• Kreuzstraße 11


    Bild 2961

    Zitat Wohnhaus, dreigeschossiger Satteldachbau, im Kern 1325/26 (Dendro), 1621 (Dendro) und um 1900 verändert.
    (Bayern-Viewer Denkmal)


    Baujahr 1326. Es gehört damit zu den ältesten Häusern der Stadt. Wie gesagt, bis vor kurzem nicht denkmalgeschützt.


    Ungeachtet dessen soll das Haus offenbar abgerissen werden. Was ist denn da bloß los in Memmingen?

    Quote

    Bereits zum zweiten Mal hat der Memminger Stadtrat über den möglichen Abriss eines denkmalgeschützten Hauses in der Kreuzstraße 11 beraten. Der Eigentümer möchte das Haus abreißen und einen Neubau errichten. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) sprach sich gegen dieses Vorhaben aus.[...]

    Entscheidung über Abriss von denkmalgeschütztem Haus in Memmingen erneut vertagt

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Der Link funktioniert bei mir nicht. Deshalb hier nochmal in funtionierender Version.


    Zu dem Abbruchvorhaben fallen mir langsam keine Worte mehr ein. Auf der einen Seite kämpft man für die Rekonstruktion von Gebäuden und auf der anderen Seite werden uralte Häuser abgerissen. Einfach irrsinnig. :kopfschuetteln:


    Was mich aber interessieren würde, ist der aktuelle Stand zum Schrannenplatz 4.
    Wird das Haus tatsächlich wieder originalgetreu aufgebaut? Oder waren die großen Worte des Besitzers, kurz nach dem Brand, nur heisse Luft?

  • Allein dass man überhaupt ernsthaft erwägt, womöglich den Abriss des ältesten Gebäudes der Stadt zu genehmigen, ist ein Skandal.

  • Nochmal zum abgefackelten Haus Schrannenplatz 4. Weiss hier jemand Bescheid was bis jetzt passiert ist? Abgerissen wurde im April. In sechs Monaten könnte durchaus etwas passiert sein. Wird bereits neu gebaut? Infos wären super.

  • Der schmucke Giebel ist eindeutig Platz-prägend. Zumindest er sollte auf jeden Fall rekonstruiert werden.

  • Memmingen ist ein einziges Trauerspiel. Ich habe wohl kaum eine westdeutsche (Alt-)Stadt gesehen, in der so viele historische Gebäude leer stehen und vor sich hingammeln. Warum führt man hier denn keine Stadtsanierung durch, mit dem Ziel, die alten Gebäude zu erhalten und damit das Stadtbild zu pflegen? Lieber reißt man nach der Salamitaktik ein Haus nach dem anderen ab, bis irgendwann keine Altstadt mehr da ist.
    Schon jetzt gibt es kaum noch größere zusammenhängende Ensembles.


    Und was bringt es die denn, die Denkmalliste "nachzuqualifizieren", sprich weitere Gebäude unter Schutz zu stellen, wenn sie anschließend doch der Spitzhacke zum Opfer fallen?


    Was ist eigentlich nun mit Kalchstraße 45? Wird das Gebäude nun wirklich abgerissen oder gibt es noch Hoffnung?


    Bereits 2008 sollte das versunkene Rathaus saniert werden, aber auch hier ist nichts passiert. Es befindet sich mittlerweile in einem äußerst bedenklichen Zustand, so dass es mich nicht wundern würde, wenn es eines Tages in sich zusammenfallen würde. Aber womöglich wird es vorher abgerissen.


    Abrisse drohen in absehbarer Zeit auch an der Rotergasse (so genanntes Hasenareal):


    http://www.memmingen.de/370.ht…efa5298e8e251fb&tx_ttnews[tt_news]=2974


    So oder ähnlich soll es dann dort aussehen(man beachte die ortstypische und einfühlsame Bauweise):


    http://www.03arch.de/projektpo…o/projekt/?PID=92&image=2


    So sieht es derzeit aus:


    http://www.kurierverlag.de/lok…asenareal-mm-2875067.html

  • Danke für die Antwort Zeno. Ich bin immer wieder erstaunt über deine ungeheure Sachkenntnis. Wo hast du nur all diese Informationen her?

  • Die Nachrichten aus Memmingen entsetzen mich auch immer. Richtig ist, dass Memmingen mehr historische Gebäude hat als manch andere Stadt. Gerade dies macht Memmingen auch so sehenswert. Nur muß man einen solchen Schatz auch erhalten. Dass es viele Baudenkmäler gibt, ist sicherlich kein Trost, wenn eines davon abgerissen wird, zumal es sich doch immer um im Kern mittelalterliche Bauten handelt. Der Verlust jedes einzelnen historischen Bürgerhauses ist in ehemaligen Reichsstädten besonders bedauerlich, dass die Identität der Stadt gerade in dem Vorhandensein der Bürgerhäuser besteht.


