonte (im Unterschied zum Rundum-Räumlichen) stört mich etwas.
    • @Schortschibähr: wirklich tolle Bilder, Danke!
      @KaiserKarl: Du hast recht, die kleinen Kuppeln erinnerten mich auch immer an irgendwas, jetzt weiß ich endlich, woran!

      Und ansonsten ist das Leben Veränderung (Falco :rolleyes: ) und so ist es das Stadtbild eben auch. Viel ist Geschmackssache und wird nie alle Betrachter befriedigen. Ich fand den derzeitigen Zustand bisher auch sehr gut, wen ich aber die Vorkriegsbilder sehe, bekomme ich Wehmut.
      Aber immerhin hat die DDR schlimmere Gebäude hervorgebracht...
    • Der Wikipedia-Artikel zum Berliner Dom ist übrigens noch sehr lückenhaft, wäre sehr zu begrüßen, wenn den jemand ergänzt, der hier mitliest:

      de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Dom

      Denkmalskirche ist schon etwas besser, doch auch da geht noch einiges:

      de.wikipedia.org/wiki/Denkmalskirche_(Berliner_Dom)
    • Kuppelreko,.wie auch die Änderung der Fassade (zwecks Reko Denkmalkirche) geht gegen den Denkmalschutz prinzipiell schon, wenn die Kirche selbst das möchte. Mindestens für die Rekonstruktion der Denkmalkirche finden sich mit Sicherheit liturgische Gründe, deren inhaltliche Prüfung ist dem staatlichen Denkmalschutz auch verschlossen, es kommt nur darauf an, ob die Glaubensgemeinschaft selbst die liturgische Notwendigkeit sieht und schon ist die Befreiung vom Denkmalschutz reine Formsache, auch wenn die Denkmalschutzbehörde das gar nicht gern hört. Der Denkmalschutz des DDR Umbaus ist per se kein Hindernis.

      Aber das Problem ist doch, weswegen ich als getaufter Evangele auch schon lange ausgetreten bin, dass die Protestanten so funktional und asketisch sein wollen, am liebsten nur eine zweckmäßige Kemenate, "um ganz mit Gott sein zu können", bloß keine Ablenkung durch Schönheit der Architektur. Der Bauhaus-Kult um Purismus schon vorweg genommen.

      Darum spottet das, was man in Berlin und Brandenburg so als "Barock" bezeichnet ja jeder Beschreibung, wenn man sich bayerischen Barock so anschaut. Die Protestanten sind salopp gesagt für mich die Spielverderber des Kirchenbaus, die Reformation wirkte sich ja auch auf den Katholizismus relativ lusttötend aus, ausgehend war das aber von den Protestanten.

      Daher wird von Seiten der ev. Kirche selbst da unter Garantie höchstens größte Gegnerschaft bzgl Reko von Prunk kommen. Aufwertende Rückbauten der Nachkriegsprovisorien kriegen nur die Katholiken hin, siehe St. Hedwig, wo man sich wieder dem Ideal des Pantheon annähert und das Experiment mit dem Loch im Boden, mit Geländer, quer durch die versammelte Gemeinde, wieder beendet wird, allem Wehklagen der intellektuellen Architekturkritik zum Trotz.
    • @Hackfleisch: Wenn Du also wegen (fehlender) Schönheit der Architektur aus der evangelischen Kirche ausgetreten bist, dann bist du vermutlich umgehend bei den Katholiken eingetreten? ;)

      Ernsthaft: So wichtig Architektur und Städtebau auch sind, es gibt auch noch andere wichtige Lebensbereiche und natürlicherweise hat für die Kirche Architektur nicht die oberste Priorität. Aber wirklich deshalb aus der Kirche austreten? Entweder man ist gläubig (oder steht zumindest hinter den christlichen Traditionen und Werten) oder eben nicht (oder will sich einfach die Kirchensteuer sparen). Da sollte man schon ehrlich sein.
      Daneben führt der massive Rückgang an Kirchenmitgliedern eben auch zu Mindereinnahmen - gerade auch in Berlin, wo Christen quasi in der Diaspora leben. Nachvollziehbar, wenn dort die Kirche Prioritäten setzt. Je weniger Mitglieder mit Beiträgen es gibt, umso schwerer ist es logischerweise neben den originären Aufgaben der Kirche noch Mittel für Rekonstruktion usw. aufzubringen und der Gemeinde verständlich zu machen.

      I.Ü. gibt es doch eine Reihe von großartigen Kirchenbauten auch der evangelischen Kirche, mal mit mehr, mal mit weniger Prunk. Und soweit ich weiß, ist etwa die Frauenkirche in Dresden auch evangelisch-lutherisch, und zumindest den Turm der Garnisonskirche wird es zukünftig auch wieder sein.
      Mir gefallen aber auch die brandenburgischen Dorfkirchen oder allgemein die einfachen norddeutschen Backsteinkirchen....und der von Dir so verachtete preußische Barock natürlich auch.
      Gute, stilvolle Architektur misst sich doch nicht daran, Rekorde in Prunk zu erreichen.

      Noch frohe Ostern!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von newly () aus folgendem Grund: Rechtschreibfehler

    • ulgemax schrieb:

      der grund für die begeisterung diesem bauwerk gegenüber verschlägt mir immer wieder die sprache. der berliner dom ist doch das hässlichste, unproportionierteste gebäude der ganzen stadt, ein ästhetischer terrorangriff auf das alte museum und die alte nationalgalerie. als dieses krümelmonster seinerzeit fertiggestellt wurde, ziehen es die zeitgenossen als kaufhausarchitektur, während der neubau von messels warenhaus wertheim in der leipziger straße als eigentliche kathedralenarchitektur gerühmt wurde. in diesem sinne: rekonstruktion des schinkel-doms! tod dem krümelmonster!!
      Habe gerade diesen alte Post entdeckt. Meine Meinung: Der Schinkeldom war definitiv zu klein und er war in der Tat etwas harmlos. Da war der Bouman-Dom interessanter.
      Wenn ich mir die hypertrophen und zum Teil völlig abwegigen Entwürfe des sog. Schinkelwettbewerbs von 1884 ansehe - Kopien des Kölner Doms direkt zwischen Schloss und Altem Museum, babylonische Türme im maurischen Stil usf., bin ich froh, dass Raschdorff den Wettbewerb gewonnen hat. Auch Stülers Neuauflage von St. Paul vor den Mauern in Rom aus einer früheren Projektphase hätte nicht gepasst.
      Leider ist Raschdorffs Plan verfälscht worden: zusätzliche Kuppellaternen auf den Seitentürmen, eine Panoramaplattform auf der Hauptkuppel. Gut finde ich die Spreefront - Verbindung von Fassade und Treppe - sowie die Vorhalle, die auf Schinkels Kolonnade antwortet.
      Die Purifizierung beim Wiederaufbau tat dem Außenbau m. E. gut, wenngleich ich die jetztige Laterne etwas zu klein finde. Und für den Stadtraum insgesamt ist der Dom er unerlässlich, gerade auch als Gegengewicht zu dem DDR-Schrott, der sich dahinter befjndet.
      Mangelhaft ist v.a. allem das Innere. Die Kuppel an sich ist gut, aber die Archivolten der Vierungsbögen sind optisch zu schwach, um die Kuppel mit ihren massiven Säulen zu tragen; die Bögen der Ecknischen können nicht tragen helfen, weil sie zu niedrig sind (dasselbe Problem wie in Saint Paul's in London). Die Pendentifs sind mit klassizistischen Reliefs tapeziert, was an dieser Stelle tektonisch völlig widersinnig ist. Auch passen die seichten Reliefs weder zu den berninesken, vollplastischen Stukcaturen der Tonnengewölbe in den Querarmen, noch zum Art-Deco/Jugendstil-Design der Mosaiken. Deplaziert finde ich auch, die freistehenden Bildsäulen. An dieser wichtigen Stelle muss eine Säule mehr leisten als nur eine ikongrafische Chiffre für irgendwelche Säulenheiligen zu sein. Ganz anders dagegen St. Peter in Rom: kräftige und viel höhere Vierungspfeiler, stark profilierte Bögen und eine Kuppel, deren innere Schale nicht mit schweren Säulen, sondern mit viel leichteren Pilastern instrumentiert ist und die statt wuchtigen Stuck einen Sternenhimmel aus Mosaik zeigt, in dem die Architektur transzendiert.In Berlin rutscht die Kuppel nach unten, in Rom wird sie in den Himmel getragen.
      Ein weiteres Defizit: die viel zu kleinteiligen und zu bunten Emporen nehme sich wie Fremdkörper aus.
      Fazit: Enrst von Ihne hätte es wohl besser gemacht als Raschdorff, aber Raschdorffs reale Konkurrenten waren viel schlechter. Und der Dom ist imposant. Er gut Berlin gut. Noch besser wird's, wenn die Denkmalkirche rekonstruiert wird.
    • Also ich bin ehrlich gesagt begeistert vom Inneren des Domes. Klar, man kann alles aus der Gründerzeit schlecht reden. Aber ich persönlich liebe den Dom, wie er ist.
      Das Innere beeindruckt mich immer wieder von neuem:



    • Gerade im Inneren ist der Berliner Dom eine Wucht! Wer's nicht glaubt, kann sich ja am JHV-Wochenende von Stadtbild Deutschland im Mai davon überzeugen. ;)

      Ich hatte mal ein Panorama erstellt:


      Berlin Dom Panorama innen by erbsenerbs, auf Flickr

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von erbse ()

    • Wie vieles aus der Zeit des Wilhelminismus ist er eher derb und aus kunsthistorischer Sicht geradezu grobschlächtig. Was ihm an Finesse fehlt versuchte man mit schierer Wucht zu kompensieren. Aber seien wir mal fair, für Historismus des 19. Jahrhunderts + eine EVANGELISCHE Kirche ist er eines der besten Werke seiner Zeit. Der Vergleich mit dem Petersdom in Rom ist auch wirklich unfair, der wurde von Michelangelo und anderen Genies europäischer Größe mitgebaut. Das ist so, als vergleicht man den FC Bayern mit Kreisliga und kritisiert letztere Spieler dann dafür, nicht auf Niveau der Champions League zu spielen. Als regionale Großkirche des Historismus des 19. Jh., mehr ist er halt nicht, ist er definitiv herausragend.
    • Hackfleisch schrieb:

      Wie vieles aus der Zeit des Wilhelminismus ist er eher derb und aus kunsthistorischer Sicht geradezu grobschlächtig. Was ihm an Finesse fehlt versuchte man mit schierer Wucht zu kompensieren. Aber seien wir mal fair, für Historismus des 19. Jahrhunderts + eine EVANGELISCHE Kirche ist er eines der besten Werke seiner Zeit. Der Vergleich mit dem Petersdom in Rom ist auch wirklich unfair, der wurde von Michelangelo und anderen Genies europäischer Größe mitgebaut. Das ist so, als vergleicht man den FC Bayern mit Kreisliga und kritisiert letztere Spieler dann dafür, nicht auf Niveau der Champions League zu spielen. Als regionale Großkirche des Historismus des 19. Jh., mehr ist er halt nicht, ist er definitiv herausragend.
      Dem stimme ich weitgehend zu. Otto Wagners Kirche am Steinhof in Wien ist ja keine Großkirche und andere grandiose Kuppelkirchen wie St. Blasien oder das Pantheon in Paris liegen vor dem Historismus. Sacre Coeur in Paris überzeugt mich nicht, ebensowenig Westminster Cathedral in London. Die Votivkirche in Wien ist recht ordentlich, überhaupt sind in dieser Zeit neogotische oder neoromanische Kirchen besser gelungen als neobarocke. Die Rosenkranzbasilika in Steglitz ist so ein Beispiel. Aber dieser Stil hätte nicht in die Umgebung des Schlosses gepasst. Am besten wäre es m. E. gewesen, man hätte in den 1830ern einen Dom wie die Isaaks-Kathedrale in St. Peterburg errichtet.