    Ich war in den letzen Jahren mehrere Male in Memmingen. Hierbei ist mir aufgefallen, daß bei jedem Besuch Häuser verschwunden waren, die ein Jahr vorher noch standen. Hinzu kommt, dass der Zustand bedeutender Baudenkmale, wie dem versunkenen Rathaus sich zusehends verschlechtert. Einen solchen Verlust an Baudenkmalen kenne ich aus Städten meiner Heimat Mittelhessen - auch wenn man den hohen Denkmalbestand Memmingens zu Grunde legt - nicht.


    Vergleichbar scheint mir der Verlust an Bürgerhäusern nur mit dem zu sein, was in (dem allerdings nicht reichsstädtischen) Landshut geschieht.

  • Wie alt sind die Gebäude in der Rotergasse? Mich wundert, dass kein Denkmalschutz besteht.


    Die geplanten Neubauten sind zwar in der Größe angepasst, aber von selten plumper und hässlicher Gestalt.

  • Das Eckhaus Rotergasse/Lindauer Straße halte ich für ganz besonders erhaltenswert. Es ist eben eines der schlichten, für Memmingen so
    typischen Altstadthäuser, die den Reiz der alten Gassen ausmachen. Auch dieser Bau, der vielleicht noch aus dem 16. Jh. stammen könnte, steht
    offenbar nicht unter Denkmalschutz. Die Verantwortlichen scheinen nichts dazugelernt zu haben. In anderen Städten wäre eine derartige Zerstörung
    historischer Straßenzüge undenkbar. Vielleicht sollte man solche Gebäude erst einmal eingehend untersuchen, bevor man eine Abbruchgenehmigung erteilt.


    Die geplante Neubebauung ist einfach furchtbar! Statt sich einzufügen in das historische Umfeld müssen sie natürlich aus der Reihe tanzen! Bodentiefe Fenster und abstoßend-kalte Fassaden. Von den hellen Dächern wollen wir erst gar nicht reden! Offenbar scheint es in Memmingen keine Gestaltungssatzung zu geben. Mit einer solchen Satzung könnte man verhindern, das ein solcher Mist im Herzen der Altstadt gebaut würde. Man könnte z.B. grundsätzlich ein Satteldach vorschreiben, eine rote Biberschwanzdeckung, schlichte Putzfassaden usw.


    Da lobe ich mir doch die 1950er Jahre, in denen man es offenbar noch verstand, Neubauten geschickt einzufügen. Das Münchner Kindl (rechts) in der Lindentorstraße ist sicher ein schönes Beispiel dafür:

  • Ist etwas genaues über das Alter des Hauses Obere Bachgasse 10 und das Eckhaus Rotergasse/Lindauer Straße bekannt?


    Das Eckhaus scheint im Kern tatsächlich spätmittelalterlich zu sein, wenn auch die Fassade im 19. Jahrhundert wohl verändert worden ist.


    Das Haus Obere Bachgasse 10 würde ich an Hand der Bilder eher ins 18. Jahrhundert datieren.


    Jedenfalls handelt es sich bei beiden Häusern um für eine Bürgerstadt typische Bauten, die nach meiner Auffassung unbedingt zu erhalten sind. Da ist kein Neubau, sei er auch noch so gut wie der gezeigte aus den 50.ger Jahren, ein wirklicher Ersatz.


    Gibt es Erkenntnisse das der Abbruch im Rahmen der Neubebauung des Geländes tatsächlich geplant ist? Auf dem Bild sieht es so aus, als seien die Fenster des Hauses Obere Bachgasse 10 vor nicht all zu langer Zeit erneuert worden. Wenn die zuträfe, spräche die ja für eine beabsichtigte Sanierung.

  • In der Provinz wird halt Provinzmoderne gebaut. Solche Neubauten findet man überall in Süddeutschland, überall der gleiche austauschbare Mist.

    In dubio pro reko

  • Die Neubebauung der Südseite der Rotergasse ist jedenfalls zu erwarten:
    http://siebendaecher.de/169/am-malzerturm/
    Die Blickrichtung auf dem Bild des Modells ist Norden. Die beigefarbenen Klötzchen bilden die Südseite der Rotergasse - das besagte Eckhaus am westlichen (linken) Rand. Links Lindauer Straße und Weberstraße, rechts Obere Bachgasse.

    Danke für die Information. Auf den Plänen ist das Eckhaus tatsächlich nicht mehr vorhanden. Schade! Eine positive Entwicklung für das Quatier (wie auf der Homepage siebendächer verkündet) ist dies nicht.

  • Quote

    (...) Jetzt droht dem Gastronom erneut Ungemach – und zwar in Gestalt von
    Heimatpfleger Günther Bayer. Denn diesem gefallen Rohrbecks Neubaupläne
    für ein Gasthaus samt Hotel nicht. Vor allem die vorgesehene Fassade
    stößt Bayer sauer auf. (...)

    So so. Kurz nach dem Brand kam seitens des Gastronomen diese Aussage:


    Quote

    (...) Gleichzeitig versichert der Eigentümer des Hauses, Uwe Rohrbeck, auf
    Nachfrage: „ Ich werde das Haus auf jeden Fall wieder so aufbauen, wie
    es war.“ (...)

    Offenbar war das alles wieder nur hohles Gelaber. :angry:



    Zitatquelle 1


    Zitatquelle 2

  • Wieso droht denn Ungemach, wenn der Heimatpfleger Einwendungen erhebt?


    Immer das gleiche Spiel: Wenn ein Heimatpflege oder auch der Denkmalschutz auf Defizite bei der Planung hinweist, wird die als Einschränkung oder hier gar als Ungemach gesehen.


    Dass ein Hauseigentümer dies mal so sehen mag, kann ich ja noch verstehen, zumal dann, wenn die "Wünsche" des Heimatpflegers für ihn mit Kosten verbunden sind. Aber dass sich regelmäßig auch die Presse und in deren Folge dann eine Vielzahl der Leser, auf diesen Standpunkt stellen, statt die Bedeutung für Stadtbild und geschichtliche Überlieferung in den Fokus zu stellen ist schon sehr bedauerlich.

  • Ich hatte vor einiger Zeit das Landesamt für Denkmalpflege in München wegen der geplanten Neubebauung des Hasen-Areals angeschrieben. Demnach wurde der Baubestand in diesem Bereich bereits bauhistorisch untersucht. Die Antwort ist leider ein wenig ernüchternd, da "bei keinem der untersuchten Gebäude Denkmaleigenschaft zuerkannt werden konnte." Weiter heißt es in der Mail: "Dies bedeutet jedoch nicht, dass automatisch alle Gebäude auf dem Areal, die nicht als Baudenkmäler in die Denkmalliste eingetragen sind, abgerissen werden können. Vielmehr ist die gesamte Memminger Altstadt als Ensemble in die Denkmalliste eingetragen. Und ein wesentliches Ziel der Denkmalpflege ist eben auch der Erhalt historischer Gebäude, die für das Erscheinungsbild eines Ensembles von Bedeutung sind, selbst wenn sie isoliert betrachtet keine Denkmaleigenschaft besitzen. Zu solchen stadtbildprägenden Gebäuden gehören nach Auffassung des LfD etwa die von Ihnen genannten Anwesen Rotergasse 7 und Bachgasse 10."
    Wie wir wissen, hat diese Erkenntnis anderen Ensembles (z.B. am Gerberplatz, an der Kempter Straße, An der hohen Wacht) leider herzlich wenig gebracht. Am Gerberplatz sind mit Ausnahme des Siebendächerhauses fast alle historischen Bauten verschwunden und An der hohen Wacht hat man, direkt gegenüber der historischen Stadtmauer, zuvor unter Denkmalschutz stehende Bauten (An der hohen Wacht Nr. 2, wohl 16./17. Jh.) noch vor wenigen Jahren abgebrochen und durch einen völlig unpassenden Neubau ersetzt.


    Im Falle des Hasenareals wurde das LfD leider nicht einmal in beratender Funktion am Wettbewerb/Gutachterverfahren beteiligt und "konnte sich daher auch bei der Bewertung der Beiträge nicht einbringen." Das LfD will aber versuchen, die Belange der Denkmalpflege im weiteren Verfahren geltend zu machen. Es sieht die Planungen zur "Sanierung" nach eigener Aussage äußerst kritisch.


    Das Ganze zeigt wieder einmal, dass in Memmingen in Sachen Denkmalschutz noch immer kein wirkliches Umdenken stattgefunden hat. Bedenkenlos wird an vielen Stellen der Stadt nach wie vor historische Bausubstanz zugunsten belangloser und zum Teil völlig unpassender Spekulationsarchitektur abgeräumt, was man dann auch noch als "Stadtsanierung" tituliert. Über den Wert und die Bedeutung zusammenhängender historischer Ensembles für das Erscheinungsbild der Altstadt scheint man sich nach wie vor nicht im Klaren zu sein. Hier zählt jedes einzelne alte Gebäude. Erst das Zusammenspiel zwischen herausragenden Einzelbauten (Rathaus, Kirchen etc.) und kleineren, eher unscheinbaren Häusern macht doch gerade den Reiz des Memminger Stadtbildes aus.


    In vielen Dingen, lieber Zeno, bin ich mit dir einer Meinung. Und ich schätze deine Beiträge hier wirklich sehr. Deinen Eindruck, "dass sowohl Stadtrat als auch Stadtverwaltung einen Blick für den Wert des historischen Baubestandes gewonnen haben" kann ich angesichts dieser Entwicklungen jedoch nicht teilen. Wäre dies wirklich der Fall, hätte man das LfD doch sicher informiert und in die Planungen eingebunden. Dies ist ja offenbar nicht geschehen.


    Hoffen wir also das Beste für die alten Bauten auf dem Hasenareal und dass die zu erstellenden Neubauten etwas besser angepasst werden mögen. Sehr optimistisch bin ich allerdings nicht.